Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2383 (11.10.1925)
- Date
- 1925-10-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M. §388 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 11. 8tm*i 1925 Seite 5 WM! m ■ 6 und Preiswürdigkeit ist Kostümstoffe MO cm .s 7.50 Kleider-Reinseide rayt.s 8.50 Mode-Mantelstoffe 130 cm.... .s 980 Mantelvelours Reinwoiie, w cm ... s 12.80 Reinwoll-Kleiderrips.s 13.50 Kleider¬ und Futter-Seide in grösster Auswahl, konkurrenzlos billig Mäntel aus Reinwollflausch . < , , S 39.*“ Kleider aus Reinwollmodestoffen. . .8 39.'-—' Mantel a«8 8°i°m 0.^.0°° 8 58.— Kleider Äb0“““”in allen 8 49.— MäntelÄotneu.eUn."'.a"s!ra: s 98- Kleider iw.wAbe„a,wm»s 69.- Blusen Blusen Blusen für Sport aus Modeflanell . . .8 Reinwollkasacken in a len Modefarben .S aus gutem Crepe de Chine in aparten Fassons . . . . . 8 Schritte rechts der an der Straßenecke befindlichen Laterne stand, bemerkte im selben Augenblick, als sich der Wagen des Präsidenten in der Fahrtrichtung der Legionenstraße befand, daß ein Mann in einem Hellen Gummimantel und Hellem Filzhut, der, mit dem Rücken zur Zeugin gewendet, ungefähr zwei Schritte links von ihr stand/ mit der rechten Hand, in der er ein mit einer Schnur umwundenes Paket hielt, eine Bewegung vollführte. Es tvar eine Halbkrei'sbewegung nach rückwärts und nach oben mit der Hand, und dann fiel aus ihr ein Paket im Halbbogen über die Köpfe der versammelten Menge vor dem Mann, der an der Ecke des Trottoirs gestanden war. In seinem Fluge streifte das Paket den Wagen des Präsidenten und fiel knapp hinter dem Wagen, nieder, der sich in diesem Augenblick in der Linie des Geschäftes Hirschsjwung beim Eckhause der Kopernikusgafse-Mat'enplatz befand. Die Pasternak dachte, wie sie angibt, im ersten Augenblick, als sie das Paket noch in der Hand des betreffenden Mannes bemerkte, daß darin Bonbons enthalten seien, die der Mann als Ovation in den Magen des Präsidenten zu werfen beabsichtige. Ms jedoch beim Fallen des Pakets Rauch sichtbar wurde, sah die Zeugin, daß es sich um. ein Attentat handle. Die Pasternak faßte dann da's Gesicht dieses Mannes, der rasiert war und schwarz umrahmte Augengläser trug, näher ins Auge. Sie konnte ihn ganz genau beobachten, da zwischen ihr und ihm niemand stand. Kurz -darauf begann sie laut zu schreien: „Sie, Herr, Sie .Herr!", konnte jedoch aus Angst vor einem eventuell e n F au st s chl a g den Satz nicht zu Ende bringen. Hierauf begann der Mann in der Richtung der Legionenstva-ß? zu flüchten. Die Pasternak folgte ihm jedoch sofort nach und rief laut nach der Poil'zS', damit der Mnn im Men Mantel und mit dem Augengjlas verhaftet werde. Derselbe Mann erschien auch dem Gerichtsapplikanten Dr. Felix Le 1® i tz {i. der sich als der Wagen des Präsidenten um die Ecke der Kopevnikusgasse bog. in der Nähe des Geschäftes Beyer und des Lokals der Kommerzbank befand, des Attentats verdächtig. Er bemerkte, daß jemand aus der Gruppe, die vor dem Geschäfte Beyer stanid, in der Richtung des Wagens des Präsidenten ein Paket in der Gestalt einer Wal)e geschleudert hatte. Als Lewitzki den Rauch bemerkte und in den Reihen der Uilaneneskadvon, die dem Wagen des Präsidenten folgte, eine Bevw'rruug entstand, wandte er seine Aufmerksamkeit der Stelle zu, von der aus das Paket geworfen worden war. Aus der dort stehenden Gruppe lief ein schlanker Mann heraus, der - einen hellen, grünlichen Gummimantel und Men > grauen Hut trug, rasiert war und eine schwarze Brille hatte. Den Zeugen Lowitzki frappierte besonders die ungewöhnliche, unnatürliche Blässe des Gesichtes dieses flüchtenden Mannes. Er vermutete sogleich, daß er der Attentäter sei. Er lief ihm nach und schrie: „Aufhalten! Aushalten!" Er hörte milch Rufe: „Den Herrn im hellen Anzug!" Der vom Zeugen verfolgte Mann war mit dem Mnn identisch, den die Pasternak verfolgte. Der Mnn lief ins Hans Legionenstraße 1, passierte das Bovhaus, begab sich jedoch nicht in den Hof, sondern kehrte dann langsamen Schrittes ohne Hut in der Rchtung des Hauseinganges von der Legionenstraße zurück: Die Pasternak erreichte hei der Verfolgung des Mannes das Tor des erwähnten -Hauses und schrie fortwährend, da-ß man den Man« im hellen Mantel und mit dem Augenglas, der sich im Hausoingang beifinde, vechaften solle. Ms die angesammelte : Menge, die den Attentäter ebenfalls verfolgte, herauskam, sich Äber nicht orientieren konnte, daß der Versorgte bereits Ms Haustor verlassen habe und sich am Trotto'-r befinde, zeigt-! hie Pasternak mit der Hand auf >den Mnn, faßte ihn ihn am Arm und verlangte seine sofortige Verhaftung: Dasselbe verlangte auch der Zeuge Law'tzki, der denselben Mnn versollgte. Die Verhaftung vollzog der Wachmann Nieb y s s k i mit Hilfe der Wachleute B i l. P a t e r und K 0 s k e w r e z, die auf die lauten Rufe der Pasternak wahrend der Verfolgung des Mnnes angekommen waren. Der verhaftete Mann legitimierte sich als der gegenwärtig angeklagte Wladislaw Steiger, Absolllvent der Rechte und Privatbeamter der Firma Menl-Kvlomale. Die Aussagen der Zeugen Pasternak und Lewitzki stimmen in ihren hauptsächlichsten Details mit den Aussagen einer Reihe anderer Zeugen übere n, die im kritischen Moment entweder den Attentäter bemerkten, als er die Petarde schleuderte, oder die über das Menfchrnspalier erhobene Hand des Attentä'.ers dahen oder die Stelle, woher der Wurf erfolgte, beobachteten. Diese Zeugen und auch solche, die knapp vor dem Schleudern der Bomlbe an der Stelle, wo das Attentat erfolgte, Steiger bemerkt hatten, stimmen in ihren Beobachtungen vollkommen mit denen der Zeugm Pasternak überein, und dies nicht nur hinsichtlich des äußeren Aussehens des Attentäters, sondern auch hinsichtlich der Stelle, an der er sich im Augenblick des Attentats befand. So bemerkte die Zengin Martha Meistruk, die im kritischen Augenblick m Gesellschaft der Klara Ma rs a m e r am Trottoir der Legionensttaße in der Nähe der Kommerzmlbank staud. daß ein schlanker Mann in einem Hellen Manie! bei der gegenüber dem Geschäftslokal befindlichen Laterne se''ne Hand hob und in der Richtung des Wagens des Präsidenten der RepMik eine längliche, runde Schachtel schleuderte. d«e in einem weißen Bogen Papier eingepackt war. Beim Fallen der Schachtel bemerkte die Genannte Was man auch immer spricht und schreibt, JigatettensPapier „OLLESCHAU“ bleibt Rauch und flüchtete darauf sogleich in das Geschäft• des Herrn Sto"nski, ohne sich um den weiteren Verlauf dieses Vorfalles zu kümmern. Ebenso schilderte ihre Beobachtungen die Klara Mar,sanier, jedoch mit der einen Abweichung, daß.sie sich die Kleidung des Attentäters nicht gemerkt hat. Sie erinnert sich jedoch daran, daß er hell gekleidet war, ja, sie bemerkte sogar einen hellen Aermel m dem Momente, als das oben erwähnte Paket geWendert wurde. Der vierte Zeuge, der ähnliche Beobachtungen machte, ist Ruwen Reiß, der in der Nähe der oben erwähnten Laiterne stand und bemerkte, wie ein Mann, der sich nicht weit von ilhm befand, ein Paket in der Richtung des Wagens des Präsidenten schleuderte. D'eser Zeuge hat sich das äußere Aussehen des Attentäters nicht gemerkt. Er beobachtete jedoch genau die Handbewegung des Attentäters, und wie er nach der Explosion der Bombe in ein Hans-tor in der Legionenstraße ging, wohin ihm dann eine große Menschenmenge folgte. . Der Zeuge Berthold Großnas, der während dieses Zwischenfalles am Balkon des Kaffeehauses de la