Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2382 (10.10.1925)
- Date
- 1925-10-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. «SS t, — Wie«, G-mStsg_ Wiener MoviMzertung 10. Oktober m Vcke tz Das fran-östschv HeereSbudget^ Paris, S. Oktober. (Tel^Äomp.) Die Fmachkommftjon der Kammer prüfte heute das Budget des Kriegh ttinisteriums. DaLei wurden Abstriche in der Me von 50 Millionen Franken vorgenommen. Minister Schrame! schwer vmmiMlt. Paris, 7. Oktober. (F. T. A.) Der stanzäsifch« Annen- Nlmster Abraham Schrämet ist, als er heute das ßlttttftetium des Innern verließ, von einer Autodroschke Verfahren worden. Er wurde schwer verletzt und ist rnverMlich in seine Wohmng gebracht worden. Minister Zchramek ist eines der beiden jüdischen Mitglieder des Eabinettr Painleve. _ Hugo Preaß geftorbe». Berlin, 9. Oktober. (Wolff.) Reichsminister a. D.!ür. P r e u ß ist heute gestorben. Dr. Preuß war der Schöpfer der Weiniarer Bevsassung. Er wurde wegen seiner Augehörigkeit zum Judentum von den Häkenkveuzlern wiederholt angegriffen. Bor dem Mütritt der Kabinetts Srabski. Berlin, 9. Oktober. (Tel.-Kourp.) Wie die Blätter m Warschau melden, hat sich die Lage des Kabinetts Grabs ki seit gestern kritisch gestaltet, doch hat es der Mmisterpräisident verstanden, den Rücktritt des Kabinetts bis auf »weiteres zu vertagen. In der gestrigen Sitzung des Seniorenkonvents des Sejm wies Ministerpräsident Grabski Wf die Verhandlungen in Locarno hin und betonte, es müsse alles verhindert 'werden, was die Position des Außenministers Grafen S k rz y n s k i in Locarno erschweren könnte. Der Semorenkonvent beschloß darauf, die Beratung 'der Sanierungsgesetze im Plenum des Sejm bis zum 20. d. zu vertagen. Dieser Beschluß hat bei der Regierung wie auch in Abgeordnctenlkreifen Ueberraschung hervovgeruftn. Die Regierung erblickt darin ein kaum verhülltes Mißtrauensvotum. Mnisterpräsident Grabski hatte gestern abends eine lange Unterredung mit dem Staatspräsidenten, in welcher dem Vernehmen nach auch die Frage seiner eventuellen Mchfolgevschaft zur Sprache gekommen sein soll. Ae englischen Begarbeiter. London, 9. Oktober. (Tel.-Komps) Die Delegiertenkonferenz der Bergarbeiter hielt heute eine zweite Sitzung ab, in der sich die Delegierten bereit erklärten, mit der königlichen stntersuchungskommPon, die unter dem Borsitz Sir Herbert Samuels steht, zusammenzuarbeiten. Nachdem der Vorsitzende S m i t h sich für die TeÄuahme der Arbeiter an der Untersuchung ausgesprochen hatte, stießen die Bergarbeiter ihren gestrigen Beschluß, die Zusammenkunft abzulehnen, mit 574.000 gegen 237.000 Stimmen um. * Keren Kajemeth l'Jsrael. Alle NationalwiMkommWre werden ersucht, die Büchsenleecung im Lauft der nächste» Tage zu beenden und bis spätestens'Doniterstag den 15. d. zu verrechnen. Bei Regen, Wind, Kälte wird man leicht von Erkältung befallen. Man muss daher rechtzeitig Sorge dafür tragen, dass im Hause ule fehle der m seiner schmerzlindernden Wirkung einzige ech t e DIANA Franzbranntwein mit Menthol welcher für Massage Einreibung, Umschläge und als Gurgel wasser gleich unentbehrlich ist Ueberali erhältlich Diana - Franzbranntwein - ProdiiRtlon - Ges. W EN, II. PRÄS, VBfil. Engerth Iraiae ISS Lieben, Brahobeijova 1073 SrmWgnng der Schweizer Bisumgebühr. Um die Einreise in die Schweig bis zur gänzlichen Aufhebung des Visums zu erleichtern, hat der Bundesrat folgenden Beschluß gefaßt: Die Gebühr für das "einfache Visum und für das RückreiMsnm beträgt fünf Franken; die Gebühr für das Danervifum und für das Dauerrückreifevisum beträgt für die Angehörigen derjenigen Staaten, welche Gegenrecht hallten, zehn Franken pro Jahr. Oe sie r r e i ch