Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2380 (8.10.1925)
- Date
- 1925-10-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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(I. T. A.) Am Montag den 5. d. allgemeinen SMjetgesetzen die Sprache der Mehrzahl der «npfmg der russische Volkskommissar für auswärtige An- - ““ " Gelegenheiten, ^err Tschitscherin, eine Delegation, bestehend aus den Herren Dr. Baeck, Präsident des dentschen Rabbinevoerbandes, Dr. Prodnitz, Vorsitzender des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glau- 'bens, Dr. Pari Nathan, Vorsitzender des Hilfsdereins der deutschen Inden, Kurt Blumenfeld, Vorsitzender der zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie Professor Albert E i n st e i n. Es wurde die Frage der jüdischen Koloinsation in Rußland besprochen, die in allen jüdischen 'Kreisen mit großem Interesse verfolgt w>ird. Herr Tschitscherin gab aus die ihm gestellten Fragen eingehende Auiklärnna über die Haltung der Sowjetregierung k&M* «efÄrtenVi* der landw.rtschastlichen Ansiedlung von Juden. Er zeigte, in welcher Form die von der Regierung getroffenen Maßnahmen dazu führen 'sollen, daß den Juden dieselbe Möglichkeit für wirtschaftliche und nationale Entwicklung gegeben wird wie den anderen Nationalitäten innerhalb der Sowjetunion. Aeber den weiteren Verlauf, der Unterhaltung wird der Jüdischen Alegraphenagentur noch mitgetellt: Der Vorsitzende der zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenseld, hatte im Verlauf des Gespräches Gelegenheit, den Volkskommiffär über die Stellung der zionistischen Kreise außerhalb Rußlands zu den, Problemen des russischen Judentums zu informieren. Herr Blumenfeld betonte, daß die Zionisten in Deutschland die Pläne, einen Teil der russischen Juden mit staatlicher Hilfe zur Landwirtschaft zu überführen, mit Sympathie begrüßen und darin einen Schritt zur Wirtschaft!!- ch e n G e s u n d u n g des pauperifierten städtischen Judentums und zu seiner Physischen Regeneration erblicken. Gleichzeitig bemerkte Herr Blumenfeld, daß eine positive Anerkennung dieses Werkes erschwert werde durch die Nachrichten über die Haltung der Sowjetregierung gegenüber den zionistischen Gruppen in Rußland sowie über die Behinderung des Studiums der hebräischen Sprache und des jüdischen religiösen Lebens. Diese Nachrichten haben bei den Zionisten, die das Schicksal ihrer Freunde in Rußland mit Interesse verfolgen, B e u n r u h i g u n g hevvorgeruftn, und durch diese Stimmung wird auch die Beurteilung des neuen Projekts beeinflußt. Herr Tschltscherin bemerkte, er kenne das Verhältnis der Regierung zur zionistischen Bewegung und habe auch die Men verschiedener Prozesse, die mit dieser Sache im Zusammenhang stehen, gesehen. Er erklärte, der Zionismus als solcher sei durchaus legal und gegen ihn werde von der Regierung nicht eingeschritten. Es müsse jedoch darauf verwiesen werden, daß leider sehr viele Zionisten an verschiedenen antisowjetistischen Bewegungen beteiligt waren. Immer sei jedoch nur gegen einzelne Personen eingoschkitten worden, n i ch t g e g e n d i e B e w egung. Vielmchr habe das zuständige Kommissariat Direktiven gegeben, daß man gegen die zionistische Bewegung als solche nicht Vorgehen soll. Der BoMkonuniffär fügte hinzu, es sei möglich, daß unter den früheren Bundisten, ne jetzt bei Sowjetbehörden tätig sind, manche Zionijtenfeinde sind. Aber das seien Ansnahmssälle. Demgegenüber sei zu betonen, daß viele hervorragende Zionisten, die sich sowjetfreundlich verhalten, in russischen Körperschaften wichtige Stellungen einnehmen. Auch