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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-29 · Heft 2371 (29.9.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2371 (29.9.1925)
Date
1925-09-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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V! ' *' 1 - -?' :’ - v ‘ ' ‘ ’ ‘ -*■ ’ Sette 2' Wien. Dienstag Wiener Morgenzeitung 29. September 1626 - Nx. gW WahaötteUtaat, der kräftigste und kriegerischeste, hat inzwischen oenr Hedschas die heilige Stadt Mekka abgenonumn, steht jetzt vor Medina und hat vor vier Jahren das Land der Schammar unterworfen. Sieht man von dem Haß gegen Europa als Politisches AgenS aL, so gibt es zwischen diesen siebzehn Staaten und Staatchen keinen gemeinsamen, verbindenden Gedanken. Und daß der Haß nicht, die Grenze der Gesahrzone erreicht, dafür sorgt die Empfänglichkeit der diversen Meichs und Emire für europäisches Geld. Welche dieser . Men Dynastien würde wohl das Opfer der Resignation zugunsten einer allarabiMn Föderation ' bringen? ' Die in Genf eingebrachte Denkschrift berührt auch das Mische Interesse an Palästina, dem einzigen dieser Länder mit voller innerer Ordnung und mit einem im Ausbau stehenden Wirtschaftssystem, dessen Grundlagen nicht durch arabische, sorckern durch jüdische Arbeit geschaffen wurden. Es ist möglich, sogar wahrscheinlich, düß die Denkschrift nicht so.sehr gegen Frankreich,, als vielmehr gegen den Zionismus eine Attacke ernleitet, die für die Mitte Oktober angesetzte Beratung der Mändatsklmmnssion vorbereitet wiÄ. Aber auch ohne diese politische Aktualität muß die arabische Frage von den Juden und insbesondere vom Ziornsmus viel eingehender betrachtet werden. Wir streben selbstverständlich ein freundschaftliches Verhältnis zu allen Arabern im Orient, unter denen doch so viele Juden leben, und zu den Arabern in Palästina an. Es ist auch Mstvert stündlich, daß der Zionismus eine Auseinandersetzung von Volk zu Volk begrüßen würde, wenn sich hierzu auf der anderen Seite Geneigtheit zeigt. Die unverrückbare Basis der jüdischen Politik bleibt immer das aus der Geschichte des Judentums, aus dem Mandat und schließlich auch aus der Mischen Aufbauarbeit fließende Recht, durch Einwanderung und Besiedelung des freien Bodens ein jüdisches Gemeinwesen zu errichten. Wir müssen aber, wenn wir Gegenwart und Zukunft richtig verstehen wollen, die Konstruktion der arabischen Welt kennen. Es ergibt sich — was für uns und für jeden am Orient Interessierten von sehr hohem Werte ist — aus der Betrachtung der Dinge, daß der Panavabismus und die panarabische Konföderation nur Erfindungen aus der europäischen Giftküche sttü>, die bezwecken, den Zionismus zur freiwilligen oder unfreiwilligen Reduzierung seiner Postumte zu bringen. 'llmißftß. - eine GcflStung der Wiener P-lireidireMo». .Budapest, 26. September. Nach Mitteilungen aus der Obevstadthauptmannschaft wurden gestern sowohl Matthias Makosi als^auch Zoltan Weinberger'einem neuerlichen Verhör untrHogen. Rakosi habe hierbei bestätigt, daß der Wiener Kongreß' im Hause der Wiener kommunistischen Organisation stattyefunden hat, an dem Landler, Ji r o s e k, A l p a r, IM Rcvayi, Zoltan Weinberger nutz Bela Kun teilgerwmmen hätten. Außer diesen war noch eine Reihe von Mitgliedern der Budapester Vagi-Partei erschienen. Der Kongreß habe drei Tage gedauert und es wurde beschlossen, eigene Agitatoren auszubild e n, die als ordentliche Parteimitglieder i n d i e un g arischeu Gewerkschaften eintveten. Die