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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-30 · Heft 2372 (30.9.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2372 (30.9.1925)
Date
1925-09-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. LSiH Wien, Miitwö'ch Erlvöhnt sei noch, tojj bei dwser Gelegenheit auch der SassenschützlevischL Abgeaodnete H ege d ü % her Führer der Erwachenden, leine. Pogroinrede hielt. Sie lvar. seine letzte Tat. Am Schluff der Rede stürzte er, vom Herzschlag getroffen, tot zusammen. Das Ämtliche Nachrichteubureau «Mete ins AMand, »hegedüs sei auf der Straße gestorben. Horthtzr Kommuuiftenrummel. Die sogenannten Erhebungen der Budapester Polizei Wer die ungarische Kommunistenverschwörung sind abg eschlossen und so Lügen die Budapöster Horthy-Blätter und ihre Wiener Dependanoen auf eigene Faust 'weiter, indem sie stündlich neue Aussagen der sogenannten Rädelsführer der KommunistLnveLschwörMg erfinden. Mit zielbewusster Konsequenz wird dabei imMv mit ausgöstvecktem Finger auf Wien gedeutet und man unterstreicht, daß die Fäden der sogenannten Verschwörung in Wim zusammenlausien. Die Phantaisien -er Horthy- Ovgane über die Anwesenheit Bela Kuris in Wien waren bald nicht mchr zugkräftig und so erfand man einen geheimen Kommunistenkongreß in. Wien. Wir hatten bereits gestern 'Gelegenheit, das De-' monti, das die Wiener Polizeidirektion sehr klar und deutlich den Lügen entgegenstellte, zu veröffentlichen. Nunmehr kommt uns auch eine Erklärung des Leiters der russischen Handelsvertretung in Wien zu, welche gegenüber der in den Horthh-Blatteru aufgetauchien Behauptung, sie oder mit ihr in Zusammenhang stehende Gesellschaften hätten den ungarischen Kommunisten irgend welche Geldbeträge übermittelt, auf das Entschiedenste diese oder ähnliche Meldungen vom Anfang bis zum Ende als erlogen bezeichnet. Warum Horthh und seine Regierung durch Lockspitzel KommunisteNverschwSvungen inszenieren lasten, ist ihre „innere Angelegenheit". Warum sie aber sich bei solchem Anlaß so intensiv mit Men befassen, verdient denn doch eine Mliarstellung. Es geht der sympathischen Nachbarregierung darum, Men als ein kwnmunistisches Zentrum zu diskreditieren, um ihre sogenannte Rechtsordnung in desto reinerem Glänze aussleuchten zu lassen. Schließlich kann man auch nicht wissen: vielleicht ergibt sich doch die Gelegenheit, in Wim als Ordnungspolizei aufzutreten, 'wenn der unaufhaltsame Ruin tmt Innern des Horthy- Staates seine Machthaber zwingt, ein bißchen Expansionen nach außen zu betreiben. Diesen tückischen Sinn hat das Gelinge von dem Wiener kommunistischen Propagandazentrum, und es ist sehr bedane-Mch, daß es in Wien Blätter gibt, die solchem für Wien und Oesterreich gefährlichen Treiben die Mauer imchen. Proteste gegen Mißhandlungen der verhafteten Kommunisten. Budapest, 29. September. Das Ungarische TÄegraphenkorrespondenzbureau meldet: Ministerpräsident Gras Bethilen hat von dem Zentralkomitee der Jnternatiönalen Arbeitevhiljse eine Depesche erhalten, in welcher gegen die Mißhandlung und Folterung Poliiischer Gefangenen protestiert und die sofortige Entlassung der verhaftete\i Kommunisten, besonders des ehemaligen VoMommissärs Rakosi, gefordert wird. Das Telegramm ist unter anderen von B a r buffe, Helene C r a w s o rd, Baeran, Zetkin, Ledebur und Frau Adler Wien) unterzeichnet. Ein ähnliches Telegramm ist auch vom Bezirks-Verband der Roten Hilfe (Berlin-Brandenburg) eingelangt, worin mit der Mobilisierung der ^Werktätigen Deutschlands" gegen Ungarn gedroht wird. Ler „Heldengnmd" der LragSdin. Nian schreibt uns aus Budapest: Horthy versteht es, dankbar zu sein. Er schuf aus konfiszierten und gewaltsam enteigneten Gütern eine „Heldenstiftung", aus der er damr seine