Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2379 (7.10.1925)
- Date
- 1925-10-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Vor tot ffafeitttg Mr de« Rheinvatt. — Jentschland« Bedingungen für de« RnM in de« BAlerbund zurüllgestellt. - Re SftverttSge. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeituug".) Locarno, 6. Oktober. Heute wurden zunächst die geistern nach vievstündiger Dauer unterbrochenen Beratungen der j u r i st i s ch « n Sach v e r st ä n d i g e n fortgesetzt, in denen es gelang, über jene Artikel des Sicherheits- Paktes, zu denen Zusatzanträge und Bemerkungen Vorlagen, eine völlige Einig u n g .zu erzielen. Wie von gut infor-mierten Stellen mitgeteilt wird, häden die juristischen Sachverständigen den Wortlaut der Einleitung und von fünf Artikeln des Rheinpaltcs endgültig vereinbart. Auch über den elften und letzten Artikel des Paktes wurde bereits eine Verständigung erreicht. Danach soll der Rhein Pakt erst in Kraift treten, wenn Deutschland dem Völkerbund beigetreten ist. Die Bedingungen, unter denen Deutschland dem BölkerbMd beizutreten hat, werden vom Pakt nicht berührt, sondern M'issen m i t d e m V ö l k e r b u n d s e l b st vere-inbart werden. Umstritten ist noch der Artikel, der von der Garantiie Frankreichs für die östlichen Schiedsverträge haitdelt. An den Beratungen der juristischen. Sachverständigen, die vormittags begannen, nahm auch der deutsche Außenminister St re semann, dessen geistern eingetretene dichte Unpäßlichkeit zu den; , lvildesten Gerüchtm Wer -erneu Bergistungsbersuch und dergleichen Anlaß gegeben hatte, wieder teil. ' Um halb 5'Uhr nachmittags begann die zweite Vollsitzung der Konferenz, Ae zwei Stunden dauerte und in welcher die eigentlichen Besprechungen über den Sicherheitspakt ausgenommen wurden. Die Konferenz trat damit zum erstenmal .in die eigentliche Diskussion der schwierigen politischen Probleme ein. Diese Diskussion wird in der n ä ch st e n Sitz:: n g, Mittwoch nachmittags, fortgesetzt. ... Die Delegationen haben sich verpflichtet, vorläns'gkeine Erklär u n g e u abzugeben, bevor die Verhandlungen nicht in stärkeren: Maße abgeklärt sind. Stresenmnn, der beim Verlassen des Koufewnzgebäudes von Äen Journalisten um Aeußeruugeu bestürmt wurde, beschränkte sich daraus, zu erM'ren: „Es geht lädier. Die Schwierigke'ten komaNen, wie bei einem Exaüton, zuletzt. Man bemüht sich von allen Seiten und mi t de n beste.n. Kräften, zu einem Ergebnis zu kommen."' Die Diskussion in der .Vollsitzung der Konferenz ' dürste sich durch mehr ere Tage hinzichen. Man gjlaulbt, daß . der polnische und der tschechoslowakische Außenminister, deren Abreise nach Locarno,; wi-e hier bekannt würde, bers-ts erfolgt, ijst, an den Bespvochnngen ihrer Kollegen aus den alliierten Ländern' uind /Dentschland nicht vor D-vn nc rsMg- -oder F.vielt a g ■ teilnÄhmen .werden. ...; Es' mit einer geiwWl. BesMmtheit behauptet, .Äaß d^r WienWe MinMrpräsident. ' Mussolini in VM oder fünf Dagen zu. 24Mndigem. Ausenthalt.«ach Locarno kommen werbe. Bemerkenswerter ist die „nachbarliche" - Anlvch'erchett des römischen Soiwsttbotschasters K-orje-ntgew^ der' sich gerade jetzt in Stresaan: Lago Mgg'ore aüMt, wo er sozusagen als russischer Beobachter .zu weilen scheitff. Am,. Sbemsident in Marokko. Paris, V. Oktober. Kavas.) Der Mniisterrat hat den bisherigen Jmstizminister Steeg zun: Oberreside nien in Marokko ernannt. (Als Nachfolger Lyauchehs folgt nun ein französischer Zivilgouv erneur in Marokko. — Me Red.) Eine Girikreisi: ngsbewegrmg gegen Abd el M Krim? Paris, 6. Oktober. Gavas.) Der „Matin" metbet ans Taza: Die.französtschen Truppen, die den D s ch e b e l B i r k a n e, 21 Kilometer nördlich von Kiffane, erreicht haben, stehen in einer Entfernung von .16 Kilometer von Ajdir und in einer Entfernung von 18 Kilometer von der j p a n i s ch e n A r mt e e, die ihnen entgegenmarschiert. Die beiden kombinierten Bewegungen werden. zur Einkreisung der Streitkräfte Abd el Krims führen. Es bestätigt sich, daß die Spanier Sv ah besetzt haben. Damit ist die Verbindung zwischen den spanischen u n d de n frauzö!sisch en C rnPP e n hergestellt. Der spanische Generalstabschef Mviickgetreten. Mdrid, 6. Oktober. (Havas.) Generäl Weyler ist seiner Stellung als Chef des Zentralgenevalstabes enthoben worden. (General Weyler, der etwa 65 »Fahre alt ist, hat -fast 10 Jahre den spanischen Generalstab g.'.'eitd.) . . ' ' Re Unruhen in Shrien. Beirut, 6. Oktober. (Havas.) Jn- Hama, wo es zesieri: (wie gemeldet — Ä'd Risd.) züHMtövungen kam, ist die Ruhe wiedechevgestellt. Dreißig Meutere-r w u r d e n e> r s ch o s s e n. . Jir Damas-kus hat ein Unt erossig ier e.'nen >5 i nwohner, der'bsn Versuch umchte, einen fvanzüsischen Offizier aus Mbekamt-ter Ursache anz-ugreiu'u uiad e L aLLM.. Malvh tritt in« Kabinett Painleve ei»? Paris, 6. Oktober. Ucber. die durch die Ernennung Steegs zuitt Residenten in AkaroWo zu gelivärt'genden VeränderUMlr in: Ministerium Painlove berichten die Blatter, es so, nicht wahrischeickich, daß de Monzie der Nachfolger .Steegs werde. Alan denke daher an den Innenminister S ch ra m e k. Für den Fall, daß Schratmk ins Justizministerium übersiedeln sollte, sei Malvy für feinen Nachfolger in ^Aussicht genommen, doch soll dieser nicht geneigt sein, das Porteifenille zu übernehmen, Achitscherin bei Hindenbmg. . Berlin, 6.. Oktober. (WM.) Rdchsprästdent von Hindenb u r g .empsi:^ heute -den Volkskommissär des AuAwävtigen Ts ch i ts ch e r i u. der vom Botschafter der Sowjetunion in Berlin Krestinsky begleitet war. An« geht in Griechenland bar? Bcrhiingung des KtirgszMimdrs. London, 6. Oktober. Ans A t h e u wird gemeldet: Ministerpräsident P a n g a l o s -hat gestern die B e rhastüng des Führers der republikamschen Union, Papanastasiu, angeordnet und verfügt, daß Papanastasiu vor . ein Kriegsgericht gestellt werde. Weitere Verhaftungen sollen bevovstehen. Heute hat der Nkicksterpräsident über ganz Griechen- ,land den Kriegszustand verhängt mit der Begründung, um die'Sicherheit des Landes'zu gewährleisten und : die Beunruhigung der öffentlichen Meinung durch die Presse zu verhindern. Innerhalb zweier Monate^ sollen die alilgemeinen Wahlen in Griechenland ausgeschrieben Mvdeu. Sämtliche telographi-schell und telephonischen Vev'b'u- Äungen mit' Griechenland sind seit gestern unterbrochen. Uvbcr die Vorgänge tu* Griechenlaüd treffen seit der Verhängung des Belagerrlngszustaild.'ä keinerlei Nachrichten ein. In Locarno hat am Montag die Konferenz k* gönnen, die die Einigung über die Sicherheitssrage, den Rheinpakt, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und noch vieles andere bringen soll, was so seit dem Kriegsende sich an Hoffnungen und Wünschen angesammelt hat. . Die Minister, die da in der schönen Schweiz zusammengekommen sind, rechnen mit einem Ausenthalt von etwa zwei Wochen. Das ist ein genügend langer Zeitraum, in dem sich bei guten: Willen und in vertrauensvoller Beratung sehr viel erreichen ließe.' Die Locarno-Konferenz ist die vierzigste dieser Art, und wenn auch aller Grund besteht, alle diese Verhandlungen nach ihren dürftigen Ergebnissen sieptisch zu. betrachten, so