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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-15 · Heft 2387 (15.10.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2387 (15.10.1925)
Date
1925-10-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sötte S Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitung . 16. Oktober 1928 IctttisS ein Genesungsheim und tut Dienst in den -jüdischen Swdlungen im Emek Iesreel. , 5. Frage: Welche Schritte wurden unternommen, um dieZusanrnleuarbeit aller Inden, die die Errichtung des, jüdischen Mlionalheims unterstützen wollen, zu.sichern? Antwort: Die Inkorporierung der Passest.in« Jewish Colonisation Association Kica) ist einer der Schritte. Die Pica ist von Baron Edmund Rothschild im ,Iah re 1923 begründet Morden, um die jüdisch« industrielle Kolonisation in Palästina finanziell zu fördern. — Die Red.) Die Zionistische Organisation als die Jewish Agency hat im vergangenen Jahre VerhaMungen mit den wichtigsten jüdischen Gemeinschaften Europas und der jüdische» Gemeinschaft in Amerika betreffend eine Zusammenarbeit mit der Agency geführt. Das Ergebnis dieser VerhaMungen unterliegt jetzt der Erwägung der Zionistischen Organisation. Was die amerikanisch-jüdische Gemeinschaft betrifist, so hat diese aus cin«r Konferenz am 1. März eine Resolution angenommen, die Tautet: „Die Konferenz setzt ein aus zwölf Mitgliedern dastehendes Organisationskomitee zwecks Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation über die Beteiligung der amerikaNischen Judenheit an der Jewish Agency ein." Was England betrifft, so hat die britische Judenheit, repräsentiert durch den Board of Deputies und' die Anglo Jewrjh Association, ihre Bereitwilligkeit erklärt, in der Jewish Agency mit den Zionisten zusanrmenzuaröeiten. Mt Bezug <mf die Teilnahme der jüdischen Gemeinschaften in Deutschland, Holland, Italien und Tschechoslowakei wurden beträchtliche Fortschritte erzielt. In Polen wurden Vorbereitungen für die baldige Einberufung einer unparteiischen Konferenz aller jüdischen Körperschaften, die an dem Ausbau Palästinas Mitarbeiten wollen, getroffen. In Frankreich ist diese Angelegenheit noch Gegenstand der Erwägung. Der Bericht enthält ferner die Antworten aus die Fragen bezüglich Ern- und Auswanderung, Regierungswesen, SbaatHugchörigkeit, Gerichtswesen usw. (Hm Petition der valaftinenfischen Stillen an den Völkerbund? Große Erregung wegen der Vorfälle an der Klagemauer. (lxigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 14. Oktober. Die Verfügung des Gouverneurs Storr's, der aus Grund einer alten türkischen Verordnung am Jom Kippur die bei der Klagemauer zum Gebet -versammelten Juden d u r ch P o l i z e i vertreiben ließ, hat in ganz Palästina g roß e Erregu ng hervorgerufen. Im ganzen Lande wurden in den letzten Tagen Protestmeetings abgehalten. Die Erregung der Mischen Bevölkerung spiegelt sich auch in der gesamten Presse des Landes wider. Boi den Meetings wurde verlangt, daß der Oberkommissär die Aufhebung der alten türkischen Verordnung auordne. Sollte dies nicht geschehen, so beabsichtigt die palästinensische Judenheit, eine Petition an den Völkerbund zu richten, welche mit Berufung darauf, daß die heiligen Stätten aller anderen Religionen unter deren Kontrolle stehen, verlangt, daß der Bezirk der Klage mau er 'wer Kontrolle der Juden gegeben werde. Lrusen'guftiz. Paris, 14. Oktober. (Tel.