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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-04 · Heft 2376 (4.10.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2376 (4.10.1925)
Date
1925-10-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk. Mt, _ Wen, Sonntag_ zu sichern. Darüber, geben auch die Darlegungen Auifsch luß, wÄche der Stellvertreter Primo de Riberas, Admiral Magaz, den Vertretern der Presse machte; er erklärte, >d>aß die Spanier im Verlaufe der letzten Offensive alle vovgesteckten Ziele erreicht hätten; es habe sich um die B eherrschung der Buch t v on Alhuceinas gehan- E. Die spanischen Operatio n en seien daher für den Augenblick als beendet zu betrachten. ' Die Beendigung der Operation hängt freilich nicht allein von den Spaniern ab. Gegenwärtig steht ihr wichtigster strategischer und Eisenbahnknotenpunkt Tetuan unter schweren Angriffen der Truppen Abd el Krims, die fdf Tagen eine systematische Beschießung der Stadt dnrchsAhren. Eine Aktion gegen die Drusen. Beirut, 3. Oktober. Mvas.) ^Heute vormittags. hat eine Aktion gegen die aufständischen Drusen des Gebietes von Aere begonnen. Herriot erkrautt. Paris, 3. Oktober. Kammerpräsident Herriot, der Morgen in O r l e a n s sprechen sollte, ist an Lunge nentzündung erkrankt'und muß das Bett hüten. Anne ist Krone - in Ungarn. Wie aus Budapest berichtet wird, verhandelte gestern der Staatsgerichtshof die Valorisierungsklage der Wiener Allgemeinen österreichischen Bodenkreditanstalt gegen eine Frau Adler. Die Bank hatte noch im Frieden s Frau Adler ein Darlehen von 12 5.000 Kronen gewährt, welches auf eine Budapester Immobilie der Frau Adler intabuliert wurde. Frau Adler wollte vor kurzem der Wiener Bank ihre Schulden in Papierkronen znrückerstatten, was jedoch von der Bank nicht aheptiert wurde. Frau Adler deponierte daraufhin die 125.000 Kronen bei Gericht und suchte gleichzeitig an, das Gericht möge aussprechen, daß die Wiener Bodenkreditanstalt verpflichtet sei, die Rückzahlung der Schuld in Papicrkronen anzunehmen und das intabulierte Pfandrecht amtlich zu streichen. Das Gericht hat sein Urteil in diesem Sinne gefällt und dieses Urteil wurde heute in zweiter Instanz bestätigt. üBieto» ein Wischeg SWtchen «iedergebrannt. Kalarasch in Beßarabien. Wie ms Kischmew gemeldet wird, ist das hauptsächlich von Juden bewohnte Städtchen Kala rasch in Beßarabien fast vollständig ein Raub der Flammen geworden. Soweit den bisher eingelangten Berichten zu entnehmen ist, scheint der Brand auch Menschenopfer gefordert zu haben. Die Bevölkerung ist obdachlos. Letzte Kurie. New'Bork, 3. Oktober. (Tel.-Komp.) Berlin 33.80, London Kabel 4.84*/,«, London Scheck 4.80*/,,. Amsterdam 40.22, Paris 4.64*/,, Brüssel 4.47, Rom 4.05, Madrid 14.88, Zürich 19.29, Stockholm 28.66, Oslo 20.05.. Kopenhagen 24.08, Wien 14*/«, Budapest 14*/,, Prag 296*/«, Belgrad 177*4 Athen 1.48*/«. Buenos Aires 40'/„ Rio de Janeiro 14.47*/,. Bukarest 47*/, New-Doutz» 3. Oktober. lTel.-Komp.) Weizen rot Winter 147'/,, Weizen hart Winter 146'/,. Mats 93*/.. Hafer 44'/«, Roggen 86. »0, 3. Oktober. (Tel>Komp.) Weizen per Dttember 135*/,, Juli Mats per Dezember 77*/„ Mai 81*/,, Juli —; Hafer per Dezember 89. Mai 43*/, - Juli —; Roggen per Dezember 79, Mai 85. Juli —. BhM StUWrtel Kirre Bukkosgeschichtc Bon Jakob Krausz. Ist Mudl Feldwebel heute noch am Leben, st wird sie am ersten Ehol-Hamoed, dem ersten Halbfeiertag des diesjährigen SüNosfestes, ihren 65. Geburtstag feiern können. Ich weiß das daher, weil ihr 26. Geburtstag auf den ersten Halbfesttag der Gukkostage in jenem Jahre 1866 fiel, das in der Geschichte der alten Judengememde N. eine wichtige Rolle gespielt