isch e n und deutschen Staatsangehörigen, deren Negierungen der Schweiz Gegenrecht halten, werden für mehrmalige Reisen, falls die Borausisetzuugen für die Erteilung des Dauervffums erfüllt sind, von den schweizerischen Auslandsvertretungen und den Kantonsbchördcn D a u e r v i s a, beziehungsweise Rückreisevisa zum Preise von zehn Franken erteilt. Die Gültigkeit dieser Visa beträgt e i n I a h r, falls der Paß nicht vor dieser Zeit abgelausen ist. Für die Angehörigen der übrigen Staaten beträgt die Gebühr für das Tauervifum wie bisher fünfzehn Franken pro drei M o n a t e. Dasselbe wivd in der Regel nur für drei Monate erteilt, in Ausnchmsfällen für sechs Monate. Letzte Kurie. New-Bork, 9. Oktober (Tel.-Komv., Berlm 23.80. London Kabel 4.84V,,. London Scheck ISO5/,*. Amsterdam 40.18, Parts 4.6!. Brüssel 4.52 Rom 4% Madrid 14.40. Zürich 19.28, Stockholm 2683 Oslo 2008 Kopenhagen 24.22 Wien 14l/4. Budavelt 14V* Prag 296V*. Belgrad 177% Athen 1.39». Buenos Aires 416/I6 Rio de Janeiro 15.—. Bukarest 48 Rew-Bvrh, 9 Oktober <Tel.-Komv.) Wetzen rot Winter 154. Weiten Hart Winter 155V» Mais 90'/,. Hafer 45*/* Roggen 87V,. Ehikago 9. Oktober. (Tel.-Komv.) Wetzen per Dezember 139. Ma» 139»/* Juli : Mais ver Dezember 76*/8, Mai 81, Juli —Hafer ver Dezember 40 Mai 44V*. Jui -: Roggen ver Dezember 80 Mai 85V, Juli- Am Htm fflienet demeinderat. Der Wiener Gemeinberat trat gestern zu eimr ikurzm Sitzung zusammen, um einige laufende Angelegenheiten und GeschLftsstMe, die -der Stadtsenat während der Ferien durchgeführt hat, zu erledigen. So wurden unter anderem üher Antvag des Stadträtes Tandler 6 Millionen Schilling als Beitragsleistung der Gemeinde zum Be- Lviebsabgang der Wiener Fonds<spitäler 'bewilligt. Die Gemeinde hat sich im Ausgleichswege verpflichtet, dem Bund für die Zeit vom 28. Juli 1920 bis zmn 31. Dezember 1923 auf Grund des Krankenanstaltengesetzes die genannte Summe zu bezahlen. Ferner wurde der Entwurf für die Wohnhausanlage am - Thury genehmigt. Für Straßenherstellungsarbeiten wurde ein Kredit von 475.000 Schilling bewilligt. In Favoriten soll ein altes Pserdeschlachthaus in ein Obdachlosenheim umgewandelt werden. Für die Anfertigung einer I o h a n n - S t r a u ß - P l akette sollen 1000 Schilling verausgabt werden. Stadtrat Siegel berichtete über ein Grun-dtauschübeveinkommen zwischen der Gemeinde Wien und der Herrschaft Hoyos, wodurch eine Arrondierung des städtischen Besitzes im Gebiete der großen H ö i L entalquelle ermöglicht werden soll. Im Jntereffe der Hochq nellenwasserv e rsorgung erscheinen diese Ausgaben durchaus notwendig. Man wird auch an die Regierung herantreten, um die Möglichkeit eines größeren Schutzes der Hochquellenlvasserleitnng in Händen zu haben. Der Antrag wurde angenommen. Zu einem Referat des 'Stadtrates Speiser über eine Besoldungsresorm bei der Feuerwehr sprach Stadtrat RummelhardL, der die AngestelltenpMik der Gemeinde einer scharfen Kritik unterzog, weil sozialdemokratische Angestellte vor Andersgesinnten bevorzugt werden. Der Referent stellte dies entschieden in Abrede.- Bon christlichsozialer Seite wurde ein Dringlichkeitsantrag eingebracht, der besagt, daß die Gemeinde die 200 Lehrpersonen, die sich im .Jahre 1923 freiwillig abbauen ließen und keine Stellungen fanden, wieder aufnchmen solle. Dem Antrag wurde aber die Dringlichkeit nicht zugesprochen. Ser Streik bei der Minen. Ein Vermittlungsvorschlag der Arbeiterkautmer. Der Arbeiterkammertaz hat sich mit der B e i l e g u.n g des Konflikts bei der Alpinen befaßt und eine diesbGgliche Denkschrift gestern nachmittags im Bundeskanzleramt überreicht. Bundeskanzler Dr. Ramel hat in Gegenwart des Ministers für soziale.Verwaltung