Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2379 (7.10.1925)
- Date
- 1925-10-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite? Wien, Mittwoch Wiener MorgenMtuna 7. Oktober 1M6 tllllUIIIHIMNHllHIIlIHniHllTiliuTiMUiitütSUHTuiHÜVlhrihlTlTlllllTfflfri'flllTJllUIIUIllSlffi Zionistische Bezirkssektion Landstraße Heute Caf&Lovrana, III.. Löwengasse Nr. 30 pdtiktlich halb 9 Uhr abends Vorlesung Dr.M,Prager: „Ostjüdischer Humor" ü?iljli£lliiiiiüiiliüiillllM!M«iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiituniininuuiiiiimiiniiuiniiiiuüiun weitere folgen, die alle den unlösbaren Zusammenhang . . __yvvvivHiv VIW sich im einzelnen lösen lassen. In Wahrheit gibt es nur ein einziges, das wieder mit AmoriEa und dem nahen und fernen Orient verbunden ist. Auch darüber kann Briand ebenso gut wie seine anderen Verhandlungspartner Auskunft geben. Vielleicht wird dann diese vierzigste Konferenz zu einem Ergebnis .führen. Vielleicht. «e DMUMk SttlHtiM. Mrcktrittslrdsichten des Präsidenten Wcizmann? Die gestern hier eingetro-ffene Ausgabe der Londoner e w i s h Times" vom 2. d. enthält die folgende Mel- ^rng: ' ,Mie wir aus Paris erfahren, wurde in der letzten Sitzung der Zionistischen Exekutive in Panis schr ernst die Frage 'bezüglich der weiteren Führung der Zion Aischeu Weltorganisation behandelt. Dr. Weizmann hat nämlich seinen Kollegen h. der Exekutive mitgeteilt, daß er bei seiner Resignation, die er auf dam Kongreß gegeben habe, beharre und daß er nicht gewillt sei, weiter 'Präsident der Organisation zu bleiben. Es wurde Weizmann vorgeschlagen, daß er doch das Präsidium mit derselben Exekutive führen könne, die bisher bestanden hat, mit der Ausnahme, daß an die Stelle des Herrn Dr. Ruppin, der auf dem Kongreß demissioniert hatte. Herr Schocken treten solle. Dotror Weizmann hat jedoch diesen Vorschlag abgelehnt. Es ist noch nicht bekannt, oib er seine Meinung ändern wird. Die Exekutive hat neue Verhandlungen mit Dr. Weizmann einle-iiet. Ein endgültiger Beschluß in dieser Angelegenheit wurde jedoch nicht gefaßt." Das Sitierte Blatt, dem wir mangels jeder offiziellen Bestätigung die Verantwortung für seine Meldung überlassen müssen, fügt noch hinzu, daß Dr. Weizmann, der sich gegenwärtig mit seiner Frau in Paris aufhäli, entschlossen sei, sich für einige Zeit in Paris niederzulassen. * ....... Mt der Resignation Weizmanns, die auf dem Kongreß erfolgt ist, hat es, wie noch erinnerlich, die folgende Bewandtnis: An der Nachtsitzüng vom 26. auf den 27. August war die bekannte Abstimmung über das Vertrauensvotum erfolgt, das mit 136 Stimmen für, 17 gegen bei 90 Stimmenthaltungen angenommen wurde. Dr. Weizryann erklärte, daß er und die Exekutive am nächsten Tage ihre Äellungnahme Mitteilen würden. Freitag mittags verlas dann der Präsident im Kongreß eine von sämtlichen Mitgliedern der Exekutive gefertigte Erklärung, daß sie mit Rücksicht auf die Abstimmung und die ihr vorangegangenen Deklarationen nicht in der Lage seien, an der neuznwählenden Leitung teitzunchrneri. In der Nacht vom 29. auf den 30. August nahm dann der Kongreß mit 217 Stimmen für, 16 dagegen und 18 Enthaltungen ein neues Votum an, welches zunächst ausfpricht, daß das Votum vom 26. August keinen Grund für -ie RücktrittseErung geboten habe und sodann die Herren Weizmann und Sokolow auffordert, an der Spitze der Bewegung zu verbleiben. Diese Resolution war Herrn Weizmann vor ihrer Einbringung vorgelegt und von ihm gebilligt worden. Er.war bei der Abstimmung anwesend und hat nachher keine neuerliche Erklärung abgegeben. Daraus geht hervor, daß