Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2375 (3.10.1925)
- Date
- 1925-10-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981461--24236-3011760- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
" Sk. ML Wen, Samstag Seftmeichisch-Veutsche handelspolitische »er« Handlungen. Fn dieser Woche fanden in Berlin handelspolitische BechaMnilgen zwischen Vertretern der österreich:- schen und deutschen Regierung statt. Diese Verhandlungen waren durch das Inkrafttreten des neuen deutschen Zvliltarifes veranlaßt »worden. Den Gegenstand bildeten die neuen deutschen Viehzölle und die gleichfalls erhöhten dänischen Zölle für Hanfgarne. Gestern wurden, wie wir erfahren, folgende Vereinibamivgen erzielt: Die deutschen Zölle für die Einfuhr von Rindvieh aus den Grenzgebieten werden von 13 Mark Pro Doppelzentner Lebendgewicht auf 9 Mark 'herabgesetzt. Zur Erleichterung der zollamtliche:: Abfertigung werden Nsrmalgewichte im gleichen Ausmaß festgesetzt, wie sie im früheren Handelsvertrag zwischen Oesterreich-Ungarn «und Dentschlaf bestimmt waren. Die Hanfgarnzölle wurden mit 11,50, bezw. 13 Mark pro Doppelzentner vereinbart. Die Handelsvertragsverhaüdlungen mit Deutschland werden anfangs November beginnen. Ae Konferenz der Nachfolgestaaten. Wie die Politische Korrespondenz erfährt, wird die römische Konferenz der Nachfolgestaaten, betreffend 'Stiftungen, Fonds usw., am 5. d. fortgesetzt. Den bisherigen Verhandlungen der Konferenz sind bekanntlich bereits eine Reihe von Uebereinkommen zu verdanken, die sich auf die Gtaatsbürgerschaftsfragen, Pensionen, Fideikommisse, archivalische Fragen" private Schulden «und Einziehung privater Forderungen, »schulden des ehemaligen Aerars ufw. beziehen. Zu de:: bevorstehenden BerhaMungen ist als österreichischer Delegierter Misterialvat Dr. Schönberger nach Rom abgereist. Vas die Hakenkreuzler amichten Sensationsmeldungen Mer die - ^mgust-Exzesse. Ein Leser in dem südamerikanischen Staat Ecuador übermittelt uns die hier folgenden Ausschnitte aus Zeitu'Mn in Guayaquil. Man erkennt daraus, ein wie willkommenes Futter die Attacken der vereinigten Pogromisten gegen den Zionisteukongreß für die auswärtigen ' Zeitmrgsvertreter darstellten. Man kaitn »sich auch nach der Lektüre d:e!ser Ausschn'tte eine Vorstellung von dem Urteil machen,, das sich >das dortige Publikum über Ordnung und Sicherheit in Wien bildet, und man erkennt auch, welchen Schien die niederträchtige Hetze >der Hakenkreuzler dem Auschet: Oesterreichs 5n so weiter Ferne zufirgen muß. Der Zivmstenkongreß ist, wie-man weiß, in vollster Ordnung zu Ende geführt worden, und die frechen Attentate der Gatterrnayer, Wolf und Genossen sind an der Korrektheit der. Regierung- und ihrer Organe zerschellt. Den Schaden hatten nur die auf d'e Straße gerufenen jungen Burschen, die Wiener Geschäftsleute und, wie man aus den Zeitungsstimmen sicht, der gute Ruf des Staates. Nutzen zöget: lediglich ein paar Sensationsjournalisten, denen es weniger auf d'e Wahrheitsgemäße als vielmehr auf die „interessante" Darstellung ankaur. Die Gerichte lauten: Aus „El Telegrafo" in Guayaquil: Oesterreich. Der Zionistenkongreß in Wien. Wien, 17. August (7 Uhr 3 Min. p. m.). Der Zionistenkongreß wird heute nachts in einem kleinen improvisierten Feldlager mit Zelten und anderen provisorischen Einrichtungen nach jüdischem Stil eröffnet werden. Die Polizei hat ungefähr 600 Gendarmen in der Nachbarschaft des Zionistenkongreffes verteilt. Auch das JudeMertel wird streng bewacht und Kavalleviewache wurde bei allen Brücken ausgestellt, um jedem antisemitischen Ueberfall zuvorzukommen. Die Antisemiten haben eure Kundgebung veranstaltet, weil die Polizei ihnen die Erlaubnis