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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-04 · Heft 2376 (4.10.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2376 (4.10.1925)
Date
1925-10-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Ä76 Hw,. Sonntag 4. Oktober, 1925 Seit- 7, Wiener Morgenzeituug tO.dM II dam tmOe, .waxistwu 'Mitreffen.£ietmen itundsoerreaen unsere ies OUifscfurt. Modell aus Zibelln, Mel« und reicher (faftuöit Inarjom eöe. 59 175 95 aus gutem Velours, fesche Fassons und PeUvirbrämunU r) 75, 69 8 aus guten Modestoffen engl. Qenre 8 49. 35 8 aus mattlaslertem Modevelours, gef ütt wattellert und pgUverbrflmt 8129.118 aus hochfeinem Eskimo und reicher Pelzverbrlmung . . . 8 169, 145 8 schwerem Winter.Ottoman. ganz Edelfellverbrämung . S 290,285 8 119, aus prima fütt.u.wattel.S aus Teddybär S Ifli Mäntel Mistel MM Mohalrp aus ausgesuchten SeahElektrik feilen und Crepe-de-GnIne- QQQ Futter , ,»,,,»».«§ 550,480 Stoffen modelte Hanlel VII-KAIS ERSTRASSE iU-113-HS Eilte Bitte! Benützen Sie infolge des grossen Andranges auch den Vormittag zum Einkauf! UNSERER KINDEfiMÖDEN^ÄIiOP AM DIENSTAG den6*<i I* BRINGEN SIE UNS JHRE KLEINEN JEDES KIND ERHÄLT EIN GESCHENK- SEHENSWERTE DEKORATION ■*- ■ — — - . Stvimpf- und Wirkwaren, RegeniMäuteiln, Teppichen, Bor- Hängen, Bettdecken uljto. ichw. wurde ergänzt und bietet jedem das Gewünschte. Niemand versäum« die Besichtigung der zahl' reichen Schaufenster und der heute und morgen zu sehenden, äußerst geschmackvoll arrangierten Jnnedekchoration, welche besonders bei starker Abenvbsbeuchtuna sehr schon wirkt und einen mteressanten UebeMtck über die ungemein reichhckltige Auswahl und die allerneuesten Modewaren bietet. Am Fuße des Libanon. ' In -er Hnuptstv-t Syriens. Bon Ben Ami, Beirut, im Jlllü Es war Won Wend, als'urrsep Schiff inder St. Gevvgesbai Arcker warf. Der Kapitän ließ uns sagen, daß wir erst morgen früh landen würden.. Hieraus versammelten sich alle Passagier^ aus dem Beüdeck, um Beirut, das bereits vor, unseren Blicken lag, zu betrachten. Minarette jauchten auf und die Türme christlicher Kirchen leuchteten. Im. Hasen blinzelten hunderte kleiner Mastlämpchen und unter dem Glanze der sinkenden Sonne schimmerte aus der Ferne der Schnee des Libanon. Plötzlich begann ein donnerndes Mockengeläute. Vielleicht 80 oder 30 Glocken erschallten, jede einzelne mit einer anderen Stimme, und in den kleinen Intervallen, die -wischen den einzelnen Klangen folgten, hörte man, wie die Muezzins die Mohammedaner Beiruts zum Gebet riefen. /,Diese Stadt ist die letzte Station des Christentums in der Richtung nach Osten," sagte Anghelosf, ein bulgarischer Ingenieur, der seit Konstantinopel mit mir reist. ,Jnd die erste der Opimnraucher!" ergänzte ein Arzt. Meine beiden Reisegefährten hatten recht, das nahm ich sogleich wahr, als wir am anderen Tage den Kai betraten, denn der schmale Küstenstrich wimmelte von Geistlichen und Opimnverkäufern ... Im Paßamt machte ich die Bekanntschaft eines Beiruter' Journalisten, Joses I. Jazbec, der mit echt orientalischer Liebenswürdigkeit seine Begleitung an-bot. Gr zeigte mir schnell das Exemplar einer syrischen Zeitung, in der er damals oben den berühmten Dumasschen Roman „Les trois mouSquetaires" ins Arabische übersetzte. Nun begannen wir unsere Wanderung durch die Stadt, dem Kai folgte ein geräumiger Platz, Place de l'Union genannt, der den Mittelpunkt Beiruts bildet. Biele Geleise der Elektrischen durchqueren ihn und aus seinen vier Seiten erheben sich die schönen Gebäude des Sarai, der Banken und der größeren Geschäftshäuser. Bon dem Place de l'Union gehen in Verschiedene Richtungen breite, mit Baumreihen bepflanzte Straßen aus. Das europäische Viertel erstreckt sich rechts, das arabische links von. diesem Platze. Jazbee meint, daß wir vor allem in einen arabischen Kaffeeschank Eintreten sollen. Im nächsten Augenblick sitzen wir schon an einem der zahlreichen 'Marmortische und effen Milchgefrorenes. Ich schaue mich um: eine Menge Araber, noch dicker