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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-29 · Heft 2371 (29.9.1925) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2371 (29.9.1925)
Date
1925-09-29
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Men, Dienstag Wiener Moraenzeituns * Der. erste jüdische Sejurdeputterte ausgezeichnet. Aus Waqchau wird uns berchtet:- Aus Anlaß des zchuMrigen Ju> bklLums der polnischen Polizei, das jetzt gefeiert wurde, wird Mfangs Qktoiber. einer Reihe von Personen am Grund ihrer BeiDlenste.umJ>t-e Organisierung der Polizeimtliz m Jahre Mto'wfo VoKsmilig.wt Jchre 1920. welche zur Zeit, als die Poluet zur Verte ldignnq gegen die Bolschstolikenoffensive an üieFnmt entsendet wurde, den inneren Sicherheitsdienst übernahm, das srl-berne Verdtenstkreuz feierlich überreicht wervern Unter zur Auszeichnung Vovgeschlage.nen befindet sich Ech der chdihche Soimdeputierte Waclaw WyzUckr, der als HrlsAounmssar an der OvWMierung der Polizei-uüliz in den Jahren 1916..und 1920 regen Anteil genoumren hat. Wyzliüki P der evsft. indische Deputierte in Polen, der dnise Auszeichnung erhält. . i^i°Sstote in Czernowitz. Ans Czernotvitz A.: Am 25. d. fand in Anweiseicheit der Spitzen SS, September 1SSS Nr. 2371' ^r Bchowen und eines großen PublÄmnZ dre feievliche Ueher» ftchrung der bekannten und unbekannten jiimschen Sonaten vmr provisorischen Feldfriedhof im Toporontz auf den jüditichen Soldatenfriedhof in Czernowitz statt, lleiber- Whrt ivnrden die Gebeine sowohl her osterr ichistchen wie E russischen jüdischen Gefallenen. Die Totenfeier, die der Ehrung der gefallenen Helden galt, vieles äußerst eindrucksvoll. *LJ0. Geburtstag des Rektors des Amsterdamer Demi- S’ ~tlc % A. aus Amsterdam berichtet, beging am Jorn- Kchpur-Tage d I. der Rektor des Amsterdamer Seminars, Louis Wagen aav, feinen 70 Geburtstag. Louis Wagenaar ist ent Kmd des Amsterdamer Judenviertels. Mit 25 Jahren erhielt er den Rcckbinertitel und wurde einige Monate später zum stellvertretenden Rektor des 'Seminars ernannt. an dem er seine Ausbildung vollendet hatte. Jin November 1886 wurde er zmn Oberrab-biner von Vriesland, im Mai IM zum Oberrahbmer von Geldevlaud gewählt. Wagenaar hat mehrere wissenschaftliche Schriften, über Talumd, Judentum und lwE Gebräuche, veröffentlicht. Wagenaar ist der Begründer der „Oberrabbinervevsammlung Hollands". Bereiue, Borträge «ad Versammlungen. ZionistischeSek 1 ion VI—VIII., 8. Bez. Benno- -latz 1a. Heute, 8 Uhr abends, Vortrag Dr. E M. Z w e i a tJerusalem -: Bericht über den 14. Zionistenkongreß. Berta B e r g e r: Dre 3. Frauen Weltkonferenz. Bühne und Kun Sie „kaaierte" Bolkoper. Die VoAsopernkrift ist für eine Woche vertagt. Das Personal hat sich bereit erklärt, mit der Bezahlung der Gageirrückstcmde bis zmn 5 Oktober zuzuwarten. Inzwischen will Genwaldirektor Gruder-Guntram Verträge mir verschiedenen Organisationen und Kunststellen pdrfeiktionieren, wonach für jede Vorstellung eine gewisse Besucherzahl garantiert wird. Aus diese Weise soll eine Sanierung der Volksoper in die Wege gelei-rc-t werden. Kcmmtersänger Bohnen har seinen Vertrag mir der BoWoper gelöst. Er scheidet, wie er angrbt, mit nanchasten Verlusten. Den Schwbcn, den er durch den Verlust anderer Engagements erlitt, beziffert Bohnen mit 60.000 Dollar. An unbezahlten Gagen hat er von der Volksoper noch 100 Millionen zu fordern. Die zchn Mllionen, die er als Teilbetrag erhielt, hat er den notleidenden Angestellten zur Verfügung gestellt. Die kaufmännische Führung des Volksopernbetriebes läßt sich daraus erkennen, daß Bohnen 16 Millionen Kronen pro Auftreten erhielt, was — selbst wenn man von dom Mißvechälttüs zur künstloriischeu Leistung absieht durch Bohnons ^Zugkraft" nie emzulb-ringen war. Aus den Theatern. , . 