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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-09 · Heft 2381 (9.10.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2381 (9.10.1925)
Date
1925-10-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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beite 2 _-Wien, Freitag Weizmann bleibt an der Spitze der zionistischen kxeliüive. Oüerrabbincr Chajes und Schocken — Mitglieder der Palästiricnstschen Exekutives London, 6. Oktober. Prirsident Weizmann uitb' Herr Sokslow sind hier ans Pavis eingetrosfen.. Aus unterrichteten Kreisen wird mitgeteilt, daß die Liste der neuen Exekutive bereits sestgestellt ist und dem Aktionskomitee' auf seiner für den A. d. nach Berlin emberufenen Sitzung vorgelegt «werden wird. Präsident Weizmann erklärt gegenüber einem Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentnr, daß die Nachricht, er wolle auf feiner Resignation beharren, jeder Grundlage entbehre. Die „IewishTime welche die vom Präsidenten Weizmann dementierte Mttoilung enthalten hatte, meldet unter dem 5. d. aus Paris, daß Weiznmnn den Borschlag seiner Kollegen in der Exekutive angenommen habe, wonach er als Präsident zusammen mit der jetzigen Exekutive im Amt bleiben soll. Dr. Weizmann habe jedoch die folgenden A e nd erungen in der Liste vorgenommen: Herr Schocken tritt an die Stelle des Herrn Dr. R u p p i n, der bekanntlich auf dem Wiener Kongreß von seiner Stelle zurückgetreten ist, und Professor Dr. Ehajes tritt an die Stelle von Josef Co wen, der nicht mehr Mitglied der Execkntive bleibt. Beide Herren, Dr. Chajes und Schocken, sollen der palästinensischen Exekutive als Mitglieder angehören und sich in Palästina niederlassen. Dieser Vorschlag mit den Abänderungen Dr. Weizmanns wird dem Mionskomitee unterbreitet werden. An Wiener unterrichteter Stelle ist über diese Vorgänge bisher nichts bekannt. Die Richtigkeit der Meldung der „Jewifh Times" vorausgesetzt, würde die kommende Exekutive aus zehn Mitgliedern bestehen, von denen vier in London wohnen, nämlich die Herren Weizmann, Sokolow, Lipsky und Naiditsch, während sechs ihren Aufenthalt in Palästina nehmen, und zwar die Herren Professor Dr. Chajes, Kolonel Kisch, Professor Pick, Schocken, Sprinzak und van Briesland. Was die angebliche Berufung Dr. Chajes anbelangt, so ist es bekannt, daß noch während des Kongresses Weizmann an Dr. Chajes mit einem diesbezüglichen Vorschlag herangetreten ist. Seither hat keine Rücksprache in dieser Richtung stattgefunden. Es wird nunmehr abzuwarten sein, welche Entscheidungen das' Aktionskomitee in der am 21. d. beginnenden Tagung ' twsseu wird. _ - * ■ ‘:; Sie Lunchen in Syrien. Paris, 8. Oktober. sCel.-KomP.) Nach - einer Mel- bung aus Beirut hat die m Dschebel Drus operierende französische Hauptkolonne den Drusen zwischen Agleah und Ressas ein Gefecht geliefert und sie nach heftigem Kampfe zurückgeworfen. Trotz ihrer großen Verluste habenaber die Drusenfuhter in einer - neuerlichen Versammlung bei Sultan Atvasch die F ö r t-' setzüng des Krieges beschlossen. Nach einer Londoner Meldung nimmt die B a n d e ntätigkeit im südlichen Syrien zu. In unmittelbarer Mhe von Aleppo wurden sechs Per^nen überfallen, eine von ihnen getötet und zwei schwer verletzt. - ' Der syrische Minister des Innern hat die für Oktober angesetzten Wahlen zum syrischen repräsentativen Rat aus unbestimmte Zeit verschoben. Sie hebMche Tvrache in Rußland. Wie wir kürzlich berichtet haben, stellen verschiedene ' Mische Gruppen in Rußland die Forderung, daß das' Hebräische an den jüdischen Schulen- Rußlands als Unterrichtssprache anerkannt werde. Es wurde auch von einer Mise jüdischer Persönlichkeiten Rußlands eine