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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-11 · Heft 2383 (11.10.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2383 (11.10.1925)
Date
1925-10-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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©cik 2 Wien, Sonntag Wiener Mor^enzeitunn U. Oktober 1925 ilii*. Zionistische Sektion VI—VIII toi ' ' VIII., Bennop atz l a HI, Zyklus: Altjüdische Literatur, 1. Abend Proi.Dt. Harry TORCZYNER (Be.lin) „Hiobsage und Hiobdichtung" Dienstag, 13* Oktober 192-5, präzise 8 Uhr abds. klare Vernunftsie ist lungenkräftiger und Lrütaler- Der Haß ist organisiert. Er verfügt über eine bessere Technik her -Mafsenbeeinslussung, er hat fast unerschöpfliche psychische und materielle Reservoirs, und er versteht es, sich iiberäll als staatserhaltend aufzuspielen und die Geschichte zu" fälschen. Ihm kommt 'die Müdigkeit der Masten zugute, ihre Denkfaulheit und ihre leichte Lenkbarkeit gegen den Ort des geringen Widerstandes, Der Frieden ist überall von schweren Enttäuschungen begleitet gewesen. Es ist der Demagogie leicht gewesen — und'die Feigheit der Demokratie hat ihr. dies noch mehr ermöglichtdie Stimmungen aus die Minoritäten abzulenken. War dies einmal erreicht, so konnte auf dieser Linie weitergegangen werden. . Diese Minoritäten^ hier die Deutschen,- dort die Ungarn oder Slawen, überall -aber gleichzeitig .auch die Juden, sind unter dem Schütz t)es Völkerbundes und des Friedens. Dieses Protektorat ist freilich nur ein sehr akademisches und noch kaum je in die Erscheinung getreten. Aber daß es überhaupt besteht, ist ein Grund mehr, den Völkerbund zu vernadern, und es ist nicht weiter verwunderlich, daß sich speziell die antijiwische Propaganda des Völkerbundthemas bemächtigt hat. So hat'die einzige positive Institution, die aus dem Krieg hervorgegangen ist, jede Wiickung verloren. Sie ist von innen heraus falsch und mangelhaft konstruiert, sie ist von außen her in Mißkredit geraten. Und der Völkerbund. selbst, der keine Kraft besitzt, sich der Kabinettspolftik zu entziehen, tut nichts, um sich Freunde zu schassen. .In Locarno kämpft man um den Eintritt D^uijchlatchs. In Wirklichkeit aber um . Krieg oder Frieden imti diese Frage bleibt weiter aus' der Tages-, ochnung,-solange niemand offen den Krieg, den Haß und'die Hetze'an den Pranger stellt. ' Kawa«' «Mehr. Paris- 10. Oktober. (Havas.) Finantzminifter Eaillaux,, der .von ferner.amerjMfschey. RM wieder, in Frankreich' ejngetroffenist, stellte, obwohl egfsich: weigerte, über den Entwurf eines protzis-orischen Schnldenaib komme ns, den er überbringt, seine Meinung zu äußern, .fest, daß dieser Entwurf die Wirkung ha^, während seiner ganzen Dauer die Ha ndels- und die politische Schuld zu verschmelzen. Die. Besprechungen in Washington, die für das allgemeine Wohl der Zivilisation zu spät ausgenommen worden seien, würden und müßten zum Wchle -der Welt und für die wirtschaftliche und Politische Entwicklung Europas sowie Amerikas fortgesetzt werden. Gilt Schuldeuabkommen der Tschechoslowakei mit Amerika. Washington, 9. Oktober. (Wolst.) Ueber die Rückzahlung der tschechoslowakischen Schulden ist heute aus der Grundlage von 115 Millionen Dollar, die innerhalb 62 Jahren zahlbar sind, ein Abkommen abgeschlossen worden. Staatssekretär Mellon erklärte, die Tschechoslowakei werde während einer Zeit von achtzehn Jahren drei Millionen Dollar jährlich bezahlen. Ter Satz für die ausgelaufenen Zinsen sei mit 4,25 Prozent festgesetzt worden, während 3 Prozent Zinsen für die ersten zehn Jahve und 3,5 P rozen t nach dieser Zeit gezahlt werden sollen. Polnisch-litauische Konferenz in Lusano. Locarno, 10. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die polni--- sche Delegation für die polnisch-litauische Konferenz, die heute ihren Anfang nimmt, ist in L u g a n o eingetroffen. Ihr Führer ist der bevollmächtigte Minister Wasiljewski. _ Ser Matteotti-Prozeß. Mailand, 10. Oktober. Die gerichtliche Untersuchung über den Mord an «dem sozialistischen Abgeordneten Matteo111 ist abgeschlossen. Der Staatsanwalt lhat bereits >den Klageantrag überreicht. Unter freie Anklage des Mordes werden nur fünf von den Untersuchungsgefangenen vor Gericht gestellt werden. Die vermutlichen Täter sind: Du min i, Vo'lpi, Pu tato, P overomo und Malacria. Man erwartet, daß die Anklagekammer im November Wer den Antrag der Staatsanwaltschaft entscheiden wird. Ungarische Grenzverletzungen. Bukarest, 9. Oktober. An «der ungarischrumänischen Grenze, in der Nähe der Gemeinde Sakol. erschossen ungarische Gendarmen fünf rumänische Bauern. Die ungarischen Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet. MN Attentat auf den rumiiuilchen Gesandten;to eoftti Sofia, 10. März.'(Tel.-Koinp.)- Gestern abends wurde ans oeu r u-m ä n i s ch e n G esa n d t e n in Sofia, B i111 ch ür cs c it, ein A t te nta 1 verübt.^-Als der Gesandte mit'seiner Frau im Aütomobil in 'eine Borstadt fuhr, sielen mehrere Revolverschufse gegen das Auto, die aber nie m-a n d e n t raf ejm.j Die Täter konnten in der Dunkelheit entkommen. Die-Pölizei hat eine strenge Untersuchung eingelestet. Mmrster dies Aeußern, K a I f o w, ließ sich heute bei 'dem Gesandten namens der bulgarischen Regierung für deil bedauerlichen Zwischenfall entschuldigen. Die Fememörder. Berlin,. 10. Oktober. (Tel.-Konrp.) Die Verhaftungen im Zusammenhang mit den Fememorden nehmen immer größeren Umfang an - Gestern'abends verhaftete die Polizei den Schützen Z e i d l o w, der der Ermordung des Maschingewehrschützen Panier beschuldigtwird. - Inzwischen konnte die Polizei auch die Leiche des L>berjeldwebols Wilms identifizieren, der von den Mördern ni cd erg e sch läge m, in einen.mit Eisenschienen beschwerter; Sack geworfen und so in die.H.avel berste n k t worden ist. kntspannvng im Alvine-KonflM. Das gestern vom Avberterkammertag überreichte' Memorandum wird von der Alpinen Montangesellschast Äs brauchbare Verhandlungsgrarndlage angesehen. An der Gegenäußerung der Alpinen wird eifrig gearbeitet und es ist nicht ausgeschlossen, daß bereits am Montag ein provisorisches Abkommen .erzielt wjrd, auf Grund dessen der Streik fn-Donawitz beendet und die stillgelegten Betriebe der Alpinen nach -und nach in Gang gesetzt werden. Die Generaldireklion der Alpinen Dwntaugesellfchaft hat gestern abends dem Metallarbeitevver'band die Gegenvorschläge aus die Forderungen, der Arbeiterschaft überreicht. Ein Exemplar wurde gleichzeitig dem-Minister für soziale Fürsorge/Dr.' R e s ch, übermittelt. Der Äkelallarbeit-evverba-nÄ wird diese Gegenvorschläge -einer eingehenden Prüsnng unterziehen. . .Dem Vernehmen. nach präzisiert .die Mpine in ihrer. . Antwort ‘ ihren Standpunkt' zur Erhöhung des Cifenzolles. - Der Essenzoll beträgt gegenwärtig 2,5 GoMronen und ,es dürfte die Erhöhung bis auf.3,75 oder 4 Gold-. - k-r ovn veÄangt -Wochen. Die Ttlpine wich von' der Leistung des -- Brud'er>ladtnbersrchernv-gsbe'itrages lfast völlig Vers cho-n t blechen: .-eswichan Welle -der beftcheuden Versicherung an bic Schäftung einer n e u e n Unfallversicherung gedacht. Dre srachtlicheu Zugeständnisse, die der Alpinen znkommen sollen, werden morgen einen Hcnuptteil der Diskussion -bilden. Minister für soziale Verwaltung Dr.