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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-08 · Heft 2380 (8.10.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2380 (8.10.1925)
Date
1925-10-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 2__Wien, Donnerstag sch'che Reaktion stützt. Sie stellen nebstbei eines der stärksten Mittel des internationalen Judenhasses dar und unterhalten als solches lebhafte Beziehungen zu den österreichischen Hakenkreuzlern, zu den Erwachenden, zu den Unzufriedenen im Orient. Sie sind eine Organisation der Kriegshetze, und aus diesen Reihen kommen auch die „konkreten Dinge", die den besonderen Schutz der deutschen Locarno-Delegation provozierten. Es ist notwendig, sich mit diesen Erscheinungen näher zu befassen. Sie sind eine Permanente Gefahr für den Frieden, und ihre Verbindungen mit allen Pogromzentren, insbesondere aber mit dem durch Henry Ford soutenierten amerikanischen Mordgesindel, geben ihnen das internationale Gepräge. Diese aus dem Hinterhalt wirkende Gesellschaft ist auf die „Weisen von Zion" eingoschworen und beschuldigt in tausend Zeitungen, die in die Massen dringen, das Judentum des Gehorsams vor einen: geheimen Zentrum. Sie erklären das gesamte Judentum in Bausch und Bogen als eine dem Gemeinwohl gefährliche Gemeinschaft, die mit allen Mitteln zu bekämpfen ist. Die Sippschaft, deren Element der Meuchelmord ist, und die ihren Unterhalt aus Erpressungen zieht, tritt als Retter der Welt auf. Wir haben sic ja auch in Oesterreich, diese Nowosad und Rothstock, die für ihr Tun von dem frommen und minderfrommen Pöbel in den Rang von Nationalhelden echoben werden. Deshalb ist es nicht so schlecht, daß die Polizei von Locarno Herrn Stresemänn schützen muß. Die Welt sicht jetzt ihre Feinde Locarno. Die Indiskretionen der Presse. — Eine Amtssprache zwischen Brians und Luther. — Die Berichte der Juristen noch nicht akzeptiert. Locarno, 7. Oktober. Im Schoße der verschiedenen Delegationen entstand großer Unwille darüber, daß einige ausländische Zeitungen den angeblichen Entwurf des Sicherheitspaktes veröffentlicht haben. Die bekanntgegebenen Artikel des Paktes sind indessen größtenteils falsch wiedergegeben. Die Beratung deifelben ist noch gar nicht beendet, Aeberwiegend herrscht die Meinung vor, daß durch solche auf Indiskretion beruhende Veröffentlichungen der GangderVer Handlungen erschwert wird. Heute vormittags setzte das Juristenkomitee die Beratung der einzelnen Artikel fort.. Ueber die Arbeit e n der Juristen erfährt man, daß beim Vorwort zum Paktentwurf noch MeinungsveWiedenheiken über die Form bestehen, so beispielsweise darüber, daß im Vorwort ein Satz enthalten ist, in dem die Rede ist von den Mächten, die im Jahre 1914 mit Krieg überzogen wurden. Deutschland habe eine Abänderung dieses Satzes verlangt, weil er au die Kriegsschuld rühre. Auch wurde eine Modifikation des Satzes betreffend das Rheinstatut verlangt und betont, daß nur von einer Neutralisierung der Rheim l a n d z o n e die Rede sein dürfe. Wetters soll eine Formel gesucht werden, welche genau die Gegenseitigkeit und Gleichheit der kontrahierenden Parteien umschreibt. Bezüglich der prinzipiellen Fragen soll die wichs tigstc die fein, daß eine genaue Uebereinstimm u!