Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2383 (11.10.1925)
- Date
- 1925-10-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Sonntag »er Laterne am Eingang ins Geschäftslokal Beyer, üso von der Stelle geworfen wurde, wo nach den Aus- 'agen culderer Zeugen im kritischen Augenblick Steiger getänden ist. So beobachtete der Zeuge Wojezech Jondra, >et im Augenblick der Vorbeifahrt des Gefolges des Präsidenten vor dem Kaffeehaus de la Paix, somit etwas «äher zum Marienplatz an der Ecke der Legionenstraße 'tand, zwischen bent Geschäfte der Firma Beyer und der Lcklaterne, jedoch näher zur Kopernikusgasse einen schlangen Mann, der als einziger einen Hellen Mantel trug und zroße schwarze Augengläser hatte. Hinter ihm stand in üner Entfernung von zwei Schritten eine Frau. Im Augenblicke, als das Gefolge des Präsidenteil vorbei kam, bemerkte der Zeuge Jondra in der Luft oberhalb der stopfe der versammelten Menschen an der Ecke des Trottoirs beim Geschäftslokal Beyer ein ftiegendes Palet; :s flog gegen den Wagen von der Stelle aus, wo der obwwähnte Mann stand. Der Zeuge blickte unwillkürlich aach der Stelle, woher nach seiner Beobachtung der Bombenwurf erfolgt war, und beobachtete, wie der erlvähnte Mann als erster in die Richtung der Legionenstraße flüchtete. In diesem Augenblicke kam ihm der Gedanke, daß dieser Mann der Attentäter sei. Bei seiner Konfrontation mit dem Beschuldigten Steiger und te% Zeugin Pasternak in der BerhanÄung vor - dem Kriegsgerichte erkannte Jondra in elfterem den von ihm beobachteten Mann, in der Pasternak jene Frau, die im kritischen Augenblick hinter dem Mann gestanden war. Aehnlich sagte auch der Zeuge B i l, ein Wachmann der Staatspolizei aus, der zur Zeit des Attentats auf der Runde des Trottoirs der Legionenstraße Dienst machte. Rach seiner Aussage bemerkte Bil einige Minuten vor der Wiener Morgenzeitung U. Oktober 19öo Sk. Set neue “ ' ' ' ' " «L kinheilsfahrpreir von 21 Sulchen für Stadt« and Straßenbahn. - Lee erhöhte Stachttarh abgeschalst. Die Entscheidung über die Erhöhung des Straßenbahn« tarifes, über die wir bereits berichtet haben, tft gestern gefallen. Man hat sich ans einen Einheitstarif von 24'Groschen geeinigt und Ankunft des Gefolges -des' Präsidenten einen schlanken Mann in einem Hellen Gummimantel und mit Augengläsern, der / mit einem anderen von niedrigem Wuchs sprach. Wahrend dieses Gespräches, das eine Zeitlang dauerte, gingen die beiden in der Umgebung zwischen dem Geschäfte von Beyer und der Laterne hin und her. Als sich Bil nach einiger Zeit umdrehte, beobachtete er, daß der schlanke Mann hinter der Laterne stand. Bil merkte sich die Physiognomie dieses Mannes, hauptsächlich deshalb, weil er besonders charakteristische Züge halte, von schlankem Wuchs war und eine ganz andere Kleidung trug als alle übrigen Umstehenden. Während. Bil den Mann noch beobachtete, hörte er ein Geräusch, als würde oberhalb seines Hauptes etwas dorbeisliegen. Als er bei den Rädern des Wagens, m dem der Präsident fuhr, Rauch bemerkte, drehte er sich um und bemerkte, daß von der Stelle, von der seinem Andrucke nach die Bombe geworfen wurde, der von ihm früher beobachtete schlanke Mann, als erster in der Rich-. tung gegen die Legionenstraße zu flüchten begann. Hinter ihm'ging eine Dame, die laut ries, daß dieser Mann im hellen Mantel der Bombenwerfer sei. Der Mann lies in das Haustor Legionenstraße 1 und bevor es Bll noch gelang, in das Tor einzüdringen, war er bereits hinausgegangen. Kurz daraus wurde er aus Grund