Dr. Re sch die Denkschrift entgegengenommen. Minister Dr. Resch hat nach Durchsicht derselben erklärt, daß diese seiner Meinung nach eine Grundlage für weitere Verhandlungen bieten könnte und sich bereit erklärt, sich sogleich mit der Generaldirektion der Alpine Montangesellschaft in Verbindung z u s e tz e m Dr. Resch setzte von dem Wortlaut der Denkschrift die Generaldirektion der Alpine Montangesellschaft unverzüglich in Kenntnis und stellte das Ersuchen, sich zum Inhalt derselben zu äußern und eine Besprechung in dieser Angelegenheit bereits für Montag zu ermöglichen. Einstellung des Sicherheitsdienstes durch die Arbeiter. Dem Grazer „Arbei-terwille" wird aus Donawitz gemeldet: Ueber Wunsch der Hüttenverwaltung wurden bei Streikbeginn vom Streikkomitee für den Siche- Salonili. In SäloM kann «um Nicht eigentlich von Mischen Lasten", ja, nicht einmal von einem „Judenviertel" reden, da mehr als die Hälfte (80.000) der 130.000 Einwohner dieser Stadt Juden sind. Die Juden geben also der Stadt das Gepräge. Im Jahre 1917 wurde SalonÄi von einem riesengroßen Brand heimgesucht, dein ungeheure Werte zmn Opfer fielen. Bor diesem Brande gab es in der Stadt 80 Synagogen, deren größte die „Talmud Thora Agodol" war. Jede Synagoge wurde nach den Orten Spaniens oder Portugals benannt, woher die Gemeindemitglieder ursprünglich stammten. Heute sind nur drei Synagogen übrig geblieben, -das ,Keth Saul", das vor einigen Jahren von -der Philanthropm Fakima Modiano erbaut worden ist, die Synagoge Savfatty, vor zwei Jahren durch einen reichen Selfmademan gleichen Namens gestiftet, und das „Beth Israel", das die Gemeinde int Jahve 1923 errichtete. Außerdem gibt es etwa hundert „Midraschim" sowie das Rab- Vinerss-eminar „Or M)aÄn". An öffentlichen Wchlfahrtseinrichtungen sind vorhanden: das Hirsch-Hospital, ein Werk des bekannten Barons Hirsch, drei Armenapotheken, „Bikur Cholim", „Pmchas" und „Ehassid", die unentgeltlich Medikamente verteilen, und zwei Waisenhäuser, nach den Stiftern „Charles Allatini" und „Aboav" genannt. Die Gemeinde verwaltet fünf Vorstädte, die ausschließlich von (2522) Mischen Familien bewohnt werden; fünf weitere, die von Privatgesellschaften erbaut sind, werden ebenfalls nur von Inden bewohnt. Ferner gibt es ein Irrenhaus, eine Waiseuspeiseanstalt ,Mttanoth Leaviomm", eine Handwerksschule „Thora Umelaha", die Krankenhilfsorganisationen „Jeschua Berchamim", „Amicale", „Malbich Arumnn" sowie den Hilfsfonds Abraru Rcvan für bedürftige Schiller. Die we-iblichen Vereinigungen Socicte Debora, La Layette, Veyoth Israel, Ligne, -des Fvmmes Juives beschäftigen sich hauptsächlich mit Schwangerenfürsorge und Wochenpflege; außerdem suchen sie religiöse Indifferenz und Tauft, zu ver-.- hindern. Daneben.gibt es noch m-chr oder minder gesellige Ber- > Migungen, wie Union mutuelft iutoee den Nouveau Mb, die Association des anciens el-oves de l'Attiance Jsraelite, die B'-nai- B'rich-Loge und dergleichen. Der Zionismus ist in Saloniki stark verbreitet. Es gibt nicht weniger als zehrt zionistische Bereinigungen. Jüdische Zeitungen sind: in fr-anzöisischer Sprache: ,^-e Progres" und „Jndependant" (Tageszeitungen), in sMivlischer Sprache: „El Poevlo", „La Berdad". „El Tiompo"; des weiteren ein kommunistisches Organ: ,/L'Avant" sowie ettva zehn humoristische Wochenschristen. Andere Wochenschriften sind: „Pro Israel", „Tribüne Juive", „Connaitre", ^'Information" (kommunistisch). Es gibt vier Mische Banken: „Palestinian Banqnes", „Banque Amar", „Banque Benveniste" und „Banque Nlosseri". Die Gemeinde unterhält eine Bol-ksschnle; ferner bestchen von der Alliance Jsraelite Universelle und von Baron Hirsch, gestiftete