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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-26 · Heft 2369 (26.9.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2369 (26.9.1925)
Date
1925-09-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite § Wien, Samstag Las PMmamandat. Gin Künftiger Bericht Frithjof Nansens. Genf, 25. September. Wie schon kurz berichtet, erstattete in der Sitzung der sechsten Kommission des Völkerbundes am 22. d. der Vertreter Norwegens, Dr. Frithjof Nansen, den Bericht über die Mandate. Einen großen Teil seiner Ausführungen widmete Nansen dem Bericht über das P' a l ä st i n a m a n d a t. Ueber die Einzelheiten des Berichtes ist vorläufig noch nichts bekannt. Wie jedoch der Sonderberichterstatter der Jüdischen- Telegraphenagentur in Gens erfährt, waren Dr. Nansens Schlußfolgerungen den jüdischen Bestrebungen in Palästina sehr günstig. Der Berichterstatter erfährt weiter an maßgebender Stelle, daß die Kommission den Bericht Dr. Nahens gut ausgenommen und gebilligt hat. Sie Wische Autonomie in Wand. Riga, 25. September. Die Vorstände der jüdische n Organisationen haben, wie „Postimees" meldet, der cstlämdifchen Regierung mitgeteilt, daß sie nunmehr von dem Gesetz für die kulturelle Autonomie der Minoritäten für sich Gebrauch zu machen wünschen. Ae Sowjetjnovaganda für ihr Krimprojett. Eine Konferenz der Jewfekzija. Moskau, 25. September. (I. T. A.) Es steht nunmehr fest, daß die allruffische Konferenz der -Jewsekzija (jüdische Sektionen der kommunistischen Partei) gemeinsam mit der jüdischen Abteilung der Komsomol Kommunistischer Jugendverband) am ly. November d. I, in Moskau eröffnet werden wird. Das Programm der Konferenz-schließt die folgenden Punkte ein: Jüdische Kolonisation in Rußland; berufliche Erziehung der jüdischen Jugend. Paul Nathan und Bragin. . Daß der Kolonisationsplan -der Sowjets die Unterstützung aller derjenigen findet, die den nationalen Kern -des Zionismus fürchten und Haffen, beweist eine I. T. A.- Meldung aus Berlin,, welche besagt, daß Herr Paul Nathan, der durch seine antthebräi-sche und antizionistische Stellungnahme bei der Frage der Unterrichtssprache im Haisaer jüdischen Technikum sattsam Mumte Präsident des Hilssvereins der deutschen .Juden, dem Krimprojekt sofort seine „warme" Unterstützung leiht. Der gegenwärtig in Berlinweilende Propagator des Krimplanes Abraham Bragin -aus Moskau, Vizepräsident der Gesellschaft für jüdische Kolonisation in Rußland, wurde von Herrn Paul Nathan sofort unter seine Fittiche genommen und in eine -Versammlung jüdischer Persönlichkeiten Berlins eingeführt, denen er Wer die. bisherige Landansiedlung jüdischer Kolonien in Rußland referierte. Um das Referat richtig zu werten, muß man wissen, daß Herr Bragin das Propagandaschlagwort „200 Dollar Ansiedlungskösten für eine jüdische Familie in der Krim" geschaffen hat. Dieses Schlagwort, mit dem die sowjetistische Krimpropaganda besonders im „Praktischen" Amerika arbeitet, ist von russischen Autoritäten auf dem Gebiete landwirtschaftlicher Kolonisation als eine unverantwortliche Irreführung bezeichnet worden, ba die Jnstallationskosten für einen Siedler, selbst wenn es sich um sofort anbaufähigen Boden handelt, mindestens aus das Vierfache belaufen. Herr Bragin berichtete nun der Berliner VersanMlung, es seien in, der Gegend von Cherson und Odessa sowie in der nördlichen Krim im Lausenden Jahre 6000 Familien angesiedelt worden; im nächsten .Jahre sollen nach seiner Angalbe 10.000 Familien angesiodelt werden. Sind schon diese Zahlen angesichts der Verläßlichkeit der Braginschen Kostenvoranschläge zu bezweifeln, so werden.sie vollends auf ihren -wirklichen Wert zurückgeführt, wenn man weiß, Laß im lausenden Jahre von den für die jüdische Kolonisation versprochenen 10.000 Deßjatinen Bodens nur 80.00 Dbßjatinen zur Verfügung gestellt werden