die KolleWvdemission nicht mehr bestand. In diesem Punkte liegt demnach in der Mitteilung der „Jewish Times" ein Irrtum vor. Las Kuratorium der hebMchen vuiveriitA. Falsche Demissiouögerüchte. In amerckamschen und palvstmensischen Blättern wird die Meldung verzeichnet, daß innerhalb des Kuratoriums der hebräischen Universität ein KonfUI ausgebrochen sei, demzufolge der Vorsitzende des DiEionsrates, Doktor I. L.'Magnes, die Absicht hege, feine Stelle niederz ul egen. Der KonM soll aus politischen Gründen entstanden sein. Dr. I. L. Magnes hätte dem Kuratorium den Antrag unterbreitet, anläßlich -er Jahrhundertfeier der russischen Madeaniik dev Wissenschaften einen Vertreter dev hebräischen Üniverjitätzu denFeistl ichLeitenn achLenin-gradzu entsende n. Das Kuratorium aber hätte diesen.Antrag ab gelehnt, und zwar -unter Hinweis auf die Berfolgungen, welchen die Zionisten in Rußland ausgösetzt sind, und die. absolut feindlichte Haltung der Sowjetregie-. rung gegerÄber der hebräischen Sprache, welche als staatsfeindlich verboten ist. Dieser Vorfall hätte Herrn Doktor Magnes bewogen, fein Amt zur Verfügung zu stellen. Wir find in der Lage füstzustellen, daß Dr. Magnes nicht daran denkt, seinen Posten zu verlassen, Bor wenigen Tagen hatte der Vertreter der „Wiener Morgenzeitung" Gelegenheit, nri.'.Ir. Magnes, welcher sich auf. der Mrchreist Mch Jeru- .. Aus der antisemitischen Bewegung. kdelmenschen unterm Hakenkreuz. Bor tvenigen Tagetr ist in Berlin Frau Jantes Mächte! an -den Folgen von . Schußverletzuugen gestorben. Der T-od dieser Min bringt die scheußliche Bluttat eines Hakenkreuzlers in Erinnerung. Am Lage der WM des Reichspräsidenten Hindenbuvg feuerte, der vÄsche Agitator Laube gegen seine Nachbarn, das jüdische Ehepaar Wachtel, mehrere Revolverschüsse ab. Wachtel starb sofort, seine Frau wurde schwer verletzt und ist nunmehr ihrem Mann in den Tod gefolgt. Der Mörder gab an, er habe aus völkischen Motiven gehandelt und die I n den daran hindern wollen, gegen H i n de n b u r g zu st i mm en. D'v Untechichung ergab jedoch, daß Laube. außer seiner patriotischen Rechnung auch noch eine private zu begleichen hatte. Lau,de hatte feine Mohnräume, stundenweise an Liebespaare vermietet und auch noch ein bißchen direkte Kuppelei betrieben. Der Hausherr forderte die gerichtliche Ent-, fernung dieses famosen Meters, und das Ehepaar Wachtel,^ als Zeugen befragt, bestätigte 'die gegen das unsaubere' Treiben Laubes erhobenen Anschuldigungen des Hausherrn. Um sich zu rächen und Hindenburg zu schützen, Mete Laube die „schmutzigen galizischen Juden". Im Verlaufe der Untersuchung wurde auch «in Brief zustande, gebracht, der auf das Meer von Blut und Schmutz, .durch welches die Hakenkreuzler waten, volles Licht wirst. Der Brief wurde von deyr Abgeordneten Kunze, den Wannten Knüppel-Kunze, an den ehemaligen Abgeordneten Bruhn, jetzt Herausgeber der völkischen Zeitung ,Wahrheit" gerichtet. Der Wortlaut, der „Berliner BMzeitung" entnommen, ist der folgende: Berlm-Fviedemm, den 8. 6. 1933. Schr geehrter Herr Bruhn! Den Empfang Ihres lieben Schreibens vom 1. cr. bestätige ich Ihnen dankend, was unsere neue Einstellung zur intensiven Ausdehnung unserer neuen Arbeit durch FLrgMtter betrifft, würde ich mit Ihnen vollkommen Mord gehen. Nur bitte ich Sie, mich einmal in der nächsten Zeit zu einer Besprechung auiffuchen zu wollen. Nun möchte ich gerne von Ihnen Unterstützung in einer Angelegenheit, welche ans dem Alltzemeininteresse jäh in eine persönliche Sache ausgeartet ist. Es handelt sich um die Ihnen ja sicherlich auch bekannte