■ ' zwischen Sicherheltspakt und VvlketbuudM et;,..; werde. Dies scheint s chw t e rig zu sein, weil einige Bestimmungen des Sicherheitspaktes dem Statut des Völkerbundes zuwid erlaufen. Bor der heutigen Plenarsitzung der Hauptdelegierten hat zwischen dem französischen Außenminister Briand und dem deutschen Reichskanzler Dr. Luther in A§- cona unweit Locarno eine Begegnung unter v ier Augen stattgefunden. Die Zusammenkunft dauerte eine Stunde. Die Vollsitzung der Mnisterkonferenz begann heute um 4 Uhr und dauerte kttapp eine Stunde. Es wurde folgendes, von den Delegationen vereinbartes Kommunique artsgegeben: Ju der heutigen Sitzung der Konferenz wurde zunächst allgemeine Aussprache lui'.Der ausgenommen uttd sodann der Bericht der R e ch t s s a ch v e r st ä n d i g e n Ger die im Verlaufe der ersten Sitzung ihnen übertragenen redaktionellen Arbeiten entgegengenommen. Da in diesem Bericht Anträge gestellt werden, ergab sich die Notwendigkeit einer. erneuten Betrauung des Juristenausschusses mit dem Studium dieser Anträge. Es wurde ein ergänzender Bericht der Rechtssachverständigen angefordert, der in einer späterenSitzung erstattet werden soll. Die nächste Sitzung der Hauptdelegierten wurde auf morgen, nachmittags halb 3 Uhr, angesetzt. Die Delegationen sind heute MereiriMomMen, die Politisch wichtigsten Fragen vorläufig einer internen Aussprache zwischen Frankreich und Deutschland zu überlassen. Die Vertreter Engsands, Italiens und Belgiens werden zunächst das Ergebnis dieser Besprechungen allwarten. Die heutige Unterredung zwischen Doktor Luther und Briand hat den unmtttelbareu beutf^ französischen Meinungsaustausch eutgeleitet: Wiener Morgenzetttmg 8. Oktober 1925 Nr. Die Pause, die.dadurch in der Behandlung der politischen Fragst: eintritt, wird durch die Formulierungsarbeiten au den'übrigen Punkten des Paktes ausgefüllt, dje hauptsächlich den Rechtssachverständigen obliegt. Die gemeinsame Berichterstattung für die Verhandlungen der juristischer:. Kommiffion hat der englische Experte Sir Eecil H u r st übernommen. * Die OstvLrtrcige. . Locarno, 7. Oktober. (Tel.-Kowp.) Der tschechoslotoakische Außenminister, Dr. Bc n e.s ch ist heute nachmittags in Locarno eingetrofsen. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Genf traf Dr. Benesch mit dem britischen Staatssekretär des Aeußern C h a n: b e r l a i n zusammen, mit dem er einen Meinungsaustausch über die Lage chatte, worauf eine längere Unterredung mit den französischen Vertretern Briand und Berthelot folgte. Die Unterredung betraf sowohl den aMnbltcklichen Stand der allgemeinen Verhandlungen wie auch die ausdrücklich die Tschechoslowakei betreffenden Fragen. Rach den Eindrücken, die Dr. Benesch bei den Unterredungen gewonnen hat, scheint es, daß die Konserem noch nicht das Stadium der orientierenden Beratungen verlassen hat. Der polnische Außenm-inister Skrzynski ist bereits auf dem Wege hierher. Man rechnet hier mit der Möglichkeit, daß Sikrzhnski den Antrag auf Hinzuziehung der Russen stellen werde. _ trotz» — Botschafter in Parts? vor einem Wechsel in den wichtigsten russischen Auslandsvertretungen. Paris, 7. Oktober. (Tel.-Komp.) Die in Paris erscheinenden russischen Blätter wollen wissen, daß Trotzki demnächst zum Botschafter in Paris ernannt werden soll. Seine Ernennung fei die Kölge der Unzufriedenheit der Moskauer Regierung mit. dem Wirken des Sohfttboischafters Krestinski in Berlin, der durch den gegenwärtigen Pariser Botschafter Krassin ersetzt 'werden soll. Set Marottokrieg. Bereinigung der französischen und spanischen MaroKöfront. Fes- 7. Oktober. (Havas.) Die französische und die spanische Kavallerie haben die Verbindung im Gebiete des Dschebel B u h v ich u r hergestellt. Md el Krim Wetzt seinen Außenminister ab. Paris, 7. Oktober. (Havas.) Rach Mer-Meldung aus -Hanger hat Wd el Krimseinen AUßeNmittWr Sidi Mohammed Zezian, den er des, Landetzverrates beschuldigte, vor ein Geschütz binden und sodann einen Schuß ab feuern lassen. Mehrere andere hohe Persönlichkeitm sind ebenfalls des Landesverrates aUtzektagt und hingeri chtet WöMN. Re «erSMMM tat Kabinett Painleve. De Monzie geht nach Algier? Paris, 1. Oktober. (Tel.