Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-10-02 · Heft 2374 (2.10.1925) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2374 (2.10.1925)
Date
1925-10-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981460--24229-3011752
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

rotat, Switaa_ mtntt 2. Ottubci 1926 Seite I LvtWag in Favoriten. Gestern, um die Mittagsstunde hat sich im Keppler- Pa rk in Favoriten eine schreckliche Bin t tut abgchpielt, die ein Todesopfer gefordert hat. Der Lljährige BäckergchHe Frantz Di mm saß um die Mittagszeit auf einer Bank, als sich der wiederholt vorbestrafte unterstandSlosie Mavkthelser Josef Pudrl zu chm gesellte. Im Berliaufe eines Wortwechsels verabreichte Pudil dem Diimm zwei Ohrfeigen, zog dann einen Genickfänger aus der Tasche und versetzte dem Uniglückiichen einen Stich in das Herz. Dimm wurde in das Wievener Kvankenhaus gebracht, wo er nach einer kurzen Schilderung des Herganges der Tat starb. PM, der .flüchten rollte, aber nach großer Gegenwchr von Passanten und der Wache überwältigt worden war, begann aus dem Polizeikomnissariat zu toben und simulierte den Geistesgestörten. Er ist unter dm Namen „Schusterseppel" als Totschläger und Einbrecher begannt. Er wird dem Landesgericht eingeliesert werden. Mamas Mama hat sich, einen Bubikopf «angeschafft. Das ist — Dbstverjständlich — ihr gutes Recht und er kleidet sie — selbstverständlich — zum Entzücken. Sie sicht um mindestens zehn Jahre jünger aus. Wenigstens sagt es der Friseur (und der muH es schließlich am besten wissen) und die guten Freundinnen, die selbst schon glückliche Besitzerinnen von lockigen Pudelhäuptern sind. Much der Schn oder die Tochter, die niemand Mama ,-glauben" kann, Gichten dem Urteil bei und. erklären Mama für ,-schv flott". Wer sehr feine Ohren «hat, mag einen leisen Untertan gönnerhafter Geringschätzung durch- ÄingM Höre-Nj in Worte, gefaßt: ßlla, lassen wir ihr das Vergnügen, ES ffh, wie schon gesagt^ sicherlich das gute Recht einer Frau, Moden mitzumachen, sogar wenn sie Mutter erwachsener »der halberwachsener Kinder ist. Rur muß sie sich darüber «klar sein, daß an dem Tage, an hem sie mit der Knabenfvisur in den Familienikveis tritt, sich irgend etwas im Verhältnis ihrer Kinder zu ihr ändert: Umneßlbares, Unwächaves und doch bald .geWg deutlich zu Verspürendes. Mag noch so sehr „Kameradschaft den Grundton dex Beziehung gebildet haben — jedes Kind, bas in der Liebe einer Mutter aufgebMht ist, webt, bewußt oder, unbewußt, den Strahlenglartz der Verklärung um ihr Haupt, Die Mte reifen, reichen Frauentums verehren di« Kinder Ä der Mutter. Es ist vielleicht ein bißchen schwer, den StrMnglanz um einen Bubikopf zu weben.. Der Bubikopf ist ja keim Made Wie. jche andere. Seine deutliche -- altzu deutliche — Wicht, bas eigentümlich Herausfordernde, das er der Erscheinung trotz aller Milderungtzn immer doch verleiht, bedeutet ein BekemtniS, dessen man sch Miß Nicht zu schämen braucht, van dem man .aber nicht annehmen muß, daß Heranwachsende Kinder eS überschen oder nicht verstehen, Der Bubikopf ist ein Bekenntnis von Wünschen, vor allem des unbezähmbaren Wunsches, noch den Sommerreigen deS Lebens Mzutanzen. iünd es ist dann nur di« Fram, Me weit hi« EnMvssercheit de^ Heranwachsenden geht, öle MdaHeu zu EM zu demm Gewiß, auch täe Mitter des alten GW waren keine Migen, Auch ihnen ist der Verzicht, das ZuOütrvten Mer schwer Machen. Und manche von ihnen hat wchl auch den Kampf um di« Jugend mit vechveMwr