Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2372 (30.9.1925)
- Date
- 1925-09-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener; Morgenzeltung Nr. ^376 Men, MMvö'ch /' * Der NaWi von Ozierna gestorben. Am Morgen des Imn-Kilpyur ist in Wien, wo er feit deur Kriege wohnte, etwa bOführig der Räbbi von L^ierna, Moses M a n s o h n, vcrsbovben. Rabbi Mansohir, ein Neste des Naibbi von Bvody, stanmtte ans 9t n s h i n und ist ein Abkömmling der bekannken N>abbineüMni!lie. Ein stiller, weltabgewandter Gelchvttr, lidöte er sehr zurückgezogen. Seine Ehe war kinderlos. Noch am Kol-Nidre-A!b>en,d Werste er im Kreise seines Minjam, am Morgen des Jour-Kippur verschied er knapp vor Beginn des Gebotes. * Bericht über eine Palästinareise. In der Jüdischen Dischgefellschaift Landstraße spricht hen-te Herr Dr. Otto Abel es über seine im Juli dieses Jahves unternommene Palästinareise/ Der Vortrag, der stn Lokal der Tischgesellschaft (Z. Bez., Wlvengasse 3, Souterrain) stattsind et, beginnt Punkt- 'lich n m halb 9 Uhr abends. * In der Großstadt verschwunden. Seit dem 16. d. ist die 21jährige Hausgehilfin Katharina Moltasch aus der elterlichen Wohnung in Jnzersdors verschwunden. Sie hat sich wiederholt nach Wien ans die Suche nach einem Dienstplatz begeben und ist seit dem letzemnal nicht mehr wiedergekehrt. * Selbstmord. Aus dem Gerschofer Friedhof hat sich gestern vormittags der 30jährige Feldmesser E-manuel R o t h aus Schendorf aus unbokannter Ursache erschossen. * Tödlicher Absturz eines Wieners von der Stadlwand. Ans Reichenau wird uns vom 29. d. telegraphiert: Sonnitag den 27. d. unternahm der 21sährige Schlosser Josef Urban, Wien, 9. Baz., Gießergasse 4 wohnhaft, mit seinem Freund, dem Llfährigeu Schuhmacher Anton Sokornik, eine Bergtour aus den Schneeberg. Gegen 8 Uhr früh unternahmen sie den Aufstieg auf die Stadlwand, wobei Urban ausglitt, 46 Meter tief über die Felsen stürzte und mit zerschmettertem Schädel liegen blieb. Die Leiche wurde geborgen. * Den Gatten mit Salzsäure überschüttet. Wie berichtet, hat in den ersten Morgenstunden des Montag die Kaufmanns-, galt in Golde M o s c o v i c i, 2. Bez., Rueppgasse 24, in der gerueiusanien Wohnung ihren Gatten, den 40jährigen Kaufmann Salomon Moscovioi, während er im Bette schlief, Salzsäure aus einem Glase in das Gesicht geschüttet und ihm noch andere schwere Verletzungen zugefitgt. Der Unglückliche wurde aus die Unfallstation geibracht und ist dort infolge der erlittenen Verätzungen vollständig erblindet. Sein Gesicht ist gräßlich verstümmelt. Die Täterin befindet sich zurzeit auf der psychiatrischen Station. * Eine Perlenschnur im Werte von 6vg Millionen gestohlen. Der Gattin eines Wiener Ingenieurs wurde in Budapest auf dem Bahnhof aus ihrer Handtasche eine Perlenschnur im Werte von 60.000 Schilling 'gestohlen. - Aus ihre Zustandebringung wurde eine Belohnung von 6000 Schilling ausgesetzt. * Hakenkreuzterror. Der Verband der sozialistischen Arbeiterjugend hatte anläßlich der SchWerrätswahlen für vorgestern abends ins alte Gemeindehaus in der Sechskrügelgasse eine Versammlung einlberufen. die von etwa hundertzwanzig Sozialisten besucht war. Es drangen auch etwa vierzig jugendliche HakeNkreuzler in den Saal. Die Gruppe störte die Beratungen und das Haupt-refe-rat durch Zwischenrufe. Es entstand zuerst ein Wortwechsel und dann ein Handgemenge. Die soziMemokratischen Ordner griffen