Polizei verhaftete in der Gegend^ von M ezotur zwölf jugeMiche Landarbeiter. Außerdem kvürden Maßnahmen getroffen, um die in der Umgebung von Stuhlweißenbprg befindlichen Kommunisten zu vechaften. Diese Ankündigung stimmt besonders nachdenklich. Sollen ba etwa ein paar Lockspitzeln gewarnt werden? Die Erhebungen abgeschlossen. Die polizeilichen Erhebungen sind, wie die, Blätter abends melden, beretts abgeschlossen. Bon den Personen, mtt denen Matthias Rakosi und Wenrbevger verkehrt haben, fft es bloß Wienern gelungen, von Budapest zu flüchten, u. a. einem gewissen Rudolf Berger, der nach den Aussagen Wembergers die aus Moskau kommenden Gelder von Wien nach Budapest zu bringen Pflegte. Insgesamt hatte die Polizei 64 Persone n verhaftet, wovon vier wieder in Freiheit gesetzt wurden. Bon den in Hast befindlichen 60 Personen find drei Frauen, zehn Jugendliche, die übrigen 18- bis 39jährige stellenlose Privatbeamte und Arbeiter. * Sine Wiener Lüge. Der Montag" gibt an, aus Budapest erfahren zu haben, daß der vielgenannte kommunistische Kongreß, auf dem unter Vorsitz Bela Kuns die Maßnahmen gegen Ungarn besprochm worden find, im Bereinslokal der Poale Z ion im Hause Glockengasse 6 stattgefunden habe. Diese Nachricht muß nicht erst in Budapest erlogen worden sein. Sie kann auch ans den. schmMgen Fingern irgend eines Wiener Reporters stammen, wahrscheinlich desselben, der im August die schöne Meldung von der A b s a g e des Zion i st e n k o n g r e s s es erfunden hat. Das Lokal der Poale Zion befindet sich nicht in der Glockengasse, sondern \vf der Blumaüergasse, leider in demselben Hanse, in welchem der kommunistische Verein für die Leopoldstadt seinen Sitz hat, - was immer wieder die antisemitische Presse zu ihm: bewußten Verwechslungen begeistert. Im -Hause Glockengasse 6 fohlt aber außer dem Lokal der Poale Zion noch die Bibliothek, in der dieser Kongreß stattge'fundett haben soll, was. MN aber auch ans. guten Gründen gemäß den dezidierten Erklärungen der Wiener Polizeidirektion bezweifeln . darf. Gin« Bibliothek befindet fich im .Hause Blumauergasse 20. Nach einer Angabe, die der verhaftete Rakosi in Budapest gemacht haben soll, sei der Kongreß im Hause der kmmunistischen Organisation, abgehalten worden. Das wäre also das Lokal in der Alserstraße 64, mit welcher Konstatierung die zu Pogvomzwecken fabrizierte Beziehung auf ein zionistisches Lokal aus der Welt geschafft wird. Zur Beleuchtung dieser ganzen Legendenbildung, an der sich magyarische Spitzelphantasie und Wiener Sensattonszeilenschindevei beteiligen, dient die folgende Erklärung der Wiener Polizeidirektion: Die Wiener Polizeidirektion erklärt heute dezidiert, daß alle Meldungen über geheime Konferenzen der ungarischen Kommunistenführer in Wien sowie die weitere Mitteilung, daß Bela Kun diese Verhandlungen hier leitete, den Tatsachen nicht entsprechen. Budapest läßt sich freilich nicht stören. Man gefällt sich dort in der Rolle des Retters Europas vor der.bolschowikischen Gefa'hr und es leuchtet auch schon der alte Kniff mtt den geheimen Todesurteilen eines geheimen Tribunals durch. So meldet das Budapester Amt, Rakosi habe selbst gesagt, er habe nach Budapest zurückkehren müssen, da er „zwischen zwei Todesarten wählen mußte". Es ist wohl kaum zweifelhaft, daß Rakosi überhaupt nichts ausgesagt hat. Sueida tont den Fraarosen geräumt? MeKümP^ j Paris, 28. September. (Tel.