-Komp.) Nach einer MÄdnng aus Damaskus sind in Djebbel Drus zwei Eingeborene von den Drusen festgenommen worden, die beabsichtigt hatten, den Sultan Atrasch zu ermorden. Der eine der Verhafteten wurde von den Drusen bis zum Halse lebendig eingegraben und geköpft, der andere wurde bei lebendigen: Leibe in Stücke gerissen. Mn neuer französischer Gouverneur im Dschebel Drus. Beirut, 14. Oktober. . (Havas.) Die französischen Truppen haben in der Gegend von Damaskus eine Bande aufgerreben. General Sarrait hat den Oberst Andrea zuin Gouverneur im Dschebsl Drus ernannt. Raftpard gegen d>» Nrim-Projett. Das Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" berichtet aus N e w - D o r k: Professor R a p p a r d aus stzens, Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes, sprach sich hier lebhaft gegen das Krimprojekt aus. Die Tatsache, daß die großen jüdischen Bankiers Amerikas dieses Projekt gemeinsam mit der bol'schewikischen Regierung durchführen wollen, werde, so töricht dies auch sei, dem Antisemitismus Vorschub leisten. Es gebe ferner unter dem bolschewikischeu Regime keine dauernde rechtliche Sicherheit. Rappard hält cs für falsch, den Juden im Osten selbst neue Positionen zu schaffen; denn bei einer Verletzung ihr er Rechte gebe es kaum irgend eine Stelle, die sich aktiv für ihre Rechte interessieren werde. Auch der Volkes bu n d könne, wie sich schon gezeigt habe, nur sehr schwer indie inneren Verhältnisse der Qststaaten eingreisen. ' Ae jüdische Poftllo, i, PMim. - V. W t e «, 15 Oktober. In der politischen Lage Palästinas ist kein beunruhigendes Symptom zu erblicken. Auch eine Aendetuttg. des Kurses der Mandatsmacht erscheint im gegenwärtigen Augenblick nicht glaubhaft. Die Erklärungen des britischen Kolonienministers, die anläßlich der Bölkerbunötagung dem zionistischen Vertreter gegenüber abgegeben wurden,, lassen es als ansgeschloffen erscheinen, daß die im Mandat gegebene öffentlich-rechtliche Stellung Palästinas in absehbarer Zeit einer Revision unterzogen wird. Diese Versicherungen entsprechen der allgemeinen politischen Lage im Orient. Der stürmische Prozeß der offenen Gärung, der das ganze Gebiet vom Atlasgebirge bis zum Hauran mit Krieg überzogen hat, findet nur in Palästina keinen Ausdruck. Die lange Front des Kampfes ist hier in diesem kleinen Land unterbrochen, das sich Ruhe gönnen kann. Dieser Umstand verhindert jedwede Verschlechterung des politischen Systems und legt automatisch alle Beteiligten auf die Linie des Mandats fest. Die Befriedigung, mit der die zionistische Oeffentlichkeit diese Erklärungen und Versicherungerl zur Kenntnis nimmt, findet auch Ausdruck in dem (am Dienstag in der „Wiener Morgenzeitung" publizierten) Ausruf des Präsidenten. Weizmann. Dort ist aber auch zu erkennen, daß irr der Situation eben nur keine Verschlechterung eingetreten ist, und der Präsident drückt dies so aus, daß er konkrete Tatsachen als Manifestierung des guten Willens der Mandatsmacht als erstrebenswert bezeichnet und es ausspricht,.daß. die Zionistische Organisation mit Fug und Recht die sinngemäße Durchführung der Vertragsbestimmungen zu fyrdern hat. Der Zionismus hat die fortschreitende Verbesserung der jüdischen Position anzustreben, und wenn er dies erklärt, so handelt er damit im Namen und im Aufträge des Willens der jüdischen Nation, die keinen Buchstaben aus ihrem Rechtsdokument opfern will und kann. Es wird wohl so sein, daß die maßgebenden Stellen der Mandatsmacht sich noch nicht eine genügend klare Vorstellung von der Festigkeit und Zielsicherheit dieses Willens gebildet haben, den nichts erschüttern kann. Ae schärfer Weizmann dies akzentuiert, um so stärker wird der Widerhall aus den Reihen der Zionistischen Organisation, die da weiß, daß die jüdische Lebensfrage von weltpolitischen Konstellationen nur verzögert, aber nicht für die Dauer negiert werden kann. Dem Judentum ist das Leben niemals leicht gemacht worden, und auch der Zionismus, diese Rebellion gegen die^ Geschichte, ist daran gewöhnt, Schwierigkeiten auf fernem Wege zu finden. Zu diesen gehört naturgemäß und in