Energie geführt. Sie wollten jung sein, jung bleiben^ so lange >es ging, und die ein« oder ander« vielleicht auch noch «esn bißchen darüber hlmus. Mer st« waren doch nicht so Äricht, als Vierzigerinnen oder gar Fünfzigerinnen stch wie Backfffchchen zu kleiden und zu gebärden Dem es darf Wchl nicht Menschen werden, daß der Bubikopf, sM er. die Trägerin nicht völlig lächerlich machen, einen besonderen Stil für Kleidunig, Haltung und Gebaren vorausfetzt. Und' wer nur ein wenig vom Gamin an stch hat, kann ihn tragen, ohne mit dem guten Geschmack in Widerspruch zu geraten. Mit Würde oder irgend etwas, was auch nur von ferne daran erinnert, laßt sich der PMkops nicht vereinigen, Nun ist ja dev Begriff der „Mrde" bei alt und jung gar sehr in Verruf gekommen. Würde ist unmodevtz man trägt sie nicht mchr. Aber im Leiben einer Mutter mag «8 doch Augenblicke geben, in denen man ihrer nur schwer entraten kann. Man liebt sicherlich auch die buWöpftige Mutter — welcher normale Mensch liebte seine Mutter nicht! —, aber mit der Verehrung, der scheuen BerchrunA wie für etwas Hohes und Heiliges, ist es vorbei. Me Welt ist einig in der Entrüstung.über dt« Respektkostgjkeit der jetzigen Jugend. Nun komm diese RespeMoWeit ganz bestimmt wicht vom Bubikopf, hat viel tiefere Wurzeln und reicht auch zeitlich weiter zurück als dies« Made. Alber «s ist durchaus nicht ausgemacht, ob das System Bubikopf, die Mode der oft .genug Mer guten Geischmack und alle übernommenen SchicklichkeiWorstellMgen hinausgchenden Neust rungen, nicht viel daW beiträgt, die Respektlosigkeit zu verbreiten. Können Frauen reifen und reifsten Alters, di« sich die Lippen bemalen, Schmink- und Puderschichten aUf die Wangen klelben,. in KindeMidchen herunchüpfen, können die wirklich den Anspruch erhebe^ daß ihr Wort mit Ehrfurcht gehört, der Rat. ihrer Erfahmng dankbar aufgenommen, ihr Urteil als bestimmend betrachtet wich? Daß der Bubikopf ein« Vereinfachung urck Zeitersparnis bedeutet, lassen sich ja doch nur mchr die Ghemänner weißmachen. Dle Fünfzehnjährigen sind darüber hinaus. . Daß die-Jugend der Frauen .erstrM wird und sie wicht verfrüht in hoffnuugAose SchiwerMkgkeit der Mttveibermauier Versinken, ist sicherlich von jedem Gesichtspunkt zu begrüßen. Turnen, Tanzen, Sport betreiben, ihren Körper pflegen und von der Schönheit des Leidens so viel an sich ziehen wie sie vermag, sich schminken und putzen und sich dem säuerlichen Verzicht fernW-tm das MS mag.scher Mutter Mitteilangen aus dem PMttum. •iiiiiiiiiitimmiiiiiiiimiiiiiiiiiiiittiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiimiiimitiiiiiimtiii II OHNE BRATROHR II Vorführung: VII., Marlahllferstrasse 56 im Restaurant «zum Grflnen Baum» IX., Hussdorfarstraua 12 im Restaurant «Alserkeller» ssi von 9 bis 12 Uhr vorm, und von 3 bis 6 Uhr nachm. Eintritt frei! Kostproben gratis! NUR NOCH 2 TAGE IN WIEN sein. An ihrem inneren Reichtum und ihrer Lebensfreude werden sich die Ihren bereichern. Sie kann sich auch ungeschmäht und ungekränkt einen Bubikopf einrichten. Aber sie M sich klar 'darüber sein, daß an diesem Tage ihr Vechältnis zu ihren erwachsenen und halberwachsenen Kindern eine Verschiebung erfährt, daß die „KameraWaft", mit der Man nur gespielt, unabweisliche WiMchkeit wird. K. M. a . * .Wettjw. Die Temperatur ist gestern gestiegen. Be: vollstandigrv Bewölkung herrscht« Nebel. Die Voraussage .meldet: Langsame Besseru n g, morgens neblig, tagsüber meist heiter, mild. Ein neuer Dampfer der Donaudampsschiffahrtsgesellschast. Gestern