Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2376 (4.10.1925)
- Date
- 1925-10-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 4. Oktober IW Bfo. MS Lyoner Seidenbaus Horit» Kraus» Jun., l,,Kohlmesserg.7 (gegenüber Hotel Metropole) Welthaus für Seidenschals F (UhülUrinctiiOtifl.ECZtupsi . Sensationell billig« utterbro Kat* Neuheiten! 478 Quai, i Seidenn 4.eo Qua!: ul Futterbrokate 5 S:SS Detailverkauf xu OrlglnaWHngreepreleen l Die Kmordkng Settimers. Der Rothstock-Prszeh beginnt morgen. Die Ermordung des Schriftstellers Hu,go Bettauer wird die Geschwornen des Landesgerichtes 1 movgen und übermorgen beschäftigen. Der Attentäter, der jetzt 21jährige Zahntechniker gehilse Otto Rothstock, hat sich wegen Meuchelmordes zu verantworten. Die Bluttat spielte sich im Haufe Langegasse 7 im 8. Bezirk ab, wo sich die Redaktion von „Bettauers Wochenschrift" befand. Um 3 Uhr nachmittags hatte sich Rothstock, nachdem er schon am Vormittag und kurz vocher nach Bettauer gefragt, in der Redaktion eingefunden, hatte Betlauer einen Brief überreicht, und während dieser das Schreiben öffnete, einen Revolverschuß gegen Bettauer abgegeben. Ehe Bettauer den Angreifer fassen und sich seiner er« wchren konnte, feuerte Rothstock noch vier Schüsse gegen den Schriftsteller ab, der nach zwei Wochen im Spital den tödlichen Verletzungen erlag. Rothstock, der noch am Tatorte verhaftet wurde, gab umumwunden zu, daß er Bettauer töten wollte. Er habe die Uebevzeugung gewonnen, daß durch Pressoerzeugnisse wie „Bettauers Wochenschrift" die Sittlichkeit, insbesondere der Jugend, in höchstem Maße gefährdet fei mtd in Empörung darüber habe er beschlossen, den Bettauer zu töten. Den Borsitz in' der.Verhandlung wirb Hofrat Doktor Ramsauer führen, die Anklage der erste Staatsanwalt ' Dr. Butsche! vertreten, als Verteidiger sieht dem Beschuldigten Dr. Riehl zur Seite. Zur Verhandlung sind umfassende Sicherheitsvorkehrunzen vom Landesgerichtspräsidium getroffen worden. In den zrotzen S^ rurgerichtssaal wird der Zutritt nur mit Eintrittslarten gestattet werden und die Kontrolle wird schr.genau Sie Anftemsche Relativitätstheorie. Sestätrgung durch die Sirius-Beobachtungen. In der letzten Ausgabe (0fr. 14) der in München (G. Hirths Verlag A.-G.) erscheinenden Zettschrift Illustrierte Technik für jedermann" finden wir folgenden Aufsatz: Bei der Durcharbeitung der Einfteinschen Rearivitätstheorie ergaben sich drei bedeutsame Folgerungen, ieren Nachprüfung durch Methoden der Astronomie mögich ist. In den letzten Wochen ist nun an Beobachtungen lm Fixstern Sirius auch die dritte dieser Folgerungen tls richtig erwiesen und die R e l a t i v i t ä t s t h e o r i e viederum glänzend gerechtfertigt worden. Der erste Schluß von Einstein wurde schon 1919 betätigt. Nach der Relativitätstheorie muß ein am Sonnenrande vorbeistreichender Lichtstrahl durch das Schwerefeld >er Sonne, um 1,8 Winkelsekunden aus seiner Bahn abgelenkt werden, was im Mai 1919 an Messungen während ker Sonnenfinsternis in Sobral in Brasilien, wie lud) bei vielen späteren Gelegenheiten sestgestellt wurde. Die zweite Bestätigung der Einsteinschen Theorie war die Tatsache, daß durch ihre Annahme eine bis. dahin unerklärliche Unregämäßigkeit in der Bahn des Planeten Merkur aufgeklärt werden konnte. Die dritte Folgerung war, daß an Orten, wo die Schwerkraft größer ist als auf Erden, die Linien-im Spektrum etwas nach dem roten E n d e -h i n verschoben sein müssen: es muß also zum Beispiel die gelbe Natriumflamme einen Stich ins Rötliche bekommen. Dieser Effekt ist natürlich außerordentlich klein und konnte bisher nicht nachgeprüft werden, da bei Fixsternen eine Rotverschiebung des Spektrums auch daher rühren kann, daßder betreffende Stern sich von der Erde fortbewegt. Diese Möglichkeit fiel nun bei