hat. Es war ein ereignisreiches unvuhevolles Jahr, das durch das Aufflackern des Antisemitismus im alten Ungarn gekennzeichnet war. Es herrschte eine durch den Monsterprozeß von Tisza-Eszlar erzeugte unheÄdvohende Atmosphäre, in der die Leidenschaften leicht explodieren und dunkle Gestalten urplötzlich aus der Unterwelt-emportauchen und die Zügel der Herrschaft an sich reißen. Tisza-Eszlar liegt in Ungarn, und die Judengemeinde, in der sich das hier Erzählte abgespielt hat, liegt in der Slowakei. Das Karen auch damals schon zwei ganz verschiedene Welten, wenn sie auch gezwungen waren, ihr Leben nach einem gemeinsamen Kommando einzurichten. In Ungarn konnte man mit dem Ritnalmordmärchen Politik machm, die Bevölkerung, besonders die katholische, irrefühven und gegen die Juden aufhetzen, in der Slowakei -hingegen hatte das Volk gegen die, Juden höchstens das eine einzuwenden, daß sie von den magyarischen Herren zu nationalen Vorkämpfern unter den Slowaken mißbraucht wurden. Aber mit der Ritualmovdfabel konnte man in der Slowakei keine tiefergehende Erregung Hervorrufen. Die Stimmung änderte sich auch hier erst, als einige untergeordnete Regierungs'bcamte auf den Gedanken gekommen waren, durch bedenkenlose Aufwiegelung der slowakischen Bevölkerung die Aufmerksamkeit der Politiker auf sich zu lenken, und sich auf solche Weise ein .leichteres Fortkommen zu ermöglichen. Da erst begann die-Lage auch'Ln der Slowakei'für die Juden kritisch zu werden. Alte Freundschaftsbandezwischen Juden und Wiener Morgenzeitung 4. Oktober 1025 reite 3 Was machen Sit jeden Abend? »Ich lasse mich mit Diana-Franzbranntwein massieren!« »Warum gerade mit Diana-Franzoranntwein?« »Weil ich mich überzeugt habe, dass nur Massage mit DIANA Fraeizbranntweln mit Menthol solche Schmerzen lindert, welche von Ueberanstrengucg und schwerer Arbe.t herrühren Ebendarum kaufe ich nur Diana - Franzbranntwein und nichts anderes.« Ueberafll erhältlich Diana-Franzbranntwein - Produktion-Ges. WIEN, II. PRAG, VIII. Engerthstrasse 169 Lieben, Drahobeljova 1013 Jhmmto M“ über die Aufgaben Lord Plumers. Gin neuer Hetzartikel. Aus London wird uns geschrieben: Die antizionfftische „Morning Post" hat jüngst einen Auffatz mit dem Titel „Lord Plumers Aufgabe" und dem Untertitel „Die zionistische Gefahr" vevöffenMcht, der offenkundig den Zweck hat, Lord Plumers Politik in Palästina zu beeinflussen. Nach einem Kompliment Kr die Tätigkeit des 68jährigen Oberkommissärs in Malta, wo er, wie das Blatt sagt, die Eigenschaften des Soldaten und des Staatsmannes vereinigt hat, heißt es in dem Aufsatz: „Lord Plumers Aufgabe in Palästina ist keine leichte; sie wird seine Eigenschaften mehr als jede feiner bisherigen Aufgaben erproben. Er kommt in ein Land, das lange Zeit hindurch im Streit liegende Elemente besaß. Diese Elemente ivaren hauptsächlich religiöser Art, doch in den letzten fünf Jahren sind sie durch politische Streitigkeiten und Feindseligkeiten ärgster Art gefärbt lvorden. Die Araber, welche drei Viertel der Landesbevölkerung bilden» haben nie der Schaffung eines nationalen Heims für die Juden in ihrem Lande 'beigestimmt. Sie hatten 60 Jahve lang Juden in ihrer Mitte und lebten mit ihnen im guten Einvernehmen als Nachbarn; .aber diese Inden werden von den Zionisten in Verwirrung gebracht, die eine ganz'andere jüdische Spezies find." Weiters legt Morning Post" dar, wie die Mische Einwanderung rkach Palästina vor sich geht, und bemeÄt dabei, daß „Mische Emigrantercheime in Palästina schneller gebaut werden als Heime für britische Arbeiter in England". Dann fährt das Blatt fort: „Die Araber sind alarmiert. Sie haben- Furcht, und das nrit Recht, vor dem zionistischen