wnrde in Krems in festlicher Weise ein neuer Zugdampfer der Donaudampfschissahrtsgesellschaft in den Menst gestellt, der in allen seinen Teilen auf der gesellschast- Mn Schiffswerft in M-Osen hergestellt worden ist. Der Dampfer, der den Namen „Krems" führt ist mit Maschinen ausgerüstet, deren Leistung bis aus 1600 Pferdestärken gesteigert toepen kann. Der Dampf wird aus vier Flammrohrkesseln mit Uebechitzern geliefert. . ' . * Die Lebensmittelmärkte. In der Großmarkthalle, wo gestern 19 'Waagons verschiedener Fleischarten einlangten, herrschte bei besserer Käuferbeteiligung lebhaftere Nachfrage. In der Preislage sind vorläufig trotz gesteuerten Angebotes keine Veränderungen zu konstatieren/ Kalbfleisch dürfte ent- Mechend der Aufwärtsbewegung auf dem Kälbermarkt in St. Marr mäßig anzichen. — Der Zentralgemüsema der Nafchmam, wurde mit den meisten Gemüfeforten einhe'nnischer ■ Mchauswartiger Herkunft ausreichend dotiert. Auch hier gestaltete sich der Absatz fast auf allen Gebieten lebhafter. Preise anhaltend stationär, nur Pilze und Eierschwämme haben sich neuerlich verteuert. Die Zwetschkenzufuhren gehen der Jahreszeit entsprechend zur Neige. Für Weintrauben machte sich 'bessere Nachfrage bemerkbar. Die bereits avisierten rückgängigen Karpftnpreis« komMn auf allen Fifchmärkten zum Ausdruck. Lebend- Karpfen schöner Qualität stellen sich merklich billiger M in der Vorwoche. " Eine Thphusepidemie in Annaberg. Wie ami-ich bestätigt wivd, ist in Annaberg im Bezirke Lilienfeld eine Typhusepidemie ausgedrochen. Im August wurden sechs Fälle gemeldet, im ganzen sind bis jetzt 30 Fälle koHatiert worden, von denen d r I tödlich verlaufen sind. * Für die BUiiden. Der 3. und 4. Oktober wird in Wien im Zeichen der Blinden stehen. Platzkonzerte auf allen größeren Plätzen und sonstiae Veranstaltungen werden die Sehenden an ihre blinden Mitbürger und deren Leiden erinnern. Jeder, -er durch Spenden oder aktive Mitarbeit zum Gelingen der Sammlung beiträgt, weiß, daß er damit Einrichtungen schaffen und echalten Hilst, die, allen Minden gleich zugänglich, für deren Wohl von unschätzbarem Werte sino. * Keren Kajemeth. Me KerenMiemech-KomMssiar« mrden ersucht, die Leerung der Sammelbüchsen raschmöglichst zu beenden und in den nächsten Tagen zu verrechnen. * Wir «Mten Ihre Anschrift, wie Sie über die lWiAmg des . echten LbwenfvaMbrauntwem mit Menthol bei Kopfschmerzen, Migräne, Haarausfall urteilen und welche WahrnchMMgen Sie' lbei Gicht und rheumatischen Schmerzen mit LöwenMnzibraMtwein machten. Löwenftangbranntwein mit Menthol ist eine Wohltat für die Menschheit, weil er, Lei schon verzagten Menschen rasche und sichere Erfolge erzielte. ,, Es interessiert uns aber auch, Ihre werte Meinung zu Horen, darum evbitteu wir Ihr Gutachten an die Admmtstratlon unseres Mattes unter dem Mtto „WwenifranKranntwein mit Menthol". * Das Unglück des Kriegsinvaliden Lichtblau. WHckn Lichtblau, ein KviogslnWlide, betreibt eine Trchik. Seit er seine auf Bahngrund bei der Mariahilserstraße gelegene Hütte, dieser'sechs Jahre lang führte, wegen des Parlkschutzgesches au>fge>ben mußte, ist der Mann vom Unglück , verfolgt. Ml einem einsamen Platz am Neubaugürtel steht jetzt sein Klosk. Vor einem Jahre wurde Lichtblau 'bestohlen, wobei er emen Schaden von neun Millionen erlitt. Am 32. und 30. September Ivurde sein Geschäft wieder von Einbrechern heimgesucht. Lichtblau, her flir sechs Kinder, von denen fünf Angenkvam sind, zn sorgen hat und sich infolge seines Zustandes