-Kvmp.) Der Generalgouverneur von Jndochina Sarraut hat den ihm angebotenen Posten eines MneralgouverNeurs von Algerien an Stelle Steegs, der zum Zivilgouverneür in Marokko äuserschsn ist, ans Gesundheitsrücksichten ab gedehnt. Voraüsstchtlich wird nun Untervlchtsminister de Monzi e als Generalgouverneur nach Algier gehen, während das Unterrichtsporteseuille de' Wi ertz-Delbos übernehmen dürste.' Aar Lünüldr Reise.. Besuche in Prag, Wien, Berlin Und Müsse!. London, 7. Oktober. Das Rsutersche 93ut.edu rueldetr Mae Donald wird Dienstag in Bereitung Lord Arnolds London verlassen, um seine Ferien aufdem Kontinent zu verbringen. Er reist als Privatmann, um alte Freunde zu besuchen und seine Ferienreise zck genießen. Er wird Prag, Wien, Berlin und Brüssel besuchen. Es wird von zuständiger Seite festgestellt, daß seine Anwesenheit in diesen Städten kein e wie immer geartete politische Bedeut!! Ng .hat. Sie Juden in Lek Liltkel. London, 9. Oktober. (I. T. A.) Der Sonderberichterstatter des „Manchester Guardian" in KonstaNtttioPel schreibt seinsM Blatte: Die Zukunft der Mi nde rhe itsnationen in der Türkei — Amettier, Griechen, Juden u. a. in. — ist trotz der Verminderung ihrer Zähl infolge Ar Ereignisse der letzten Jahre noch immer ein sehr kritisches Problem. Lewer erweisen sich diese Minderheiten gegenüber den Aufsaugungsbestrebungen Ui Regie n.ug als zu fügsam. So hat die jüdische Mi nderheit einen Präzedenzfall geschaffen, indem sie aus die Sonderptivilegieu, die ihr aUf Grund des Lausanner Vertrages KUkommeN, e i n st i m M i g u n d!! u offizieller Form verzichtete. Diese Minderheit kann sich aber darauf berufen, daß nach der Trennung von Kirche und Staat in der Türkei die Inden, die nunmehr für ihre religiösen Bedürfnisse allein auZukoMmei: haben, kein -Interesse für Sonderprivilegien hegen. Dieser Schritt der Juden wird von den Türken mit.Ge nugtuung begrüßt; es wird .der Hoffnung' Ausdruck ge geben, .daß die Armenier und Griechen diesem Bejspis folgen. Polens innere nnd äußere Lage. Ein Expose des Ministerpräsidenten GraVskt. — WriarGelle Vollmachten für di« Regierung. Warschau, 6. Oktober. (P. T. A.) In dev heutigen Sitzung des Sejm, der zum erstenmal nach den Ferien zusamMntrat, stellte Miuisterpräsideut Grabs kt, de: zum Budget für 1926 das Wort ergriff, unter anderem fest, daß das verflossene Jahr auf dem Gebiete der inter. nationalen -Beziehungen durch da's Problem dev Sicherheit Europas charakterisiert gewesen sei. Die polnische Regie, rung arbeite an der ..... Festigung des Friedens mit den anderen Mächten eifrig mit. Der Ivahre Friede, sägte der Minister, kann nicht auf irgend femaMS Kosten verwirklicht werden, Polen muß demnach, was die U u. Verletzlichkeit seiner Grenzen anlangt, volle Sicherheit genießen. Unser Bündnis >n:i t Fra n krerch bildet die Grundlage unserer auswärtigen Pol«. Unsere Beziehungen zu Rumänien und den baltischen Staaten, die sich am die Gemeinsamkeit der