zu einer hentgen Versammlung verweigert hat. Es fanden Parteiumzüge statt. An der Spitze derselben schritten Männer, welche Kreuze trugen, und weißgekleidete Mädchen mit Schärpen auf der Bmst mit der Aufschrift: Mm: ist eine christliche Stadt." (Associated Preß.) Aus „El Guante" in Guayaquil: Oesterreich. Blutige Zusammenstöße zwischen der Bevölkerung und der Polizei in Wien. Wien, 18. August. Angesichts der erschreckenden Formen, welche die antisemitischen Kämpfe angenommen haben, verbot die Polizei die Versammlungen, welche gegen sie veranstaltet werden sollten. Die feindselige Haltung der Man:-' sestanten hat bewirkt, daß sich die Polizei in ihren Kasernen einschließt. Ueberall erscheinen zündende Anschläge, welche das Volk ausfqrdern, die erlassenen Verfügungen zu mißachten und den Organen Widerstand zu leisten. Die Polizei hat sich daher genötigt gesehen, energische Maßregeln zu ergreifen, was — wie man voraussah — heftige Zusammenstöße zwischen der Polizei und dem Volte zur Folge hatte. Als Resultat .des. Kampfes sind , in der Stadt ungefähr 4H Verwundete liegen geblieben. Die Juden haben, sich, um ihr Leben zu verteidigen, in ihre Vierteln geflüchtet, wo sie gemeinsame Sache mit der Polizei machen werden, welche sich bis; heute ohnmächtig, zeigt, die fanatische Menge zuvückziHalten,' welche. versucht, in die Indenvierteln einzüdristgen mit der Absicht, die Juden zu überfallen und -vi ermorden. Mited' Preß.) Wiener Morgenzeitung 80 taucht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt weiden Franzbranntwein mit Menthol ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege und deshalb soll jeder Diana-Franzbranntwein ständig benützen. Überall erhältlich! Diana-Franzbränntueln-Produktion - Ges. WIEN, II. PRAG, VIII. Engerthstrasse 169 Lieben, Drahobeijova 1073 Aus „El Telegrafo" in Guayaquil: Oesterreich. Antisemitische Unruhen. Wien, 16. August (8 Uhr 03 Min. a. nt.), 106 Personen wurde:: im Zusammenhang mit den gestrigen Unruhen gegen die Juden, welche sich versammelten, um die Eröffnung des Zionistenkongresses zu feiern, verhaftet. Man berichtet, daß bis Mitternacht zwei Antisemiten ermordet worden sind, und es gibt viele mit Messern Verwundete. Die Polizei gab mehrere Salven ab, um die Menge zu dominieren, welche sich darin gefiel, die Privathäuser und die Fenster der Cafes, in denen sie Juden wußte, mit Steinen zu bewerfen, ebenso wie die Gaslaternen und die Bänke der Promenaden zu zerbrechen. Die angegriffenen großen Hotels wurden vorzugsweise von der Polizei geschützt. Während der Kundgebungen riesen einige Schreier: „Nieder mit der Regierung!" In den Spitälern liegen viele Verwundete des nächtlichen Kampfes. Die Polizei bewacht ständig den Ort, wo sich der Kongreß versammelt hat, welcher — wie der Vorsitzende Tauß sagte (?) — „über besondere Empfehlung der Regierung geschützt werden wird, damtt er in absoluter Freiheit tagen kann". Kein einziger Zionist wurde verwundet. (Associated Preß.) Sie deutsch-christliche stinheilssrout. Ein Aufruf -er Zita-Monarchisten. Die Monarchisten der Schager-Gruppe (Konservativer Volksverein Oesterreichs) haben einen Aufruf erlassen mit der Devise: „Hinweg mit der Genfer Sklaverei! Heraus mit dem SÄbstbeftimmungsrecht!" Dieser Aufruf hat eine sehr starke antisemitische Note. Es wird den Parteien der Republik vorgeworsen, daß sie es zugelassen haben, daß tausende oft gali zisch er Inden mit Peikeles und Kaftan a«ls neue Staatsbürger der Republik Len: bodenständigen Volke die Wohnungen und Erwerbsmöglichkeiten entzogen und mit ihren Presseerzeugnissen Religion, Sitte, Moral und Anstand untergraben haben. . Der Aufmiis, der in den nächsten Tagen in den Straßen Wiens