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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-09 · Heft 2381 (9.10.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2381 (9.10.1925)
Date
1925-10-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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tPolen^jOgr oszy f Wi en: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling btrassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma G o Id schmied, I„ Wollzeile 11 Mit Postversand' für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 421oty. Deutsch!and: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen hei Frei*- erhflhungen Vorbehalten Sir. 2381 I Preis"2Ö sl Wiener Eng 1 and: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien ^Mon.lOOLewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsätrassc 6-8 (Di uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Men. Wog, 9. Araber 1923 7. galirgans SicherHettsvertrSge und Mkerbmdpakt. Ser vierte Lag in Lorarno. — Leutschlands Eintritt in den BAkerbnnd. — Las Problem der Lftens. Aus dem Men der Süden. - V. Wie n, 0. Oktober. Die Juden in Oesterreich Haben eine doppelte -Funktion. Die sind, wie täglich an den Mauerecken zu lesen steht, all allein schuld. „Alles" istauswechselbar, und es ist immer das, worüber sich der Mißmutige ärgert. Daneben müssen.die Juden noch ihren Rücken herhalten, wenn die Parteien, die kleinen wie die großen, irgend etwas miteinander abzumachen haben, wobei sie ein Koinpensationsobjekt suchen. Im Lande des Trinkgeldes und der Frennderlwirtschast, in dem Lande, in dem sich für alles ein Richter sindet, ist das nicht allzu selten. Die Christlichsozialen, die sich als Regierungspartei sehr unglücklich fühlen, werfen den Sozialdemokraten, die sich als Oppositionspartei ebenso unglücklich fühlen, ihre Juden vor. Das sind so Provokationsinjektionen. Sie wissen, daß die Sozialdemokratie (nicht die Partei, sondern ihre Führung) genau so antijüdisch empfindet, daß sie dies aber nur bei ganz besonderen Gelegenheiten zeigt. Dann aber gründlich. Sie ist nicht gewillt, sich die Judenfreundschaft auf den Kopf Zusagen zu lassen und zum Beweis, daß sie mit. den Instinkten der Gosse genau so vertraut ist, hängt sie das antisemitische Mäntelchen, Wenns sich zufällig jo paßt, zum Fenster hinaus. Als vor dem Zionistenkongreß zum Sturm geblasen wurde, erklärte die „Arbeiter-Zeitung", das Organ des Rathauses der Weltstadt, das müßten sich die Juden mit den. Christlich-, sozialen austragen. - Die Christlichjoziäleu.antworteten, die Sozialdemokraten seien eine Judenpartei. Nein, sagte dje „Arbeiter-Zeitung", wir sind keine "Judenschrchtruppe, aber der Gattermäher sitzt im Verwaltungsrät'einer Börsengesellschast und verkehrt mit Juden. Nach dem Zionistenkongveß wird das hübsche Spielfortgesetzt. Die Regierungsparteien wissen nicht, wie sie sich.zu den Genfer Beschlüssen der Kreditstaaten stellen sollen. Sie suchen den Weg zur Opposition und.da bietet sich der Mieterschutz als das Feld, aus dem Konzessionen zu machen wären. Die offiziellen Antisemiten meinen, man könnte die jüdischen Mieter seckieren. Das sozialdemokratische Zentralorgan revanchiert sich mit der Auszählung von Häusern aus der Taborstraße, die, wie ausdrücklich und boshaft hervorgehoben wird, sich im Besitze von Ostjuden befinden. Ausgerechnet aus der Taborstraße und von Ostjuden. Es gibt bestimmt in Wien einige hundert Häuser im Besitze ausländischer Deutscher, Italiener, Engländer. Die fallen nicht weiter aus und stören das volksfreundliche Gemüt der Sozialdemokraten nicht. Wer dje Ostjuden. Das ist das Holzel, das den Pogromisten gewürfen wird. Nächstens wird diese Liste aus' der „Arbeiter-Zeitung" an den Straßenecken angeschlagen sein, geziert, wie sichs gebührt', mit dem Hakenkreuz. Haust du meinen Juden, hau' ich deinen Juden. Das Rezept ist von ehrwürdigem Alter, wird aber durch die immer wiederholte Neuanwendung nicht besser. Es ist aber, da . die österreichische Sozialdemokratie es unverdrossen anwendet, auch'einer der vielen Beweise für ihre totale politische, und wirtschaftliche Unfähigkeit. Die so stolzen Herren, die in ihrer Ahnungslosigkeit sich aus dem sicheren Besitz der Macht haben Wersen lassen und die Republik ihren Feinden wehrlos ausgeliefert haben, raunzen alle Tage über das Vordringen der Reaktion. Aber sie nehmen den Kampf nicht auf. Sie schützen nicht die Demokratie, nicht die Hochschulen, nicht die Freiheit. Sie erschöpfen sich in Drohungen, hinter denen kein Wille steht, und ihre Lust zur Opposition und Kritik ist. bis zum billigsten Witz gekommen, den anderen ihre Juden vorzuwevsen. Das nennt sich Politik einer Freiheitspartei. Re Parlamentswahlen fn Lettland. 