diesbezügliche Eingabe an die Sowjeregieruug gerichtet. Die Jüdische Telegraphe-nagentur meldet nun aus Moskau, es beste'he keine Aussicht, daß die Regierung die in der oben erwähnten Eingabe erhobene Forderung nach Anerkennung -des Hebräischen als Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen erfüllt. Es bleibt somit bei der alten Methode, die das Hebräische dem „Kanrpfgeist" der jüdischen Kommunistenbuben in der Jewsekcya ausliesevt. _ Ser König von Rumänien skr die Gleichberechtigung der RationaMten. Bukarest, 7. -Oktober. sJ. T. A.) König Ferdinand von Rumänien besuchte gestern die Stadt Teme'sv-ar in Transsylvanien. Er wurde auch von einer jüdischen' Abordnung ^begrüßt. In seiner Antwort führte der König unter anderem aus: Hier, an ^der Grenze des neuen Rumänien, sollen weder die zivilen noch die Militärbehörden daran vergessen, daß alIe rumänischen Staatsbürger Kinder eines Landes sind, und brüderlich behandelt werden müssen. Alle Rassen, die Rumänien bewohnen, sollen zu. einem B u n d vereinigt sein. Die tzuzisten in Piatra-Reamtz.' «ukarch, 6. Oktober. (3. T. Ä.> Die am Koimbreul Piatra-Vteamtz begonnenen anlijWschen Ansschrei tnngen her GuzUen Eetzten. M?in' den solWihen __Wiener Morqenzeitung Tagen fort. Mehrere Juden wurden-schlver verprügelt und verletzt, so auch der Dimktor der Banca de Credit Altert Ä b e l c s, der ans der Straße, von C n z i st e n U i e de r g e s ch läge n lvurde. Ans Bukarest sind 100, ans' Cz-e rnowitz 200 berittene Gendarmen zwecks Aufrechterhaltung der Ordnung nach .PiatraMeamtz kommandiert worden. - Jn-Adjud wurden jüdische Reisende von drei E i senbahnbeamten schwer mißhandelt. — In Ba ca u überfiel eine Gruppe»Gymnasjalschüler die jüdischen Passanten im Stadtpark und.mißhandelten dieselben schwer. Der Getreidehändler Lewi Mär kotz i c i mußte ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ser Riedergang des Parlamentarismus. London, 8. Oktober. Aus Washington wird gemeldet: Die Interparlamentarische Union hak sich nach Ottawa vertagt. Das englische Parlaments- Mitglied Edward forderte die Konferenz aus, die, Frage zu prüfen, warum gegenwärtig die Macht und das Ansehen der Parlamente im Schwinden sei. Die Konferenz nahni eine Resolution an, in tvelcher die Mitglieder der Delegationen ausgefordert werden, einen Bericht über ihre Parlamente zu erstatten, namentlich über die Mängel in der Geschäftsführung, und entsprechende Verbesserungen vorzuschlagen. Alls Anregung der'deutschen Gruppe haben sich die Delegationen geeinigt, in Europa eine Konferenz der Parlamentarischen Union zusammenznberustn, die in Berlin tagen soll. Ter Zweck dieser Konferenz soll sein, die Unterhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland über die Schaffung einer entmilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern Zu fördern. La» christlichnationale Panama. Budapest, 8. Oktober. Dir erste Generalversammlung 'des neugewählten S t a d t ra t e s von Budapest fand gestern abends statt und währte bis spät nachts. Es kam zwischen den Anhängern der gestürzten Antisemitenpartei Wolf und den Demokraten und Sozialdemokraten zu einer Reihe von heftigen Sturmszenen, die den Beweis erbrachten, daß der Gemeinderat arbeitsunfähig bleiben wird, solange ein Vertreter der Wolf-Partei ’ im Bürgermei'sterstuhl sitzt. . Die WolftPartei, die jetzt in die Rolle, einer Minderheit gedrängt wurde, mußte sich von dem zur Mehrheit gelangten demokratischen Block manche unangenehme Wahrheit und Meinung sagen lassen, hauptsächlich'von den Sozialdemokraten, die ihren Gegnern alle Unkörrektheiten und Panama während ihrer Herrschaft vorwarsen. Dabei kam es zu stützm is che n Austritten, insbe-i sondere, als der vom Tisza-Prozeß bekannte Sozialdemokrat Ladislaus Fenyes das Wort ergriff. Um ihn am Reden zu verhindern, begannen die Antisemiten mit., einem wüsten Lärm und Geschrei. Die Sitzung mußte wiederholt unterbrochen werden, und erst als der Bürgermeister Sz i p ö s den Vorsitz dem Oberbürgermeister Ripka Übergab, trat etwas Ruhe,ein. Die ver- -schiedenen'Panamaaffären'wurden auf dic Tagesordnung d e r n ä ch st e nS i tzun g gesetzt. Wie die Panmrristen ihre Arbeiter bezahlen. Budapest, 8. Oktober. (Tel.