und hochgewachsener als ich sie in Palästina sah, hocken in Schlafröcken verschiedenster Farbe auf den Rohrsesseln. Und wie sonderbar! Einige von ihnen haben ihre. Köpfe tief ans die Brust gesenkt. Wie sremdartig ihre Gesichter sind! Sie sind geschwollen «wb' scheinen zu leuchten und ich bemerke, wie einige von ihnen plötzlich aichucken. . „Was ist denn mit diesen Leuten?" frage ich Jazbec, ,Sehen Sie denn nicht das Gummirohr in ihren Mündern? .. Und die Navgile'hs aus, dem Boden? . .. Und riechen Sie nicht den sonderbaren Dust des Rauches? . . . Betrachten Sie nur diese verzückten Gesichtszüge und diese 'halbgeöffneten Augen!" ,Me scheinen zu schlafen . , „Und doch, wie sind sie wach! ... In -diesen wenigen Minuten, in denen Sie sie hier sehen, leben sie mehr und intensiver als wir in Jahren! .,. Schauen Sie nur!" Ein arabischer Küchenjunge trat hervor mit einer kleinen Blechdose in der Hand und ging im Saal herum. Hie und da winkte man ihm, dann kam er näher und beugte sich rasch über die Nargilchflaschen. Ich sah noch, wie er die Blechdose öffnete und mit den Fingerspitzen weißes Pulver in den den Flaschenhals umgebenden Kupferkorb streute. Die Keinen Kohlenstücke glühten auf, die Gesichter leuchteten noch woWsterner und schon fast wahnsinnig. Wir verließen schnell das Lokal. Der Opiumgeruch folgte mir noch viele Kilometer nach. Ich war. ganz betäubt. und wollte irgendwo hinausfcchren. ,Lmy Pinienhain!" schlug Jazbee vor, und bald stiegen wir in eine Tramway ein. Ich wollte ihm auf einem anderen Trittbrett folgen, der Kondukteur stieß mich aber energisch zurück, und. ich fiel von den Treppen herunter. Inzwischen setzte sich der Wagen in Bewegung. ,Hier! . . . hier!" schrie jetzt Jazbec vom anderen Ende und streckte mir seinen Arm entgegen. Als ich schon oben auf dem Perron, stand, bemerkte ich den bunten Vorhang, der das Innere des Wagens in zwei Teile trennte. ,Sie sind zu den Damen eingestiegen . . ." macht mich Jazbee aufmerksam und lacht dabei fort auf. Wahrhaftig! . . . Ich dränge mich weiter herein und schmiege mich an den Vorhang. , Oh, diese kleinen, guten Spalten! -. Jetzt sehe ich die schönsten arabischen Frauen, ihre schwarzen Augen leuchten wie die Kohlen im Opiumkorb, ihre Stirnen scheinen aus Elfenbein zu sein und wie dicht sind ihre Augenbrauen, wie dünn und durchsichtig ihre kleinen Ohren.. Nur die Lippen sind unsichtbar, das feine Kinn ist verhüllt, nur die rosigen Nasenspitzen zittern unter den Schleiern. Jazbee setzt sich neben mich und sagt flüsternd: „Bon nun an müssen Sie sich mit den bloßen Augen begnügen . . . Weiter bekommen Sie nichts zu sehen. . Und ich will mich trösten, stehe aus und betrachte die Straßen, an denen wir vorbeifahren. Mauer nach Mauer folgt, ich warte, ob auch Häuser kämen, aber immer wieder sind es nur Mauern. Hie und da eine enge Oeffnung, viereckige Vertiefungen, dann von neuem die öde Wand. „Ich sage Ihnen doch", wiederholt Jazbec, ,Me müßten sich mit den bloßen Augen begnügen, selbst die Häuser Hüllen sich hier in Schleier." Wir fahren jetzt durch die Damaskusstraße am jüdischen und Protestantischen Friedhof vorüber. Inzwischen sind viele aus dem Wagen ausgestiegen. Ich blicke den sich entfernenden Frauen nach. Fast alle tragen schwarze Seidenkleider und weiße Seidenschloier, HalWuhe aus Lack und Cremestvümpfe a la Mode. Iw schönen Hain, der auf Befehl Fahr ed Dins zwecks Festlegung der Sanddünen angelegt wurde, fand eben eine arabisch-nationalistische Manifestation statt. Man hörte scharfe Stimmen gegen den französischen Gouverneur von Syrien und'auch die englische Politik in Palästina wuvde stark kritisiert." ' ' DieMoslemZ jedoch, die in Beirut nur ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, können sich keine Geltung' verschaffen. Die, christlichen Einwohner sind es, die der Stadt ihren besonderen Charakter verleihen. Nirgends auf der Welt existieren so viele Skkten wie in Beirut. ES leben hier '45.000 .griechisch-orthodoxe Syrier, 40.000 Maronitm, 16.000 unierte Griechen, 2000 Angehörige