-Komp.) Die Blätter veröffentlichen heute eine längere Meldung aus. Beirut, wonach die Verwundeten und Kranken aus Sueida ab-» transportiert wurden. Dann habe sich die französische Kolonne wegen absoluten Wassermangels in der Gegend von Messivey v'erschanzh um sich dort zu verproviantieren und ihre Vorbereitungen für die neuenOperationen zu beenden. Diese Meldung. wird vielfach dahin verstanden, daß die Franzosen Sueidawi eher auf gegeben hätten. Lransjordanien, Srol KO. Sir Gilbert Claytvn regelt die Grenzlinie der drei Staaten. Jerusalem,. 26. September. (I. T. A.) Eine britische Kommission, geführt vom früheren Obevsekretär der Palästinavegiexung, Sir Gilbert Clayton, hat sich am 24. d. nach dorn Orient begeben, um Ende September die Verhandlungen über die Grenzlinie zwischen Noch, Transjovdanien und dem Irak zu Ende zu führen. Sir Clayton wird zunächst seinen früheren' Amtssitz Jerusalem besuchen. Der Marokkolries. Marschall Syautey abgesäat. Fes, 26. September. (Havas.) Marschall Lhautey hat die Regierung ersucht, ihn in Marokko zu. ersetzen. Der Märschall begründet sein Ansuchen damit, daß durch die letzten militärischen Operationen die Lage des französischen Protektorats gesichert und die Gefahr beseitigt sek. Der neue Don Quichotte. ^aris, 28. September. Der spanische Diktator P r i m o de Ribera, dir in Marokko zur Hebung seiner Popularität . Kriegslorbeeren sucht, und bisher die spanischen Verluste ans etwa 3000 Tote zu bringen imstande war, hat bereits die Einnahme von Ajdir, der Residenz Abd el Krims, veMnden lassen und überdies erklärt, Ajdir sei. die, künftige Hauptstadt der' spanischen Mavokko- . zone. Vorläufig ist Herrn Rivevas Don-Qnichotte-Phantasie den Ereignissen um ein Beträchtliches vorausgeerlt, da eine amtliche Bestätigung der Einnahme von Ajdir ■ nirgends zu erfahren ist, dagegen feststeht, daß die spanischen - Truppen, die in der Almhemasbucht gelandet wurden, sich dort in einer sehr kritischen Defensivsitnat i o« befinden. Auch von der s r'a n.z.ö fischen Front wird det Beginnder Regenperiode, also Mbr-uch aller Offensivoperätionen, gemeWt. - ' WußfitzW der BSKllbmdraler. Wie der Vertreter Litauens diskutiert. -- Der Untersuchungskommifsär für Mossuli ' / Genf, 28. September. (Schweiz.' Dep.-Ag.). In der heutigen öffentlichen Sitzung des Völkerbundrates'- kam es zu einem heftigen Zwischenfall, indem der litauische Vertreter Galvanauskas bei Besprechung der Recht,« des Völkerbund.rates auf Grund der Memel er Konvention gegen die Darlegung des Berichterstatlers protestierte, m i t d e n. Fäusten auf den Tisch schlug und den Saal verließ. Das Memeler Uebereinkommen ermächtigt jedes Ratsmitglieö, den Rat auf Verle tz u n gen d e s A b k o mmens aufmerksam zu machen. Galvanauskas sprach dem Generalsekretär des Völkerbundes das Recht ab, Besch w e r d e n d e r Bevölkerung an die Ratsmitglieder weiterzuleiten. Der Rat lehnte diese Auffassung ab und nahm eine Resolution Lord Cecils an, welche den Gssneralsekrtär ermächtigt, Informationen über die Verletzungen des Memeler Abkommens ohne Kommentar an die Ratsmitglieder weiterzuleiten. ';Zum Abschluß seiner Sehtembertagung hielt der Bölkerbundrat sodann eine vertrauliche Sitzung ab. Es wurde beschlossen, daß das A b r ü st u n gskomitee des Rates einige Tage vor der Dezembertagung zusammentreten soll. Der Völkerbundrat Heschloß ferner in Ausführung seines Beschlusses über die Moffulfrage den estländifchen General Laidoner als seinen Vertreter nach dem Mossulgebiet zu entsenden, um eine Untersüchnng der von britischer und türkischer Seite vorgebrachten . Klagen wegen Grenzverletzungen und anderer Zwischenfälle durchzuführen. Es sollen dem General zwei noch zu bestimmende Assistenten beigegeben werden. Die nächsten Tagungen. ' Wie amtlich mitgeteilt wird, wird die nächste Tagung des Völkerbundrates im Dezember in Genf abgehalten werden. Die folgende Session des Rates wird im Monat März 1926 in Madrid stattfinden.. Achitscherin in Warschau. Warschau, 28. September. (P. T.