sind sie doch dr:rch ihr Statffinden von nicht zu unterschätzendelu Wert. Die Fragen, mit benen sie sich zu beschäftigen haben, sind Kriegsfragen und führten in vergangenen Zellen, so oft sie austauchten, regelmäßig zun: Krieg. Es wurde immer so getan, als gäbe es keine:: anderen Weg zu ihrer Schlichtung als den auf das Schlachtfeld. - Die lange Reihe der Konferenzen von San Remo im April 1920 angefangen bis ' Locarno beweist, daß es doch auch andere Mittel gibt als den Griff an die Kehle des Gegners. Durch die Tatsache des Völkerbundes ist denn doch schon eine, öffentliche Kontrolle geschaffen worden, deren Kritik nicht wehr negligiert werden kann. ■ Es sind, wie gesagt, Kriegsjragen zur- Entscheidung gestellt und der Krieg sicht zu jedem Fenster des Ge- .richtsgebäudes von Locarno hinein. Er zeigt sich nicht bloß Problematisch in den Protokollen dieser hohen Versammlung; er ist leibhastig da und die Vertreter Frankreichs können ihn in seiner verwüstenden Wirkung den. Kollegen am grünen Tisch, schildern, falls diese schon zu wergessen geneigt wären. Zwei Offensiven in Marokko und Syrien hat Frankreich bereits hinter sich, zwei Aktionen, deren Weg ganz srffche Soldatengräüer markieren. Es ist nicht anzunehmen, daß Briand darüber berichtet, und-es wird niemand so taktlos sein, sich bei ihm danach zu erkundigen. Alle aber müssen es fühlen, .daß dieser Krieg nach dem Krieg das einzige große Problem ist, das die nächste Zukunft in sich schloßt, weil es aus der jüngsten Vergangenheit kommt. Am Rhein, in Borderasien, in Zentvalafrika haben Mauren, Syrier^ Araber, Neger die Kunst des Mordens in geschlossenen Verbänden geübt, auf Befehl von Weißen aus Weiße geschossen. Was sie gelernt haben, wenden sie nunmehr gegeneinander au in der Tatsachenlogik des primitiven Menschen, dem heute verboten werden soll, was ihm gestern noch geboten wurde. Europa hat zu ihnen von der Freiheit gesprochen und sie bestehen aus Ihrem Schein, wobei sie allerdings unter Freiheit ganz etwas anderes verstehen als der europäische Kulturmensch, der sich lediglich in seiner hcckenkreuzlerischet: Spielart diesem Orientbegriff etwas nähert. Mit den: Freiheitsstolz in diesem Teile' der Menschheit hat es seine eigene Bewandtnis. Diese Stämme leben unter der eigenwilligsten Despotie, die nur denkbar ist, unter einer rein aus Macht und Besitz gestellten Tyrannei,- die den Frieden nur vom Hörensagen kennt. Wegmaut und Strandgeld, Bestechung und Raub, hin und wieder gemildert durch die von allen Dichtern gepriesene Gastfreundschaft — das sind die Beziehungen zu den Fremden.. Der Einheimische ist nicht Herr seines Willens, er hat in ftunnnem, aus Jahrhunderte!: kommendem Atavismus nur zu gehorchen, Kriegsdienst zu leisten, Robotarbeit zu tun; der reiche Mensch ist unweigerlich auch der bessere. Metz Elemente sind von Europa aufgewühlt worden, werden von einer Macht gegen die andere ausgespielt und ihrer Vellelläten hat sich auch, wie bekannt, die internationale Kanaille des Pogroms bemächtigt, die Ritualworddemokraten, die den: Judentum die Arbeit an seiner nallonälen Konzentration aus seinem-Territorium vergälle:: wollen. ' Alle Staaten, wie an: Orient interessiert sind, stehen im Schatten seiner Frage. Nebst Frankreich iß auch Spanien, England, Holland in der Zeit seit dein Kriege gezwungen worden, über die Zukunft nach- N zudenken. Aber sie ziehen nicht die nottvendigen Schlüssi und führen ihren inneren Streit fori, als ob sie alle:: - und sicher stünden. Sie haben sich zur vierzigsten Konserem Mammengesetzt, und es werden wohl noch einig! * 071994