Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2383 (11.10.1925)
- Date
- 1925-10-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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' Kr. 2883 Men, Sonntag Wiener Morgenzeltuns 11. .OfioBn* IW «eHe 8 MANTELWOCHE VERLÄNGERT! den erfolg unserer diesmaligen mantel , WOCHE WAU EIN GANZ GEWALTIGER. TROTZ MWWXALLGEMEINER STAGNATION ERBRACHTEN m\ fö IPÄ DEN BEWEIS, DASS DURCH UNSER EIGENES SYSTEM ka iMASSA EINKAUF*FERNEPt6R0SSER UMSATZ, KLEINE* NUTZEN* DIE LEISTUNGS FÄHIGKEIT ENORM ZU 'STEIGERN UND DIE Kleidchen ausVelvetininalleri Farben ab Flattfch ab S 5‘5ÖW RAUFLUST DES PUPUKUMS NEU ZU BELEBEN IST- WIR HAßEN UNSERE LAGER MIT DEN NEUESTEN MODE- SCHÖPFUNGEN NEUERLICH ERGÄNZT UND SETZEN DIESEN SENSATIONELL 51 LUGEN VERKAUF FORT- EILEN SIE! SEHEN SIE! PRÜFEN SIE! DER ENORME KUNDENANDRANG VEMNIASSTUNS DIE PJDAMEN ZU BITTEN AUCH DEN VORMITTAG ZJJM EINKAUF ZU BENUTZEN ■ ’ ‘ irtiit Herren er Rücksprache gepflogen Hai, sprachen sich warn: Kr die DurchMrnng seiner Idee <n&. Die panemopärsche Gesellschaft veranstaltet Wer ihre ZwecknüiMgkeit und Durch- MhMNgsmöglichkeil eine Rundfrage an alle bedcnlenden Minner der europäischen Staaten und gilbt die Antworten in ctiKUt Sannnellver-k heraus. Soi MMWe ffiteo.*) Die Kultusgcmeinde und ihre Institutionen. In sehr umfangreichen Matze sorgt die Kultusgemeinde für die religiösen Bedürfnisse der Wiener Judenheit. Das ist aus den Summen, die für Kultus- und rituelle Angelegenheiten verausgabt werden, ersichtlich, die sich im ersten Halbjahr 1924 auf 2.274,895.432 K. beliefen, denen Einnahmen von nur 1.607,108.360 K. cntgcgeustanden. Es tverden von ihr 62 ständige, sich auf sämtliche Wiener Bezirke verteilende Tempel und Bethäuser instand gehalten, in denen täglich Gottesdienst abgehalten wird. Subventionen u n d B e i t r ä g e inerben überdies einer Anzahl von Bethausvcreinen gewährt, die ihre Ausgaben aus den eigenen Einnahmen nicht zu decken vermögen. So betrugen die Subventionen für Bethausvereine in der' Zeit vom 1. Jänner bis 30. September 1924 171,685.400 K. Außerdem wird für den gesteigerten Bedarf anläßlich der jüdischen Feiertage für Minjanim gesorgt, die zum Teil von der Kultusgemeinde selbst veranstaltet werden,, zum Teil durch die Erteilung der Bewilligung .'an Vereine und Private. Nach Möglichkeit werden auch jüdische Gottesdienste in den verschiedenen Krankenhäusern und Heilanstalten, inr landesgerichtlichen Gefangenenhause usw. abgehalten. , Entsprechende Beachtung wird auch den Bedürfnissen des jüdischen Speiserituals — Koschersleischwesen — durch die Errichtung einer auf die verschiedenen Bezirke verteilten Anzahl von Koscherfleischbänken, der Mazzothversorgung, der Verabreichung von ritueller Kost an jüdische Personen, die sich in städtischen und staatlichen Wohlfahrtsanstalten befinden, gewidmet. Ebenso wurde die auf Grund eines Uebereinkömmens dem Verein Adaß Jisroel übergebene rituelle Badeanstalt — Mikwah — des zweiten Bezirkes von der- Kultusgemeinde errichtet und dem Betrieb übergeben. * Der wundeste Punkt des jüdischen Wien ist die Frage