Angelegenheit Laube. Laube, ein national ^efinnter ' Mansch,' 'dem meine Partei sehr, viel verdaulkt, lebt in wilder Fehde mit dem im selben häuft wohnenden Galizier Wachtel. Wachtel hat das größte Interesse daran, daß Laube feiste Ächnüng räumt, dieses wäre dem Wachtel natürlich möglich, wenn er den Nachweis erbringen könnte, daß der Hotelbesitzer Laube Kuppelei gewerbsmäßig betreibt. Ich selbst hege, nach einer Rücksprache mit Laube, die Befürchtung, daß Wachtel dieser Nachweis durchaus nicht schwer fallen würde. Laube gab mir unter vier Augen unumwunden zu, daß bei seinem Beruf es absolut nicht immer so ernst genommen werden kann.. Ich .erwähne Ihnen gegenüber das, -amt Sie sich .von der Schwierrgkeii unserer Aufgabe kein falsches Bild machen. Es gilt also in erster Linie, den Angriffen des Wachtel zuvovzukommen. Man kann gegen dieses östliche Gesindel , gar nicht scharf genug Vorgehen. Daß unsere Mittel nicht immer ganz einwandfrei sind, liegt auf der Hand, aber wir müssen eben etwas, jesuitisch denken. Im übrigen entscheidet lediglich der Erfolg. Ich bin mir klar bewußt, daß im Falle einer Beweisführung, zum Beispiel bei einem Prozeß, daß alle Angriffe gegen Wachtel stark aWschwächt werden oder in sich zusammen fallen. Hoffentlich wird man mir in diesem Falbe die Wahrung berechtigter Interessen zubilligen. Was ich von Ihnen nun, möchte, ist eine Unterstützung dieser Angelegenheit durch die „Wahrheit". Sie könnten auch in diesem Falle bestimmt auf einen größeren Jnseratenabschluß mit Laube rechnen. Die Hauptsache ist, daß dieser jüdische Schmarotzer geschäftlich hier in Deutschland unmöglich gemacht wird. Ihrer Stellungnahme entgegensehend, veMeibt mit deutschem Gruß gez. Richard Kunze." Wie zu ersehen, sind Kuppelei, Mord, Jnseradentfang nur heilige deutsche Angelegenheiten, die ^durchaus miteinander vereint werden können, wenn findige Hakenkreuzrspse hinterher sind, Stabet mit ischmntzlM Gata Mnern! Am deutschen Wesen wird die Welt genesen! * Die HabsburgMonarchisten "als Radau, antisemiten. Die österreichischen Monarchisten haben sich unter dem Präsidium des angeblichen Sekttonschefs Schager. Eckartsau, -der sich als intimer Vertrauensmann der Exkaiserin Zita gibt, vor wenigen Monaten.neu kon> stitniert und sich den Titel „konservative Volkspartei" beigelegt. Die Wandlung war auch mit entern RichttmgSwechftl verbunden. Während sich bis dahin die österreichischen Monarchisten, zum Unterschied, bvti den Hohengollern-Leuten, in der Juden frage neutral verhielten und es auch nicht verschmähten, bei Juden um Geld und Smpathien zu werben, gebärden sie sich manmehr antisemitisch und bemühen, sich, in der Iudeuhetze einen Rekord zu schlagen. Anläßlich der Demonstrationen gegen den Zionfftenkongves; waren unter den ärgsten Schreiern der kaiserliche Vertrauensmann Schager und seine Freunde, insbesondere der Mrken-Teufol aus Znaim, zu sehen. Nach dem Kongreß veranstalteten sie Protest- Versammlungen, in welchen sie die Verfügung der „juden- .knechtischen" christlichjozialen Regierung und des Polizeipräsidenten Schober verlangten. In den letzten Tagen, prangen auf alle« Plakatwänden riesengroße nmlarchvstische Ausrufe, in tvelchen das „bodenständige christlich-deutsche Volk" auisgesordert wird, mit den „Mischen Blutsaugern" abzurechnen. Die Partei gibt auch eine Wochenschrift „Oesterreichische Nachrichten" heraus» welche die Konkurrenz mit allen Hakenkreuzblättern. ruhig bestehen kann. Mitten unter rührenden Gcschichtenvon dem Leben und Leiden der Kaiserin Zita und ihrer kaiserlichen Kinder, von Pilgerfahrten getreuer