8 t h-e a t e r. Morgen. %8 Uhr abends, „(Ö e» schüft istGeschaft" A k a d e m i e t h e a t e r. Morgen. '/* *8 Uhr abends, stl nverhofft". StaatSover. Die Neueinstudierung ,L u e i a von L a m m e r m o o t" mußte tveaen leichter Indisposition eS Kammersängers Pieeaver auf Freitag den 2. Oktober verschoben werden. Heute .La T r a v i a ta". Aiorgen >D e r R o s e n k a-v a l i e r". Volksoper. Morgen gelangt in Abänderung des SpirlvtanS statt .Margarete" „HoffmaunS Erzählungen" mit Richard K u b l a zur Aufführung. D e n t > ch e S V v! k § t li c a t c t. Sari Fedak wird noch Donnerstag den 1., Sonntag den 4. und Dienstag den 6. Oktober in „A n t o n i a" auftreten. Theater in der I o »e f st a d t. Freitag den de» 2. Oktober findet die 100. Aufführung von „<8 e f e I lf d) a f t* statt. R e n a t s s a n e e b ü h n e. Die Vorstellungen der Einakte; .Treu, ehrlich und fleißig", „Schöne sreelen" und „Eine a n g e n eh me Person" nut Hklnfi Riese beginne-, ab heute ausnahmsweise ab h-8 Uhr abends. ' - L u st s p i e l r b e a t e r. Heute P emiere der Komödie „DieBar auf Montmartre" („Le monsieur d e 5 h e u r e s") v. n Maurice H e.n nequin und Pierre V e b e r, deutsch von Brurw Frank mit Hertha R u ft als Gast. Fritz Mahler wurde als erster iKapelluwrsler an das Stadtcheater in Wiener-Nowstadt vevpflichtet. Die französische Regierung erwirbt zwei Gemälde eines jüdischen Künstlers. Tie französische Regierung hat die beiden Gemälde „Das Frühstück" und ,/Zwei Waisen" des aus Polen stammenden Mischen Malers Maurice Minkowski erworben. Die GemÄde fanden während der letzten Kunstausstellung allgemeine Bewunderung. (I. T. A.) H. Leiwik in Moskau. Der bekannte jüdische Dramatiker . und Lchriker H. Leüvck aus Rew-Hork, der,sich zurzeit aus -einer Europa reise befindet, ist in Moskau, emgetroffen. wo ihm die literarischen Kreise einen herzlichen Eprpfang bereiteten. (LeiwÄ, der dem Wiener Theaterpubliknm durch sein hier mit großem «ioto gegebenes 'Schanspicl „Schmales" bökan-nt ist, dürfte, toie wir erfahren, auf der Rückreise von Moskau nach Amerika auch nach Wien kommen.) Clemenceaus literarische Tätigkeit. We „Exzchior" berichhtt, besaßt sich der „Tiger" auf seinem Rnhüfitz in der Veu'dee außer mit der Abfassung seiner Memoiren auch mit ttideren literarischen Arbeiten. Er hat ein Werk über — Demosthenes fevt>igMistellt, das in kunzem im Druck erscheinen soll. Rodin-Export nach Amerika. Wie „Chicago Tribüne" milteilt, Hot Mr. M a st b a u m aus P h i 1 a d e l p h i a auf eigene Rechnung von der französischen Regierung 98 Rodin- Statuen erworben und dadurch für sich die zweitgrößte Rodin-Sammlung der Welt, zusammengebracht. Der Preis - ist noch nicht bekannt. In der Sammlung tverden sich befinden: Der Denker-. .Der Mann mit der gebrochenen^ Nase, Das eherne Zeitalter, Die Händestudie, Der Knß, Der Gedanke, Die Kentaurin, Die Bürger von Calais rmd die berühmte Höllenpforte. Ueberdies hat Mr. Mastbaum eine Anzahl Gipsmodelle, zehn Terrakottabüsten und . zwei eigenartige glasmodellierte Köpfe erworben. Einige der erworbenen Statuen stammen direkt aus Radius Atelier und wurden dem Publikum noch nie gezeigt. Die ganze Sammlung wird in einem besonderen Gebäude m Philadelphia ausgestellt werden. Auch fünf Radierungen und einige farbige Zeichnungen machen die Reife nach Amerika mit. Das Debüt eines 88jährigen Dramatikers. Daß auch ib. reifem