zu lesen sein wird, schließt mit den Worten: Bodenständiger Oesterreicher, erwache! Du bist ausgchlündert, betrogen, dem Hunger preisgegeben! Das W e l t j u d e n t u m hat durch Hunderte von Verwaltung'srats- und Prasidentenstellen die Molksbeauftragten" zu seinem gefügigen, willenlosen Werkzeug «der Ausbeutung des gesamten christlichen Volkes gemacht, es hat uns das schmachvollste Sklavenjoch auferlegt. Die zwölfte Stunde ist gekommen, diese Sklavenketten zu sprengen. Volksgenossen! Schließt euch zusammen in eine mächtige dentsch-chrüstliche Einheitsfront zum Kampfe geigen Juda, Marxismus und Korruption usw. Typhus im Burgenlaud. Sauerbrnmr, 2. Oktober. Gegenüber den Pressemeldungen, wonach in Potz-N eusiedl zwölf Typhnssälle vorgekommen seien, wird von der Landesregierung erklärt, daß idortfMst nur fünf Typhnssälle sestgestellt worden sind. KIne.. Negergemeinde. Nachdem in Chikago die jüdische Negevgemeinde auf 300 Köpfe angewachsen ist, beschloß sie, eine eigene Synagoge zu erbauen. Sie ist organisatorisch der Now-Iorker jüdischen Negergemeinde angeschlossen, die mehr als IM MitlofCieibcr zählt. Die Gebetsprache in den Negersynagogen ist hebräische Letzte Kutte. New-Bork, 2. Oktober. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.84, London Scheck 4.80V4, Amsterdam 40.20, Paris 4.67'/-, Brüssel 4.47Rom 4.02% Madrid 14.37. Zürich 19.30. Stockholm 26.85. Oslo 20.12. Kopenhagen 24.15. Wien 14»/„ Budapest 14V.. Prag 296V«. Belgrad 977^, Athen 1.44»/. Buenos Aires 40B/e Rio de Janeiro 14174/,. Bukarest 47Va New-Vorlt, 2. Oktober. (Tel.-Komp./ Wetzen rot Winter 142, . Weizen hart Winter . 147. Mais Hafer 451/* Roggen.86V,. '!" :• : ,; Cyikagv. 2. Oktober. '(Tel.-Konip.)' Weizen per Dezember 136/ 'JLflat 18G3/t, Ji:li Mais ver Dezember WU, Mat 83Vs» Just —; Hafer, per Dezember 39%, Mcll. 4ß%S Äit —; Roqgu: per Derewber 13%, Mai 31% Juli — 3. Oktober 1925 Seite t _ Su erste weibliche «dbokat l« ßhina. Eine jüdisch« Amerikanerin. Aus Schanghai meldet I. T. A.: Miß Margarete B. Groß, om> jüdisches Mädchen aus San Frantzisko, ist die erste Frau, die die Erlaubnis erhielt, als Rechtsanwalt vor chinesischen Gerichten zu erscheinen. Fräulein Groß hat schon m Sau Franzisko als weMcher Rechtsanwalt gewirkt nn»d war dort Mitglied des Vereins der Frauenrechtsa-nwältc. Durchsichtige Metalle. Wir halben alle in der Schule gelernt, daß es ein Charakteristikum der Metalle ist, undurchsichtig zu sein. Nun ist es aber gelungen, Metalle durchsichtig zu machen, also das „Gesetz" unserer Schulzeit umzustoßen. Seit der Zeit der alten Aegypter, also seit fünf Jahrtausenden, haben die Menschen feie Kunst ausgeübt, aus Metallen äußerst dünne Blättchen herMstellen, und zwar war es das Gold, das edelste aller Mtalle, das sich als am besten geeignet für diese Art der Bearbeitung erwies. Je reiner das GM ist, Mn -so schmiegsamer -ist es auch; haben wir doch schon in der Schule gelernt, daß man mit den: Golde eines Zwanzigmarkstückes ein lebensgroßes Reiterstandbild zu überziehen vermag. Die Herstellung von Blattgold, die sogenannte Goldschlägerei, sit ein altes Gewerbe, das bchonders in Nürnberg, Füvth, Augsburg, Dresden und Berlin in großer Blüte stcht. Die Blättchen werden aus dünnen, gewatzten Blechen durch Klopfen, zuerst zwischen Pergamentblättern und daun zwischen Goldschlägechäutchen (präparierter Bilinddaumihant der Rinder) hergesteM; ihre Dicke beträgt dann mir ein Zehnta usend st eil eines Mililimeter s. So'lches Blattgold läßt das Licht mit grünlicher Farbe durchschimmern. Es dient zur BevgMunig von Hotz, von BAdervahmen, zur Verzierung von Bucheinbänden und dergleichen und ist praktisch unveränderlich, wie nns die in ägyptischen