16 Vertreter -er Minderheiten. , Berlin, 8. Oktober. Nach der „Bossifchen Zeitung" Wen die Pap La -m en LS wähl e n i n . 2 e t.t Land keine großen Verschiebungen gebracht. Im Wahlkreis Riga ist eine Abwanderung der Wähler nach rechts und links bemerkbar. Die Deutschen haben fünf Mandate (früher sechs) .^mmgen. Die Minderhei t e n werden zusammen 1 100 Sitze haben.° Locarno, 8. Oktober. In der heutigen Sitzung der Muttsterkoufereuz traten die Delegierten in die Prüfung der Grundfrage, nämlich Deutschlands Eintritt in den Völkerbund, sowie in die Auslegung des Artikels 16 ein. Die Aussprache ergab, daß die Schwierigkeiten kle i nc r sind, als ursprünglich angenommen wurde. Wenn auch der Horizont noch nicht ganz klar ist, so sind doch Anzeichen dafür vorhanden, daß die Lage bald geklärt sein dürfte. Vorläufig handelt es sich darum, wie dem Verlangen Deutschlands zu entsprechen sei, die individuelle Garantierung der Schiedsveriräge durch Frankreich -mit. dem B ö l k e r b u n d v e r t r a g in Einklang zu bringen. Dabei bemüht sich Frankreich naturgemäß, eine Formel zu finden, durch welche die Stellung seiner östlichen Verbündeten in keiner Weise geschwächt wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß eine solche Formel gefunden wird. Die Beratung des Ost Paktes ssoll Miontag be*: ginnen. Das offizielle Communiquc über die .heutige Sitzung, die um hal^ Uhr nachmittags begann uhd drei Stunden dauerte, lautet: ‘ Die vierte Sitzung -der Konferenz war der Erörterung derjenigen Fragen gewidmet, die sich aus der Be tei l'l g'ürttz der evenÄellen Unterzeichnet des Sicherheitspaktes an dem ' - BAkerbnnd ergeben könnten. In der Disku s s.i on über diese Fragen, ergriffen nacheinander die. Vertreter Deutschlands, .Fra.n^r'eTchs, Englands, Italiens.und Belgie N's däs Wort. um den Standpunkt ihrer Regierungen darzülegem Die Konferenz wurde sodann auf Sa ms tag den 10. d., 2 Uhr nachmittags, vertagt. Für den morgigen Dag sind nur juristische Be-' sprechungeil zu evwarten; voraussichtlich dürfte auch die persönliche Fühlungnahme der Delegierten fortgesetzt werden. Unmittelbar nach der heutigen Sitzung hat der Leiter, des Politischen Dienstes im französischen Ministerium des Aeußern, Berthelot, den Journalisten Informationen erteilt, die nicht anders denn als lebhafte Hoffnung auf einen weiteren. glatten Verlauf der Konferenz und deren erfolgreiche Beendigung ausge'legt ivevdm können. Berthelot deutete nämlich an, daß bereits am M o litt ag unter Hinzuziehung der Vertreter der Tschechoslowakei und Polens die Verhandlungen über die Arbitra^geverträge dies erbet den Staaten mit Deutschland beginnen werden und daß die Konferenz nächsten Mittlvoch oder Donnerstag beendigt werden könnte. Das würde bedeuten, daß begründete Hoffnung auf eine Ebnung alter übrigen noch vorhandenen Schwierigkeiten besteht, insbesondere was eine neue, für alle Teilnehmer annehmbare Formulierung der französischen Garantie der Ost-Arbitrageverträge Das Problem der englischen Arbeitslosigkeit. London, 8. Oktober. (Tel.