Freunderlu und Mitwisser mit ausgiebigen ,Heldendonationen" beschenkt. Vor einiger Zeit ist aber ein „Mißgriff" ge schchem Als die in Ullgarn vergötterte Tragödin Marie Jas za.i ihr sünlfzWhrige's Bühnenjubiläum feierte, überreichte, ihr ein Vertreter des. Unterrichtsministexs im Rahmen einer großen Feierlichkeit eine Schenkungsurkunde auf zehn (Joch Grund als „Heldendü-nation". Die Künstlerin war gerührt und erklärte, daß sie auf diesem Grundstück eine Wohl fahrtsein richtung für Schauspieler errichten werde. Die Schenkungsurkunde Horthys schmückt seitdem die Wand des Arbeitszimmers der Tragödin, aber in den Besitz des Heldengrundes ist sie trotz mehrfacher Urgenzen bis zunr heutigen Tage n i ch t g e l a n g t. Die Rührung über den „Dank der Nation" wich jetzt der begreiflichen Kränkung über diese Behandlung und Marie Jaszai tat, was zu tun am Platze war: «sie verzichtete auf die,Heldendonation" und sandte dem Herrn Kultusminister die nicht honorierte Schenkungsurkunde zurück. / ■ Die Budapester Presse tut so, als wüßte sie sich dieses eigenartige Verhalten wer Horthy-Rcgierung gegen die größte ungarische Bühnenkünstlerin nichts zu deuten. Die Gründe sind aber bekannt. Frau Jaszai erklärte nämlich, daß in ihrer zu errichtenden Wohlfahrtsanstalt Schauspieler o h ne Un te rf ch ied d er Kons es \\on Aufnahme finden müssen. Auch sonst 'hat sich die' Jaszai sehr „destruktiv" ' benommen. Sie hat in. der Affäre gegen ben jüdischen Schauspieler Oökar B e r e g i — dessen Rückkehr nach Budapest wir bekanntlich. grundsätzlich verurteilt haben — für wen jüdischen 'Kollegen Partei ergriffen und sogar an seinem AbendsMst vorgetrageu. Sie sicht auch bei ernsten jüdischen Veranstaltungen. nut tünstlerischen Beiträgen gern- und' sMÄos' zur Beifügung und erklärt offen, daß sie auf ihrer langen Laufbahn hauptsächlich " Wiener Moraenzeituna_ bei den jüdischen Theaterbesuchern Verständnis für ernste Knust und Förderung gefunden hat. Dadurch hat die gefeierte. inagyarische Tragödin das Recht aus die Durch-' .führung der ,Heldendonation".verwirkt... $•< SolödilibrtBfl Nt 5181. ) Die vom Keren Hajeffod finanzierte Aufbauarbeit in Palästina geht nach einem sorgfältig durchgearbeiteten Plan vor sich, der von Jahr zu Jahr in Form des Palästinabndgets ausgestellt wird. Die Höhe' des Budgets richtet sich einerseits nach den Erfordernissen der bereits bestehenden Siedlungen, Institutionen usw., die erhalten und fortgcführt werden müssen, sowie nach der für das Jahr zu erwartenden Einwanderung, die die Schaffung neuer Positionen ermöglicht und erfordert, andererseits mach den zu erwartenden'und erhofften Einnahmen des Keren Hajessod. Das Palästinabudget für das eben beginnende Arbeitsjahr 5686, wie es vom 14. Zionistenkongreß in Wien beschlossen wurde, ist mit ganz besonderer Sorgfalt ausgearbeitet worden. Bereits im Frühjahr unterbreiteten die einzelnen Departements, Institutionen usw. der Exekutive in Jerusalem ihre Vorschläge, sozusagen -das Sollbudget. Es erreichte die Summe von 650.000 Pfund Sterling, gegenüber dem Budget des Vorjahres (446.000 Pfund) eine sehr erhebliche Steigerung, obgleich die Vorschläge nach dem Zeugnis einer solchen Autorität wie Dr. Artur Ruppin keineswegs leichtfertig oder übertrieben waren. In vielen Departements stehen ja die Ausgaben im direkten Verhältnis zur Zahl der Bevölkerung, bezw. der Einwanderer, und da im letzten Jahr die jüdische Bevölkerung Palästinas um ein Viertel stieg und allmonatlich «weiter steigt, muß daraus ein Ansteigen der Auslagen folgen. Die Vorschläge der Departements wurden von eurem Komitee der. Palästinaexekutive, bestehend aus den Herren Kaplansky, Dr. Ruppin und van Priesland, bearbeitet, das vor allen: auch die andere Seite der Medaille, die Möglichkeit' der