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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-07 · Heft 2379 (7.10.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2379 (7.10.1925)
Date
1925-10-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Bttifc, tz. Oktober.. Dofff.) Kn Zusammenhang Mt fcMK F««em>ovdangeLegenheit wurden gestern von bc« Polizei Verhaftungen vorgenowMn. So wurde zunächst «in gewisser G-utku ech.t verhaftet, der sich in Mecklenburg aufhielt und früher zum Regiment des Oberleutnants v. Senden gehörte. Weiters wurde Oberlcn i uan t Ebe r sbach festgenommen, der auch unter dem Namen Grasfunder eine Rolle gespielt hatte. EberSbach wird beschuldigt, im Oktober 1923 ein Attentat auf den General v. See kt geplant zu haben. Die Schweriner Staatsanwaltschaft hat mehrere Personen verhaften lassen, die ebenfalls im Verdacht stehen, um die von Oberleutnant Schultz e geleitete Feme gewußt zu haben. Die lliamen der Festgenommcnen werden geheim gehalten. HangMeS der verhaftete« »adavefter Kommunisten. Budapest, 6. Oktober. (U. T. K. B.) Wie die Blätter Melden, wird gegen die in Haft befindlichen Kommunisten van der 'Staatsanwaltschaft das Verfahren 'wegen Verbrechens des Hochverrate s und des A u f r u h r §, mithin nach den. Bestimmungen des st andrechtlich e n Verfahrens durchgeführt werden. Der Nntevsuchungsrichter hat bereits -mit einer Anzahl Angeklagten das Berlpr begonnen. Falls!bic’ standrechtliche Ha-uPtverhaMung nicht innerhalb dreier Tage mit einem Urteil ahgeschlossan werden kann, was mit Rücksicht auf das große Anklagematerial vorauszusehenist, wird im Sinne des Gesetzes die Strafangelegenheit im ordentlichen Verfahren erledigt werden. Der größte Teil der verhafteten Kommunisten, darunter auch lder ehemalige Volkskommissär Rakosi, find gestern in den Hungerstreik getreten, worauf die Gefängnisverwaltung einem Teil von ihnen künstlich Nahrung zu führen ließ. Heute haben die Häftlinge den Hungerstreik wieder eingestellt. Die Polizei findet Dynamit. Budapest, 6. Oktober. (Tel.-Komp.) Eine bei der Polizei eingelaufene vertrauliche Anzeige führte zur Entdeckung eines Dynamitlagers auf dem Dachboden eines Hauses .in der Földvarigasse. Die Detektivs beschlagnahmten auf dem Dachboden mehrere Kisten, die insgesamt vier K ilo g r a m >m DYna m i t enthielten. Die Polizei hat eine Untersuchung zur Aufklärung des großen Dynamitfnnde's eingeloitel. Nadir tritt ins Kabinett Pafic rin. Belgrad, 6. Oktober. (Tel.-Komp.) Die in den letzten Tagen mehrfach kolportierten Nachrichten von -dem bevorstehenden Eintritt des Führers der kroatischen Bauernpartei Stephan Ra die in das Kabinett werde bestätigt. Radic wird zum Minister ohne Portefeuille ernannt werden. Gleichzeitig treten die übrigen Minister von ihren Pasten zurück, so daß Stephan Radie rangältches Mitglied des neuen Kabinetts wird. Mit dieser Stellung ist die V e r t r e t int g des M t n i st c rpräsidenteü automatisch verknüpft. WlttM! Moryr«M»«s au EINREIBUNGSMITTEL ut der echte LÖWEN- FRANZBRANNTWEIN mit Menthol von unübertroffener Wirkung. Er lindert alle Schmerzen rasch und sicher. Machen Sie einenVersuch u. urteilen Sie selbst. Achten Sie au} die Schutzmarkei In Originalflaschen überall erhältlich. gesetzt, gesch. Schutzmarke 660 Erzeuger: Alexander Kalmar,Wien,II., Nordbahnhof Las Budget der Tschechoslowakei. Prag, 0. Oktober. (Dschech. Preß-Bur.) Der Senat hat heute unter anderem den Regiern-ngsentwurf, womit der Na- ^ionaliversamiMng das zweite Z >u s a tz a b k o m m e n vom 27. Juli 1925 mit der Republik O e st e r