Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2382 (10.10.1925)
- Date
- 1925-10-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite § Wen, Sanis tag Wiener Morgenzeitung Icr Wsche ZAllüch. Die Me iw MM»«! In alten de seren Geschälten erhältlich I zahlenmäßige Uebermacht des nichtjüdischen Elements viel von ihrer politischen Badeutung. Alle Kultnrleistung de-r europäischen Völker im Orient ist nur von einer verschwindenden Minorität vollbracht worden. Was diese Völker für sich anerkennen, dürfen sie gegenüber dem Judentum nicht in Abrede stellen, obzwar dieses nicht die Absicht hat, in der Minorität zu bleiben. Es hat vielmehr den felsenfesten Willen, die Einwanderung so weit Zu steigern, daß es seine Position nach allen. Seiten hin sichern kann. Das ist nichts, was gegen die Araber gerichtet ist, denen nichts genommen wird. Daß Judentum besetzt Boden, der bisher frei und vernachlässigt geblieben ist. Den Arabern bleibt Land und Bewegungsfreiheit genug, ihre zivilisatorischen Fähigkeiten zu üben. Der Zionismus muß über diese Seite des Problems Aufllärung schaffen. Er kann sich angesichts so starker Widerstände nicht darauf beschränken, nur seine Taten sprechen zu lasten. Er muß selbst sprechen und dies überall dort, wo er Gehör zu finden hofft, nnd auch dort, wo ihm die Verleumdung entgegenzuwirken lwstrebt ist. Präsident Weizmann wird bei den Verhandlungen in Gens selbst zugegen sein und er ist die für die jüdische und die mchtjüdische Welt autoritativste Persönlichkeit zur Aufhellung von Mißverständnissen. Er wird wenige Tage spater' in Berlin vor dem Aktionskomitee der Zionistischen Organisation berichten. Dich Körperschaft wird dann die Aufgabe vor sich sehen, die politische Aufklärungsarbeit, die so notwendig ist, durch die Bereitstellung von Geld und Menschen zu sichern. Gfa Heuet Kolonisation-plan fit Palästina. Cm Zsttterview mit Dr. S. E. SoSWr. etwa mit einem System, welches den Siedler und seine Familie statt in c,feiern Hause, itt einen« Zelt oder einer Bretterbude leben läßt. Eine wichtige Frage ist, welcher Teil Wftr ^dosten vqt. LMltchen 8-chs;. 'n unserem Falle v o m Keren Hajesfo d, getragen werden soll. Rach niemM Plane hat der Keren Hajestod nicht mehr Äs 500 Dollar beizutragen. Den Rast hat der SiMer seWst aushubriugon. In anderen Worten: Rach meinem System. -sollen Angchöritze der sogenannten MittMasse, welche bei der jetzigen Eiutvaüdemug das Mitaus überwiegende Uement dachellt, Menschen nrt gewissen Mitteln angefiodelt werden. Allerdings soll der Keren Hajestod nicht nur die 500 Dollar beibringen. er soll auch durch Mstellimg von Instruktoren, Sachvechandigen, durch Organisation u-nd Lotung Bedingungen schasftch welche für den Erfolg ivnerläMch sind. Die Summe, welche der Kongreß für Mine Arbeit 'bewilligt hat, ermöglicht die AusieMrng von 400 Familien 'm ersten Jahve. Es ist im Verhältnis zum gesamten KoLonisationÄbu-dget ein Meiner Teil. Ich glaube, daß in nicht allßuftrner Zukunft rn Palästina vielköpfige Kolonien auf vechÄtnis-nräßig klonen Mchen entstehen iverden, je 500 FanMieu ans 760 bis 860 Acres bewässerten Landes. In einem Lande, welches ein so vorzügliches Klima hat, fast umrnterbochen Friihlung und Sommer, in welchmr die Temperatur nie unter den Gefve-» punkt sinkt, Mch nach Mthoden gearbeitet werden, üvÄche