Einfluß, ja vor der zionistischen Herrschaft über ihr Land. Die Ankunft Lord Plumers Äer gibt den Arabern Hoffnung. Denn er ist kein Zionist, wie es sein Vorgänger, Sir Herbert Samuel, war. Er ist nicht einmal Jude. Er wich denr zionistischen Einfluß nicht zugänglich sein. Sein tiefes Empfinden für Gerechtigkeit, seine Unparteilichkeit und seik Mut werden es ihm ermöglichen, zwischen den gegerffätzlichen Interessen das Gleichgewicht zu halten. Aber die Hoffnung der Araber ist die Furcht der Zionisten, und das Pendel der Erregung schlägt nun ltach der anderen Seite. Ein einziger Weg ist für dm Frieden offen. Es muß ein politisches System geschaffen werdet:, das der jetzt bestehenden Regierungsform der Kronkolonie ein Ende macht, den Arabern muß direkter und ausreichender Anteil an der Verwaltung des Landes gewährt werden, auf die sie ein.Recht «haben sowohl durch den langjährigen Besitz des Landes wie durch ihre Zähl. Durch die Schaffung eines solchen Regiernngsshstems kann sich Eng'land von der kostspieligen und hoffnungslosen Aufgabe befreien, gegensätzliche u nd. widerst reite n d e Elemente z u s a nt m enzuha l t.e n, die unter den gegenwärtigen Umständen nie zu einem Ausgleich kommen können. Wird Lord Plumer diesen 'einzigen Weg feilen und wird er -den Mut haben, ihn zu gehen?" Sie volnisch-iüvische Berftändisung. Der Antrag Hartglas-Körner im jüdischen Sejmklub. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) - Warschau, 3. Oktober. In hn gestrigen Sitzung des jüdischen Sejmklubs wurde die Debatte über den Antrag das Deputierten Hartglas und des Senators KÜrner eröffnet, der, wie Ihr Korrespondent bereits berichtet hat, die Lösung des zwischen der panischen.Regierung und den jüdischen ParlaMMtsvertreieru getroffenen Uebereinkommens zum Zweck «hat. Der Antrag zielt hauptsächlich gegen den Vorsitzenden des Klubs, Abg. Dr. Reich. Er lautet: „Der jüdische -Sejinklnb stellt fest, daß die Regierung nicht nur die mit dem jüdischen Sejmklüb im Zuge der! sogenannten Verständigung getroffenen Vereinbarungen! nicht erfüllt, sondern eine ganze Reihe neuer Beschränkungen der jüdischen Bevölkerung aus kulturellem Gebiet eingeführt hat und weiterhin die Politik des wirtschaftlichen Ruins der jüdischen Bevölkerung fortfttzt. Deshalb! beschließt der jüdische Wirb: 1. Zur öffentlichen Kenntnis, zu 'bringen, daß die Re-, gierung die mit der jüdischen Repräsentanz geschlossenen i Vereinbarungen gebrochen hat. 2. Die bisherige politische Linie des jüdischen Sejm-; klubs, die auf Beendigung mit der Regierung s Grabs kr hinzielte und von dem gegenwärtigen! Kllubobmann Deputierten Dr. Reich ver-, treten wird, für verfehlt zu erklären und zur Opposition überzugeihen. 3. Im Zusammenhang damit das Präsidium des Klubs zu wechseln." Nach einer eingehenden Debatte wurde beschlösset!, die' Abstimmung über diese Resolutionen-aus Dienstagi .zu, verschieben und alle Mitglieder des Klubs zur! Anwesenheit bei dieser Sitzung zu veranlassen. Am Diens-! tag wird der Klub auch die Angelegenheit der Vertretung! bei der Konferenz der nationalen Minderheit e n i n G e n f in Beratung ziehen. Ferner 'beschloß der jüdische Klub, morgen ein-'. Delegation zum Ministerpräsidenten Grabski zu' entsenden, welche-ihm die jüdischen Postulats be-! zuglich der Durchführung der polnisch-jüdischen Vereinbarungen übermitteln soll. Der Delegation gehören die Deputierten F a r b st ein und R o s m a r i n sowie Senator Trust er an.; Christen lockerten sich, das gegenseitige 'Mißtrauen ivuchs, j und.schließlich kam es auch zu Ueberfällen auf Juden. Die Regierungsstellen wurden mit Beschwerden und Denkschriften der jiidischerr Gemeinden und Verbärrde