der ausdrücklichen Behauptung der erwähnten Frau, daß dieser Mann die Bombe geworfen habe, verhaftet. Bei der Legitimierung stellte sich heraus, daß dieser Mann Wladislaw Steiger, die Frau aber, die ihn verfolgte, Maria Pasternak war. Der Zeuge Josef Groudetzki, der in der vordersten Reihe der an der Straßenecke stehenden Menge stand (in der Nähe des Geschäftslokals Beyer), bemerkte ebenfalls, als er sich vor der Ankunft des. Präsidenten umdrehte, hinter sich zwischen dem Geschäfte Beyer und der Ecklaterne den ihm vom Sehen aus bekannten Steiger und knapp hinter chm die Pasternak. Stadt- und Straßenbahn in ein einheitliches Netz gebracht. Dt« Neuregelung der Wieirer BerkchrSsragr hat Wohl ihren Anstoß durch die Gehaltserhöhung bei der Straßenbahn erfahren, doch soll damit hauptsächlich den durch die Eröffnung der elektrifizierten Stadtbahn gegebenen neuen Verhältnissen Rechnung getragen werden. Das ungeheure Defizit bei der Stadtbahn soll dadurch ausgeglichen werden. Die Stadtbahn, deren letzter und wichtigster Teil, dUe Donankanallinie. <wn 20. d. dem Verkehr übergeben wird, soll künftighin ans Grund eines eryzuführenden Einheitstarifts einen Bast and teil der Straßenbahn bilden. Der Sondertarif hört ans und auch die jetzt bestehenden Einschränkungen rm Umsteigverkchr fallen g äit z l i ch w e g. Man wird künftiMn um den Einheitspreis die Stadt von einem Ende zwm anderen durchqueren könnet!. - Ter neue Fahrpreis wurde mit 24 Groschen festgesetzt. Es ergibt sich also bei der Straßenbahn eine Erhöhung um 4 Groschen, bei der Stadtbahn eine Ermäßigung um 6 Groschen. Zu gleicher Ze.it werden zwei in der Bevölkerung Mens immer wiederkehrende Wünsche erfüllt: Die Sondertarife und der Abendtarif werden abgeschafft. Die Linien zwischen der Troststraße und Jnzersdorf, Lehmgasse und Rothneusiedl, Schlachthausbrücke und Lusthaus oder Schlachthrusbrüäe und Freudenauer Rennplatz und zwischen St. Luciaplatz und der Endhaltestelle Ostbahn, auf denen bisher ein Zuschlag von 10 Groschen für die Fahrt eingehoben wurde, werden künftig wie alle übrigen behandelt werden. Einen Sondertarif wird es lediglich zu den Freudenauer Rennen selbst geben, wobei aber den im Rennbetrieb beschaffen Personen und den Anrainern auf Grund von Erkennungskarten der Vorteil des Normaltarifs gewahrt bleiben wird. Für jene Linien, die über Wien hmausgchen. soll in Zukunft eine Regelung nach der Richtung hin eintveten, daß bis zur Stadtgrenzc unbedingt der Einheitstarif gilt. Dies betrifft die Strecken Zentralfriedhof. drittes Tor, nach Schwechat und Hermesstraße—Riedelgasse. Bis zur Stadtgvsnze wird man also ausnahmslos um 24 Groschen fcchren können. Erft die außerhalb Wiens befindlichen Strecken unterliegen dem Sondertarif. Der bisherige Zustand, daß von halb 10 Uhr abends an bis zu dem um 12 Uhr erfolgenden BetriMschkrß anlf der Straßenbahn 26 Groschen und auf der Stadtbahn 40 Groschen zu zchlen sind, Mt jetzt gänzlich weg. Nach dem neuen Vorschlag gillt bis Mitternacht der Einheitstarif von 24 Groschen. Für den Bahnhosrnndverkehr wivd eine Ermäßigung auf 60 Groschen (bisher 62 Groschen) beantragt. Die E r k e n n n n g 8k a r t e n, mit denen gegenwärtig Kellner, Musiker, Setzer und andere Gruppen Von Nachtarbeitern ausgchattet sind, behalten ihre Gültigkeit. Der Prejs der Kind er karte, der jetzt auf der Straßenbahn 3 und auf der Stadtbahn 6 Groschen kostet, soll von nun ab einheitlich 8 Groschen sein. Die im Vorverkauf erhälMchen Ki-nderkarten zu 2 Groschen (Stodttbchn 4 