Aufbringung, ins KaM zu ziehen hatte. Das Komitee hielt es für nötig, die Voranschläge zu reduzieren; jedoch konnte es nicht auf die Ziffer der effektiven Ausgaben im Vorjahr, etwa .400.000 Pfund, heruntergehen; eine solche Herabsetzung hätte in vielen Tätigkeitsgebieten eine so starke Einschränkung der Arbeiten notwendig gemacht, daß das mühselige Werk vieler Jahre zerstört worden wäre; es wäre auch unmöglich gewesen, irgend tvelche produktiven Ausgaben für neue Ansiedlung in der Landwirtschaft oder für industrielle Kredite zu machen. Das Komitee entschloß sich also, eine mittlere Linie zu ziehen, und schlug ein Budget von insgesamt 550.000 Pfund vor. Dieser Vorschlag lag auf dem Tisch des Mener Zionistenkongresses. Seine einzelnen Posten wurden zunächst von den Kommissionen Kongresses (Kolonisationskommission mit Unterabteilungen für landwirtschaftliche und städtische Kolonisation, Evzichungs-, Sanitäts-, JmmigrationskEmission) durchgeavbeitet, sodann von der Budgetkommission geprüft und mit den: allgemeinen Plan in Uebereinstimmung gebracht. Als Ergebnis dieser in unermüdlicher Arbeit vieler Tage und Nächte und mit stärkstem Verantwortungsbewusstsein durchgeführten Beratung beantragte dann die Budgetkommission (ihr Vonsitzender und Berichterstatter war der amerikanische Delegierte Emanuel Neumann) den Vorschlag, der vom Plenum des Kongresses en bloc angenomen wurde; er ist gegenüber dem Entwurf der Palästinaexekutive auf 600.000 Pfund erhöht.; Auf diesem Budget beruht die Arbeit in Palästina im beginnenden Jahre und alle Keren-Hajessod-Arbeiter müssen sich mit ihm im allgemeinen und in den Einzelheiten vertraut machen. Es enthalt folgende Gruppen von Ausgaben: Pfund Sterling I. Kolouisation: 1. Landwirtschaftliche Kolonisation . . 270.000 2. Versuchsstation «.... 9.0l0 3. Schechuuath Opdim ... ... . . 8.000 287.000 11. E r z i e h u n a: 1. Allgemeines Erziehungsbudget . . . 84.000 2. Unwersität. fi.(00 3. Universitätsbibliothek. 2.000 4. Technikum . . .. 3.000 5. Bau der Tachkewonischule. .... 3.000 97.000 HI. Oeffentltche Arbeiten: 1. Arbeitsdepartement........ 33.000 2. Soielboneh .......... 7.000 3. Olim Bonim .. 3 000 48.000 IV. S anitätswesenr 1. Budget des GemndheitSamteS . . . 40/ 00 2. Peter-Schweitzer-Hospital ..... 5.000 45.000 V. H and el und Industrie: 1. Handelsdkpartement . ..... 38.000 2. Verschiedene Unternehmungen ... 4.000 42.000 VI. Einw anderung .... . . . 39.000 VII. A d m i n i st r a t i o «. . . . ... 19.0 0 VIII. Besondere A u S gaben. . . 13 500 IX. N e l t g i ö s e A n g e l e g^e n h e i t e n 5.000 X. S ch u l d an d en I. C. T. 4.500 Totale. . . 600.000 Innerhalb dieses Gesamtbudgets erscheint zunächst die Gruppe 1 (Kolonisation) als die wichtigste; sie nimmt fast die Hälfte (48 Prozent) des Voranschlages in Anspruch. Ihr zunächst steht Gruppe 2 (Erziehung) mit einem Sechstel (16 Prozent) des Bedarfes. Es folgen die Gruppen 3 bis 6' mit /je sechs bis acht Prozent und die Gruppen 7 bis,10 mit je ein bis drei Prozent des Voranschlages. " 1. Für die Post l a u dwirtschaftliche Kolonisati on (1, 1) hatte das zuständige Departement 335.00( Pfund, die Kolonisatiouskommiffioil des Kongresses 300.000 Pfund gefordert, die Budgetkommission und nach ihrem 30. September' WZ Seite 8 -r-\-r----r-r----- /^GESUNDHEIT Steuer Wie erhalten Sie diese? LOWEN- FMNZBRANNTWEIN mit Menthol afs Einreibemittel, wirkt belebend, erfrischend* schafft Kraft und Energie* Beim Einkauf achten Sie auf die gesetzliche Schutzmerke. Uebetall erhältlich. gesetzt, gesch. Schutzmarke Erzeuger: 680 Alexander Kalmar, Wien, IL, Nordbahnhof Vorschlag der Kongreß reduzierte den Anspruch auf 270.000 Mund und wies die Exekutive an, diesen Beitrag gemäß d-M von der Kolonisationskommifsion ausgestellten