--Komp.) 26 Mitarbeiter des verkrachten christlich nationalen Hetzblattes „A N e p" haben heute bei bent Strafsenat die Klage gegen das Zeitungsunternchmen -wegen böswilliger Varenthaltung der ausständigen Gehälter 'eingebracht. Das Zeitungsunternchmen „A Nep" gehört einem Konsortium, dem die prominentesten Vertreter des christlichnationalen Kurses, unter anderen der Schöpfer des ungarischen Numerus clausus Stephan Waller, Karl Wolfs, -der Oberpanamist von Budapest, und Prälat Alexander E r n s z t angehören. zur Unzeit wieder Mfgetanchte Steckbriefe. Budapest, 8. Oktober. Die Polizei hat heute den Mitarbeiter Thomas Pal des Blattes „U Nemzedek" (ein Horthy-Blatt) auf Grund eines von den Budäpester und ^egediner Gerichtsbehörden vor mehreren Jahren wegen Aufruhr, Hochverrat und Desertion erlassenen Steckbriefes in Hast genommen. Thomas Päl, ein Bruder des gewesenen Oberstadthauptmann-Stellvertreters der Kavolyi-Mgierung, Dr. Georg Pal, war nach dem Umsturz mit seinem Bruder g e f l ü ch t e l, jedoch vor einiger Zeit wieder nach Budapest zurückgekehrt, da er osjsenbar glaubte, daß seine Umtriebe während der Revolution hier'schon vergessen seien. Er hatte auch beim „Uj Nemzedei“ eine Austcllung als Polizeib e r i ch t e r st a t t e r gesunden. Heute kamen nun durch einen Zufall (!) die gegen Pal gerichteten Steckbriefe zum Barsche)it, worauf er verhaftet wurde. Letzte Kurse. New-Bork, 8. Oktober. (Tel.-Üomp.) Berlin 28.80, London Kabel 4.84-'/,«, London Scheck 4.80*/„ Amsterdam 40.18, Paris 4.64, Brüssel 4.52. Aom 4.01.%, Ätadrid 14.88, Zürich 19.28, Stockholm 26 81. Oslo 19.87. Kopenhagen 24.20. Wien li% Budapest 141/*. Prag 296V«. Belgrad 177'/., Athen. 1,40»/,.. Buenos Aires 41V7. Rio de Janeiro 14.15. Bukarest 48. Nelv-Aord, 8. Oktober. <Tel.-Konw.) Weizen rot Winter 152% Weizen hart Winter 153V, Staitz 60'/., Hafer 457a, Roggen 87.7g. Ehikago 8. Oktober. (Tel.-Komv.i Wetzen oer Dezember 187-/«, mi m% Juli Mats per Dezember 747*, Mai 79*/j, Juli —; Hafer ver Dezember 99»/*, Mai 43T/a, l Juli —Roggen per Dezember 80°/,. Mai 887*. Juli —. 9. Oktober. 1926 Nr. 2381 Aus Freude über die gnte Behandlnng. Neuer Hungerstreik der verhafteten Budapests Kommunisten. Budapest, 8. Oktober. Die Führer der verhafteten Kommunisten .Matthias Rakosi, Zoltan Weinbergor und Katharina Hermann haben neuerdings den H u n g e r st r e i k ausgenommen. Sie werden k ü n stlich ernährt. Sie erklärten, den Hungerstreik so lange fortsetzen zu wollen- bis ihre Wünsche erfüllt werden. '-i- Die von Budäpester Blättern, vor allem „Bilag", gebrachten Berichte über M i tz h a n d l u n g e u, bcucu die verhafteten Kommunisten im Budäpester Polizeigefältgnis ansgesetzt sind, haben eine sehr rege Dementiertätigkeit.der Horthy-Bethlen-Negierung in ihren Budäpester uyd Wiener Organen hervbrgernfen. Es wurden allerhywd Komödien in Szene gesetzt, um den Eindruck hervvrznrüsen, daß die verhafteten Konnnunisten eine geradezu mrsgezeichnetc Behandlung genießen. Da Lügeil — uitb besonders magyarische — kurze Beine haben, so nrußte Horthhs Telegraphenagentur bereits znnl zweiten Male melden, daß die Kommunisten tm Budäpester Gefängnis in den Hu n g e r st r e i k getreten sind. Wahrscheinlich nur mi8 dein Grunde, weil sie eine so ausgezeichnete Behandlung genießen... Sie Fememörder. Berlin, 8. Oktober. (Tel.