Groschen) werden einheitlich 2 Groschen kosten. Auch die nur im Borverkauf zu lösende Schülerkarte, für die jetzt ans der Straßenbahn 4, auf der Stadtbahn 6 Groschen zu schien sind, soll nach der Neuregelung einheitlich wut 4 Groschen kosten. Die Frühfahrscheiue von 13 Groschen (Stadtbahn 20 Groschen) werden einhMich mit 14 Groschen sestgesetzt. Die jetzt im Vorverkauf erhältlichen Tagessahrschcine zu 19 (Stadtbahn 28) Groschen rverden einheitlich 22 Gr scheu kosten. Die Hin- und Rückfahrscheine werden statt derzeit 29 Groschen (Stadtbchn 44 Grolschen) eiw heiÄich 30 Groschen koste». Der Preis siir die Wochenkarte, die jetzt ans der Straßenbahn 1 Schilling 3ö Groschen, auf der Stadtbahn 2 Schilling kostet,, wird künftighin 1 Schilling .40 Groschen fein. Die Preise der Strecken- und Monatskarten werden wie folgt geändert: Die zur Fahrt ans zwei Teilstrecken berechtigende Monatskarte wirb 9 Schilling kosten (früher 8 Schilling 50 Groschen). Für fünf Teilstrecken werden künftighin anstatt 11 Schilling aus der Straßenbahn (14 Schilling auf der Stadtbahn) als neuer Preis 1.1 Schilling 60 Groschen, für mehr als fünf Teilstrecken statt 13 und 16 Schilling der Circheit^rreiS von 13 Schrlling 50 Grösch e n zu Kahlen sein. Die Teilstrecken können ohne Unterschied auf Sladt- und Straßenbahn gewählt worden. Gegenwärtig haben die StadtbalhnLarten keine Zeilrnavkivrung. -Dies ist natürlich bei dem unlbegrvytzten Umsteigrecht nicht ansrecht zu erhalten. Die Direktion der Straßenbahnen beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der Prüfung vorr neuen Markiernngsapparaten, die im Laufe der nächsten Monate eingesühvl werden sollen. Falls der Gemeind wat am Freitag den Vorlagen über die Erhöhung dtt Bezüge deS Personals der Stadtbahn und der Straßenbahn -ustrmmt und auch den Einheitstarif beschließen sollte, woran nicht zu AweiftLn ist, so wüvde diese Neuregelung am DienStag den 26 d. wirksam werden. Für Monoiskarten, die bis zum t November gelten, wird kein Zuschlag eingehoben werden. Ae Partei als Zeitungsgründer und Abonnent. Die Geschichte des demokratischen „Quotidien". Der politische Umschwung in Frankreich, der den Pom- Zarismus beseitigte und den Sieg des demokratischen Linkskartells brachte, wurde in der Hauptsache durch den ,LUwtidien" vorbereitet. Die Geschichte dieses Blattes, das über Nacht entstand, ist ein ehrendes Kapitel in der Geschichte der französischen Demokratie, die bis dahin kein ihr unbedingt zur Verfügung stehendes Organ besessen hatte. Die großen Pariser Zeitungen stehen im Dienste, von Jndustriokartellen oder politischen Cliquen, und für sie ist die Behandlung öffentlicher Fragen immer nur eine Sache der RernkAlität und des Profits für den oder die Herausgeber. »Quotidien" bildete durch seine Unerschrockenheit und sein Temperament schr bald einen neuen Typus. Er wurde von Henry D u m a y, dem Freunde des Ministers Caillaux, begründet. Dnmah, sin in Amerika erzogener Journalist, genoß seine erste Ausbildung bei dem „NewOork World", dessen Herausgeber, der bekannte ZeitungMnig Pullitzer ihn als Korrespondenten nach Paris schickte. Dumah trat in die Redaktion des»Matin" «in. Als dieses Blatt von der Demokratie abschwenkle, schied Dmnay aus. Nach dem Kriege gründete er das TaMlt „Quotidien", das er mit der Hilfe der Mitglieder du demokratischen Parteien so schaffte, daß alle Mitg l i e d e r c i n b i s z w e i A k t i.e n zeichne» mußten. Das Blatt hatte aus diese Weise vom ersten Moment ab 80.000 Miteigentümer, die natürlich auch