Plane im Verhältnis auszuteilen. Dieser Plan-sieht vor, daß 175.000 Pfund zur Konsolrdiemng bestehender Siedlungen und zur Durchführung größerer Bewässerm^sanlagen in deren Rahmen vevwendet werden sollen. Es handelt sich hauptsächlich um die Siedlungen im EM Jesreel von denen neun oder zehn in diesem Jahre wirtschaftlich sebstständig gemacht werden sollen. Die Konsolidievung aller Keren-Hajeffod-Siedlungen sollte nach dem Plane des Kolonisationsdepartewents im'Laufe von zwei Jahren erfolgen; die Kürzung des Budgets verlängert diese Periode leider aus drei Jahre. Für die -Vorbereitung neuer Arbeiter- (inklusive -Jemeniten-)Siedlungen sinh 30.000 Pfund vorgesehen. Ein Beitrag von 70.000 Mund gilt der im letzten Jahre zu größerer Wichtigkeit gediehenen M i ttelstandskolonisation; davon sollen 30.000 Pfund für bereits begründete, 20.000 Pfund für neu zu errichtendi» Siedlungen (einschließlich der Ansiedlung sephardischer Elemente) und 20.000 Pfund für die Anlage einer ersten Siedlung rwch den Vorschlägen Dr. Soskms (Kleinsiedlung mit Bewässerung und intensiver Wirtschaft) verwendet werden. Der Rest von 25.000 Pfund entfällt auf verschiedene Auslagen. Mit der Deckung dieser Erfordernisse wird es möglich sein, in diesem Jahre einen Großteil der in den letzten Jahren geschaffenen Siedlungen wirtschastlich aus eigene Mße zu stellen und eine Reihe von NeuschöpsuMN vorzubereiten, die für die Zukunft .große Bedeutung gewinnen können, da sie zum Teil, sckwohl ivas die anTÜsiödelnden Elemente als auch lvas die Kolonisationsmethoden . anlangt, ganz neue Wege gehen sollen. Der Plan einer Schchunath Ovdim, einer vorstädtischen Arbeitersiedlung nach dem Grundsatz der Beschaffung billiger und entsprechender Kleinwohnungen und teilweiser Selbstversorgung mit Lebensmitteln, ist schon vor zwei Jahren beschlossen, aber aus Mangel an verfügbaren Mitteln nicht verwirklicht worden. Der 14. Kongreß forderte eindringlich die Schaffung wenigstens einer solchen Siedlung und setzte dafür die Budgetpost auf 8000 .Pfund ein. 2. Das Erziehungsbudget besteht aus einer Reihe von gesonderten Posten. Den Hauptteil bildet das Ordentliche Butget", das 74.000 »Pfund beträgt. Da sich das Budget der bestehenden Schulen auf 64.000 Pfund beläuft, sind 10.000 Pfund für die EröffMNg neuer Schulen bestimmt. Natürlich stellen diese Beträge nicht den Gesarntbeda'rf des jüdischen Schulwetkes in Palästina dar; ein wachsender Anteil ivird vom palästinensischen Jischuw selbst getragen (in Form von Zuschüssender Kolonien und städtischen Verwaltungen sowie von Schulgeldern), ein Teil aus anderen Quellen gedeckt (zmn Beispiel durch Subventionen der I. C. A. und der palästinenfischen Regierung). Neben dem ordentlichen Schulbudget sind 2000 Pfund für eine zentrale-Schule ttu Emek Jesreel, 2000 Pfund für das Misrachilchrerinnenftminar und weitere 2000 Pfund für verschiedene sonstige Misrachischulen bestimmt. Sin Malakiarovgrrtz. Vortragende aus Palästina. Der erste internationale Malariakoargreß findet vom 4. bis 6. Oktober 1925 in Ro m unter Vorsitz von E. Marchiafava statt. Borträge werden halten: Hackett (U. S. A.) und Sella (Italien): Anopheles und Aialaria. M a r ch o u x (Frankreich): Biologie der Parasiten. James (England), . Dale (England), Kaufmann (Schweiz), As coli (Italien): Die Alkaloide des Chinins und die Therapie der Malaria. S e rgent (Frankreich), Kligler (Palästina), Gosio (Ftalien), Barlber (U. S. A.): Hideimiologische Faktoren und Antimalariamittel. Las net (Frankreich): Propaganda,' Statilstik. Auguste Marie (Frankreich): Jmpffieber. , Zugelaffen sind alle M e d i z i n e r. Offizielle Kongreßfprachen sind Englisch, Französisch, D e nt sch, Jtaliellffch und Spanffch §

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