Untertanen zur Kaiserin-Mutter und dem zehnjährigen Kaiser Otto finden sich haarsträubende Märchen von der räuberischen Iudenbande. Der Leitartikel der letztet: Nmnmer des Monarchistenorganes schließt mit dem herrlichen Satze: Hinweg mitder Regierung Ramel! Hinweg mit den Trägern jüdischen Geistes aus allen Staatsäm.tern und insbesondere aus dem Wiener Pölizeipräfidium! Es ist Sache der „Bolksbeauftragten", dieser Forderung Geltung, zu verschaffen, wenn sie nicht den letzten Rest ihres Zusammenhanges mit dem bodenständigen, deuischchristlichen Volk verlieren wollen!" Ob di« Entfernung des Ministerpräsidenten c ( und des Polizeipräsidenten Schober nötgedrüD'nerweise zur Einsetzung des Kaisers Otto führen iMß, scheint nicht sicher. Aber Herr Schager und Genossen werden'es., schon ibesftr wisftn. Was uns Juden betrifft, so bl-eibt uns nichts übrig, als die Tatsache zu registrieren, daß der Antisemitismus um eine neue Spielart bereichert worden ist, um die.habsburgische. Um dies mch außen noch stärker zu dokumentieren, sind dieser Schager und .sein. Teufel nach Budapest gereist, wo sie bei den Erwachenden als „a-ntibolschewikisches Komitee" austreten. . Wolf und Schulz. Divölkisch- SlviMg. Das Tagblatt der Hakenkreuzler Wiens berichten ,-Unter lang anhrltendem Jtiibel fand geistern (Montag) im großen Saale beim „Auge Gottes" 'der feierliche Eintritt der Deuffchnatiönalen in die nationalsozialtlstische deutsche Arbeiterpartei statt. Nach Eröffnung durch den, nationalsozialistischen Parteiobmann Karl Schulz sprach der Führer der Deutschnatiomlen, K. H. Wolf, worauf er unter den Klängen des Generalmarsches mit dem Parteiobmann Schulz den symbolischen Händedruck des vollzogenen Zusammeuschluffes tauschte. K. H. Wolf, der nehst zahlreichen DeuischnatmEn unter anderen auch mit Regievungsrat Stransky-Greifenfels und dem früheren R>eichsratsa'bgeordneteu Dr. Kroy erschienen war, wurde sodann durch Parteiobmann Schulz mit dem nationalsozialistischen Parteiabzeichen geschmückt. Nicht endenwollender Jubel durchtobte den Saal. Es sprachetl dann noch Hosrat M i l l e n k o v i ch - M o r o l d,' Professor Dr. Suche.nwirth und Herr Clement." Wie von anderer Seite berichtet wird, feierte Hosrat M i l l e n k o v ich - M o r o l d, der christlich-germanische Burgthealevdirektor, den Rochstock als das Muster -seines Schönheitsideals. Er schloß mit einem Hoch auf den Mörder! salem in Wien aufhält, über die Probleme des AnsbMes der Universität zu sprechen. Dr. Magnes hat in auMHMcher Weise -den Plan der Arbeit in den nächsten Jahren erörtert. Wir hüben seine Ausführungen am 2. d. mitgeteilt. Doktor MagneS hat ohne jede Einfchrän'klMg feine Absicht kundgegeben, die Arbeiten weiterzuführen. Die Meldungen, daß er demissioniert habe oder zu demissionieren gedenke, nicht stichhäl<ig. Bom Haifa» Technikum. Der neue Leiter. Aus -I e rus a i e m wird berichtet: Als Nachfolger Artur Bloks-hat nunmehr Ing. Hecker die Leitung des Technikums in Haifa übernommen. Konferenz der ziouWchrn Zusend in Rumiinie». In Bukarest fach die sickenft allvumäMlsche Kvnfe^ renz der zionistifchen Jugend statt. Die erstatteten Wttgkeitslberichte gaben ein Bi'ld von dem Wachstum der Wötvegung und der intensiven Taiigkeit der Jugend auf allen zionistischen Gebieten. * Keren Kajemeth. Alle Nattouaffondskomuttssäre tvcr^ den ersucht, die Leerung der SanlmMichsen so bald als möglich zu beenden und noch im Lause dieser Woche zu verrechnest ’!> Karten znm Meisterschaftsspiel Sportklub—Hakoah sind unter anderem arlch bei Grünfeld, Wim, 6. Bez., Wallgasse 21, UOWWiWKW««»M