Paix stand, beobachtete ebenfalls den Wurf der Bombe, und zwar in dem Augenblicke, als das Paket ungefähr einen Meter über den Köpfen der versammelten Menge vorbeiflog. Als er die Rauchwolke der Bombe bemerkte, richtete er seinen Blick auf die Stelle, woher der Wurf erfolgt war und dort bemerkte er in'der Nähe der bereits mehrmals erwähnten Laterne einen mit einem langem-Gummimantel bekleideten Mann, der durch seine Gestalt alle in seiner Nähe befindlichen Personen überragte. Dieser Mann wendete seinen Kopf nervös nach rechts und links, als wäre er um etwas besorgt und sehr enerviert. Nach einer Weile begann er in die Richtung der Legionenstraße zu flüchten. Kurz darnach entstand ein Wirrwarr und zahlreiche Leute begannen den Mann zu verfolgen. Der Zeuge konnte seine Beobachtungen ganz genau machen, weil der Attentäter durch seine Gestalt die Umgebung überragte undder einzige war, der einen Gummimantel trug. Er war auch der erste, der die Flucht ergriff. Der Zeuge Großnas erkannte mit Bestimmtheit in Steiger jene Person, die er im Augenblicke des Attentats in der Nähe der Laterne in einem Gummimantel bemerkt hatte. Nach den Aussagen der Meistruk, die allerdings den Attentäter nicht gesehen hatte, entspräche Steiger seiner Gestalt und Kleidung nach jener Person, die sie als Attentäter bezeichnet. Ebenso entspricht die Gestalt des von der Zeugin Marsamer gesehenen Attentäters der des Angeklagten Steiger. Diese Zeugen, ebenso der oberwähnte Reiß, wurden auf der Stelle, wo von' ihrien im Augenblick des Bombenwurfes der Attentäter bemerkt wurde, genauestens einvernommen und ihre Angaben stimmen mit den Beobachtungen der Tänzerin Pasternak hinsichtlich der Stelle, wo der beschuldigte Steiger im Augenblicke des Attentats gestanden war — allerdings mit einer geringfügigen Differenz von einem halben bis zu einem Schritt — überein. Der Zeuge Michael Ulam, der sich während des Attentats auf dem Balkon des Kaffeehauses de la Paix befand, hatte ebensalls den flüchtenden Attentäter bemerkt; als ihm die Polizei während der Untersuchung Äeiger vorsührte, erklärte er, daß Steiger von rückwärts den: damals von ihm beobachteten Attentäter ähnlich sei. Er konnte jedoch die Identität nicht rückhaltslos feststellen. Der Zeuge Simon Epstein, der ebenfalls das Attentat vom Balkon des er,wähnten Kaffeehauses beobachtete, bemerkte, daß von der bereits erwähnten Stelle ein Mann in einem dunkelgrauen Gummimantel flüchtete und sich in einem Haustor an der Ecke Legionen- und Kopernikusgasse versteckte. Diesen Mann verdächtigt Epstein, daß er die Bombe geworfen hat. Aehnliche Beobachtungen machte auch der in der Nähe des Zeugen Eckstein stehende Zeuge Jakob Kutin. Der von beiden beobachtete Vorgang des Bombenwurfes und der Flucht entspricht vollkommen den Aussagen der übrigen Zeuge. Die Zeugen Eckstein und Kutin sowie die übrigen Zeugen Bernhard Berger, .Leon Teunenbaum, Hermann Rabner, die im Augenblick der Bombenexplosion beobachteten, wie ein Mann in einem hellen Gummimantel aus der zwischen dem Geschäfte der Firma Beyer und der Ecklaterne befindlichen Menschenmenge hinauslies, erkannten in dem ihnen vorgeführten Angeklagten Steiger nicht den von ihnen gesehenen Attentäter, und zwar insolge des Unterschiedes der Gestalt sowie der Farbe des Mantels. Eine Reihe weiterer Zeugen bestätigt in Uebereinstimmung mit den Aussagen des Fräulein Pasternak und im Widerspruch zu den Behauptungen des Angeklagten Steiger die Tatsache der Anwesenheit des Angeklagten Steiger im Augenblicke des Attentats gerade an derselben Stelle, die die Zeugin Pasternak, Mrsamer, Meistruk und Ruwen Reiß bezeichneien, sowie die Tal- I sache, daß die Bombe ausdernachpenUmgebun- V /! i; '1 ■'i