- Res ch hat die Vertreter der Arbeiterschaft und der Alpinen für Montag zu Verhandlungen eingeladen, die auf Grundlage der beiderseitigen Vorschläge abgchalten werden Men. J.n Donawitz blockierten gestern 2000 Streikende das Hüttenwerk, um 70 Arbeitswillige am Betreten des Werkes zu verhindern. Die Arbeitswilligen wurden beschimpft und einige von ihnen mißhandelt. In Donawitz und Schönau wurde der Erzbau am Erzberg wohl nicht ganz eingestellt, aber bede.utend eingeschränkt. Es wird -nur an zwei Tagen der Woche gearbeitet. Die Wiederaufnahme des Volllbetr-iobes hängt von der Beendigung des Hüttenavbeiterftr-eiks in Donawitz ab. Ende des Streiks bei Siemens und Halste. Der Konflikt ' bei der Firma Siemens und H a kl s k e ist beigelegt. Am Montag früh erfolgt die Wiederaufnahme' der Arbeit. Die von: Präsidenten des Obereinigungsamtes, Hofrat Dr. Hamperl, eingeleitete,l Vorhandlungen halben bis Freitag zu einem Ergebnis geführt, das gestern von einer Vertrauensmännevversammlnng des Betriebes Siemens und Halske einstimmig« n g e n o m m e n wurde. Die Firma hat eine Reihe von Zugeständnissen an die Arbeiterschaft gemacht. Es wird insbesondere die Akkordbasis für die Franenlöhne erhöht. * Große Lohnforderungen der Fleifchhauergehilsen. Wie die Genossenschaft der Fleischhauer mitteilt, hat die Vo-rstehung anläßlich der seitens . der Gehilfenschaft gestellten neuen Lohnforderungen, die ein Ausmaß von -50 bis 60 Prozent erreichen, den Vertretern der Gehilfenschaft mitgeteilt, daß au eine Erfüllung der gestellten Forderungen unter den obwaltenden Bechältnissen nicht zu denken ist und sie zu einer mündlichen Aussprache zur Erörterung der Gründe für das Verhalten - der Genossen.schafisvorstehung eingeladen. Letzte Kurse. New-Bork, 10. Oktober. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.84London Scheck 4.80, Amsterdam 40.20, Paris 4.62, Brüssel 4.51, Nom 4% Madrid 14.88, Zürich 19.30, Stockholm 2683. Oslo 1993 Kopenhagen 24.18, Wien 14^, Budapest U% Prag 2961/*, Belgrad 177Va, Athen 1.39, > Buenos Aires 41 */♦, Rio de Janeiro 1b.—. Bukarest 48. New-Dorü» 10. Oktober. iTel.-Komp.) Weizen rot Winter 158^2, Weizen hart Winter 160% Mais 91%. Hafer 457$, Roggen 897z. Chikago, 10. Oktober. (Tel.-Komv.)' Weizen per Dezember 148'/«, Mai 1437«, Juli Mais P6r Dezember 75V», Mai-807», Juli; Hafer per Dezember 40'/,.Mai 447z, In t —; Roggen ver Dezember 81°/„-MaI 87 Juli —. v . ft* //* f.g $g? vP fj F Sie Regierung verhandelt mit den Beamte«. Im -Fünfnildzivanzigcransschnß crstattete gestern i>ci Vorsitzende Direktor H old den Bericht über seine l-etzte^ Aussprache mit dem Bundeskanzler. Es wurde der Re-.. gierung das Erg«bnis der Urabstimlllung mitgcteilt' uni ' die .sich.-daraus ergebende Lage einer ei «gehe »well Erorie. . rung unterzogen. Ans Grund der Darlegungen des Vor- - sitzetldell des Fünflllidzwan-zigergusschnsscö erklärte -der Bundeskanzler, daß nunmehr der Weg für Vcrha-nd-' lungen offen sei und daß diese, in den nächsten Tagen beginnen"könllen. Dev Vorsitzende naX>m dü'se' & klärung tzes BuildeskanKlers zlir Kenntnis, betonte jedoch, daß -solche-Verhaudlnngen nur dann z-n einem für die Beamte-nfchäst befriedigenden El-gebnis führen fönncu, welln sich ans denselben spätestens bis zum Egrd e dieses Monat8.