reich zum Handelsvertrag vom 4. Mai 1921 zur Genehmigung vorgelegt wurde, ge n chm ig t. Das Abgeordnetenhaus hat heute nach .achttägiger Debatte den S t a a t s -v o r a n schlag f ü r 19 2 6 sowie das Fi n a nzge.setz in der Fassung des Finanzausschusses angenommen. Bei der Abstimmung waren von den deutschen Parteien nur die deutschen Sozialdemokraten anweisend. Für das Budget stimmten alle Koalitions- Parteien, gegen dasselbe die deutschen S^ialdemokraten, die Kommunisten, die GÄverbeParteiler, die slowakische Volks- Partei und die unabhängigen Kommunisten. Hfl Letzte Kurse. New-Vork, 6. Oktober. (Tel.-Konw., Berlin 23.80. London Kabel 4.87ft„, London Scheck 4.86^, Amsterdam 40.18, Paris 4.60, Brüssel 4.47, Rom 4.038/*, 14.39, Zürich 19.29, Stockholm 26 85, Oslo 19 64 Kopenhagen 24.—. Wien 141/*, Budapest 14V*. Praa - 296V*. Belgrad 177V». Athen 1.41 Buenos Aires 40V« Rio de Janeiro 14.45. Bukarest 48V* New-Dork, 6. Oktober. (Tel.-Komv.) Weizen ror WiiUer 1547/3. Weizen hart Winter 168l/2, Mais 94, Hafer 46, Roggen 90. ' Ehikagv. 6. Oktober. (Tel.-Komp.) Weizen per Dezember 141 Vü. Mai 141V2. Juli; Mais per Dezember 78* Mai 82'/», Juli —; Hafer per Dezember 40V*. Mai 44V„ Ju i; Roggen Der Dezember 83. Mai 88°/* Juli —. r. fctfcfc» im tlc Nesolatiou wer Gras. Die Regierungsvorlage Letrchend den Bericht der Re-, gierung über die September in Genf geführten Verhandlungen beschäftigte gestern 'den HanPtausschuß. Dr. Bauer gab zu, daß es große Schwierigkeiten geben würde, wenn der Nationalrat die Ratschläge des Völlerbundes ablehne. Das Haus müsse seinen guten Willen zeigen und versuchen, in einer anderen Weife, als dies der Völkerbund Vorschläge, Bürgschaften für die Gläubiger der Republik zu bieten. Ans diesem Grunde beantrage er, der Nationalrat möge die Ratschläge des Völkerbundes ablehnen und die Regierung solle dann dem Völkerbund fob' gende Gegenvorschläge unterbreiten: 1. Die Regierung und der Nationalrat verpflichten sich, im Falle, daß die zur Sicherung des Annuitäten-' dienstes der Wlkerbundanleihc gewidmeten Einnahmen sich als unzulänglich erweisen sollten, jedem Verlangen des Kontrolltomitees, daß von ihm zu bestimnrende andere Bund es ein nah men diesem Zwecke gewidmet werden, zu entsprechen. . 2. Die Regierung und der Nationalrat sind bereit, dem Völkerbund Bürgschaftengegen eineuRückfall Oesterrei chs in eine Desi § itwirtschaft zu bieten. Regierung und Nationalrat erklären sich zu diesem Zweckebereit, eine vertragsmäßige Verpflichtung zu übernehmen, daß Oesterreich bis zur vollständigen Tilgung der Völkerbundanleihe kein Staatspapiergeld ausgeben wird. 3. Die Bundesregierung und der Nationalrat find nur dann bereit, der Beistellung eines Beraters der Nationalbank im Sinne der Ratschläge des Völkerbundes zuzustimmen, wenn der Kurs des Schillings jemals länger als eine Woche unter dem unteren Goldpunkte ftchen sollte oder wenn die B a n k n v t e n d e ck u n g unter das satzungsgemäße Verhältnis finken sollte. Dr. S e i p e l begrüßte die Tendenz der Ausführungen Dr. Bauers, denn sie zeige die Opposition mit der Mehrheit in der Erkenntnis e i n i g, daß wir auf die M e i n 11 ritz en und Auffassungen nicht nur in Genf, sondern auch besonders unter unseren Gläubigern.Rücksicht nehmen müssen. Gegenüber den Vorschlägen Doktor Bauers habe er 'das Bedenken, daß sie nicht vollständigausreichend sind. „Wenn wir durch einen Parlamentsbeschluß eine Ergänzung der Pfänder versprechen, so versprechen wir etwas, wozu wir ohnehin nach den Genfer Protokollen verpflichtet sind. Der zweite Vorschlag Dr. Bauers