Messungen.der Welt des Sirius weg, da dieser Stern ein Doppelstern ist, mit einem 250mal lichtschwächeren Begleiter. Aus der schon seit'Jahren bekannten Amlaufzeit beider Sterne um den gemeinsamen Schwerpunkt und aus der Beschaffenheit des Spektrums kann man die Masse und das Volumen beider Sterne berechnen. Dabej ergibt sich, daß der Begleiter des Sirius ein Drittel der Masse des Hauptsternes hat, bei einem Volumen von nur 143.000. Diese Zahlen sind nur dadurch erklärbar, daß man annimmt, daß die Materie beim Begleiter ungeheuer dicht gepackt ist, wodurch dieser Stern ein sehr viel größeres Schwerefeld als die Erde hat. Dem amerikanischen Astronomen Adams gelang es xm, aus dem Mount-Wilson- Observatoriuw, das Spektrum des Siriusbegleiters getrennt von dem des Hauptsternes zu photographieren. Er fand, daß die Linien beträchtlich nach dem roten Ende zu verschoben waren und sogar 60 Prozent mehr, als man errechnet hatte. Daraus zeigt sich, daß die Dichte des Begleiters noch weit größer sein mutz, als erst angenommen, nämlich 68.000, wenn die Dichte des Wassers als 1 angenommen wird. Die Einsteinfche Erklärung der Anomalie der Merkurbahn und insbesondere die dev Krümmung des Lichtstrahles am Sonnenrande ist viel umstritten worden, aber nach diesem dritten Beweis dürfte nicht mehr viel gegen die Relativitätstheorie ein- Möndeyschk/ _ * Das Weller. Gestern gab es einen der schnlichst erwarteten Nachjommertage. Ueoer Wien lag ein wolkenloser Himmel. Die MittagStemperatur betrug 82 Grad. Die Voraussage meldet keüre wesentliche Veränderung des herrschen« Salomon Sulzer als Teilnehmer an der Wiener MSrrrevolntion. Bon Dr. Pmtl I. Diamant. Unstreitig gehört Salomon S u l z e r zu den Mnnexn, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts' überaus nachhaltigen Einfluß aus die Neugestaltung der Wiener jüdischen Gemeinde genommen haben. Sein Wirken als Reformator des Ritus, seine Versuche, den Shnagögengesang zu modernisieren, seine verdienstvolle Tätigkeit, als fynagogaler Sänger und Lehrer an der Chorschule sind allgemein bekannt. Seinen Biographen fft aber die- Tatsache entgangen, daß er sich eine Zeitlang auch als Pol it i k e r betätigt hat. Die im folgenden benützten, bisher unveröffentlichten Akten zeigen uns den sonst still und zurückgezogen lebenden Sulzer als Teilnehmer an der Wiener Mürzrevolution, der aufrührerischen Liedern die musikalische Begleitung gibt, das Lied der Grazer Mtionalgarde komponiert, den Wiener freihiitliwen Studenten als Musikinstruktor dient und sogar sein friedliches Barett mit dem Kalabresechut vertauscht. Bekanntlich däuerte die Revolutionier nicht lange und schon im Oktober 1846 war Wien wieder von der Reaktion bezwungen. Bald darauf begannen gegen alle, die sich durch die Revolution hervorragend kompromittiert hatten, strasjgerichtkiche Untersuchungen und Kriminalprozesse.' Auch Sulzer wurde ängeklagt, aber in zwei Instanzen — durch schr wohlwollende Richter — freigesprochen. Da aber Sulzer kein Privatmann war, sondern „in öffentlicher Bedienung stand", so sendete das Gericht an fcie: zuständige Berwaltmvgs'bshövde die folgende Rote: - AppellationS-Rr. 12.406. Das k. k. n.-ö. Appellations- und KriminallObergericht an die löbliche k. k. n.-ö. Landesregierung in Wien. Salomon Sulzer, 44 Jahre alter Oberkantor im Jsraelitentempel in Wien, wurde vom Kriminalgericht der Stadt Wien wegen Mitschuld am Aufruhr untersucht, diese Untersuchung am 20. v. M. aus Abgang rechtlichen Beweises für ausgehoben erklärt und dieses Urteil vbergerichtlich am 31. v. M. bestätigt. Da Sulzer als Oberkantor in öffentlicher Bedienung steht, werden die denselben betreffenden sämtlichen Untersuchungsakten hiermit der löblichen k. k. n.-ö. Landesregierung nach § 447 St.