Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2376 (4.10.1925)
- Date
- 1925-10-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981462--24244-3011769- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Wim, Sonntag Wiener Morstenzeitürik 4. Oktober 19So SK.M6 sührung und aus Antrag Englands den Rechtsanspruch eS jüdischen Volles aus seine nationale Heimstätte. Sie jaden, ausgesprochen, daß das jüdische Voll kraft eigenen Rechtes und gemäß seiner historischen Verknüpfung itit Palästina aus dem Baden dieses Landes anftritt mb die weitere Gestaltung seines Geschickes selbst zu bestimmen unternimmt. * Sollen wir es selbst verschulden, daß die anderen Kr Wort zurücknehmen und daß sie sagen, wir hatten »ie Gunst des Schicksals nicht verstanden? Es sind ncht bloß freundschaftliche Gefühle werktätiger Sympathie, die uns gegenüberstehen. Der Haß, der uns seit »er Zeit unseres ersten Eintritts in die Geschichte bereitet, verstärkt sich von Tag zu Tag. Er bestreitet rnseven moralischen Wert als Gesamtheit und als Jnüviduum, er negiert unser Recht, wo und wie immer!s sich darstellt. Er hat viele tausende Angehörige unseres Volles aus die Wanderung getrieben, sie von Herd und Haus gerissen und will chnen dann noch Unterkunft ~ und Aufnahme verweigern. Es ist dem Judentum trotz seiner so viel und so oft behaupteten materialistischen Weltauffassung unmöglich um» es geht über seine Kraft, die Verluste an Menschen und materiellen Werten — von.den geistigen zu schweigen ru berechnen, die ihm die Verbannung zugefügt hat. und es ist ebensowenig festzustellen, wieviel ihm durch die Wanderung und ihr Schicksal an bauenden Mementen verloren geht. Aber es ist klar, daß sich die Rechnung sofort ganz anders stellen muß, wenn.es gelingt, diesen Wandernden eine Zufluchtsstätte zu öffnen, m der sie Sicherung, Ruhe und freie Entfaltung ihrer Fähigkeiten verbürgt vvrfinden. Alle Staaten schließen sich gegen diesen Zug des grauen Glends ab. Nur Palästina, nur Erez Israel ist ihnen heute offen. Die drei Jahrzehnte lang unermüdlich fortgeführle Aufklärungstätigkeii der Zionistischen Organisation hat dies erzielt. Sie hat aber noch weitaus mehr getan. Sie hat geistige und physische Kräfte in dieses Land geleitet, sie hat es aufgeschlossen, nicht nur dem Judentum, sondern der modernsten Weltwirtschaft näher gebracht. Sie hat das Land und sein Leben aus der Indolenz herausgerissen und in die Trägheit des in sich versunkenen und sich einspinnenden Orients die Impulse der Weltkultur, die Prinzipien rationeller Arbeit getragen. Sie hat das Änd dem jüdischen Voll, den jüdischen Wanderern geöffnet, sie bietet dem müden, gehetzten, verleumdeten Ahasver das Land seiner Jugend. Sie ruft das'Volk^uvTat, zur Steuer, zur Hilfe aus-. Es gebe mit freudigem Äerstärwnis das Geldfür den Aufbau, für den Pflug, für den Bau des Hauses, für den Grundstein der Freiheit.. Wer sich gesichert glaubt, der leiste den Zehnten für die, die es sicher nicht sind; wer die Zukunst-seiner Kinder umfrieden will, der steuere bei für den Fonds, für den Keren Hajessch, der ihnen Städte, Schulen und freies Leben baut, der die Ehre der Natron aufrichtet, die Wanderer ausnimmt und dem jüdischen Voll durch die Tatsache des Besitzes das Recht wieder bringt. Bor der Konferenz in Locarno. Die deutsche Delegation eingetroffen. Locarno, 3. Oktober. (Tel.