erschöpft nicht alle Jnflationsmöglichkeiten. Fm dritten Punkt des Antrages scheinen mir die, Gegenvorschläge am s ch wachsten zu sein. Wenn schon ein Unglück in der Nationalbank geschehen wäre, dann müßte der Berater für sein weiteres Verhalten ganz andere Vollmachten bekommen, denn dann würde er aus einem Berater zu einem W i ederhersteller der Noten bankpolitik. Es erscheint mir nützlicher, wenn wir die Kontrolle beseitigen wollen, die a Vorschläge der Regierung anzunchmen." Dieser Meinung war auch der Großdeutsche Doktor Dlnghofer. Die Sitzung wurde hierauf bis morgen „Hadar-Hakarmel." Alts einem Palästinatagebuch. Bon Otto Abeles. Hart an der Bucht steigt der Karmel ans. Dem allen Haifa gönnt er bloß einen schmalen Streifen Landes am Meere. Auf diesem Glacis muß die Altstadt Platz finden: der Hafen, der Bahnhof, der Basar, der engbrüstige Markt, langgestreckte, öde, einförmige Gassen, die zur deutschen Kolonie führen und dem Fußwanderer endlos scheinen. In diesen Gassen begegnet man dem neuen jüdischen Palästina. Den Gruppen der gestern Gelandeten und den längst bewährten Kolonisten aus dem Emek; Kaufleuten und Industriellen aus Tel-Awiw, Beamten aus Jerusalem, Baumeistern, Werkführern, Ingenieuren aus Asule, der eben aus dem Felde wachsenden Emek-Stadt. Hier traf ich die Abgesandten aus Grodno und Bialystock wieder, meine Reisegeführten von der „Vienna", die für Gruppen polnischer Juden tauglichen Boden suchen, um Landwirtschaft zu treiben und Gartenstädte zu errichten. Die Stimmung dieser Männer ist gedrückt. Ihre Verantwortung ist groß, ihre Mittel sind beschränkt, Preistreiber sind am Werk. Hier, durch den Basar, sah ich die junge, hagere Gestalt des Jabloner Rebbim eilen, der mit seinen Ehassi'dim im nähen Nachlath Jaakob Wunder der Arbeit auf widerspenstigem, aber tauglichem Boden verrichtet. Hier, vor dein Hafenkaffeehaus, stand ich des Nachts festgebannt. Dicht geschart sitzen die Araber int matterleuchteten Raum um den Mann am Podium, der — Kabarettist oder Rhapsode? -7 lange, sehr lange Gedichte — Romanzen oder Couplets? — zum besten gibt, den Kehrreim mit kräftigen Bogenstrichen auf der Geige Mompagnierend, die er.nicht erst unters Kinn nimmt, sondern gegen das Knie stemmt. Aemter, Behörden, Bureaus der Schiffsgesellfchafteu, Bankfilialen, Warenhäuser, Lagerplätze, Advokatiirskanzleieu, Auskunfteien, Fabriken, Kooperativen, Werkstätten, Hotels, Herbergen, Garküchen, Lastautos, hochbeladeue Kametzüge —Hafenstadt, täglich lebensvollere Hafenstadt eines werdenden, täglich wachsenden Landes. Biele Stunden au vielen Tagen tat ich mich auf diesen Plätzen, in diesen Gassen um, aber das Antlitz der Altstadt Haifa habe ich. erst vom SM aus in der Stunde des Abschieds gesehen. Jaffa und Safed präsentieren ihr Bild beim ersten Anblick, in Jernsalein und Liberias entschleiert es sich allmählich, Haifa, nämlich das alte, ebenerdige, überblickt und erkennt man von keinem Punkt des Festlandes. Man muß sich das Stadtbild vom Meere holen. Eifersüchtig ist die Schönheit des Karmel. Sie läßt Haifa nicht auskommen. Sowie du die scharf eingeschnittene Bergstraße hinansteigft — Ghäluzün haben sie gebaut —, verschwinden Basar, Moschee, das alte Turmgemäuer am Hafen, der Hauptplatz, das neue Geschäftsviertel. Die ganze Stadt mit Türmen, Kuppeln und Flachdächern versittkt im toten Raum des Gesichtsfeldes. Und wird nicht wieder gesehen. Der Blick streift über die Abhänge des breiten Bergrückens, trifft die stahlblaue Bucht, die hellgelbe, dünn mit Palmen besteckte Sandfläche der Gischon- Mündung, den weiten, anmutig