der lateinischen Rasse, 2100 eingeborene Protestanten, 1000 syrische Kacholikeu und 300 unierte Armenien Die Zahl der Europäer beträgt 6000. Mehr als 40 Kirchen und 200 Missionsanstalten dienen der Propagandatätigkeit der verschiedenen christlichen Sekten im Orient. Das Bildungsniveau der Beiruter Bevölkerung ist in stetigem Steigen begriffen. Auch die Araber sind hier fortgeschrittener als im übrigen Kleinasien. Sechzehn arabische Zeitungen und zehn Zeitschriften erscheinen in der Hauptstadt Syriens. Der Handelsverkehr ist ebenfalls sehr lebhaft. Wir kehren vom Pinienhain durch schmale, schlecht gepflasterte Straßen in die Neustadt zurück. Jazbec zeigt mir die französische Universität ,M.-Joseph^, welche eine medizinische, eine theologische und eine orientalische Fakultät besitzt. Die Engländer unterhalten ebenfalls eine Universität, das ,Syrien Protestant College", mit einer medizinischen, einer theologischen und einer juMschen Fakultät. Mr steigen den Dimitrrberg hinan, im weiten Umkreis von Beirut evstrecken sich die syrischen Steppen, von Kamelen und Beduinen auf ihren raschen Pferden bevölkert. Der -bulgarische Ingenieur wiederholte: ,Md diese Stadt ist die letzte Station des Christen» tums in der Richtung nach Osten. * Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. \ Wien, 4. Oktober. * Die Lebensmittelmärkte. Der Verkehr stand gestern im Zeichen des gesteigerten Bedarfes. Speziell die Gvoßmarkchalle hatte einen Massenlbesuch auisizuiweisen, doch wurden die Käufer unangenchm überrascht. Ana>lo,q der Aichyartsbewegung ans einigen Marktgebieten in Sil Marx haben sich Rind- und Kalbfleisch um 10 bis 20 Groschen pro Kilogramm verteuert. Gestern hatten folgende Detailpreise Geltung: Rindfleisch vorderes mit Huwaige 1.90 bis 3.40 Schilling, ohne Zuwage 2.30 bis 3L0, hinteres mit Zuwaige 2.30 bis 3.60, ohne Zuwage 2.80 bis 4.60, KaWileisch vorderes 1.90 bis 3.60, hinteres 2.70 bis 4.20, Schnitzel 6.— As 6j80. — Auch ans dom Naschmarkte war die KäuserlbeteWung eiine zahlreiche. Mit Ausnahme von Paradeisern Md Halimasch erhielten sich alle anderen Gemüsesortm auf dem Vo-vtägigen Preisniveau. Auf dem Qbstmarkte macht, sich in jugoPawiischen Zwetschken Knappheit fühlbar, allein durch die Importe aus der Tschechoslowakei wird der Ausfall wettgemacht. In allen anderen Obstsorten herrscht anhaltend UoberAuß. Geflügel wurde ausreichend auf die Märkte gebracht und '»begegnete reger Nachfrage. Auch Wildpret und Fische fanden besseren Absatz. Die Butterpvche zeigen siMnde Tendenz mit Ausnahme der ausländischen Provenienzen. Toelbutter 6$) bis 8.20 Schilling, Tafelbutter 6.— bis 6.80 und Kochbutter 4.80 bis 6.20 Schilling pro Kilogramm.! Eier unverändert 19 bis 32 Groschen pro Stück.! * Regelung des Straßenverkehres durch Zeichen. Zur Vermeidung von Unglücksfällen, insbesondere an Straßenkreuzun-', gen, hat die Wiener Polizeidirektion bestimmte Vorschriften erlassen, wonach die Verkehrsregelung durch Zeichen erfolgt.' Das Haltzeichen und das Zeichen zum Fahren werden durch die Sicherheitswache gegeben, und zwar nur soweit sie un-, bedingt notwendig sino. An stark befahrenen Kreuzungen wer-, den Stäbe mit Lichtsignalen verwendet. Rotes Licht be-j deutet für den Fuhrwerkslenker die Aufforderung zum Halten.' grünes Licht die zum Weiterfahren. * Aue neue Urania-Zweigstelle. Leute um 10 Uhr vormittags findet im Festsaale der Bunoesrealschule, 16. Bez.,! Lenriettenplatz 6, die feierliche Eröffnung der neuen Urania-! Zweigstelle in Fünfhaus statt, j * Ein beliebter Treffpunkt der «ach Be-rllin kommenden Fremden ist die vor kurzem nach vollständig Neurenoviemug unter fachmännischer Leitung wieder eröffnete Boheme- Bar am Zoo, HardeübengstvaHe 27. Die künstlevischvn Darbietungen fKapelle Soa-la-Soug-Wand-Millanv/ ferner der Wiener Humorist Chavlie Woeber)'soitvie die «Misst« Küche machen jedem Gast den Aufencha'lt in diesen auf das elüMteste und geschmachoUte einMichtelen Rmmm pm PergiÄgen, Der 6372^3561663

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