-Ä.) Der' russische Volkskommissär des Aeußeren, T is ch i t s che rin, der gestern früh in Warschau eingetroffen ist,.wo er bis Dienstag abends Aufenthalt zu nehmen gedenkt, stattete noch gestern dem Minister des.Aenßern -Sk r- ' z,y n s k i in Hessin PriKatapPartements einen Besuch ab. ^Hierauf gab der Minister zu Ehren des Gaftes ein Frühstück. - -Heute empfing T s ch i t s ch e r i n die Vertreter der Presse, denen er unter anderem erklärte, er sei evfteut, daß ihnr die Möglichkeit gegeben sei, in direkten Unterredungen. mit den Leitern der polnisthen Politik an der' .Bejeitigung von Mißverständnisfen in den BezichMgen der beiden Staaten .mitzulwirken und die Grundla-genfür weitere.Verhandlungen zu schaffen, die die Herbeifühmng. einer dauernden A n n ä h e r u tt g der beiden Länder zum Zwecke haben. Sie Sicherheitslonsekem. Am 5. Oktober in Locarno. London, 28. September. Der amtliche englische Funtdienst meldet, es könne nunmehr als feststehend betrachtet werden, daß die Konferenz über den Sicherheitspakt am 5. Oktober in Locarno beginnen werde. Die Meldungen verschiedener. deutscher Blätter, wonach Deutschlands Antwort auf die Einladung'zur Konferenz für die Teilnahme des Deutschen . Reiches Bedingungen bezüglich der Kriegsschuldfrage, der Räumung der Kölner Zone üsw. gestellt habe, werden ernstlich bezweisilt. - kaillaux in Rew-Dork. Frankreichs Nachgeben in der Schuldenftage. Washington, 28. September. (Havas.) Die französische Kommission hat gestern die Antwort auf den amerikanischen Gegenvorschlag geprüft. Caillaux wird in der Vollsitzung diese Antwort vorlögen, den Standpunkt Frankreichs, namentlich betreffend die'Klausel über die Höhe des Zinsfußes für die Rückstände, nochmals härlegen und genauer posieren. Es ist möglich, daß eine Erhöhung der ftvr die ersten Jahreszochlungen vörgeschlagene» Ziffern ins Auge gefaßt wird. Gaskrieg gegen Streikende. Amerikas technischer „Fortschritt". r-lew-Iork, 28. September. (Tel.-Korr.) \ Fünft tausend streikende S ch n e i d g e h i l f e n : veranstalteten gestern eine K u n d g e b u n g vor dem Gebäude der International. Tailoring Company. Ein riesiges Polizeiaufgebot versuchte die Demonstranten, die die Fabrik zu stürmen drohten, zu zerstreuen. Als die Polizeiknüppel versagten, schleuderten die Polizisten einige Dutzend B o mben, die mit tränenerzeugendem Gas gefüllt waren, gegen die Menge. Vor diesem Mittel ergriffen die Demonstranten die Flucht. Ire! Wische Bertteter im polnischen Mrtschaftrrat. Warschau, 26. September. (I. A.) Nunmehr ist dsi endgültige Zusamwenftellu-ng des polnischen Reichswirt s chaf-ts rate s erfolgt, dem die Aufgabe znfällt, Hand in Hand mit der Regiemng das Wirtschaftsleben des Landes zu sanieren. Von h n n d e:t 160111 g l i e d e r n des Wirtschaftsrates sind drei Juden. (In Verbindung mit dem polnisch-jüdischen Abkommen hatte WarmÜich der Minlsterpräsidcnt den jüinschen UntevhäMern ein« der Zahl und dem iwrrtschaftlichen Range der Mlden e n tsprechend e jüdische Vertretung in den veranlwortlichen. Körperschaften in Aussicht gestellt. Die Red.)

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