-Oomp.) Als erste vollständige Delegation ist die deutsche mit Reichskanzler Doktor Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann an der Spitze im Sonderzug heute abends um ß Ahr 44 Min. in Locarno eingetroffen. - Von der französischen Delegation sind zunächst Massigli, der Sekretär der- Botschafterkonserenz, und Besnard in Begleitung des französischen Genera'llonsuls von Basel eingetroffen. Alle übrigen Delegationen treffen erst am'Sonntag in Locarno ein. Chamberlain ist in Begleitung von Campson, Selbh und Benett nach Locarno abgererst, ebenso der belgische Außenminister Vandervelde. Painleve über die Bedeutung de« Sicherheitskonferenz. Paris, 3. Oktober. (Hovas.) Anläßlich der m Nimes erfolgten Enthüllung eines Denkmals für Errrest Denkedessen Wirken zur Befreiung der Tschechoslowakei beigetragen hat, hielt MuPerpräsident Painleve eine Rede, in der.er unter anderem erklärte: Zur Versöhnung Europas ist es nötig, diese in dem einigemale durch den mörderischen Zusammenstoß zweier großer zivilisierter Völler blutgedüngten Rheing e'biet zu schaffen,"denn die französisch-deutsch- Versöhmmg ist der Angelpunkt der europäischen Uvilisatkon. Droh des in den breiten Massen der breiten Völker ArrschvMn Grolles können dstst das hartnäckig e M >i tz t r a u e n beseitigen,' An diesem Geiste geht Frankreich m Locarno an den kühnsten.Versuch, einen wirklichen Frieden zu schaffen, der seit dem Waffenstillstand gewagt worden ist. Mein mit Rücksicht auf die wesentliche Rolle des Rheines für den europäischen Frieden wollen wft nicht, daß die jungen, durch den Krieg befreiten Nationen immer aus der Hut vor. den ihre Freiheit bedrohenden Gefahren sich wegen der besonderen Borsichtsmaßregaln im Rheingebiet beunruhigen. Retzner erinnerte daran, daß Frankreich.den Leitsätzen., des Genfer Protokolls fteu'Wbe, -in-deren Mst bst Wpakte zwischen 'deyNationen abgeschlossen Werdens müßM deren Interssstn -und Ansprüche auManderstoßen! könnten i Die jungen Nationen wiirden -darin ihren Schütz Die Tschechoslowakei und die Vaktveriräge. Prag, 3. Oktober. (Tschech. Preßbureau). Außenminister Dr. B e n e s ch hielt heute vor Vertretern der tschechoslowakischen Preffe ein Expose über die gegenwärtigen außenpolitischen Fragen, wobei er unter anderem aussührte: Die Verhandlungen über den G arantiepakt halte ich, Wenn'sie Ersatz habenWerden, gewissermaßen für den Grenzstein in der europäischen Nachkriegspolitik. Politisch sollen sie eine neue Situation schaffen, die durch folgende drei wichtige Tatsachen' charakterisiertwäre: . : 1. Durch den Abschluß des französisch-belgisch-deutschen Abkommens, das den Krieg zwischen den genannten Staaten ausdrücklich verbieten und unmöglich machen soll; - 2. durch den Abschluß der Schiedsvertrage zwischen Frankreich, B e l g i e n, P o l e n u n d der Tschechoslowakei einerseits und Deutschland andererseits; 3. durch den Beitritt Deutschlands zum Völkerbund, durch die Beseitigung der durch den Krieg entstandenen Unterscheidung der europäischen Staaten in zwei Kategorien und durch die Anerkennung Deutschlands als eines den anderen Großmächten gleichgestellten Faktors, wodurch sich natürlich die europäische Lage bedeutend ändern würde. Wenn in Locarno eine