die herrlichsten Gaben der Natur, das Sonnenlicht und die Sonnenwärme, voll ausnützen. PaläsKina kann nicht nur genügend Früchte, Gemüse, Geflügel, Baumwolle, Tabak, Sside und Körnerfrüchte für feine ivachtstnde Bevölkerung hervorbringen, es kann ei« Expo rtland für FrühkartoMn, Tomaten, Zwiabsln, Trauben, Bananen und andere Früchte, Eier,. Geflügel, Obst- und Gemüftkonfervqn werden. Alle uniftve Anstrengungen — so schließt Dr. SoÄkin — müssen dahin gerichtet sein, den Uobergany vom städtischen zum läM'chen Leben Möglichst leicht und möyWt billig zu gestalten. Der RedMeur der New-Horker ZeitfchM ,MSW PÄeftine", Herr I. Goldberg, nahm GelogscheÄ, Herr» Dr. SoSkin. für dessen AlLanisterurigsversuche der letzte ZumistenLongreß in das Jahresbtüget 20.M Pfund Sterlttw eingesetzt hat, Aber se-rne Plane zu befragen. Doktor Soskin äußerte sich wie folgt: Ich halbe das Problem der lÄMchejn! BefiMmrg nicht cheoretisch, sondern praktttsch u-nd shstLMatisch In allen EÄteklen studiert Mch bin zu einem Syistem gekommsiv, welches vor allem einen Vorteil bietet: Es gestaltet de« Uebergang vom stMrschen Leben Mn ländlichen Achter als irgend ein anderes. Bei der Ueiberfühvung Vdm Jude« zur Landwirtschaft ist dieses Moment von primärer Bedeutung. Meine Methode ist charakterisiert durch kleine, geschlossene Siedlung, intensive Bearbeitung des Bodens wch in der Ausnützung des Sonnenlichtes in Palästina, welches meiner Ansicht nach d a s g r ötz t e Aktivum des Landes darstellt. Palästina ist nicht das Land des. Getreideanbaues, sondern das Land der Früchte und Gemüse. Wenn für Bewässevung gesorgt wird, ist es möglich, aus der glichen Mche nnt Pflanzungen den zchnsachm Ertrag zu erzielen als bsi dem Getreidoanjbcm. Ich will in Palästina das System zur Anwendung bringen, das heute in Kalifornien, "m Süd- und Ostspanien, aus den Kanarischein Inseln und in den Mttelmeerländern das vorherrschende ist. Man kann vom Durchschnittsjuden nicht verlangen, daß sr Schere und Nadel, Hobel mild Säge und die Elle einfach weglegen und das physisch unenldAch anstrengende Leben -des Geiveidebcmern achn-chmen soll. Wühl haben Juden das getan und manche haben gewisse Erfolge er- Ms. Aber Man erzählt nicht, wieviel dabei Schiffbru ch geliitten haben. Das entscheidende Moment bei der van mir vorgeschlagenen Mechode der enitensiven Kultur ist nicht körperliche Kraft, sondern Geschicklichkeit, die der Jude leicht evw'M, wenn er sie -nicht bereits besitzt. Auf diesem Gebiete kann der Jude sofort und erfolgreich mit dem Araber konlömrisren. Was die Kostenfrage betrifft, so habe ich für die AnsiMmig Hier Familie 250V Dollar in Rechnung gesetzt. Für diese Summe kann einer Familie in Palästina mehr geboten werden als in irgend einem anderem Laude und in irgend einer anderen Form. Eine Familie mit kleinerem Kostemuswande anzUsiedel«, scheint mir unmöglich. 