-Komp.) Die Kriitlinalpolis?i ist 'bereits einem dritten Fememord ans die Spur geiornm-eil. Durch einen Zivilangestellten des Truppenübungsplatzes D über ich wurde die Polizei benachrichtigt, daß in den Kläranlagen des Platzes, in denen bekanntlich die Leiche des Oberleutnants Sand geborgen -wurde, noch eine zweite Leiche liege. Der Anzeiger sah einen geknebelten Mann auf einem Wagen liegen, der nach -den Kläranlagen sllhr. Der Wagen war von einem berittenen Wachtmeister begleitet, der später aus den G'ntshof Döberitz zuvückkehrte und dort einem Offizier nteldstc, er habe den Geknebelten in den Kopf, geschossen und dann die Leiche in den Teich der Kläranlagen g e w 0 r f e n. Die Polizei hat die Nachforschungen eingeleitet. Susterfic gestorben. Graz, 8. Ottober. Wie die ,/Tagespost" aus Lab ba ch meldet, ist der ehemalige Mhrer der slow-Mischeu Bottspartei und Landeshauptmann von Krain Dr. Ivjän Sustersic gestern nacht's gestorben. Dr. Sustersic, der Mhrer der slowenischen Kierikalen im alten Reichsrat, war einmal ein sehr mächtiger Mann. Er verlor seinen- Einftuß, als ihn die Alldeut schon der Unterschlagung^ von Düngemehl bezichtigten. Nach dem Krieg spielte er nur noch in monarchischen ZiLk-eln eine Rolle. Er ist 62 Jahre alt geworden. Sie Renwahlen in der Mechoslowakei. Am 15. November. Prag, 8. Oktober. Gestern verlautete in den späteb Abendstunden, daß wer Mnferausschuß -den Beschluß/gefaßt ha-be, für die Äuftosung des Parlaments am IE d einzutreten -und die Neuwahlen am 15. Novem ber abzu-halten. Ein Schutz gegen Las Auto des Ministers Franke. Prag, 8. Oktober. „Ceske Slovo" meldet,, daß gestern gegen das A u t 0, in demder Postminiister Dr. Frau l-t fuhr, vor Revnince ein Schuß abgeseuert wurde. Die Fensterscheiben des Autos -wurdeu zertrümmert, der Minister blieb u n v e r I e tz t, Die Gendarmerie «hat sosorl die Untersuchung eingeleitet, da- .der Verdacht einet Attentatsversuches m-heliegt. Amahme der Genfer kntschiiehnns im Hanvtansschnß. Ablehnung der Bauerschen Anträge. Mit der Resolution der Regierung, die bekanntlich der Einholung der Zustimmung des Parlamentes zur Möglichkeit der Wiedereinführung der Kontrolle und. zur Verlängerung der Funktion des Beraters der National. < fcanl gilt, hatte sich gestern der Hauptäusschuß zum .zweiten Male zu beschästtgen, da Dr. B a u e r einige Gegenanträgk gestellt hatte. Bundeskanzler Dr. Ramek hob hervor, daß nach Ansicht der kompetenten Faktoren des Völkerbundes die Kontrolle schrittweise aufgehoben werden solle. Sol! sie schon in nächster Zeit faktisch beseitigt werden, dann könne nicht durch von unserer Seite gegebene Versicherungen, sondern nur durch die Möglichkeit evem tueller Wiederaufnahme der Aktion tzes V ö l k e r b u n d e s das Vertrauen'des Auslandes gesicher! werden. Wird der Völkerbund, wenn wir die von ihm als; unbedingt notwendig angesehenen Kantelen ablehnen, die Kontrolle jetzt aufheben?. Wir würdbn also die Aushebung der Kontrolle jetzt nicht erreichen und zugleich u n seren K r e d i t s ch ä d i g e n d e V e rst i m m u n g e n hervbrrusen-. Dafür kann die Regierung die Verantwortung nicht übernehmen und ich. glaube- 'daß auch die Opposition, wenn sie selbst in Genf verhandeli hätte, diese Verantwortung nicht auf sich nehmen wollte Dr. B au e r, der'nach dieser Rede des Kanzlers dir Ablehnung seiner Anträge vorausfäh, sprach die Befürchtung aus, daß gewisse österreichische Kreise auch nach Aushebung der 5kontrolle, wenn einmal der Nationalrat ein« sozialdemokratische Mehrheit haben wMe, m MM

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