überschwemmt, auf den Judengassen aller Städte lastete bleiern .die dumpfe Angst vor der nächsten Zukunft. Die Inden von N. sandten keine Beschwerdeschriften an die Regierung. Wohl Mt auch hier der Gemeindevorstand einige Beratungen ab, die aber immer mit der einnmtigen Auffassung endeten, daß es der 'Juden von 01. unwürdig sei, um besonderen Schutz der Regierung zu winseln; die Juden von N. iverden ihre Judenzasse, ihr Leben und ihr Gut selbst schützen. Und als an einem Freitag der von -den umliegenden Dörfern heimkehvende Mord che Dorfgeher an: Ende der Stadt von einem Rudel Kutschern überfallen und seines Binkels beraubtwurde — angeblich, um sich zu überzeugen, ob sich nicht darin ein Christenmädchen- -befinde —, suchte der jüdische Ochfentreiber David Ruß, kurz entschlossen und ohne Auftrag, den Oberwachtmeister der Stadtpolizei auf, mit dem er zusammen beim Militär gedient hatte, und sagte ihm: „Hör' mal, Stephan! Da ihr in dieser Stadt die Ordnung nicht aufrechterhalten -und -uns keinen Schutz gewähren könnet oder wollet, so nehmen -wir unseren Schutz selbst in die Hand. Bor dir steht David Ruß, der jüdische Wachtmeister. Sage den Kerlen, die jetzt durch ihre besoffenen -Söldlinge in unseren Gassen ausrufen lassen, daß ein jüdisches Blutbad kommen müsse, daß David Ruß in solchen Dingen keinen Spaß versteht! Wir erivarten di« Herrschasteil. . Am nächsten Abend, nach -Sabbatausgang, faß bereits -die wehrfähige jüdische Jugend im großen Gasthaus der Judengasse bei ernster Beratnng über eitle würdige Abwehr der geplanten judenfeindlichen Ueberfälle. David Ruß wurde zum Oberwachtmeister proklamiert und die übrigen — die reichen Kaiifmannssöhno ebenso wie die armen Hilfsarbeiter — gelobten ihm unbedingten Gehor- I sam. Es wurde nicht viel debattiert, David Ruß, nahm^ sofort die Diensteszulweisungen vor, bestimmte die Pa-! tronillenführer und Wachtposten, und die jüdische Selbstwe-hr von N. war organisiert. - 2. Dte Sommermonate verliefen ohne bedeutenden Zwischenfall. Gelegentliche Zusammenstöße zwischen jüdi-! schm und ,Herrschaftskntschern" nahmen eher einen gemütlichen als gehässigen Verlauf. Der Versuch des bischöflichen! Kutschers, den „Judenfiatern" einen eigenen Standplatz in einem gemessenen Abstand von den übrigen Kutschern znznweisen, wurde auf die Weise erledigt,, daß der Judenfkaker Dolfi ohne ein Zeichen der Erreguna von seinem Kutschbock stieg, auf der v bischöflichen Kutscher zuging und im gelassenften Tone derMelt sagte: „Sag' mal, Janos, du willst hier -eine Ausnahmsstellung haben, damit man dich nicht mit den Judenfiakern verwechselt, ist 's wahr?" „Geiwiß!"» antivorlete Janos. „Die Juden sollen iu der Jüdengasse bleiben und mit Hasenfellen handeln oder^ nach Palästina zurückkehren, woher sie gekomMn sind? Hier haben nur christliche HerrschaftZkutifchöv zu stehen." Janos sprach sehr pathetisch, die übrigen Kutscher^ lachten, machten Witze Md feuerten beide Streitende^ gegen einander an. Dolfi aber klopfte aus der kurzen^ Pfeife, an der er bisher nachdeMich gezogen hatte, die Asche aus, steckte die Pfeife in die Tasche und wat dicht' an die bischöfliche Karosse heran. ,M fürchtest Janos, daß man dich für einen. Judrnfiaker ansehen Gnnte? Dem bann Kr Mch abgeholsen -werden.. iJanos, der nun einen Angriff Dolfrs erwartete, stieg von: Bock und stellte sich im KalttpfPositur..Jn atemloser Spannung folgte das Publikum jeder Bewegmag der zwei Kutscher, die sich anschickten, den Kampf um eine Weltanschauung auf ihre Art auszutragen. „Am Ende soll ich gar dir weichen,' meinst du. nid}!, Dolfi, he, Je, he! Mer Paß auf,. FMMbsti w acht .Tagen

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