Interessen stützen, werden fortgesetzt inniger. Die Beziehungen zu Rußland haben einen immer mehr befriedigenden Charakter angenommen. Der Besuch des Volkskommissars Ts ch'itsch er i n ist ein Beweis des Fortschrittes, der sich in den: Werke der Entspannung zwischen Warschau und Moskau vollzogen hat. Auch in unseren Beziehungen zur Tschechoslowakei sind wir zu befriedigenden Ergebnissen gelangt. Mit Litauen wurden Besprechungen ausgenommen. . Die W.i r ts-ch a ft s v e r h a n d l uug c n mit Deutschland, sind ni cht Vorlvärts gekommen. Wir glauben jedoch nach wie. vor, daß die ^dauernden wechselseitigen Interessen die N o t w e n d i g k eit eines Einvernehmens erweisen. Unsere Annäherung an die Vereinig 1-e n Staaten trat insibesondere auf finanziellem Gebiete zutage. Nachdem der Ministerpräsident die Fortschritte-in--den- Fragen der i n n e r e n S t a b i l i s i e r u n g und auf famt Gebiete der nationalen, der religiösen und der sozialen Probleme dargelegt hatte, 'wandte er sich dem finanziellen Problem zu und steMe zunächst die mißliche . Mckwkümg der, Krchiffchwierigkeiten aus die Lage der Banken sch, denen die Regierung deshalb ihre Uni erst ütznng gewährt habe. Er konstatierte sodann. eine merkliche allmähli che Bessern Ng der H a n d e l §* btianz und erklärte, daß dtt ze itweise Zolls.chntz notwendig sei, nm die Bedingungen der nationalen Industrie Mit.jenen der ausländischen auszugleichen. Der MnisierpräsMnt Wndigte die Schaffung eine's ständigen Wirtschastsrates . an, mn die Bedürf-nisse der Erzeuger Md Verbraucher?, in Einklang zu bringen Md. die Produttivität der ÄrM zu erhöhen. Der Ministerpräsident führte hierauf weiter aus, die Regierung lege das Um 190 Millionen Zloty verminderte Budget von 1989 vor, von dessen Ersparungen 78 Millionen Zloty aus den Perwalttmgsdienst entsallen, und fordere den Landtag auf, wettere Ersparnisse aus Grund eines von der Regierung vorgesehenen detaMierten GrsparUngsPlan es zu ermöglichen, der sich auf der Mitwirkung von Budgetkontrolloren, der Mitarbeit des Ersparungsrates sowie der strengsten Verantwortlichkeit der Beamten aufbaue. Die Regierug verlange die Ermächtigung zum Abschluß von Anleihen i m A u s il a n d mit dem Rechte, eines der bestehenden Monopole, ausgenommen die Eisenbahnen, zu verpachten. Weiters ersuche, sie um die Ermächtigung, den Banken unter;der Bedingung der Kontrolle Unterstützung zu grlvähren, UM die öffentlichen Fonds und die kleinen Sparer zu sichern. Die Regierung sei bereit, jedes lebensfähiges Unternehmen, As zur Schaffung neuer Werte beizutragen vermöge, zu unterstützen. Die Debatte über As Expose des Ministerpcksidenien wurde auf die nächste Sitzung vertagt, Die Stetturtg des jüdischen Sejmklrchs zur Regierung. - (Eitzendienst der „Wiener Morgenzeituntz"-.) - Warschau, 7. Oktober. In seiner gestrigen Sitzung, in welcher dev Antrag der Deputierten Hartglas Und Körner auf Lösung des potnisch-MscheN VeMndigMMbereittkommens zur Sprache kam, hat der jüdische Sejntlklub eine Resolution beschlossen, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß die jüdische Bevvlkerung Polens Mit den: Verhalten dev po'lnischeN Negierung in Sachen des Numerus clausus sowie des Steuerdruckes gegen' die jüdische Kaufmannschaft unzufrieden ist; der jüdische S e j Ul k l u b sei der Ansicht, Aß die pblhTaffly Ui Mini M» mmnrili HiirtH»»)l„iiliiMWUin|iiMiiiii'>iin>.ii -'irii i .rn rmnimi

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