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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-06 · Heft 2378 (6.10.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2378 (6.10.1925)
Date
1925-10-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Sk. Mö Wien, Dienstag Wienert Myrgenzeitüng 6. Oktober 1885 Seile 7 daß -ie Vermischung versöhnt und eine Wirkung ausübt, wie sie nur döngroßen Kunstwerken eigen ist. Denn Isidor Kaufmann hat niemals, nicht einmal in seinen landschaftlichen Anfängen, nach einer Programmatik' gearbeitet, die immer unkünstlerrsch ist, mag sie sich noch so weit vom Gegenständ oder von der Form entfernen. Sein Immerrviedechinneigen zur jüdischen Seele, die im ostsiidischen Milieu auch ihr Traggerüst erhalten hat, zeugt vom Heldenhaften seiner Natur, und seine Bestrebung, uns das Antlitz des in sich versunkenen Juden zu enthüllen, ohne profan zu werden, beweist es in einwandfreier Weise. Aber die wichtigste Entdeckung, die uns Isidor Kaufmann gemacht hat, ist die von der ästhetischen Schönheit des jüdischem Heims, der jüdischen Welt. Das-aufgeklärte Zeitalter hat geglaubt, über den mit seinem Gott und dem jüdische'»» Ritual verbundenen Juden hinwegsehen zu dürfen; Kaufmann enthüllt uns die lyrischen Schönheiten der „überwundenen Standpunkte": den frühreifen Knaben, den in die Sphäre Gottes entrückten Greis, die Stube des Frommen, die zarten Farben des Gotteshauses, den schwärmerischen Musikanten, den studierenden Rabbi, die Keuschheit der jüdischen Frau. Plötzlich erkennen wir eine Welt, die Lurch ihre eigene sittliche 'und ästhetische Kraft besteht und der keine „anfklärende" Reform etwas anhaben kann. Das Originalwerk Isidor Kaufmanns, das sich in Museen und im Privatbesitz befindet, ist in seiner Gesamtheit schwer zugänglich. Den Darsteller des Zaubers, der um Las Loden des östlichen Juden schwebt, können wir-jetzt endlich in einen: Mappenwerk genießen, das der Manz- Verlag in Wien kürzlich dem Publikum übergeben hat. Die Erwähnung dieses Mappenwerkes hätte in einer kritischen Betrachtung des verstorbenen Künstlers keine Berechtigung, würde es nicht selbst ein Kunstwerk von nicht zu-'unterschätzendem Wert bilden. Es enthält 14 originaltreue Farbe-Lichtdrucke in der blendendsten Wiedergabe und zwei Kupfertiefdrücke, die dem Originalen nichts nachstehen; zugleich eine treffliche Charakteristik aus der Feder d-es bekannten Kunsischriftstellers Hermann Menkes und ein Geleitwort des Oberrabbiners Dr. Chajes. Die Bilder sind derart ausgewählt, daß der Entwicklungsweg des Meisters die aufsieigende Linie erkennen läßt. Die Atmospäre, in der Isidor Kaufmann geschafsen mnd die er zu einem Dokument der jüdischen Welt des Geistes und der Religion geadelt hat, ist in diesem Werk eingefangen. Als Sammellverk oder als Zinrmevschmuck, in jedem Falle ist eine solche Arbeit zu begrüßen. Halbe-Feier. (Raimund-Theater.) 