auch noch eine BeMuferin halten muß, ist nun voMommen ruiniert. Er führt seit Monaten, einen bergMchen Kampf um einen besseren Platz für seine Hütte. * Tod durch Leuchtgasvergtftung. Gestern vormittags wurde die 36jährige Bibliothekarin Anna Fuchs in der mit Leuchtgas erfüllten Dchnung, Löschenkohlgasse,2V, bei geöffnetem GaShahn tot aufgefunden. Es handelt sich vermutlich um einen.unglücklichen Zufall durch unvorssichiiges Hantieren mit Gas. * Selbstmord am 100. Geburtstage. In der italienischett Stadt Bergamo hat sich di« 100 Jahre alte Frau Anna Conti eine Stunde nach der fröhlich begangenen Feier ihres ^hundertsten Geburtstages erschossen. In einem kurzen M,chledsbrief erklärt, die alte Frau, daß sie des Lebens rn dieser Welt uuide sei und den sehnlichen Wunsch he!ge, in das Jenseits zu Mangen. * Das Ende der Hamburger Droschken. Am 3. September hat Hamburg zunn letzten Male seine attehrwürdilgen Pferdelvroschken gchchm. Nach Verschmelzung des alten , Fuhrherrnvervines iwit dem Verein der Kraftdvoschkvlilbeisttzer Groß« Hamburgs verschwindet die PferdedvosM aus dem Straßenbild Hamburgs. An jenem Sonntag hätten die letzten Droschkeü' euren MÄlch^n Umzug diirch die Stwßen veranstMt, bwor Roß und ^Lagen auf tm-ner verschwaiiden. Vereine. BortrSge «nd Bersammlnnge«. Zionistische Sektion Prater. Sonntag, 7 Wr aibends, im Heim, 2. Bez., Jungstratze 8, fünfte ordentliche Generalversammlung. MitAisder, die kerne Einladung erhalten haben, werden auf diesem Wege eingeladeu. *h Winzerfest zugunsten des Spitals der Barmherzigen Arüder. Das Damemomitee des Kuratoriums zur Unteritützang des Spitals der Bavmlherziigen Brüder veraustaltet am Samstag den 10. d. in den Kolonnadeusälen des BolkSgartenetablisiements ein großes Winterfeist, dessen Erträgnis i ur Gänze dem Spital der Barmherzigen Brüder zu gedacht ' t. Der Begmn des Festes ist für 5 Uhr nachmittags, das Ende fitt Mitternacht vorgesehen. Radioprogramm. Heute Freitag. 4 Uhr 10 Min.: Nachmittagsfonzert. — 6 Uhr 45 Mm.: Anläßlich des Mmdenisammeltages NachmittagSkonzert. Mitwirkeno: Elise ClMa, Käthe Schwarz, Karl Remar, Anton Arnold, Erich Meller. Einleitender Bortrag: Leopold Bick, ObMlann der Perreichischen Blinde-nvereine. — 6 Uhr 30 Mn. 8. Vortrag der Serie' Zeit- und Zeitmessung". R-udoff Kaftan Mrektvr des Uhrenmuseunrs der Stadt Wien): Geschichte der Uhrmacherkunst. ' 3. Teil. — 8 Uhr: Balladenabend. Loewe-Abend. Einleitender Vortrag, gesprochen von Mustkschrfftsteller Richard Specht: Mitwirkend: Professor Max Klein, Hermann Wiedemann, Richard Specht (am Mrbar-Wi-ael). Balladen von Karl Loewe: Der Wirtin Töchterlein. Edvard. Erlkönig. Hochze'itslied. Die nächtliche Heerschau. Fridericus Rex, terr Olus. Odins Meeresritt. Die Lauer. Gesungen von rofessor Max Klein. Mm mir Aast. Ar Sltoberereignisse in den Bnndesthentern. Im Operncheater wird Montag den 6. d. „Ariadne auf Naxos" von Richard Strauß mit den Damen Kurz, Lehmann, Schumann und Herm Schubert in den Hauptrollen auifgefülhrt. Donnerstag den 8. d. fingt Herr Kammersänger Piceaver zum ersten Male die Partie des Nadames im „Aida". Im Redoutensaal werden nach längerer Pause die klassischen Singspiele (.Jastien und Bastienne", „La Sewa Padrona" und Abu Hassan") in den Spielplan wieder ausgenommen. Im Burgtheater findet am 8. d. eine Aufführung der Neueinstudierung von Hclbbels Judith und Holofernes" statt. Die beiden Titelrollen sind mit Frau R oland und Herm Höbling besetzt. Um den 20. d. findet die Premiere des Lustspieles „Der Vulkan" von Ludwig Fulda statt. Auch im heurigen Jchre werden an Montagen Klassikeraufführungen zu Nachmittagspreifen gegeben werden. Als erste derartige Vorstellung geht Montag den 6. d. die „Braut von Messina" in Szene. Im Akademietheater wird am 5. d. nach längerer Paust Labiches „Soll man es sagen?" mit Herm Treßler in den Spielplan ausgenommen. Ans den Aeatem. Burgtheater. Morgen, V«8 Uhr abends, „Das W i n t e r m ä r ch e n". Akademietheater. Morgen, 7* *8 Uhr abends. „2 X 2 5". Staatsover. Heute, 7-8 Uhr abends, neu ein- > studiert „Lucia v o u L a m m e r m. o o r". Morgen, 7-8 Uhr abends, „D i« B o h e m e". Deutsches Volks theater. Die nächsten Neueinstudierungen sind „W a l l e n st e i n S Lager" und >Die Piceo lomini" mit Albert Bassermann am 9. d. und „W allensteins To d" am 16. d. Raimund-Theater. KlabundS „DerKreidekreis" wird Donnerstag . den 8. d. zum $. Male gegeben. Sonntag, 7,4- Uhr nachmittags, wird zur Feier des 60. Geburtstages von Max Halbe oaS Schauspiel „Jugend" gegebeu^ Theater in der Josef st a.bJ. Donnerstag gelaugt mit Herrmann R o m b e r g in der Titelrolle „Mein Freund T e d d y" zur Erstaufführung. I o h a n n - S t r a u ß - T h e a t e r, He sür Mitte Oktober geplante Uraufführung der Leharschen Operette ,P a g anini" wird erst Ende dieses Monats stattfinden. Bis dahin allabendlich l o - C l o". __ Der Donkosakenchor — ohne Donkosaken. In A4 ch a f f«\u bürg wurde dieser Tage ein Mglied des Donkojakenchors wegen eines StttlichlkeitMMtes verhaftet. Trotz eifrigster Bemichung des Chormeisters Jaroff, den peinlichen Vorfall zu vertuschen, gelang dres nicht und der ganze Chor reiste fchle-umÄt ab. Bei dieser Gelegenheit stellte es sich heraus, daß der Vechaftete kein Kosak, sondern ein russischer Flüchtling war, der vom Kofakenwe)en leine Ahnung hatte. Der größte Teil des Chors bestand überhaupt nicht aus Kosaken, sondern stellte eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft von Abenteurern mit gefälschten Pässen dar. Grabschristen sür Anton Tschechow. Der löbliche Unfug, Grabdenkmäler mit Inschriften zu bekritzeln, scheint in Rußland Orgien zu feiern. Anton Ts ch e ch o w, der im Jahre 1904 im ideuffchen Kurort Badenweiler starb (und dem dort .eist Denkmal errichtet wurde), ist zu Moskau in einem Klosterfviedhof begraben. Dem «berühmten Dichter, der vor allem ein Meister der Skizze und ein «großer Menschenkenner war, aber Mch als Dramatiker große Erfolge «hatte — sein ,Mrschgavten" Wird noch lange gespielt werden —, wurden von liebenswerten Grabbesuchern nachstchende, in ihrer Gesamtheit überaus charakteriftWe SpMche und Inschriften zugedacht: ,Mst du es wirklich, Tschechow? Schade, wahrlich sehr schade." — ,Mir lieben dich, schla'f ruhig, teurer Freund!" — ,M bist ein Freund Rußlands und wir .werden dich nie vergessen." „Du tust mir «gar nicht leid und ich vermiffe dich nicht." — ,M M nicht tot, nur weit von uns." — ^Quatsch, Lüge." ,Darum hast du uns verlassen. Tschechows sind |o selten." — „Es gibt noch welche." — Anstatt in der Schule zu schuften, kommen wir hierher." — „Das Volk, das du geliebt hast, «beginnt ein neues heben und liebt dich mchr,als deine Zettgenossen." — „Genosse Tschechow, ich habe dich gern." — ,Kinder, ltvozn soviel SentiMNtccktät?" — ,Schämt euch, ein Grabdenkmal zu bekritzeln." — .Bei Gott, ich kenne kein einziges Gedicht von dir." — ,Mbes Kind, Tschechow hflt kejn ~ ,r^ct^a' zu mir, laß 352096 1409

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.