der jüdischen Erziehung. Was von der Kultusgemeinde in dieser Beziehung geleistet wird, ist höchst unzulänglich. Das muß sich durch ihre heute noch , vorhandene Einstellung zum jüdischen Erziehungsproblem ergeben, die im besten Falle'sich zu einer Ergänzung des sehr mangelhaften öffentlichen Religionsunterrichtes - in den staatlichen Schulen - verstehen miH/ Immerhin .zeigt sich auch .da, - wenn auch noch langsam "'*) Siche .Miemr Movgenze'imng", M. 2381, vom 9. d. und zögernd, ein Wandel, so in der Errichtung hebräischer Sprachkurse nach der Methode ibrith b'ibrith in der.Bibelschule des 20. Bezirkes und in der Talmud-Thora-La-ule in der Mälzgasse. Einen günstigen Einfluß aus die Richtung» des Religionsunterrichtes hat das auf Initiative des Obcrrabbiners Dr. Chajes mit finanzieller Hilfe der ausländischen Judenheit entstandene, in den Dienst der Kultusgemeinde übernommene Religiouslehrersemiuar, und tvird ihn für die Zukrurft in noch größeren: Maße haben. Auch die Tatsache, daß die Kultusgemeinde in immer steigendem Maße das ohne ihre Hilfe entstandene jüdische Schulwerk in Wien — die Anstalten des jüdischen Schulvereines und die verschiedenen hebräischen Kurse, die das einzige Aktiv::::: an jüdischer Erziehung in Wien ausweisen — unterstützt, zeigt die Entwicklungslinie an, die die Kultusgemeinde auch in den Fragen der jüdischen Erziehung gehen wird. Äußer der Vorsorge für den jüdischen Religionsunterricht an den öffentlichen Volks-, Bürger- und Mittelschulen werden von der Kgltusgemeinde eine Anzahl von Sprach- und Bibelschulen — im Schuljahre 1923-24 waren es 19 mit einer Schülerzahl'von ungefähr 1300 — zunl Teil zur Gänze ausgehalten, zürn Teil ihre Erhaltung durch Subventionierung der sie führenden Vereine und Institutionen gewährleistet. Solche Bibelschulen gibt es im 2., 3., 5.,.6., 8., 9., 10., 13., 15., 18., 19. und 20. Bezirk. :i: * Das wichtigste Kultur institnt der Kultnsgenieinde ist ihre schon ein Jahrhundert alte B i b l i o t h e k. Diese Bibliothek, die mit ihren: ansehnlichen Bücherlschatz und einem großen Teil sellcrffter und wertvollster jüdischer Druckwerke zu den großen jüdischen Bibliotheken der Welt gehört, leistet die wertvollste Kulturarbeit der Gemeinde, schon wenn n:an die sich jährlich steigernde Frequenz in Betracht zieht, die infolge der immer besser werdenden bibliotheks- und verwrlltungstechnifchen Mittel zur Befriedigung der sich ans aller: Gebieten der Mischen Wissenschaft geltend machenden Bedürsnifse -der Besucher zu verzeichnen ist. Der fertiggestellte Standardkatalog besieht aus 36 Foliobänden. Ein Zettelkatalog für die gesamten Be-, stände der Sammlung, ein Katalog der Handschristenbestände, ein Schlagwortkatalog, ein historisch-ge-ographi-- scher Katalog, ein Katalog der Hebraica sind zun: Teil vorhanden, zum Teil h: Angriff genommen. Der SMstvcrlag der Bibliothek hat wertvolle Publikationen bereits durchführen ur:d neue vorbereitet: .körnreu. Ebenso wertvoll ist die Arbeit der „Historischen Kommission" der Knltüsgeineinde, die durch Publikationen und Unterstützung zur Veröffentlichung wertvoller Nnssenschastlicher