'Bündiger, herHasier. als eine Miche Meud-GMoorstellung, die der sechzigjchrige Max Halbe wchl -verdient, hätte, war diese Nachmittngsvovstellnng vor einem Dichten, emipfänMchvn,- ihegoistermWfähvtzeü ■ PuMÄnin D Gespannte Aufmerksamkeit während der ganzen AuWhrung, naive.Heiterkeit, wenn ein humorvolles Wort nuiMitzte,. spontaner Beifallssturm, als der wackere Pfarrer Hoppe (Alfred Schreiber) mit. dem Kaplan' SchigorsA (Ludwig Gibiser) abrechnete, und tiefe Ergriffenheit nach den tragischen Schlußs'M-en. Die beste Leistung war der überraschend scharf gezeichnete Aurandus Aichingers, echt (nur noch technisch unfertig) das Aennchen Paula Wesselys, prachtvoll frisch, mit einer tüchtigen Dosis unbekümmerten Dmufgängevtnms loslgehend, der Liebhaber Hans Jarays. Ein.echtes Werk, ein poetisches, das heute die Menschen im Theater beWingt wie dreißig Jahren, in den Tagen des großen, leider vereinzelt - leben eu Bühnenerfolges seines Schöpfers. O. A. Aus den Theatern. Mitteilungen aus dem Publikum. TAPETEN-WALUS Wien, 1., Wippllngerstrasse 15 Telephon «7-30/, «9-2-92 11090 NOVOPIN“ Pichten- und Kletornadelextrakt, Badokapseln herz-, muskel- und nervenstärkend Jn allen Apotheken und Drogerien erhältlich 5114 Novopin-Fabrlk,Wien, XVlII.Wäbringerstr.157, 7.21-5-64 Kultus- und Justiz-Talare sowie Barette m den mannigfaltigsten Ausführungen erhalten Sie vorrätig odei auch nach Mass nun bei der altbewährten Epezialfirma Rudolf Goldstein, Unif ormierungsanstali Gegründet 1866 WIEN, II. TABORSTRASSE 84 Telephon 45-6-29 Lieferant vieler In- und ausländischer Kultusgemelnden. Zahlreiche belobende Anerkennungsschreiben, Verlangen Sie illustrierte Kataloge gratis! 135 Morgen, halb 8 Uhr, \ „Kom öd i e 8 Uhr. „Der Burgtheater, ser Verführung". A k a b e m i ie t h e <r t e r. Morgen, K r ä m p u s". Opern 1 heater. Morgen, .halb 8 Uhr, „B ioIant a" — ,-G i a n >n i S ch i c ch i". Deutsches Volkstheuter. Freitag den 9. d. gelangt mit Albert Basfevmann in der MÄrolle die ,Mallenstoin"-Trilogie zum ersten Male zur AuMIHrung. T h e a.1 e r i n d e r I o s e s st a b i. Donnerstag Premiere von „Mein Freund Teddy". ■ Exl-Bühne. Heute zuni ersten Male aus Franz Kranewltters EinakterisÄge „Die sieben Todsünden" die einaktigen Tragödien „Der Gasleiner" (Neid), „Der Joch" (Trunksucht), und „DK a v" (Unkeuischheit). Neues Wiener'Stadttheater, Mittwoch beginnt ein dreiwöchiges Gastspiel des Tegernseer Bauerntheaters unter der Direktion Sepp B i o. Der Ehescheidungsprozeß Max Reinhardts wird wie man uns. aus Bratislava telegraphiert, voraussichtlich im Bergieichswege geschlichtet werden. Frau Else Reinhardt-Heims willigte in eine gütliche Scheidung ein, nachdem Reinhavdt die Ehescheiduni^klage zurückzoig. Allerdings hat sich Reinhardt für den Fall des Scheiterns der Vergleichsverhandlunlgen weitere Schritte vorbehglfen. Der Negertenor. Ans Berlin wird gemeldet: Bei dem llvnzert des bekannten Negertenors Roland Häyes ereignete sich ein peinlicher Vorfall. Hohes erschien zur festgesetzten Stunde. Als er aber den Saal zur Hälfte leer-sah und 'deshalb befürchten mußte, daß sein vereinbartes Minimachonorar nicht erreicht werden würde, packte er sich kurzerhand zusammen und fuhr in sein Hotel zurück. Erst langwierigen Bemühungen der das Konzert veranstaltenden Direktion güang es, den Negertenor zur.Rückkehr und zur Absolvierung des Konzerts zu bewegen, das mit einstündiaer Verspätung um 9 Uhr seinen Anfang nahm. Bei seinem Erscheinen auf Mm Podium wurde der Neger von einem Teil des Publikums mit Zischen empfangen. BRATET UND BACKET iiimimiiiiiimmiiiiimiiiimiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiimi^tim.;mih..i» II OHNE BRATROHR!! »im»!,,uiiriiiii>ii.,.imiuiiiimmitiiimiiM!!i!