-G., 1. T., zur gefälligen Verfügung mit dem Ersuchen übersandt, .seinerzeit das Verfügte anher bekannt geben, zu. wollen. . Men, den 21. August 1849. Sommaruga. Die niederösterreichische Landesregierung wandte sich mit Präsidialdekret an den k. k. Regierungsrat und Polizetoberdirektionsadjunklen Karl Noe v. .Nordberg und forderte von ihm eingehende Berichterstattung über Sulzers Vorleben. In dem folgenden M (n.o. L. R. A. H. 1 ad 37.218/49) beantwortet Noe v. Novdberg die . Anfrage des Landespväsidiums, spricht sich schr wohlwollend über Sulzer aus und schließt den Bericht des Unterkommissärs Leopold Hießmanseder vom Bezirkskommissariat Stubenviertel bei, der wichtige biographische Angaben über Sulzer enthält. Hochlöbliches kais. königl. niederösterreichisches Lanks- Präsidium. In Befolgung des hohen Dekrets vom 6/16 Septemoer d. I., Z. 37.218, wurden über -das Vorleiben und die Verhältnisse des wegen Miffchuld am Aufruhr vom hiesigen Kriminalgericht untersuchten, jedoch aus Abgang rechtlicher, Beweffe losgesprochenen Oberkantors der hiesigen Israelitischen Gemeinde, Salomon Sulzer, die nötigen Erhebungen gepflogen, deren Resultat, wie 'das hohe Landespräsidium aus dem angebogenen Bericht des BezirMommissariats Stubenviertel entnehmen wolle, durchaus zu seinen Gunsten ausgefallen ist, 'da er sich früher stets als ehrenha ft e r u n d l o h a l e r M a n n erwiesen hatte und nur teilweise vom Schwindel des vorigen Jahres ergriffen worden ist. , Da nun Sulzer seinem Amt seit 23 Jahren zur vollen Zufriedenheit. seiner Gemeinde Vorsicht und außerdem auch als Vater einer so zahlreichen Familie (zwölf Kinder) einige Schonung verdienen dürfte, so erlaubt man sich, ihn der gnädigen Berücksichtigung des hohen Landespräsidiums gchorsamst anzuempfehlen. Der abverlangte Dienstvertrag Sulzers ist dem Regierten Bericht des Bezirkskommissariats in beglaubigter Abschrift angeschlossen. Men, am 8. November 1649. Nordberg. Dtadchauptm. BezirWommiffariat Stubenviertel. Wien, am 20. Oktober 1849. Löbliche k. k. Stadthauptmannschaft. ' v;.u Erledigung des samt Kommuntkat rücks. hohen Jndossats vom 16. v. M., Z. 17.255/4811, wich als Resultat der in Betreff des Salomon Sulzer von hieraus gepflogenen Erhebungen gchorsamst berichtet: Derselbe ist aus Hohenems in Vorarlberg geboren, 45 Jahre alt, israelitischer.Religion, mit Franziska, geb. Hirschseld, verehelicht, Vater von zwölf Kindern zwischen 8 und 21 Jahren, davon 9 Mädchen und 3 Knaben, Stadt Nr. 494 in der Synagoge der israelitischen Gemeinde in WWtsMKrr WchWNg. jW war pcher Kantor üz Koe henems und wurde' im April 1826 zufolge seines ausgezeichneten Musik- und Gesangtalents hierher berufen, seit welcher Zeit er als Oberkantor zur vollen Zufriedenheit seiner Gemeinde fttngiert. Sein moralisches Betragen ist makellos und wird ihm in dieser Beziehung allerseits die gerechte und lobenswerteste Anerkennung ausgesprochen. Bon leicht beweglichem, doch gutmütigem Charakter, als Jude, Künstler, man möchte sageni (als) Schauspieler, von 'den Ereignissen des vorigen Jahres ergriffen und dem damaligen F reihet tSschwindel hingerissen, hat seine frühere, stets loyale politische Haltung um jene Zeit eine Färbung angenommen, Pie ihm allerdings bei den Gut- und Konservativgesinnten als ein Fleck angerechnet werden könnte, jedoch bei dem gänzlichen Mangel an Ueberlegung, Plan und Tendenz sich sicher nicht als Makel herausgestellt, da, wie feine Kompositionen ans dieser Epoche, namentlich daS Nationalgardelied für Graz, erschienen bei Haslinger, das Legationslied bei Glöggel, das nahe an vierzigmal öffentlich produzierte Tiroler lieb, Nachweisen, selbst damals die patriotische Gesinnung nicht von ihm gewichen ist. In geicher Weise betätigte er dieselbe in Baden durch eine zu Ehren der Siege des Marschälls Grasen v. Radetzky geleitete Musik, ferner durch