erster Linie die Auslegung des Mandats und die Klarheit darüber, ob und welche Gegensätzlichkeiten zwischen den Interessen der Mandatsmacht und dem vertraglich anerkannten Recht aul das jüdische nationale Heim bestehen. Wenn man die Fragen und Antworten zwischen der britischen Regierung und der Völkerbundkommission betrachtet, die das neue Weißbuch mitteilt, so findet man ein merkwürdiges Bild. Es ist wieder ein einziges und sogar mit einem gewissen Wohlwollen geschriebenes Preislich auf die jüdische Arbeit in Palästina, auf ihre Umsichtigkeit, ihre Energie und ihre Opferfreudigkeit. Das alles weiß die Welt und nur neidische Bosheit jüdischer und nicht jüdischer Antisemiten begeistert sich an kleinen Mängeln, an Uebertreibung von Zwischenfällen lokalster Natur und an Berichten von Unzufriedenen, die ihre eigene Unzulänglichkeit dem zionistischen Werk aufhalsen möchten. Wir können über derlei Aeußerungen hinweggehen (nicht ohne sie zu unterschätzen) und wir haben genug Geschichte gelernt, um zu wissen, wie sauer anderen Völkern die Staatsbildung wurde. Aber wenn wir die politische Basis unserer wirtschaftlichen Tätigkeit auf ihre Tragfähigkeit prüfen, so ergibt sich nach der Lektüre des Weißbuches die Frage, die auch dort gestellt wird: Was ist geschehen, um dem Zwecke des Mandats näher zu kommen? Die Frage ist nicht an uns gestellt, sondern an England, und dieses antwortet, es habe für alle Gemeinschaften und Klaffen gesorgt. Wie also für die Juden? Sie WchiedsdeMgr. Noch keine Bereinigung -er Oftfragy M Locarno. Locarno, 14. Oktober. (Schweiz. Dep^Ag.) HeM tote mittags nahmen die Besprechungen zwischen tal Staatsmännern ihren Fortgang. Sie -vohten sich bo& wiegend um die Fragen der Schieösverträg« mit .de.n Oststaaten. Auch die juristischen Sach-, verständigen befaßten sich mit dem gleichen Pvöblem. Eine Konferenz, an der der tschechoslowakische Sachverständige Kromar, der Franzose Fromageot, der Belgier Rv'llin und deutscherseits Dr. Gauß Ecchmen, trug zunächst informativen Charakter. Waö Polen anlangt, so soll gegenwärtig die Frage de's Schiedsverfahrens, nicht aber die Frage der Garantierung des deutsch-polnischen Schiedsvertrages im Vordergründe der Diskussion stehen. Die fortgesetzten Beratungen der polnischen und. ffchechosiowakifchen Juristen brachten die politischen Besprechungen über die Qstschiods- Verträge so ziemlich zum Abschluß, was die Garantierung dieser Schicdsverträge durch Frankreich aicknlgt, jo ist man auf der Suche nach einer Form, die einerseits den bestehenden Verträgen Rechnung trägt und andererseits der Garantierung jenen Charakter nimmt, der sic nach deutscher Ansicht nicht annehmbar machen würde. Die aus heute 5 Uhr nachmittags angefetzte Vollsitzung der Konferenz wurde auf Donnerstag vormittags verschoben, was erkennen läßt, daß die Juristen mit Hren Arbeiten nicht zu Ende ünd die Ostfragen noch nicht voll bereinigt sind. Heute fand eine Besprechung zwischen Reichskanzler Dr. Luther und Be ne sch statt, an der später auch Dr. Stresemann teilnahm, ferner eine Zusammenkunft zwischen Benes ch und Chamber lain solvie eine Unterredung des polnischen Außenministers Skrzhnski mit Dr. S t r e f e m a n n. Aus den Verhandlungen des heutigen Tages ergibt sich der Eindruck, daß vor allen: die englisch« Delegation ihren ganzen Einfluß aufbietet, um M loyalcr und unparteiischer Makler zwischen den miteinander verhandelnden Parteien zu vermitteln. Chamberlain erklärte heute den englischen Pressevertretern in einer Konferenz, wenn auch die endgültige Regelung aller Fragen, die in Locarno zur Diskussion stehen, noch nicht erzielt sei, so sei bereits ein solches Maß gememsamer Vereinbarungen erzielt worden, daß heute keine Regierung mehr die Verantwortung