Verständigung zustande kommt, bedeutet das s L r u n s: A. Am R h e i n, d. h. zwischen Frankreich und Deutschlandwird der Frieden garantiert. Dadurch wird auch Mitteleuropa in hervorragendem Matze konsolidiert. B. Die bisherigen Verträge sowohl mit Frankreich wie auch mit der Kleinen,Entente sowie s ä m t l i ch e G a r a n t i'e n bleiben vollständig U nv e r L n d e rt. C. Wir erhalten weitere Garantien in Form von S ch i e d S v e r t r ä g e n, die sachlich und moralisch ein neues D e-f e n si v m i t t e l derjenigen sein werden, diebevroht werden-kämen. /// // J - Redakteur zur Mitleitung meines weit verbreiteten, politisch-belletristischen neutralen „Israelitischen Famlllenbianes" gesucht, Einem regen, journalistisch geschulten, mit den jüdischen Zeit- Strömungen vertrauten Herrn bietet sich hier ein* angenehme, dauernde Stellung mit hohem Einkommen imi Ausführliche Angebote mH Lebenslaut geil, an des Verlag M. LESSMANN, MAMBURG 36 . Bekanntlich sollen eigentlich sechs diplomatisch« Dokumente unterfertigt werden: Der Rheinpakt,, vier Schiedsvertrüge und der Garantievertrag unseres und de's, deutsch-polnischen Arbrtragepaktes. Es gibt bisher zwei strittige Hauptpunkte zwischen den Verbündeten und Deutschland. Der erste ist die Formulierung der Garantie der SchiodÄverträge und der zweite 'bezieht sich aus den Umfang der Schiedsverträge. Die Differenzen such nicht unüberwindlich, und ich hoffe, daß eine Verständigung Zustande kommt. Dadurch wich dcnm die letzte Frage MM werden: Europa wird mehr gezwungen sein, , seine Aufmerksamkeit dem Qstproblem, das heißt Rußland,.zuzuwenden. Solange Mßland nicht vollständig die europäische Mitarbeit aufnimmt, wird das europäische Problem nicht voll gelöst sein. Zu der Reise des BolMommiffärs T s H i t s ch e r i n sage ich nur eines: Ich würde Polen die Annäherung an Rußland warm wünschen, und falls sie gelingt, wich 'das sicher ein großer Erfolg 1>er polnischen Politik fein. Uns kann das nur nützen und 'wird uns sehr willkommen sein. Wir wollen die größte Annäherung und Freundschaft mit Palen und «wollen zu einem vollkommen freundschaftlichen Verhältnis mit Rußland gelangen, zu einem.solchen Werwie mit Frankreich. Das alles ist eine Frage der Dr. Benefch eMpte weiters: Die tschHoflowakW Regiewng hat die formelIe Einladungzur Konferenz erhalten. Wir sind für die kommende Woche nack Locarno zur Teilnahme an den Vechandlungen einge staden. ras deutsch-rMche Abkommen. Berlin, 3. Oktober. Der „Vorwärts" meldet über das Abkommen mit Rußland: Den von Herrn Tschitscherin gestellten exterritorialen Forderungen wurde nicht stattgegeben, soweit es sich um Hamburg handelt; die Exter r i to r i a l i t ä t - d e r russischen Handelsvertretung in Berlin wurde dagegen erweitert. Das Prinzip der Meistbegünstigung hat man sich gegenseitig zugesagt, jedoch erstreckt sich die Meistbegünstigung in bezug auf Deutschland nicht auf die zur Sowjetunion gehörigen Oststaaten, auch nicht auf die Mongolei und nicht auf die mandschurische Sphäre. Weiter wurde Rußland ein Einfuhrkontingent von 40.000 südrussischen Schweinen unter .den üblichen Quarantänebedingüngcn zugestanden. Im übrigen gilt bis zum Abschluß eines Spezialvertrages der autonom e Z o lltarif, und Kön ig8ber g wäre auf diese , Weist in die Lage