>imi*iiiiiiiüiiiiimiiiii Vorführung: VII., Mariahllferstrasse 36 im Restaurant «z. Grünen Baum« von 9 bis 12 Uhr vorm und von 3 bis 6Uhr nachm. Eintritt frei I Kostproben gratis! Oie Kasserollen können gleich mitgenommen werden. «st Wer sich tü# jüdische Bücher interessiert verlangt die kostenlose Zusendung des grossen Bücherkataloges Ein tfiertellahrhundert jüdischer Literatur 110—1925 herausgegeben von der R. Löwit Buchhandlung I. Rotenturmstrasse 22 Wien I. Flelschmarkt 1 Der Katalog umfasst alle Zweige der jüdischen Literatur in dem ersten Viertel dieses Jahrhunderts. Dichtung und Wissenschaft, Bibel? und Talmudforschung, Geschichte und Philosophie, Schriften zur jüdischen Bewegung und die umfangreiche Palästinaliteratur (Geschichte, Geographie, Kolonisationsprobleme und Reisebücher). Durch übersichtliche Gliederung des umfangreichen Materials wird es auch dem Laien ermöglicht, sich Über die Literatur auf allen Gebieten jüdischen Schaffens zu orientieren. 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September im Lemberger Opernhaus demonstrierten Galeriebesucher gegen das Orchester, welches in der Mehrzahl von Juden besetzt ist, indem sie /Juden raus" riesen und saule Eier-in den Orchesterraum warsin. Der Grund zu dieser Kundgebung war der, oaß die jüdischen Musiker sich geweigert hatten, am Jom-Kippur-Abend nuüuwirken, wodurch die damalige Vorstellung unleMeiben mußte. Radioprogramm. Heute Dienstag. 11 Uhr: Vormittagsmusik. — 4 Uhr 10 Min.: Nachmittagskonzert. — 5 Uhr 50 Min.: Stunde der Frau. Karl Hierz: Zubereitung' von Forellen und Nordseefischen. — 6 Uhr 25 Min. bis 8 Uhr 40 Min.: Nadiovolkshochschiüe. — 6 Uhr 26 Min.: Vortragsreihe: Quer durch Oesterreich. . Oberbaurat Ing. Erwin Deinlein: Fremdenverkehr und Reisepläne. — 7 Uhr 10 Min.: Französischer Sprachkurs. Louis Riviere, Universitätslektor. — 7 Uhr 40 Mm.: Eng. lischer Sprachkurs für Vorgeschrittene. Prof. Mac Callum. — 8 Uhr 10 Min.: Feuerschutz der Großstadt. Vortrag erster Branddirektor Ing. Anton Wagner. — 9 Uhr: Aus. landsübertragung. _ Vereine, Bortröge und Versammlungen. Zionistische Arbeitsgemeinschaft. Heuitz Dienstag, 8 Uhr abends, im Heime der zionistischen Sektion Prater, 2. Bez., Jungstraße 8, wichtige Sitzung. Sämtlich« Mitglieder werben ausgesoroert, pünktlich zu erscheinen. Samtliche Vorstandsmitglieder der Sektion Prater werden aus diesem Wege höslichst eingeladen. — Zionistische Jugendgruppe Leop^oldstad t.^Heute^ Dienstags? Uhr ^abends. ttrt «/tCi gende tm Lokale Versammlung. — Zi0nistische Sektion 6-8, 8. Bez., Bennoplatz 1a. Heute Dienstag, 8 Uhr abends, erster Abend im Palästinazyklus: Dr. Otto Abeles „Tel-Awiw und dir Menschen im Emek". __ Gerichtssaal. Das Ende der Mtgerr Petroleum A.-8. Die Verhandlung gegen die Verwaltnngsr'äte. Jn einer für drei Wochen anberaumien Verhandlung vor dem Schöffengerichte, haben sich die Hauptaktionäre der Julius Rütgers Teer- und Naphtha-Industrie A.