Gräbern anf,gchmdenen vergMeten Geräte und die goldenen Initialen alter Handschriften bewöisen. Auch das Sibber läfet sich zu dünnen Blättchen schlagen, ebenso Platin. Ws Echatz für diese Edelmetallsotten hat man schon seit geraumer Zeit aus Tomback „unechtes Blattgold" und neuerdings Ms Wuminium „unechtes BlattsÄber" hevgestellt; alle d'ieise Metalle und Legierungen haben aber nicht die Dehnbarkeit des Goldes, so daß auch ihre feinsten Folien die mchofache Dicke des Blattgoldes besitzen. Eine wichtige Verwendung haben die .feinen Metallsotten in der Experiumrtalphysik und in den vmr ihr sich ableitenden Techniken, »belsonders in der Elektrotechnik und Akustik gefunden. Eine der ältesten dieser Anwendungen bildet das hochempfiMiche GoldblattMektrostop, das wir schon von unseren: physikalischen Schuluntervicht her kennen. Da nun aber, "aus den Eigenschaften dünnster Metallblättchen bedeutungsvolle Schlüffe auf dem Gebiete der theoretischen Physik gezogen werden können, haben sich die Physiker aller Länder bemüht, auf anderen Wogen dünnr Folien Herzulstellen. Es war aber bisher noch nicht gelmrgen, die Feinheit der geschlagenen GoWMchen zu Äbertveffen, wenn auch die neuen Methoden Folien entstehen ließen, die glsichnttißiger und freier vmr Poren waren als das Blattgold. Einen bedeutungsvollen Fortschritt in dieser Richtung hat neuerdings Regierungsrat Dr. Karl Müller in der Physikalisch-Dechnischen Reichscunstalt zu Berlin geuracht, indem es ihm gelang, auf galvanischem Wege aus Gold, Nickel und anderen geeigneten Metallen hauchdünne Matter zu »beretten, feie nur etwa ein Zehntel der Dicke des feinsten Blattgoldes besitzen. Die neuen Folien sind Zwischen ein und drei Millionstel Zentimeter dick, also zchnmal so dünn als feinstes Blattgold. Derartige Golldsolien zeigen nicht mehr die grüne Durchsichtssarbe des Blattgoldes, sonidem Halen in der Durchsicht nur noch eine schwach gelbliche Färbung; die gelbe Obevflächen.« farbe des Goldes ist in ein dunkles Rosa verwandelt, dagegen tritt die gvübe Reslezfarbe des Goldes noch bei verhältnismäßig dünnen Schichten auf. Gleich dünne Nickelfolien sind merikttch weniger durchsichtig; da sie a»ber kern« ausgesprochen Färbung haben, Schemen sie dem Auge gut durchsichtig. Abgesehen vor: der Bedeutung dieifer neuen EHnidung für die theoretische Physick ist auch die mainnigfache technische Anwendbarkeit des neue:: Verfahrens sehr wichtig, vor allem auf dem Gebiet der Telephonie, >bcsonders der drahtlosen Telephonie mit kurze:: elektrischen Wellen. ES ist bekannt, daß unsere gewöhnlichen Telephone und Grammophone die Zischlaute md Oibertane der OvchesteriNstrumente nur sehr unvollkommen wvedevgeben. Zwar sind m Amerika und in Deutschland (Siemens und HalAe) Mkrophone gebaut worden, die die evwähntm Fehler weiitgchend vermeiden. Die Apparate sind aber sehr Lnnpltzievt und empftndslich. Die neuen Metallfolien erscheinen bestimmt zu sem, hier Abhilfe zu schaffen mid dem weiteren Austbau der drahtlosen Telephonie zu ldienm. Ein gleiches trifft für die BildtelephoNie, den „sprechenden Film", zu. Hier handelt es sich nicht nur um die Aufeinanderfolge tont 10 >bis 16 Bildern in der Seikuicke wie beim KinematWvaPhen, sondern um die optische >Abtastnng eines durch Raster in Punkte zerlegten »Bildes. Für die -etwa eine Million (!) Lrchtimpnvse, die dabei gegeben n:ch allf der Empfangsiseite wieder zusammengchetzt werdm muffen, bedarf man so dünner, leichter Md Mstischer Mem»bmnen, »wie <S die von Regierungsrat Dr. Müller zum evstm Male hevgestellten sind. . * Kenn Kajemelh. We-KerenMjeureth-KomMffävL GSfltf . ersucht^ die Leerung der >,der nächsten Tage zn> beenden und sobald Äs'mWch zu 'rechnen. 14