1250 Dollar für Wohnhaus und andere Ge'bäude, 750 Dollar für Land und Be- 4västevung, 250 Dollar für Saatgut und Wevtzeuge und 250 Dollar für die LelbenslhMung int ersten Jahre. Ich kann und will nicht mit einem System rechnen, welches unter dieses nicht mehr herabzudrückende Minimum geht, - Rdeflinn gegen Sttlet. München, 9. Oktober. (Woiff.) Der Landtagsabyeordnete D r e ch s l e r» der frühere Ehrenvorsitzende der Nationalschialrstischen deutschen Arbeiterpartei, hat gegen A dols Hitler eine Beleidigungsklage erhoben. Ein Bersöhnungsversiuch ist, die ,Münchener Neuesten Nachrichten" melden, gescheitert. Der Grund der Klage bestehe in Aeußerungen, die Mer bei einer Sitzung im Fraktwnszimmer der Pfihifchen Landtagsfraktion im Zusammenhang mit dem Meineidprozeß Ehrend peraer gemacht haben soll: Hitler soll Drechsler die Schuld an der Verurteilung Ehrenspergers wegen Meineides zu Zuchthaus gegeben Md ihn der Lüge geziehen Haben. , _ M.M SarMen. Rom, 9. Oktober. Der große faSziftische Rat hat die Beratungen über die Versassungsresorm abgeschlossen und unter Ablehnung aller anderen Anträge beschlossen, daß der Senat zum Teil aus den Korporationen gewählt werden soll, während die lebenslänglichen Mitglieder in demselben verbleiben. Sodamr wurde feistgeftellt, daß in der saszistischen Partei 800.000 Mitglieder eingeschrieben sind, nnl 160.000 mehr als im Vorjahre. GS wurde beschlossen, die Aufnahme von Mtgliedern zu sperren, um eine neuerliche Revision der Liften vorzMehmen. Die Blätter 'begründen dies damit, daß die Freimaurer beschlossen hätten, in di« ifaszstttschen Organisati-onen einzudringen. Sie griechische StaatMe. Athen, 9. Oktober. (Lel.-Komp.) lGeneral Plastira S, der Führer der Revolutton von 1928, ist in Athen eingetrosfen und hat >mit den Führern und ehemaligen Ministern des republikanischen Blocks sowie den fortschrittlichen Liberalen Besprechungen gehalten. Die politische Lage ist nicht zu übersehen. Die politischen Parteien halten Konferenzen über Konferenzen ab. Die Unzufriedenheit wächst mit jedem Tage. Die Regierung soll entschlossen sein, sobald als möglich Neuwahlen auszuschveiben, um eine Klärung herbeizuführen. , : Lar Panama von SiorgySr. Budapest, 9. 'Oktober. iTel.-KvmP.) jJn der Angelegew Mt. der Defraudationen in den staatlichen Eisenw e r k e n von D i o s g y ö r erhält .Maghavorszag" dom Leiter der Untersuchung, Po-lizeitonziPienten Unge r, eine Information, ivonach. die Untersuchung zur Verhaftung des Hauptbetriebsleiters der Fabrik, Ko tozsvary, geführt hat. Kolchsvary war der Haupturheber der vovgekommenen Schwindeleien. Die Defrau^dationen haben jedoch keineswegs den Umfang, wie zunächst angeuomnten wurde. 10. Oktober IW Nr. AM Zoo, Berlin, Hardenberg6tr.27 Direktion: N. von Benedito Treffpunkt der Fremdenwelt Berlins S-UtafTce * Souper prix fix » Exquliüe Kflcbe Kaoella» Scnl«4oug'Dand, Milano U 7 Ferner der Wiener Humorist Charlie Woeber Sie Konteren; von Locarno. Deutschlands Eintritt in den Völkerbund. -> Erklärungen Chamberlains und Skrzynskis — Polen und Rußland. Paris, 9. Oktober. Die Agenee Havas meldet aus Z ocarno, die Einmütigkeit der Alliierten dürfte die de nt. sch e Delegation zur Überzeugung gebracht haben daß die Alliierten auch weiter betreffend die Zu lass« n< Deutschlands zum Völkerbund unveränder auf ihrem Standpunkt beharren werden. Die Alliiertei hätte« gestern wohl auch zu verstehen gegeben, daß, selbst wenn sie Deutschland in diesem Punkte Zugeständ. n i sse machen wollten, sie der allgemein gültige o b l i g et ' torische Charakter des Pöllerbundpaktes, den sic il seinen Besttmmungen über die Zulassung von Staaten «ich abändern können, daran hindern würde. Man halte ti nicht für unmöglich, daß sich die deutsche Telegatiou schließlich doch zu einer Aendernng ihrer Haltung ent. schließen diirste. „Andauernd günstig." Locarno, 9. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der a l l g e» meine Eindruck, der sich bezüglich des gegenwärtigen Standes -der Arbeiten herausbildet, ist andauernd günstig. Im Lause des heutigen Tages hatte Briaud mit Dr. Str esc mann eine einstündige Besprechung. Weiters hatte der polnische Außenminister Skrzynski eine Unterredung mit Briand, Chamberlain und Bandervelde. Bei der zweiten Besprechung handelte es sich insbesondere darum, den Kontakt herzustellcn hinsichtlich dex demnächst aufzurollenden Frage des Ostpattes. Mn lYtmmt allgemein an, daß diese Besprechungen eine« großen Einfluß auf die SamStag statffindende Vollsitznng haben werden, der große Bedeutung bezüglich der Fr<bge des Sicherheitspaktes beigelegt wird. " Eine formelle nnd authentische Beurteilung des Stadiums,- in dem sich die Konferenzvechandlungen am Abend des gestrigen Tages befanden, kann in der Erklärung erblickt werden, die heute vormittags Außenminister Chamberlain l>ey Vertretern der e n g I Ischen Presse gegeben hat. Chamberlain sagte im wesentlichen folgendes: Ich hege stets die Nüchterne Hoffnung, daß die Konferenz Erfolg haben' werde. Gleich anfangs sahen wir, daß uns viel Gemeinsames verbindetj und das Terrain der Verständigung wurde im Lauft der Verhandlungen nur noch erweitert. Ich kann nicht sagen, wie lange die Konferenz dauern wird. Wir dürfen aber in den Arbeiten n i ch t ü b e r st ü r z t Vorgehen. Es bestehen noch einige Schwierigkeiten, für die noch keine Lösung gesunden wurde. Es ist schwer, zu glauben, daß wir wS nicht einigen sollten, wo doch so viel des guten Willens und ft viel auftichtes Wünschen aus allen Sei/ ten vorhanden ist. Ich muH Sie bittennicht allzu optimistisch zu sein und nicht zu glauben, daß alles ganz glatt gehen werde. Um so weniger Ware e§ am Platze, wenn Sie den Mut wtb die Hoffnung verlieren sollten. Vor allem bitte ich Sie, sich M Geduld zu wappnen und sich nicht über die Zeit zu beschweren, deren die Konferenz zur endMigen Äsung bedürfen wird, und sich auch nicht über die D i skretion Ku beklagen, die Ihnen auserlegt wird. An diesen letzten Satz anknüpsend, machte Chamber^ lain, indem er des Buches Lord Grey s über die Balkankonsevenz von 1913 gsdachte, auf die großen Schäden aufmeMam, die die Sehnsucht nach journaliMchrn Sensation^ dem Friedenswerk bringen könne. Der polnische Außenminister Skrzynski eMrtt den Pressevertretern, er werde am Samstag mit Dr. Streftmanu eine 'Zusammenkunft haben. Bezüglich seiner Um terredung mit Tschitscherin sagte Skrzynski, daß die Zusammenkunft eine Kundgebung der gegenseitigen friedlichen Geftihle gewesen ft'i. Er werde in einigen Monaten den Besuch in Moskau erwidern, iwn programmgemäß zwischen beiden Ländern srermdnachbavliche Beziehungen aus Gmnd gegenseitiger Vertrauens herzustellen. - Belgien rednzrert die Armee. Brüssels 9. Oktober. (Tel.-Komp.) Der „DernierL Houre" zufolge beabsichttgt die belgische Regierung, ein Armeekorps auszulösen und die Heeresstärke von vier aus drei Korps zu vermindern. Der Grmrd sür diese Maßnahme soll darin liegen, daß die R e k r u t e n a u shebung nur 42.000 Mann ergab, so daß die Aufrecht-, erhaltung der gegenwärtigen HeereKorganifttion unmöglich ist. . _ - ’_, ■ ■ | . ... ' 11