versetzt, dem deutsch-russischen Handel seinen Hafen zu öffnen. Die Verhandlungen zum Abschluß ' eines speziellen Vertrages über den neuen Zolltarif sollen unmittelbar nach Unterzeichnung des Handelsvertrages be- ’ ginnen und dem Prinzip der gegenseitigen Zoller m ä ß i g u n g folgen. kaillaur aus Rew<Bork abgerM. Der französische Finanzminister gegen die amerikanische Presst. NewHotk, 3. Oktober. Die französische Abordnung ' hat sich eingeschifft. FinanMuister Caillaux gab, bevor er an Bord ging, den Journalisten folgende Erklärung ab: ,^Ich weiß.nicht, ob das von Amerika vvrgeschlagene provisorische Abkommen für 'Frankreich annchmbar ist. Ich >habe hierüber noch keinen Entschluß gefaßt. Ich kchre mch Frankreich zurück mit dem vollen Vertrauen, daß die Frage. «der Kriegsschulden doch endlich zur Zufriedenheit aller gelöst -werden wird. Das ist eine Frage der Zeit. Wir verlassen Washington im besten Einvernehmen mit den Mtglieottn der amerikanischen Kommission. Ich habe niemand irgmd «welche - würfe zu machen/ Höchstens der amerikani s,chen. Presse. Es scheirä, daß die amerikanischen Blätter sich größtenteils über die franMffchen Vorschläge lustig gemacht HMn." Sie Kosten des Marottokriegss. Spanien zahlt täglich eine Million Pefetass , 3. Oktober. Dev Madrider Korrespondent des „Daily Expreß" hatteeine Unterredung mit dem K ö n-igv o n S p a n i e n. Dieser erklärte, der Krieg m Rif koste Spanien täglich eine Miillion Pesetas, aberes haM« sich um einen Kamps ans Leben und Tod. Abdel Kr i m m ü s s e tt m i« de n Preis,gef ch l a ge n. werden. Ein Nachgeben würde den Selb st m o r d der weißen Rasse bedeuten und ga-nz Nordasrika Mvde in Flammen aulsgehen. Was diestr Kriege die Spanier, die ihn durch ihre nordafrikanischen „ExPaWouspläne" heraufbeschwoven haben, täglich an Men schenke Iben kostet, darüber schweigt die königliche Statisük. Die Darlegungen des Königs von Spanien stechen sehr unvorteilhaft von der am «gleichen Tage gehailtenen Politischen Rede des fränzösischen Mimsterprästdenten Painlleve ab, in der er zunächst auf die bevorstehende Konferenz in Locarno zu sprechen ka«m (Diesen Teil der Rede veröffentlichen wir. an anderer Stelle. — Die Red.) und dann den Krieg in Marokko erörterte, wobei er ausführte: ,/Lrotz der erlitten-en Unbill spart Frankreich keine Bemühungen, um dem Blutvergießen Einhalt zu tun. Da Frankreich über das durch die Verträge einer benachbarten Nation zugeteilte Territorium nicht verfügen kann, ist es in loyaler Weist mit Spanien dahin übereingekommen, die sdelmütigsten und billigsten Frisdensbedingungen aufzustellM, nämlich vollständige Autonomie der Rifstämme jm RahMn der bestchenden Verträge, das heißt Anerkennung der Autorität des Sulltans und des Die Rehr sPaiuleves klingt sin die , aus, FrstdensverhaMungen mit Md' el Mm zu beginnen Die französische Politik trägt ebeir dem 'Umstand Rechnung, daß ein Küegswi-nter m Marokko, eine schwere materiell und mo-valische^ Last bedeutet. -Die Spanier haben die Er,' reichung des sieben Kilometer von der Küste bei ihren. Landungsort Celbadilla entfemstu Ortes AMr als gvotzei mMärffchen Erfolg hingesiellt. In WivMchkeit HY er sich nur darum gehandelt,, die sehr destlatj ihrer gelandetw Truppen Änigermaße^ uMockrabe 17 d LMeltbttit« niUükrintitfiiMttm 5486