Mer die dichterische Karvieve begiinuen tat, ist auL den „Fällen" Otto A n t h e 8 und P i r a n d e l 1 v, die beide erst als Fü-lMger mit' dramatischen Werikott üöbüttevten, bekannt. Den „Rekord" in bezug auf das Alter des evfol'grei'^m Dichterdobütanten hat jedoch, tvie aus Londoit berichtet wird, Thomas Hardy ansgestellt, der jetzt auf dem Llmdoner Barnes-Dheater mit ehte.m Stück, „Deß of che dllvbevvi-nerS", debütierte. Hardt), dessen erstes Stück einen stürmischen,Erfolg sowohl -beim PtlbliklNtt tvie bei der Kritik hatte, ist — 86 Jchre alt. Nadioprogramm. Heute Dienstag. U bis l Uhr: AormittagStMiik -- 4 Uhr io Min. i Märchenwelt der Kleinen. Gebrochen von Jens Friedrich und Grete Doris. — k> Uhr> NachmittagSkonzert — l/,7 Uhr 2. Vortrag der Serie «Zeit und Zeitmeffung". Rudoli Kaftan (Direktor des Uhrenmuienms der Stockt Wien): Geschichte der Uhrmacherkunst 3. Teil. — Va8 Uhr: „Die Ahnstau", Trauerspiel von Franz Grillvarter, mit Hans Marr, Ertka Wagner. Ferdinand Onno, Theodor We ß. Anton Amon. Arpad Kramer, Anna Höllering. Regte: Dr. Hans Nüchtern. tzerichtssaal. Der Mord im Burgtheater. Der Prozeß gegen die Mazedonierin Mencia Carnicin, die im Burgtheater ihren Landsmann Todor Panitza erschossen hat, begrnnt morgen und wird drei bis vier Tage dauern, da der leibende Zustand der Angeklagten größere Vcrhandluugspausen nötig macht. Sie wurde Sonntag aus dem Sanatorium abgeholt und ins ^nquisitenfpital gebracht, wo Primarius Doktor K u n d r a t sie untersuchte und als v e r h a n d l u n g s f ä h i g befand. „Die schöne, arme Behdlerin oder der neue Schlohtzherr zieht ein." Diesen Titel in buchstäblich sestgehaltener Orthographie führte ein Theaterstück, welches int Jahre 1923 ber 75jährige Johann Reinhardt aus Leipzig bent Bnrgtheaterzur Aufführung eingereicht hatte. Das Stück wurde abgelehnt, und zwar mit etner wohl durch das Alter des Antors begründete» liebenswürdigen Zuschrift, in der es hieß, daß das interessante Stück gelesen worden war und das Burgtheater lebhaft bedauere, es nicht zur Ausführung bringen zu können, lveil sein Bedarf reichlich gedeckt sei. Gleichzeitig hatte der Autor auch an den Kare zag-Verlag ein Exemplar eingesendet, und als dieses, .da es in Verstoß geraten war, ihm nicht zurückaeltellt lvurde, llagte er durch euten Wiener Rechtsanwalt aus Rückstellung des Manuskriptes und Schadenersatz von 400 Millionen Kronen, wovon er 200 Millionen dem Stadtarmenfonds widmen wolle und 200 Millionen für sich beanspruchte. Gegenüber dieser Klage hatte der Vertreter des Karczag-Verlages einaewendet, daß der Verlag keinerlei Pflicht zur Verlvahrung und Rücksendung des Stückes, das ihm freiwillig zugeschickt worden war, übernommen habe. Das Stück wurde übrigens später gefunden und als völlig wertloses Machwerk errannt. Das Gericht hatte an den Autor geschrieben, ob er in der Lage sei, ent »iar seines Stückes zwecks Prüfung durch Sachverständige erichte zu übersenden, worauf der Autor eine Abschrrft übersandte. Auf einer Zuschrift über den Wert des Stuckes hatte, wie der Vorsitzende in der gestrigen BerhaMuna, Hosrat Dr. Jpolt, bekanntgab, die Direktion des Burgtheaters nütgeteilt, daß dieses Stück eine Dilett.antenarbeii. war und an -feiltet Bühne hätte aufgeführt werden können, daß man aber den; Autor mit Rücksicht auf sein Alter eine höflichere Absage als sonst üblich ertetltc. Es wurde nun Hofrat Dr. Karl G l o s s y über den Wert des Stückes als Sachverständiger vernommen. Er erklärte, daß das Stück für jede Bühne unbrauchbar sei. Der Senat wies die Klage ab und verurteilte den Kläger, welcher das Armenrecht hat, zum Ersatz der Kosten. Es wurde nicht einmal auf Ersatz der Manuskriptkosten erkannt, weil das Stück unaufgefordert eingesendet wntde. Copyright 1924 by *urt Wolff V<rlsg A^O. Mache» 20 Fom'etz mg. Nachdruck verböte«. Herr Fettwanst. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. Ta ist es doch leicht eiuzuschen, daß dieser Jrgen-djemaud cs nicht gerne an die große Glocke hängen möchte, und er will doch auch nicht aufhören, so leicht Gelb zu verdienen, und ganz bestimmt ivill er unter keinen Umiständen vor Gericht gezerrt tverden. »Well, mein Lieber, dieser Jrgendjeniand wird gerne für unser Schweigen icezahlen, und das nennt man „Schweiggeld". Und «wenn ntan dann alles aus diesem Irgendjemand -herausgeholt hat, ivas man herausholen lamt, dann muß einem die Phantasie, wenn sie was wert ist, weiter.Helsen. Die drei Diebe gehören zu einer Bande. Ihre Kameraden l)aben Mitleid mit ihnen. Und wenn ihre Kameraden gerade kein Geld haben, tat können sie ja einen kleinen Einbruch verüben, um das Geld für die Befreiung ihrer Kameraden aufzittreiben." Levenfons.Winke.ftelen auf fruchtbaren Boden. -Ich machte mich sofort an die Arbeit, sprach die Angelegenheit mit BooWe durch. Er schrie: „God tan him, Weingrad muß das Geld hergeben, um sie herauszureißen! Er hat immer -den. Rahm abgejschöpft, und sein Sohn hat die drei auf den Einbruch losgehetzt. Ich wevd mal zu ihm gcheit -und ihn "das Geld lheraus'kotzen lassen." Ich bat BooEie, mir die Sache zu überlassen. Und meinem L-chrer nacheifernd, fügte ich hinzu:, ,/Zu diesen gerichtlichen Sachen gehört Phantasie, BöMe. Uebevlaß das' lieber mir." . . . Ich stattete Weingrad einen Besuch ab. Mchdem wir üiber ein paar Dutzend gleichgültige Dittge gesprochen hatten, bemerkte ich ganz nebenbei, daß ich beim Gericht avboite, und daß ich mir Viole Freunde unter den TetoNvs gemacht. hatte. Dann ftWrte ich: „Weingrad, feien Sie vorsichtig. Man arbeitet an Ihrem Falle." ... Sein Mund stand sperrangelweit osfen. Er stieß heraus: ,Man? Wer, iver?" ... Ich hob die Hand. ,^öitte," sagte ich, „fragen Sie mich nicht weiter." „Sagen Sie mir's doch, ich bitte Sie," schreit er . . . Ich erzähle Weingrad, daß ich nicht gerne in einen Krintinakfall verwickelt tverden möchte, und'daß ich schon-weit genug gegangen sei, wenn ich -ihn gewarnt habe.. Und schließe: ,Ich kann nicht umhin, Ihnen za sagen, Weingrad', dckß es s-chlimnt aussi-eht." . .- . Jetzt ist er vollstän-dig kopflos. Er bittet -mich, ausfindig zu. rnachen, was er -tun könne, um sich in Sicherheit zu bringen, und ich verspreche ihrn, abends zurückzukommcn. . . Well, We-ingrad war schwer von seinein. l^elde zu trennen.-Ich brauchte drei Tage, lvährend welcher ich immer wieder die'Danmschvanben der Furcht anfetzie, i 'bevor er die notwendigen dreihundert Dollar hergab. Er j tat es erst, als er felsenfest davon überzeugt war, daß er i und sein Sohn ans die Angaben der eing-esperrten Freunde hi» verhaftet werden sollten. Etiva zehn Tage später kehrien Archie, Ikie und Jack in die alte Nachbarschaft, zu -ihren alten Spielen und ihrem allen Gewerbe zurück. Die Bande war außer sich und fetierte sie als Helden. . . Ich wurde als Hexenmeister gepriesen... Maxie Freund hat sich mir als eine Art Resonanzfccoeit angeschlossen. Er schneidet Grünassen, 'winkt mtd deutet mysteriös an, daß ich ungeheuren Einfluß habe und spielt mir mit teuflischer Schläue in die Hand. Maxie ist Meister der Kunst, irgend etwas anzudeuten, was er gerne geglaubt Haiden will, ohne sich in -irgendeiner Weise zu einer desinitiven Festnagelung von Tatsachen