-G., der nach Budapest zuständige 47jährige Industrielle Oskar Meitner, der Rechtsanwalt Dr. Leopold Ehrlich und der nach Nadworna in Polen zuständige 37jährige Industrielle Benjamin Griffel zu veranworlen. Die vom Staatsanwalt Dr. Meißner vertretene Anklage lautet aus das Vergehen der fahrlässigen Krida, gegen Meitner und Griffel außerdem auf das Verbrechen de- Betruges, der Veruntreuung und der betrügerischen Krida. Sie haben mit ungedeckten Schecks operiert und dadurch zahlreiche Firmen geschädigt. Der fahrlässigen Krida. hMy sich alle drei Angeklagten dadurch schuldig gemacht, daß sie übermäßigen Aufwand getrieben, leichtsinnig und unverhältnismäßig Kredit benützten und gewagte Geschäfte, so den Ankauf von Naphthägrubev und Oelterrains in Galizien um 20 Milliarden Kronen abgeschlossen haben, schließlich nt Kenntnis der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens das Ausgleichsverfahren oder'dic Eröffnung des Konkurses nicht' rechtzeitig beantragten. Das durch den Zusammenbruch der Rütgers A.-G. entstandene Defizit wird von der Anklage mit fast Sv Milliarden Kronen üusgewiesen. Nach dem Züsammenbruch hat die Gattin M e i t> ners aus Verzweiflung Selbstmord durch Vergiftung verübt, Meitner selbst ist schwer krank geworden, sein Befinden noch immer schlecht. Die Anklage verweist in den Gründen auf die Vorgeschichti des Falles. Als am 18. Dezember 1924 die Eröffnung des Ausgleichsverfahrens beantragt wurde, waren etwa 86 Milliarden Kronen Passiven vorhanden; die Ueberschuldung betrug 63 Milliarden. Die Tätigkeit der drei Teilhaber Inen unwirtschaftlich. Sie wollten durch große äußerliche Ausmachung den Kurs der. Rütgers-Aktien auf eine schwindelhafte Höhe treiben. Die Spekulation mit Rütgers-Aktier. ist über die Vorbereitungen nicht hinausgekommen. Was dir Beschuldigten aber auf dem Wege zu diesem Ziele getan haben um sich Geld zu verschaffen, um dem Unternehmen nach außer den Schein der Kapitalskraft zu erhalten und die Wetterführung des Unternehmens zu ermöglichen, obwohl es längs! passiv war, macht sie wegen Vergehens der Krida, wegen Betruges'und Veruntreuung verantwortlich. Jn der gestern gegen Mittag begonnenen Verhandlung führte Oberlandesgerichtsrat Dr. Dörr den Vorsitz. Der Angeklagte Oskar Meitner wird von Dr. H e r r d e g e n, Doktor Leopold Ehrlich von Dr. Steinbach, Benjamin Griffel vor Dr. Finkler für Dr. Preßburger verteidigt. Als Buchsachverständiger fungiert Dr. Heinrich Steiner. Nach Verlesung der umfangreichen Anklageschrift wurdc an die Vernehmung der Angeklagten geschritten. Als erster wurde der aus der Zelle vorgeführte Vizepräsident der Julius. Rütgers Teer- und Naphthaindustrie A.-G. Oskar Meitner einvernommen. Zwei Wochen Arrest für einen verleumderischen Redakteur. Wie I. T. A. aus Warschau berichtet^ wurde vor dom Kveisgericht zu Si ediec die Klage der jüdischen Gemeind« von Siedlee gegen den Redakteur der antisemitrschen Ortszeitung vechandüt, der behauptet hatte, die Chederschulen der Geimemde seien eine BMMtte des BoMewiSmus. Das Gerichl verurteilte den Redakteur Szatoleeki zu zwei Wochen Gefängnis.

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