über Richtung und Ausmaß..der .. voll der Regierung ins-Auge gefaßten Ndaßnahmen ein vollställdig klares Bild'in günstigeni Siilne gewinnen laste. Sie Raxbahnenquete. Um die Frage zu klären, ob durch die 9iaxsoilbahn da!r Q-uelüMiet der Wiener- Wassertcitnng gefähnoe: werden könnte, wirrde-gestern'im Landhcmse eine Enquete abgchalten. Bürgermeister Seitz vertrat die Anschauung, daß der Bau der Raxibahn verhilldert werben müßte, wenn sich tatsächlich sanitär^ Gefahren Meben. Er bedauerte, daß der Harldelsminister,. der. die Korlzessioll ohne B e s r a g ri n g . d c 8 Ob er ft c n Sani t ä ts r a 4 e s erteilt hatte, rricht - pir Enquete erschienen sei. Die BahNkolMssiollärc teilten mit, daß - der Bau, in. den bereits neun Millm-rben hineüigchcckt loordey seien, der BollelldlittA enittzegeugche. - - Professor Kau p (München) bchandvlte die QlieMn? - verhältn-isse aus der Rax und kam zu dem Schlüsse, daß der- Pan der RaWllbahn die FäkalierlMstchr aus den ^Schntzhütte-n i ernvöglichen.würde. So könnte j e d 4 möglich e Be r-f seuchnngsgefahr für die QÜektew'.'beM welbm. ' ' V7.V.' Ter Wiener ObevstadtphMus Dr. Böhm erblärte.'daß bei gewissenhafter Einhaltung -der den Konzessionärell gestellten Bedingungen vorr einer Gefährdung der Q ue-l -stc n nicht gesproche n werden.könne. Bürgermeister Seitz teilte schließlich als Forder-lUtgen der Gc-nl-einde Wien mit: Strengste E i n h a l t.n n g aller KoNlZessionsbedlinguugen, Schaffung eines Q n e l l e n s ch n tz g e s e tz e s und eine entsprechende Handha-bultg der Gesetze über PächterlsäMtz, WiaderbesiMnng . und Mmu-nd Woidenschntz. ..Panemopa." Coudenhove-Kalergi über die „Bereimgten Staaten von ■ Europa". :){. X Eoltdenhove-Kalergi, der Verfechter van „P a neuropa", begibt sich dieser Tage nach Amerika, nm auch dort seine bekallitle Idee eines ZusallMlenschtusses aller europäischen Staaten zu propagieren. Für gestern lud er die Vertreter der Presse' zu einer Aussprache Über das Dhein^a seines Planes ein. „Europa spielt heute" — so führte er ans — „im Staateugesüge der Welt diesekbe Rolle, wie einst und noch hellte der BaKan in Europa. Es ist ein ewiger Braltdhe-vd, der erst zur Rlihe komuren wird, welnr die Staaten sich ähnlich!vie in Amerika zlisaintnanigeschlossen haben werdeil. Die WE ist hellt-e scholl 'in fünf große Uuiwt-w vingvdM. Die pgn-, alnerikanische Union, das britische Imperium, die Solvsetltnion, Ehina lmd als seMständ'iges WirtfchastsgMct Japan. Eilie ebensolche Uliwn niüßte auch in Europa hevgestellt werden. Das ist das $ieil der paneuropäischen Bewegung, deren Gedanke ans Sitllh, den Kanzler Heinrich des Vierten von Frankreich, zurückgeht, und von Leibnitz, Kant, Nietzsche, St.-Pierre, Si.-Simon, Eomte, Victor Hugo, Renan, AkaAni, Crispi u. v. a. sorchestihrt wurde. Au fde.nr Wege, der paneuropäischen Union lväre es zu belverksteMgen, daß auch Alll-erika lind Solvjetr-nßland, die ebenfalls a-lltonome Uni-mlen darstellen, und den: VAkevbnNde ebenso wie Deutsch-- laub sernbleiben, dc:r Welligemeinschast bMveteu. - Um diese ideale->r Ziele durchzuführen, müßte -in Europa ei-ll A-b b a u -d e x Zwis chen grenzen in strategischer Hinsicht durch Migatorische Schiiedspstich-t, Garalltiepakt,. MiMtärikolwentionell und derigleichelt, Platz greifen. J-n 'wint» schädlicher Hilisicht müßte in ganz Europa Zoll-nnivn und Währungsg-eme!inschaft emgeführ't werden. Um die ma-Honalcn GefiMe der in der Union ver-einilgten Völler llicht zu kränkell, müßte der AUlldecheitsschutz nnter^soWaÄ-' scher Garantie lveitex ausgebant werden." Coitdenhove-'Kal-ertzl, der erst vor zwei Jahren die propagandistische Tätigkeit für seine Idee aufge-n-omnven ha-t, kann schon ans große Erfolge hiniweistn. Fast alle Staatsmänner,, Pelzmäntel, Seal, Persianer, Murmel Oiene Auswahl! Umänderungen kulantest! Alle Preislagen! GRKTZER PELZE I..ROTENTURMSTR.22 .TELEPHON 71-4-30

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