ein, u'nd ihre Anhänger, die in der Ueberzahl waren, drängten die Gegner zur Tür hinaus. In: Verlause dieser Tunrulte wurden vier Personen leicht verletzt und zwei arretiert. * Dis Schwebebahn auf die Rax. Bei der Tagung des Ausschusses für FreMdenverkehrsangelegenheiten in Zell am See wurde Minister Dr. S chürfs über den gegenwärtigen Stand der mit dem Bau der Raxseilbahn zistanrmenhängenden Fragen interpelliert. Der Minister gab unter anderem folgende Aufklärungen: Das Handelsministerium hat die Trassenrevision, die Stationskommission und die politische BegiHung erst arrgeordnot, nachdem die Gemeinde Wien erklärt hat, dem Projekte zustimmen zu können, trenn die Projekt-weicher hinsichtlich der Quellensicherung bestimmte Bedingungen der Gemeinde Wien zu erfüllen bereit wären. Da diese Verpflichtung in vollem Umfang in bindender Form über- .nommen worden ist, wurde auf Grund des Ergebnisses der Kommissionierung für die geplante Seilschwebebahn die Baubewilligung und weiterhin die oisenbalhnrechtliche Konzession erteilt. Maßgebend hiefür war, daß, soweit die Bahnanlage samt dem in der Bergstation geplanten Restaurationsbetridb rn Betracht kommt, für alle Maßnahmen sanitärer und baulicher Natur Vorsorge getroffen wurde uu,d dadurch auch ein in hygienischer Beziehung einwandfreier Betrieb gewährleistet erscheint. Tatsächlich wenden sich die in letzter Zeit neuerlich erörterten sanitären Bedenken nicht so schr gegen die Bahnanlaye als solche, als vielmehr gegen die allgemeinen sanitären Verhältnisse int Bereiche des ganzen Raxgebietes überhaupt. Deren Beurteilung und Verbesserung müssen den zuständigen Sanitätsbehörden überlassen bleiben. Nach dem Eisenibahnkonzessionsgchetz haben die Konzessionäre mit der eisenbahnrechtlichen Konzession das ausschließliche Recht erlangt und auch die Wicht übernommen, die Seilschwebebahn nach dem auf Grund öffentlicher VechaiMlng genehmigten Projekt zu erbauen. An der Ausübung dieses Rechtes können die Konzesfionsinhaber ebenfaweuig behindert werden, wie sie andevers-etts gegebenenfalls zur Einhaltung aller übernommenen Pflichten verhalten werden müssten. * Bergeinsturz durch ein Erdbeben. Der 4104 Meter hohe Gipfel - der Magoshevge in Armenien ist 'durch ein starkes Erdbeben erschüttert worden. Gewaltige Feffeiimassen stursten in die Täler. Die in .Felsenhöhlen hausende Nomadenbevölkernng dieser Gegend ist, von panischem Schrecken ergriffen, geflüchtet. , Nadioproftramm. Heute Atittwoch den 30. September. 16 Uhr 10 Min.: Nachmittag skonzert. — 18 Uhr 30 Min.: Vortrag Dr. Ernst Seidl er, Ministerpräsident a. D.: Wasserrecht. — 20 Uhr: Der Nachtwächter. Eine Posse in Versen in einem Aufziiig von Theodor Körner. — 21 Uhr: Heitere Vorträge in Gesang und Prosa von Dr. Josef Bergauer. — 22 Uhr: Heilere Mbendunisik (Kapelle Silving). Vereine. Vorträge «nd Versammlungen. Zionistische B e z i r k 8 s e k t i o n A l s e rg r u » d, 9. Bez., Liechtensteinstraße 11. Heute, l/*8 Uhr abends, im Sektionslokal, 9. Bez., Liechtensteinstraße 11/13, wichtige AnSschußsibung. Tagesordnung r SimchaS-Thora-Feier. Die D a m t n werden ersucht, zuversichtlich zu erscheinen. — Zionist i s ch e A r b e i t S g e m e i n s ch a f t. Heute, 8 Uhr abends, im Lokale der Zionistischen Bezirkssektion Brigittenau (Cafü Halpern), 20. Bez., Ganßplatz 11. dringende Sitzung. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Verband der Zionisten-Revistonisten. Morgen um 8 Uhr 'abends 'i»n Be-reinshoim, 8. Bei.z.. Bennoplatz 1, öffentliche Versammlung. Dr. Norbert Hosmann spricht über „Die Krise iim Zionislnus", AnWichend DiSkussioir, 30. SchtsmbeL 1625 Seite k mb* W/ftw Mittelmeer u. Orient Palästina u. Ägypten ab Genua 29. Oktober über Messina, Athen, Konstantinopel (Bosporusfahrt bis an das Schwarze Meer), Haifa (Jerusalem, Bethlehem, Nazareth, Rotes Meer), Port Said (Suez-Kanal, Cairo, Memphis und die Wüste Sakkara mit den Königsgräbem), Neapel, Capri, Pompeji an Genua 24. November. Nur I. Klasse Inhl. voller Verpflegung von M. 1250 an Werden auf besonderen Wunsch Kabinen mit 3 Platzen belegt, ermäßigt steh der Preis um 20 Prozent pro Platz. Buchungen und Auskünfte durch: Reederei Viktor Schuppe, Berlin NW 7 Drahtanschrift: Seeschuppe / DorotheenSftPaße 30 / lelephon: Zentrum 9755-59 durch die Büros der H AMB U R G-AM ER IK A-Ll NIE und des IVI ITT EU EURO¬ PÄISCHEN REISEBÜROS sowie sämtliche Reisebüros des In- und Auslandes Bühne «Nd Kunst. Kammerover. Schluß der Spielzeit im Schönbrunner Schloßtheater. — Gastspiel einer englischen Operntruppe. Heute wird als letzte Vorstellung der Spielzeit „Der Waffenschmied" anfgeführt. Während des Winters werden m dem mit einer!hervorragenden Heizanlage ausgestatteten Schönbrunner Schloßtheater Vorstellungen tu 11 sre m <d e n Ensembles, veranstaltet. Insbesondere ist ein längeres Gastspiel einer e n gli-schen Opern truppe geplant. Zu Ostern 1926 wird die Kammeroper mit zwanzig neuen Werken -und einam neuen Ensemble seine zweite Spielzeit eröffnen. DirMor Rainer Simons tritt im Oktober eine längere Reise an, um Kammeropernwerke für die neue Spielzeit zu erwerben und ein Künstlerpevsonal für das Schönbrunner Schloßtheater zu verpflichten. Sie W-Bühne. In dieser schwierigen Zeit beginnt die tapfere Exl- Bühne ihre Vorstellungen im Wiener Komödienhaus. (Morgen mit Anzengrubers „Fleck auf der Ehr'".) Direktor Exl, der vor kurzem feinen 60. Gebnrt'stag feierte, hat ein ausgezeichnetes Ensemble, mit dem .er Musteranfführungen, insbesondere Anzengruber-Werke, ferner den Schönherr-,Zyklus und eine Reihe literarisch minder wertvoller, aber ausgezeichnet gespielter volkstümlicher Schwänke und Possen spielt. Eine Reihe von Premieren >ift vorgesehen. Die Exl-Bühne ist gewiß jeder Förderung würdig, und man wünscht dem gefahrvollen Unterfangen, diesen Winter dnrchzuhatten, vollen Erfolg. Eine neuartige bemerkenswerte Einrichtung ist von der Direktion getroffen worden, um die Spielzeit materiell zu sichern. Wer jetzt schon eine Eintrittskarte für die letzten Wochen der Spielzeit (spätestens Juni) vorausbezahlt und Abonnent wird, erhält den Vorzug, zweimal im Monat Eintritt'Skarten zu ganz geringen Preisen zu beziehen. (In der Preislage zwischen 1.20 S. bis 3.60 S.) Hoffentlich werden die Kunstfreunde von dieser Neuerung Gebrauch machen. Begrüßenswert ist es auch, daß die Verteilung anderweitiger Ermäßigungsanweisungen ausnahmslos abgesteNt wurde. . Langwilli Komödie „Wir Modernen". Aufführung am Londoner Fortuue-Theatcr. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) ,Mir Modernen" von Israel Zangwill wird derzeit am Fortnne-Thcater in London gespielt. Im Gegensatz zu dem bisherigen Anfsi'chrnnge>n in New-Jork und London mszenierte diesmal .Zangwill selbst seine Konwdie und, Wie zugegeben wevdelt muß, mit größtem Erfolg. Das Thema dieser „Nachkrieg'skomödie" ist der alte Gegeuisatz zwischen den „konservativen" Eltern und den ultmmvdernen Kindern. Naturgemäß finden im letzten Akt die Jungen zu den Alten zurück. Glänzender, tiefer Dialog zeichnet daS Stück ans. Auch die Tarstellnug ist gut, insbesondere Nancy Atkiu als die moderne Tochter und B a r b e - W e st als Rechtsanwalt Sundale, der Vater. Dora Gregory schuf mit ihrer jüdischen Suft'aZettenjournalistin Herzberg einen scharf Mnrissenm Eharalfter. Die Komödie hatte starken Erfolg. Fred. Aus den Lhealem. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, „Peen G y n t". ' Akademietheater. Morgen, 7a8 Uhr abends, „D e r Q u e r u l a n t". S t a a t s o p e r. Morgen, Uhr abends, .Siegfried". R e b o u t e n s a a l. Morgen, '/-8 Uhr abends, „D e r BarbiervonSevilla". V o l k s o p er.Heuie„HoffmannSErzählung en" mit Richard K u b l a als Gast. Morgen „Der Troubadour". Deutlches Volkstheater. Sonntag, 3 Uhr nachmittags, „D e r g l a f e r n e P a n t o f f e l". Raimund-Theater. Sonntag. Uhr nachmittags. Max H a l b e s „I u g e n d". Theater in der I o s e fst a d t. Dienstag den 6. Oktober findet die Premiere des, neu einstudierten Lustspieles , M e i n Freund Teddy" von Andre R t v o i r und Lucien B e Z n a r d, deutsch von B o 1 t e n - B a e ck e r S, statt. R o l a n d - B ü h n e. Die Premiere von LichtneckerS ,V i e r M e n s ch e n i m U r w a l d" wurde verschoben. Täglich „F r a n c e s e a" mit Magda Sonja. Johann-Strauß-Theater. Sonntag nachmittags, neu einstudiert, „D i e F ö r st e r ch r i st l". Eine Johaim-Strantz-Plakette der Gemeinde Wien. De^ Fiinaulzausschuß der Gemeinde Wien hat gestern beschlossen, tomsend Schilling zur AusprMmq omer Io Hann- Strauß-Plakette in Bronze zu widmen. Der Entwurf stammt von der Hand des Bildhauers Josef Tautenhayn und zeigt auf der einen Seite das Porträt Johann Strauß, auf der' anderen Sei>te den Leopobdslberg, den Kahlenberg und die Donlau, als Hinweis auf den weltberühmten Donauwalzer. Das gotteslästerliche Gedicht. Der bekannte ungarische Schriftsteller Friedrich Karinthy wurde, wie aus Budapest berichtet wird, Vox einigen Monaten wegen eines rm „Ttz Est" erschienenen Gedichtes, betitelt „Schwarze Messe", worin der Gerichtshof das Verbrechen der Gotteslästerung erblickte, in erster Instanz zu acht Tagen Gefängnis der- > urteilt. Die königliche Tafel hat minmehr dieses Urteil bestätigt. _ Gerichtssaal. Der Mord im Bmgcheater. Heute Beginn des Prozesses gegen die Mörderin Carnieiu, Das Attentat, das am 8. Mai d. I. die Besucher der ,/Peer-Gynt"-Vorstellung im Mener Burgcheater in- Schrecken versetzte und dem der Mazedonier Dhodor Panigza zum Opfer fick, findet in der heute unter Vorsitz des Hofrates Dr. Schneeweiß beginnenden SchwuvgerichtSvechandlung sein gerichtliches Nachspiel. Man erinnert sich noch der großen Aufregung, die weit über die Grenzen Oesterreichs hinaus die schreckliche Tat der 26jährigen Meneia Carnieiu errog'e, die während dev Vorstellung in einer Loge des dritten Ranges den von ihr als Feind des mazedonischen Volkes gchaßten Dhodor Pa Nizza durch Revolverschüsse tötete, so daß er vornüber über die Brüstung siel und das Blut des Opfers auf die entsetzten Zuhörer im Parkett tropfte. Die Täterin ließ sich Widerstandslos verhaften. Die Durchführung des Strafprozesses, die heute vor sich geht, mußte mehrfach verschoben werden, da die Carnieiu köp