eine Seiner kaiserl. Hcheit Erzherzog Johann gebrachte Serenade und ein zu Ehren der Gattin desselben, Gräfin Brandhos, komponiertes, bei Gelegenheit eines Festes ausgeführtes Quartett. Während seines vieljährigen, höchst verdienstlichen Wirkens wiederholt und verschiedentlich ausgezeichnet, ist derselbe 1. im Besitz eines von Seiner Majestät Kaiser Ferdinand am 30. Dezember 1841 bei Ueberreichung seines gottesdienstlichen Wecks „Schir Zion" — welches in allen namhafteren israelitischen Gemeinden eingeführt wurde — als Zeichen der Huld für seine Bestrebungen erhaltenen kostbaren Brillantringes, ferner 2. der goldenen Verdienstmedaille des Kaisers von Rußland bei ähnlicher Veranlassung durch Minister Uwaroff, 3. eine gleiche Medaille von Seiner kgl. Hcheit dem Großherzog von Baden, 4. eines silbernen Chrenpokals durch Herrn Grafen Egger vom Musikverein zu Klagenfurt bei seiner Anwesecheit daselbst feierlich überreicht, ALT-WIENER Bilder aus Privatbesitz zu Händler verbeten. — M« Stricker, VI., Bilrgerspltalgasse 21. 12—3 Ühr. 5. eines gleichen Pokals, erhalten von dem Vertreter der hiesigen Gemeinde, Herrn Josef Wercheimer, sowie er auch zum E h r e n p r o f e s s o r am hiesigen Musikverein, ernannt, außerdem als Zeichen der Anerkennung für die eingeführte gottesdienstliche Reform ihm erteilten Rabbinatsdiplome von Klagenfurt, Oedenburg u. a. m. Ehrendiplome erhalten hat und von vielen israelitischen Gemeinden, namentlich von jenen zu New-Hort, mit dem Reformen des Gottesdienstes betraut wuäe, mithin als. ein in jeder Beziehung achtenswerter Staatsbürger anerkannt Unter solchen Umständen dürfte es demselben demmch. nicht nachgetragen werden, wenn er aach bei der im vorigen Jahre im Polytechnikum bestandenen Liedertafel als - Mulsikinstruktor beteiligt, öffentlich mit einem Kalabreser erschienen ist. . Seine Funktionen als Oberkantor betreffend bestehen darin, daß er an den in den Statuten des israelitischen Bethauses festgesetzten Tagen und bei allen sonst vorkommenden schlichen und feierlichen Gelegenheiten 'den herkömmlichen hebräischen Teil des Gottesdienstes aus eine würdevolle, zur.Erbauung möglichst geeignete Weise vortragen, in der Tat sonach als Geistlicher fungieren, die Ordnung des Gottesdienstes selbst, söststellen und den Unterricht sowie die Ueberwachung der Ghorschüler besorgen muß, wie endlich auch das MenstverWtnis, in welchem er zur israelitischen Gemeinde stcht, aus dem in beglaubigter Abschrist beiliegenden, mit der Gemeinde eingegangenen Vertrage echchtlich ist, wobei schließlich nun noch bemerkt wird, daß sich das jährliche Einkommen Sulzers aus 2500 Gulden dermalen belaufen dürfte. L, Hießmanseder. Alle find einig in dem Urteil darüber, daß mm: am besten und billigsten in der ganzen Leopoildstadt nur i>m Warenhaus Brüder S ch issmann, 2. Bez., Taborstraße 4L, kaust. Brüder Schiffmann — kaufen stets nur in großen Mengen gegen Kassa direkt vom Erzeuger. Brüder Schiffmann — hüben großen Umsatz — begniügen sich mit geringem Nutzen, sind daher in der Lage, bis big zu verkaufen. Einen MMnten Beweis für die besondere Leistunigsfähigkeit und KonkurreniMigkeit dieser Firma in Qualität und Preis der Waren bietet die allgemein bekannte Tatsache, daß ungeachtet der verminderten Kauftvast des konsumierenden Publikums täglich immer neue Käufer den Weg zu Brüder SchHfmann finden. Wer elinmal kauft, kommt immer wieder und empifiehlt diese gute und billige Bezugsquelle Ifcta Freunden und Verwandten. Stark gekauft werden jetzt HeMtwaren aller Art, welche in ungemein reichhalftiger und geschmackvoller Mlswahl vovliegett und zu besonders billigen Vorsailonpreis'en abgegeben werden. Das Lager in Stoffen ftir Daumen und Herren, fertiger Damen- und Herren^ Wäsche, Leinen, Weben, GvM ftir Mett- und Leibwäsche, f t i \ 999999