geschwungenen Bogen der nordöstlichen Küste und bleibt drüben an der uralten, trotzig ins Meer starrenden, an der herrlichen Araberstadt Mo haften. * „Hadar Haiarmeli" — Der neue Jude verehrt Jerusalem, achtet Tel-Awiw, erfreut sich der tropischen Pracht von Tiberias und der Romantik von Safed — aber feine große Liebe ist Haifa, die Karmelstadt. Unten am Marktplatz stcht der Autoomnibus, der hinauf,fährt. Aber meine Freunde dulden nicht, daß ich ihn benütze. Diesen Weg müsse man zu Fuß zurücklegen, auch jetzt, während des palästinensischen Hochsommers. Auf halber Bergeshöhe, AUttelpnnkt der neuen Judensiedlung, weit umfriedet und wirklich vornehm in die Landschaft gestellt, das hebräische Technikum. Der Monumentalbau, vor dem Kriege entstanden und eingerichtet, konnte erst vor wenigen Monaten seiner Bestimmung zugeführt werden. Man hatte ihn bei Kriegsausbruch „assentiert" und er blieb auch jahrelang nach Friedensfchluß mit Militär belegt. Der wertvollen technifchen Ausstattung soll die Einquartierung nicht zuträglich gewesen sein. Sie war, als man das Haus wieder übernahm, einfach nicht mehr vorhanden. Wenn ich nach Souneuuntergaug die jungen Tischler, Bauhandwerker, Mechaniker, Elektrotechncker, Kesselschmiede zum Abendkurs hinausgehen und dann die schlan- I keu Fenster der Vortragssäle beleuchtet sehe, erwäge ich, daß es nicht ganz leicht war, Las, Techmkmn zum zweiten Male mit Apparaten, Werlz-ngeo Lcaschinen, Drehbänken, Laboratorien, Nkaterialien, Lchrbchelfen auszustatten, und freue mich dieser Mivpost zionistifcher Nachkriegsarbeit. Die Höhe lockt, man muß zmu Grat und dann längs des Rückens nordweft-wärts zum Karmeliterkloster. Nadellväldchen und Pinien, Mandelbännie, Sykomoren und auch Eichenstämme begleiten den Weg. Auf dieser Wanderung wird man zum Verweilen gezwungen, wenn das Panorama entrollt ist. Zur Linken BatchGälim, die Vorstadt der Wischen Arbeiter, blütensrisch, von den Schaumkränzen der See umspült, in Gärten gebettet, rund um das neue, vom Keren Hajessod errichtete, würdige Jmmigmntenheim angelegt. Dann die deutsche Kolonie, die heitere Bucht von Mo. Zur Rechten, dort, wo die Silberader des Gischonflusses die Düne teilt, der breite Raum zur Aufnahme der künftigen Industrie- und Hafenstadk, heute schon markiert durch die neuen Fabriksanlagen, die Mühle, die Oelfabrik, die Zementfabrik, die sich scharf von der gelblichen Sandsläche abheben. Und längs der Karmellchne, hoch emporklimmend, die neue Wische Karmelstadt. Um den Park des Technckums scharen sich die herrliche Realschule, das schöne, ebenmäßige Heim der Hadassa. Im weiten Umkreis herrschaftliche Hauser und bescheidene, anmutige Billen, Pensionen, Orangerien, Gartenplateaüs, eine jungfräuliche Straße, die eben erst geplättet wird und grellweiß aus dunkeln Baumgruppen hevvorblitzt, Bretterbuden, Zelte, Steingevölle, Kalkgruben, Sandhaufen. * Hier oben ist es M, und men hört die Vielfältige Stimme des Aufbaues. Signalrufe und das ^darauf folgende dumpfe Grollen einer Felssprengung, das Hämmern und Sägen auf den Baugerüsten, das Knattern der Lastautos, das Pusten der Straßenwalze, die Glocken der Kamele, das Klappern der Eselshuft am Steinboden. Ameisenfleiß errichtet hier dem zukünftigen Hafen-von Evez Israel ein Cottage, 500 Meter hoch, mit wertem Blick über das Meer. Im stumnten Verweilen denke ich an EÄeibmsse der letzten Tage. Die Zementfabrik — eine Musteranlage, die von Fachleuten zu Studienzwecken bssrchtigt wird — gcht I der Vollendung entgegen.. Die Mmtiepnngsarbeiten an

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