herbeizulassen. Er riecht nach „Sub rosa" und stinkt nach dem „Skslort im Hause". Er irritiert B-oolkie, -indem er Plötzlich von irgeitd woher unter -seiner linken Schulter auftaucht. Diebe -Haben nicht gerne jemand hinter ihrem Rücken. Aber Maxie vecst-eht e's, sich Boolkie zmn Freunde zu machen. ,^ch gehöre zu euch. Alles in schönster Ordnung." Und damit wieder ängstigt er Boolkie, der glaubt, daß Maxie alles wisse; daibei weiß er gar nichts. Aber nur so kann man Geheimnisse ans den Alenschen 'herauslocken. Ein Dieb, der schon c-in-mal gesessen 'hat, steht auf der Rangstufe eines Gelehrten, der ein EhrendMor geworden ist. Archie spricht voll reifer. Weisheit. Er erklärt: „Sag, jetzt verstehen wir aber schon c-i-ne ganze Maste." Die Ba-n-de. lauscht. ehrfürchtig auf die MiAheiten, die sie im Arbeitshaufc gelernt halben. Wie man einen „rollt" (einen Betrunkenen ausraübt), wie.'man sich, auf Wegolagerei einübt, wie man unter gegebenen Umständen am lbesten „verschwindet", wie man ' einen kleinen Geldschrank „Imckt", entweder tnit' ciucitt ,Kaünenöfsne^, oder indem inan ihn mit „Suppe" - (NitroMerj,n)"s'ppenHt, Witz man „schränkt" -- Türenj Fenster' und BerMüsst mit Brecheisen entzM-bert —, tvie man ein Schloß ,Mgert", Tieiviche handhabt, wo man Gestohlenes atu besten „verschärft", wo man Eiichrccherwerkzeuge kauft, wie man Richter und ,/5vp's" (Polizisten) schmiert und viele andere wertvolle Winke für den Lebenslauf -eines Eittlbrechers und Bravo. Archie erzählt, daß die Insassen des Avbeitshanses intensiv mit Plänen für „Arbeiten" beschäftigt feien, die sie mch -ihrer Entlastnng auszuführeu gedachten, gaben! sich gegenseitig Tips und arbeiteten Hand in Hand, um die A-nfsehcr hinters Licht zu führen. Er erzählte uns auch die kandalgeschichteu der „Menagerie" und führte eingehend aus, was geschieht, wenn eine Anzahl junger Diere zusammen eingesperrt sind . . . 5. Berl und Barncy haben einander Unterricht gegelben -und tauschten jiddische Lettionen gegen englische ein. Es ist lustig, ihnen zuzuhöreu. Barney kann die gutturalen Töne nicht herauskriege-n, -und Berl vergewaltigt die Vokale.... Ein lvindiger Novemberäbend. Ein kalter Schauer treibt die Diskusio,nisten in Berls warmen Keller . . . Ber-l zündet die große Lampe über den: Arbeitstifchc an, und ntan erkennt Barney -Fi-nn, der auf einem ansgesessenett Soisa hockt. Sogar Lutz lacht darüber, wie Bavttey Fmn, -der schlen-krige Ire. das beßarabische Singsang-Jiddisch Berl spricht ... Es dauert nicht lange, mtd der Ball der DiÄussio-iie>t ist ittt R-ollett- . . . Barneys Steckenpferd, Nestor ntgesetzgebu-ng, iüiüb zerfetzt. . . Die Gesetzgebung erscheint Barney als Retter -der Menschheit. Er würde aut liebsten Gesetze über Licht, Luft, Wasser, Farbe, Raunt, sanitäre Aborte, Waischkessel und Badewannen erlassen; über Gerechtigkeit für arme Häftlinge und Missetäter; iiber Straßenreinigung, Pflaster, Säuglittgsheime, Parks, Spielplätze, Büchereien, Abendschulen, Klubs und Kliniken.; und über höhere Moral und verbesserte ArbeitsverhAii niste . . . Man antworte^ iffjm . . . Gesetze sind nutzlos HiPmi-ttel, Aushilfen, die »bald w-eggeworftn uitd vergessen sind. . . OberflächWkeiten, die dem Falschen und dem Uebol mcht. bis auf die Wurzel nachgchen. . . seit der Zeit, >da der Mensch habgierig wurde, gab es immer prach-tvoll^ Gesetzbücher . nur dazu bestimmt, aus t>eu Menschen Hypokriten, Gesehumgeher und Berbr-echer zu. machen . .. Von den herrschenden Klässen ver- Ifaßt, find sie grausam und parteiisch. .(Fortfttzusta W.) Dst

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