an dem Konritee für die Ansiedlung der Juden ilchmen Zionisten einen aktiven Anteil. Dieses Komitee trägt einen parteilosen Charakter und es ist die Politik der Regierung, auch Zionisten heran zu ziehen. Was die Beschwerden bezüglich der hebräischen betrifft, so erklärt Tschitscherin, daß nach den Bevölkerung auch für die Verwaltung und für das Gericht maßgebend ist. Wenn die Bevölkerung jiddisch spricht, so ist auch die Amtssprache jiddisch. Es gebe jedoch keine Verfolgungen der althebräischen Sprache, vielmehr. habe die Regierung zum Beispiel dem Theater „Habimah" in Moskau . einen staatlichen Zuschuß gegeben. Dem Studium der hebräischen Sprache und der Entwicklung seiner Literatur würden keine H indernisse in den Weg gelegt. Herr Blmnenfeld hat Herrn Tschitscherin ein Memorandum überreicht, in welchem die berührten Fragen noch eingehender erörtert werden. Ein Palästinaamt in Rußland? Moskau, 6. Oktober. (I. T. A.) Die leitenden Instanzen der Sowjetregierung prüfen gegenwärtig die Statuten eines zu schaffenden Palastinaauswanderungsamtes für Rußland. Die Angelegenheit ist noch nicht definitiv entschieden. rfchttscherin in Meran eingetroffen. Rom,. 7. Oktober.. (Tel.-Komp) Der - russische Volks- .. des Aeußereu, T s chi ts ch e r \n,ist in M cran eingetrofferl. Er gedenkt dort einige Tage zu verbrtngen. V > . v ... : . . prache Ner zweite Aeiger-Pioretz. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 7. Oktober. Die Oktobersession des Lemberger Schwurgerichtes hat bereits begonnen, vor dem Montag den 12. d. der Prozeß gegen den jüdischen Studenten Stanislaw Steiger stattfinden wird, der unter der Anklage steht, am 5. September 1924 ein Attentat auf den Präsidenten der polnischen Republik W o j c i e ch o w s k.i anläßlich dessen' Besuches in Lemberg verübt zu haben. Für den bevorstehenden Prozeß Steiger sind bereits Vorbereitungen getroffen. Vorsitzender in. der Verhandlung wird Oberlandesgerichtsrat Franke sein, die Anklage wird Staatsanwalt H r y n i e w i e c k i vertreten, Ha Rechtsattwalt Doktor Grek von seiner Erkrankung bereits wiederhergestellt ist, wird er zusammen mit dem Przemysler Rechtsanwalt Dr. Landau die Verteidigung Steigers führen. Ueberdies werden als Verteidiger die Rechtsanwälte Senator Dr. R i n g e 1, Dr. Rosenkranz sowie der ehemalige österreichische Reichsratsabgeordnete Dr. Löwe n st e t n fungieren. Zahlreiche ausländische Blätter haben Berichterstatter angemeldet. Die „Wiener Morgenzeitung" hat, dem gespannten Interesse, das der bevorstehende Prozeß bei ihren Lesern allenthalben erweckt, Rechnung tragend, eine spezielle Berichterstattung für die ganze Dauer des Prozesses eingerichtet und wird in der Lage sein, ihren Lesern täglich ausführliche Berichte über die Prozetzv er Handlungen zu bieten. Es ist Vorsorge getroffen, deß die Leser der „Wiener Morgenzeitung" nicht bloß über den Gang der Verhandlungen genau informiert werden., sondern auch durch z u s a m m e n s a s s e n d e D a r st e l l ungen über den Stand des Prozesses und seine Atmosphäre orientiert sind. Die Vorgeschichte des Prozesses ist in der „Wiener Morgenzeitnng" am 4. d. ausfiihrlich dargelegt worden. Aus ihr konnten unsere Leser ersehen, wie bedentsam die Verhandlungen des Steiger-Prozesses sind und wie berechtigt die Spannung ist, mit der man ihm entgegensieht. In der Nummer vom Sonntag den 11. d. werden wir unseren Lesern ein genaues Bild über das ganze Substrat des Steiger- Prozesses geben und von da ab t ä g l i ch die aussührliche Berichterstattung durchführen. J.A.Baczew$ki iiitiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiimsitiiiiiiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiuii) Schnapse Liköre Spezialität: Baczewski - Stanisiauer Doppelt ro k t i f i z i.o r l und destilliert Seit 1782 weitbekannt Strelemm unter Polizei- Ichutz. -y. W t e n, 8. Oktober. .Die Schweizer Sicherheitsbehörden haben den in Locarno zur Konferenz, weilenden deutschen Außenminister Stresemann unter besonderen Schutz gestellt. Ihrer Maßnahme waren verschiedene Meldungen aus Berlin vorangegaimen, die von entdeckten Anschlägsplänen berichteten, die natürlich von der rechtsradikalen Seite ausgehen. Die heftige Sprache dieser Kreise gegen die Regierung, die durch die Diskussion über .die Sicherheitsvorschläge wieder einmal einen Verrat an der Ehre des deutschen Volkes begehen wolle, war sckwn in den letzten-Tagen vor der Abretse nach der Schweiz'in solcher Weife ausgeartet, daß sic die größte Aufmerksamkeit erregte. Die Minister hatten, nicht bloß, die üblichen Drohbriefe erhalten, sondern es lagen auch, wie sich dM-„Porwärts" ausdrückt, sehr konkrete Dinge vor, die die Polizei der Beachtung, für so wert hielt, daß sie bi«; .Funktionäre, aus -.der Meise-.' mit einem eigenen Sicherheitsdienst versah. Diese Tatsache, die in diesem Augenblick für das. Ansehen Deutschlands ungemein peinlich wirkt, muß im Zusammenhang mit den Entdeckungen gewertet werden, die jüngst in Deutschland gemacht.worden sind und deren Reflexe auch die österreichische Oeffentlichkeit in unerwünschtem Ansntaß zu spüren bekommt. In Berlin und anderen großen Städteit ist die Existenz eines nach dem Vorbild' des amerikanischen Ku-Klux-Klan konstruierten . Geheimordens festgestellt worden, der unter allerlei mystischem Getue das Programm des platuuäßigen politischen Mordes zunt Heile der deutschen Sache zu verwirklichen bestrebt war. Die Rechtspresse war mit auffallendem Eifer bemüht, die Sache als einen karnevalistischen Mumpitz ins Lächerliche zu ziehen und ihr jede Bedeutung abzustreiten. Allein die Namen der in Hast genommenen Personen bürgten für die Ernsthaftigkeit. Es befanden sich unter ihnen tuohlapprobierte Mörder/die in den unterschiedlichen Geheimverbänden, die sich um Roßbach, Ehrhardt und ändere Helden scharten, eine sehr aktive Rolle gespielt hatten. Diese Personen sind nicht unbekannt geblieben. Die Akten ■ der deutschen Polizeibehörden haben ihnen viel Raum widmen müssen. Eilt ernster Schritt gegen diese Klapproth, Sauden, Schulz, Meder und wie sie alle heißen, konnte nie unternommen werden, weil sie doch nur, wie die Aemter gerne bezeugten, in Wahrnehmung berechtigter Interessen handelten. Diese Vorgeschichte mußte davon abraten, die Entdeckung dieses Ordens vom feurigen Kreuz auf die leichte Achsel zu nehmen. Die unterirdischen Verbindungen dieser Leute reichen gar weit und sind sehr gut geschützt. Die weitere Untersuchung hat aber em Material ergeben, das noch weitaus wichtiger ist. Etwa wehr, die, wohl bewaffnet und stramul organisiert, dem Schicksal aller geheimen Verbindungen anheimgesallen ist. Sie ist von Korruption und Spitzeltunt durchsetzt. Es war in diesen Verbänden eine selbstverständliche Sache — und Lama hat in feinem lesenswerten Buche sehr interessante Einzelheiten erzählt —, daß Waffen, Pferde und Ausrüstungsgegenstände, in Massen verschoben und verschachert wurden, daß die Mitglieder mit allein Terror zum Bleiben gezwlingen und int Falle des Widerstandes erledigt wurden. Diese Verbände, diese Reichslvehr sind die Werkzeuge, auf die sich die ntonarchi- We m Umbau-Bergröfferung «L'ÄL« »i Schiff männ I!. Taborstraße 48 TeiiB»tWo'i 47-1-7 En gros En detail 5949