Abonnenten wurden. Die großen Tagesblätter in Paris bilden ein einziges so braucht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden DIANA Franzbranntwein mit Nenthol Ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege und deshalb soll jeder Diana-Franzbranntwein ständig benützen. Ileberall erhältlich Dlana-FranzDrannttiiein - Produktion - Ges. Wien, u. Engerth&tratsQ 1W PRAä, VIII. Lieben, Drahobeljpva 1073 Syndikat. Dnmay und sein« Zeitung sollten sich n i ch t an das Syndikat ani'chließen. Sie wollten ihre Unabhängigkeit bewahren. Es folgte ein Kamps auf Lüben und Tod. Das Syndikat ist so mächtig, daß keine Druckerei es unter |’ nehmen wollte, den „Quotidien" herzustellen. Kein Redaktions lokal konnte die neue Zeitung finden ... Da benützte Dnmay das ganze Unterzeichnete.Kapital dazu, ein Haus zu kaufen, ein prächtiges Palais auf der Avenue Kleber. Dies sollte zur Redaktion werden. Auch eine eigene Druckerei .mußte er kaufen, um die Zeitung irgendwie doch hinauszubringen. Und als die Redaktion und die Druckerei da war, hatte der »Lwotidieu" keinen Pfennig mehr, und das Blatt konnte nicht erscheinen. »Aümah wird ins Gefängnis kommen!" jubelte das Syndikat. Er kam aber nicht ins Gefängnis. .Die Aktionäre unterschrieben einfach zum zweiten,Male das gqnze Aktienkap i t a l und da .war frisches-Geld/da. Und heute erscheint der „Quotidien" in M.000 Exemplaöen! Ser Kuufthistori.er mit dm Haleukrruz. In Erlangen hat dieser Tage eine Philologenkonferenz stattgefunden, auf der es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem bekannten GrzichungSfachmann Horneiffer und seinen Gegnern kam. Ein Professor Hoberger spellte in einem Vortrag über „Vergleichende Kunstgeschichte in der Oberstufe" die Behauptung auf» seit dem Eindringen des jüdischen Einflusses i n die L i te rat u r sei Süßlichkeit und Oberflächlichkeit an der Tagesordnung, worauf eine Reihe von Versammlungsteilnehmern das Zimmer verließ. Einen.der bedeutendsten Borträge hielt Hugo Greßm a n n (Berlin) über die Ausgrabungen in der alten phomzischen Stadt B h b l o s. Die Haupiresultate der Grabungen bestehen in der Fixierung der Wütezeit phönizischer Kultur (im Metten Jahrtausend vor Christus). Außerdem wird durch die Kunde festgsftellt, daß das Alphabet viel alter ist, als man bis jetzt angenommen hat, es muß etwa bereits um die Mitte des zweiten Jahrtausends entstanden sein und hat zweifellos eine einzige Person zum Urheber, der die Notwendigkeit einleuchtete, an Stelle der Wortbilder Schriftzeichen zu setzen._ Franz Koftron. der Hakenkreuzler and ßiitbreter. Er verkauft seine Diebsbeute im ParteiloM der Haken» kronzler. Bor einigen Wochen wurde bei der in der Breitenfeevftraße Nr. 86 wohnenden Bürgerfchullehrerin R>ofa Spitzer ein Einbruch veEbt, bei dem Bargeld, Schmuck, Kleider und Stoffe rm Werte von mehreren Millionen gestohlen wurden. Ms Tater kam der im selben Hause wohnende Franz Koftron in Betracht, der von der Nebenwohnung auS durch ein Loch, das er in die Wand geschlagen hatte, in die Wohnung der Lehrerin eingodrungen war und den Diebstahl verübt hatte. Koftron war im Bezirk ein bekannter Hakenkre-uzler. Er ist Mitglied der nationalsozialistischen Partei und beschäftigungslos; er trieb sich Tage hindurch im Partei,sekretariat in der Elisabeth st r a ß e Nr. 9 herum und soft auch in hervorragender Weife a.n den Straßenexzesftn> ipährend. des Zioniistentongresfts beteiligt gewesen sein. BemerkenSweri ist, daß Äoftrön einen Teil'der Beute im nationalsozia- 636507