Arbeiten namhafter Autoren Bodenterrdes geleistet hat. - -. , Die Ausgaben für Unierrichtsangelegenheiten, Unterstützungen und . Swoventionen für Unterrichtsz'wecke und die Erhaltung der Geineindebibliothek betrugen in: ersten Halbjahre 1924 1.537182.697 Kronen. Die Einnahmen, die sich aus denGeitraMeistuiWn der Gemeinde Men zu den Kosten an den öffentlichen Volks- und Bürgerschulen ' und aus verjschiederren Taxen zusammensetzen, erreichten im selber: Halbjahre die gewiß nicht zureichende Summe von 332,457.460 Kronen. Es ist seMstverslandÜch, daß bei der finanziellen Lage, in der sich die Knltusgerneirtdr befindet, es einer Opjserleistung der Gemeinderrütglieder bedürfte, um die vorhan- - denen Kulturinstiüüe aüszubauen und das fast klägliche Unterrichts'weisen auf eine entsprechende Höhe zn bringen. Unvergleichlich bedeutender als im Unterrichtsweseu sind die Leistungen der Kultusgemeinde ans dem Gebiete der Fürsorge. Sie widmet Fürsorgezwecken fast ein Drittel der gesamten Einnahmen und hat eine Reihe musterhaft geleiteter Institutionen, wie das Spital der Kultusgemeinde, das Kinderambullatoriu::: und die Bevsorgungsauistalt. Das seit mehr als fünfzig Jahren bestehende. Gemeindespital ist besonders seit der im vorigen-iJahre erfolgten baulichen Verbesserung, die dem Spital auch technisch und räumlich eine mustergültige Verfassung brachte, eine der populärsten und segensreichsten jüdischen Institutionen Wims, auf die das jüdische Wien stolz zn sein allen Grund hat. Es ist eine erstrangige Krankenanstalt, deren wissenschaftliche Leistung hervorragend ist und die bedeutenden Mischen Aerzten WirkurlMchgRchke.it. gab und gibt und in steigenden: Maße Mischen Studenten größere Ansbildnttgsmögllchkeiten zu verschaffen geeignet ist. Aus aller Welt kommen Mische Kranke, die hier Pflege finden. Da's Spital besitzt ein Mt eingerichtetes Röntgeniifftitnt, eine urologische Abteilung, zwei medizinische ■ Ambulatorien, ein chirurgisches, ein gynäkologisches, ein ophthallrwlogisches, ein dermatologisches, ein laryngologifches und ein otologisches Ambulatorium, ebenso eine Pflegerinnenschnle. Die Frequenz der Ambulatorien ist ungemein stark. Das Kinderambulatorium im 20. Bezirk, das seit 1918 beisteht, bedeutet für die mittellosen kranken Mischen Kinder der judenreichen Bezirke die einzige Zustuchtlstätte. Der Zustrom zu dieser jüdischen Kindecheilstätte, der sich eine Säuglings- und Kleinkinderberatungsstelle anschlietzt, ist kaum zu bewältigen. Im Anschluß an das Ambulatorium P in: Jahre 1920 ein Sonnentageshein: für Mische kränkliche Kinder errichtet worden, das in den Sommermonate!: aX§- Freilusttagesheim für tuberkulös verdächtige jüdische Kinder dient. Inn Sommer 1924 konnten bereits 150 Kinder ausgenomnien werden. Nicht weniger mustergültig ist da's Altersversorg n n g s- und S i e ch e u h aus der Killtusgeimeinde, dem sich in bezug aus Hygiene, Kost und die ersopdevlichen ärztlichen Behelfe wenig gleichartige nichtjüdifche Mters- Versorgungshvime an die Seite stellen können, dessen Anfnahmsfähigkeit aber leider sehr beschränkt ist. . ' Gertjetzttug folgt.)