-Komp.) Zur heutigen Eröffnungssitzung der Jahreskonferenz der konservativen Partei hatten sich über zweitausend Delegierte in Br i gh- 1 o n versammelt. Auch mehrere Mitglieder der Negierung waren bereits anwesend. Baldwin selbst trifft erst heute -abends ein. Es zeigte sich eine ernste Opposition gegen die ' Politik des Kabinetts Baldwin. General Page - Croft, der als erster Redner -. zum Rechenschaftsbericht sprach, verlangte von der Regierung energischere Maßn ahmen zur Bekiintpfuug der Arbeitslosigkeit. Er schlug die Ausstellung eines % u swanderungspl a u e s für das ganze britische Reich vor, der im Einvernehmen mit den Dominions cmsznarbeitcu würe, und schloß mit der Bemerkung, daß die Regierung bisher nur wcu,tge der Erwartungen erjüllt habe, die inan bei der Wahl in sie setzte. anlangt. Diesen:. Ziele sowie der endgültigen Klärung der Frage des Eintrittes Deutschlands in. den Völkerbund soll der ganze morgige Tag gewidmet sein. Einzelbesprechungen. Locarno, 8. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Gestern abends fand eine Z u s a m m e n k u nf t zwischen . den: . belgischen Außenminister Bandervelde und dem Staatssekretär im Berliner Auswärtigen Amt, v. Schubert, statt. Weiters traf sich heute der tschechoslowakische Minister des Aenßern Dr. B e n e s ch mitdem Mtgliede der polnischen Delegation, M o r a w s k i,, der ständiger Vertreter Polens beim Völkerbünde ist.; ■ , Im Lause des heutigen Vormittags fand auch eine Besprechung zwischen Dr. Stresemann und Chamber l a i n statt, in der anscheinend fchwebende Probleme in eingehender Weise erörtert wurden.; -; Der deutsch-tschechosloMkische Schrodsvertrag. Locarno, 8. Oktober. Von tschechoslowakischer Seite erfährt man, daß für einen deutsch-tschecho slow atischen Schiedsv ertrag - keine Schw ierigkeiten vorliegen würden, da die Tschechoslowakei auch damit einverstanden wäre, nach-'einleitenden Besprechun-! gen in Locarno . die . V e r Han dl u n g eit> a n d e rwärts zu führen, und auch damit, einverstanden sein , könnte, die Garantie Frankreichs' für diesen Schiedsvertrag - durch eine V ö l kerb u n d - F o r m e l zu umschreiben. Die Zulassung Polens zur Konferenz. Locarno,. 8. Oktobern (Schweiz. Dep.-Ag.) In der! gestrigen Vollsitzung der Konferenzwurde auch die Frage der Zulassung der polnischen Delegation zur Konferenz erörtert, wobei beiderseits die Ansicht ge-, äußert wurde, daß für die Zulassung ein besonderer Beschluß der fünf zur Konferenz eingeladenen Mächte notwendig sei. Der Polnische Außenminister Skrzynski ist in Locarno eingetvosfen. Er hatte mit Briand und Ehamberlain Besprechungen. / Ein deutsch-russischer Gegenvcrtrag? Paris, 8. Oktober. (Wolfs.) Der Berliner Berichterstatter des „Petit Parifien" erklärt, in diplomatischen' Kreisen versichere man,-daß Außenminister Dr. Strese- .ntfliut in der vergangenen Woche mit Tschitscherin in Berlin die Frage geprüft habe, welcher Art die russisch-deutschen Beziehungen sein würden, wenn Deutschland den Sicherheitspakt unterzeichnen und in den Völkerbund eirttreten würde. Von sowjetistischer Seite sei dabei eine Art d e u t j chrussischen Gegenvorschlages vorgeschlagen worden, durch den sich Rußland und Deutschland gegenseitig verpflichten, sich in Zukunft weder-militärisch noch wirtschaftlich oder durch eine-finanzielle Blockade anzugreifen. Dieser Gegenpakt soll später abgcschlossen und den positiven Ergebnissen der Konferenz von Locarno angepaßt werden. I Fnternationale Paßkonserenz. Paris, 8. Oktober. Im Sinne der Bestimmungen des Artikels 23e der BMerbnndsatzung hat dev Völkerbund bereit's im Jahre 1920 iw Wege einer inlernationalen Konferenz die GruMagen Zur Befserung der durch den Krieg verursachten ungünstigen Verhältnisse dos internationalen Verkehrs gelegt. Um nun einen weiteren Schritt zum Zwecke des Aboa>ues dieser Formalitäten zu ermöglichen, hat der sachniünnische Ausschuß des Völkerbundes für 'Verkehrsangelegenheiteu im Herbst -vorigen; Jahres einen eigenen U n t e r a u 's schuß für P a ßa u g e l e g e n h e i t e u eingesetzt. Dieser UnterauKschuß - ist zur Ansicht gelangt, daß es zweckdienlich wäre, eine . neuerliche internationale P a ß k o n f e r e n z einzuberufeu. Behufs Vorbereitung dieser Konferenz, und Festsetzung der Tagesordnung hat sich der Unterausschuß in der Zeit . vom 2. bis 5. d. in Paris versammelt und beschlossen, den Völierbuildrat zu ersuchen, alle Staate u z u eitler Ende April oder Anfang Mai abznhaltenden ZZaßkHnjerenz MMlädes. Sie Konservativen sind mit Baldwin unzufrieden. .

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