Schulen, die schon -erwähnte Taknnd Thora Agodol und etwa 20 weitere Privat- und Kommnmlschulen. Ein altchvwürdiges Beth Ditt, das die religiösen Streitigkeiten zwischen den Juden schlichtet, tvir-d von dem Neferand Enranuel Broudo geleitet. In der griechifchen Kauuner sitzen vier Saloniker Juden, die Herrert Josephe Saias, Jessua Samirelides, Dr. Jacques Levy und Alhanatti. Der Mische Friedhof besteht schon seit dem Jahre 1492, und hier ruhen berühmte Raibbiner wie Maradjan, Kaana, Hayat, Lukas David, Fertrandez, Beressi, Ascher Eovo usw., sowie edle Menschenfreunde wie Charles Matini, Jacques Pascha Nisfim, Dr. Ferrera, Saul Modiano und Mute. Fakima Modiano. Ein -eigentüutliches Bild bietet Saloniki ' am Freitag abends und Sonnabend. .Am Freitag abends, werln die Sterne .am Himmel aufleuchteit, wandern die Frouunen in die Bethättser. In den Mohltuttgen mrd auf den offenen Terrassen sieht man die Sabbatlampen btemten unö um weißgedeckte Tische in festlicher Kleidung die Hausleute sitzen, und hört sie jubelnd Lieder singen zu Ehren -der Sabbatbraul, zum Preise^ Jerufaloms. Am Samstag entwickelt sich in den -engen Gassen) - eit,'- Feiertagsleben. Alle Geschäfte sind geschlossenalle Räder sichen still, alle Avbcit rühr, denn jeder Kintfcher, jeder Last- ' träger ist Jude. Die SchiMadüngen iverden nicht gelöscht, am Sonnabend biegt auch der Verkehr im Hafen stL. Man sieht am Kai und in den Straßen nur Spaziergänger. Diese Juden von Sallmiki sind ein Geschlecht von gwßen Männern und schönen Frauen, und wenn sie in ihren prunkenden orientalischen Gewändern erscheinen, könnte man sich nach dem alten Palästina versetzt wähnen. ,Mnn ich ein Jude wäre", schreibt der norwegische Dichter Mexander L. Kielland, „und in Nordeuropa wchnte, wo sie iiMter hören müffen, daß sie schwarz und klein und schiefbeinig sind, würde ich jedes Jahr nach Saloniki wie in ein Bad reifen. Ich wüvde meine Stammesverwandten ausiuchen, den zobelverbramten Kaftan und die hellen, feinen Unterkleider anlegen und in der Freude über die Schönheit des auserivähltetr Volkes, wie sie sich hier bewahrt und entwickelt hat. würde ich meine Beine strecken und meillen Rücken gerade richten und meine Seele -mit Verachtung gegen die Nordländer mit den hohen Hüten und den tvässerkgen Augen erfüllen." — Trotz ihrer großen Zahl sind nur wenige der Salonikier Juden, die aus Spanien eingewandert sind und noch das Spanische als Muttersprache reden, ganz arm. Die meisten sind wchlhabend, einige immens reich, wie die Modiano, Morpurgo, Bensussan, Saias, Allatmi. Bon Modiano sagt man in SalonAi, daß er so viele Millionen habe, als ein Mnfch Zahne m einem gefunden Gebiß. Bon Allatmi rühmt man besonders seinen WchltätigksitOnn, den Stiftungen und Spenddn von Millimtev bezeugen (siehe oben). Sein Name ist auch in Europa bekannt geworden, als seine Billa seinerzeit als Gefängnis für den entchwnten Abdul Hamid eingerichtet tvurde. Diese BMa liegt -m einem Garten am Meere, von hohen Akauern umschlossen. . Eine Gemeinde in der Gemeinde bilden in Saloniki die Anhänger der Sekte des Sabatai Zewi. An Zahl 2000, leben sie, als Uoberläufer und Glaubensverräter von den spanischen Juden gehaßt und von -den Türken verachtet, gang für sich Mau behauptet aber, daß dich Abtrünnigen im geheimen noch die hohen Feste der übrigen Juden mitfeiern. Man erzählt jedoch noch -anderes von ihnen, und ein Eingeweihter berichtet, daß diese Minim oder Dönme, ivie sie Mannt werden, am Vorabend des 9. Ab sich mi't ihren Frauen in einem geheimer , Bethaus zu versammÄn-pflegen und abscheuliche Orgien-feiern. . Saloniki wäre ja nicht eine Stadt des Örien-ts, wenn -es dort nicht auch Mrchen -gäbe ...