dafür übernehnien könne, die Konfereuzarlbeiten zuin Scheitern zu bringen. Mussolini in Locarno. Rom, 14. Oktober. (Stestnn.) Minffterprästdent Mussolini ist hellte abends nach Locarno abgereist. Die Beratungen in Berlin. Berlin, 14. Oktober. (Wolff.) Die gestrige Sitzung der Reichsminister hat bis 1 Uhr nachts gedauert. Heute vormittags hat Staatssekretär Dr. Ke mp ne r dem Reichspräsidenten Bericht erstattet. Kllvz vor 12 Uhr sind die Minister erneut zusammengetreten, diesmal unter dem Vorsitz des kurz zuvor eingetvoffenen ReichAwehvminiisters. Dr. Kempner ist heute abends wieder nach Locarno abgereist. Es bestätigt sich, daß Gras Bulow und Grals Z e ch in Locarno eingetroffen sind. AMcherin kommt «ach Wie«; Wie die „Polnischen Nachrichten erfahren Huben wollen, beabsichtigt der russische Volkskommifför Tfchit s ch e r i n, aus seiner Rückreise auch einige Tage in Wien Aufenthalt zu nehmen und hier unter anderem Verhandlungen mit den Vertretern der j u g o l a w i s ch e n Regierung abzuhalten, um die politischen und Handelsbeziehungen zwischen beiden Maaten günstiger zu gestalten. Jet KaugrÄ der nationalen Minderheiten. Genf, 14. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der erste Kongreß der nationalen Minderheiten . _ . Europas, der von dem slowenischen Abgeordneten im Antwort: Die jüdische Initiative hat es veritalienischen Parlament, Dr. Josip Wilfan, dem deutstanden ... und so weiter. Sie hat die industrielle Entwicklung direkt und föxbetttb beeinflußt, ihre Anlagen nützen dem ganzen Lande, sie erhält ihre Schulen - 123 Schulen mit 536 Lehrern und 13.046 Schülern! - aus ihren eigenen Mitteln. Nun ist es der Stolz unserer Arbeit, daß wir sie selbst besorgen und daß der Steuerträger Englands nicht belastet wird. Dies muß auch angesichts der innner wieder auftaüchenden antiziomstischen Strömungen in England selbst hervorgehoben werden. Diese stellungen sind aber auch geeignet, aus die Oeffentlichkeit zu wirken und ihr zu sagert, daß sie noch mehr, noch^viel mehr auszubringen hat, un: die Einwanderung zu stärken und das Werk fortzusetzen, an dem niemand mehr ohne den schuldigen Respekt vorbei gehen kann. Wir sind auf unsere Kraft gestellt und dabei bleibt es. Wenn wir unseren Besitz sichern, die jüdische Anzahl vermehren und die Besiedlung syste matisch fortsetzen, so verbessern' wir selbst unsere Wirt schastliche und unsere Politische Lage. Einstweilen wollen wir uns darüber freuen, daß keine Verschlechterung eingetreten ist, und dies als Bestärkung dafür nehmen, daß der Kurs nicht geändert wird. scheu Abgeordneten im lettischen Parlament, Dr. Paul S ch ie h m a n u, und dem Vorsitzenden der ungarischen Völkerbundliga m der Tschechoflowakei, Geza Szullo, einberusen worden war, hielt heute eine vertrauliche Vorberatung ab, bei der dreißig nationale Minderheitsgruppen durch ihre Vertrauensleute, zumeist Parlamentarier und Parteiführer, vertreten waren. Auf Vorschlag des Vertreters der polnischen Minderheit in Deutschland, des Grasen Sierakowski, wurde der "slowenische Abgeordnete Doktor Wilfan zum Präsidenten der heutigen Versammlung gewählt. Nach Festsetzung der Berhandlungsgrnndsätze wurde die Einsetzung eines Komitees für die weiteren Vorber e itungsarbeiten beschlossen, dem neben den drei Organisatoren des Kongresses j e ein Vertreter der einzelnen nationalen Gruppen angehört. Seitens der Ukrainer und der Weißrussen aus Polen wurde ein begründeter Antrag eingereicht, das Programm der Tagung durch die Aufnahme des SelbstbestimmungSrechteder V ö l k e r zu erweitern. Dieser Antrag wurde dem A u ss ch u ß überwiesen. Donnerstag und Freitag werden die öffentlichen Verhandlungen des Kongresses stattfinden.

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