konnten. Da nun für eine Familie 3 bis 3,5 Deßjatinen notwendig sind, um bescheidenen Lebensunter'halt zu finden (in Wirklichkeit bekommen die jüdischen Siedler in Rußland gewöhnlich 2 Ibis 2,6 Deßjatinen), so würde das höchstens 4M Familien ergeben, die jedoch auf einer Bodenjsläche arbeiten, welche nicht ausreicht, um sie zu ernähren. (Es ist daher kein Wunder, .daß immer wieder Meldungen über Hungersnot in den jüdischen Siedlungen in Rußland kommen.) Das ist der wirkliche Wert der Zahlen, die das Gefällen des Herrn Paul Nathan finden. Attentat gegen eine« Konsul. Madrid, 25. September. In Montevideo hat der Sekretär des portugiesischen Konsulats, Rogues, aus bisher unbekannter Ursache den portugiesischen Konsul Vivo und hierauf sich selbst erschossen. Wiener Morgenzeitung 26. September 1925 "7 sei t am ftonfnena. Berlin, 25. September. (Wolfs.) Amtlich wird mitgeteilt: In der Versammlung der Staatsu u d Ministerpräsidenten der Länder, in der sich die außenpolitische Aussprache bis in die Nachmtttagsstunden erstreckte, erstattete zunächst Reichsaußenmimster Drr. St eselann einen eingehenden Bericht. Im Laufe der umfassenden Erörterung, in der auch Reichskanzler Dr. Luther mehrfach das Wort ergriff, wurde die einhellige Zustimmung zu betrt Entschluß.. der Reichsregierung sestgestellt, die internationale Zusammenkunft in der Schweiz zu beschicken. Der Grund für das Zurückweichen der Deuffchnatioualen liegt natürlich in der Angst vor einer Finanzkrisis. Aber es ist von Wert, sestzustellen, daß sie zu der Ersüllungöpolitik sich bekennen müssen, wegen, tvelcher Erzberger und Rathenau sterben'müßten. Die Mörder, -die von den Nationalen gedeckt wurden, toben heute gegen Schiele, Schlisben, Ka'nitz, ja sogar gegen Hindenburg. Das Hitler-Blatt, der „Völkische Beobachter", schreibt gegen die Paktverhandlungou, die „das jüdische Bank- und Börsenkapital aufs eifrigste fördert", daß dadurch die Versklavung Deutschlands durch das jüdisch-internationale Kapital vollendet werde. „Es ist 5 Minuten vor 12 — 5 Minuten noch vor der verhängnisvollen Unterschrift!... Wacht aus! Läutet die Sturmglocken! Rottet euch zusauinten und verwehrt mit euren Leibern den Weg nach Luzern!" ' Keine deutschen Mandate. London, 25. September. (Tcl.-Komp.) Nach Ansicht des diplomatischen Korrespondenten des „Daily Telegraph" hat die englische Regierung ein lebhaftes Interesse an dem Eintritt Deutschlands nt den Völkerbund. Die Gerüchte jedoch, die von ausländischer, namentlich sozialistischer Seite verbreitet werden, wonach England gewissermaßen zum Anreiz für Deutschland bereit sei, T o g o, & a m e r it n und vielleicht auch die Karolinen unter ein deutsches Mandat zu stellen, entbehrten jeglicher B c g r ü n d u n g. - Weder das englische Reich, noch die südafrikanische Union würden diesen Gedanken auch nur einen Augenblick begünstigen. »te AemrmSrder. Berlin, 25. Setember. (Tel.-Komp.) Im Jememordprozeß sind weitere sieben Verhaftungen vorgenommen worden. Die Namen der Verhafteten iverden vorläufig noch geheimgehalten, um die Ermittlungen der Polizei nicht zu stören. Hitler darf nicht in Preußen spreche«.; Berlin, 35. September. (Tel.-Komp.) Der preußisch e I n n e n m i n i st e r hat für Pas Gebiet 'des preußischen Staates das Auftreten Hitlers in öffentlichen Versammlungen oder sonstigen öffentlichen Veranstaltungen bis auf weiteres v e r b o t e n. Zur BegEndung wird darauf hingewiesen, daß die Ankündigung von Hitler-Bersammlungen die heftigsten Angriffe uüd Beleidigungen gegen sämtliche Mitglieder der Reichsregierung und der preußischen Regierung enthielten. Sie Abrüstnngssrage im Böttrrbnnd. Einleitung von vorbereitenden Studien zwecks späterer Einberufung einer Konferenz. Gens, 25. September. (Schweiz. Dep.-Agent.) Die Bölkerbundversammlung hat in der heutigen Sitzung die vom Rechtsausschutz und vom Ausschuß für Abvüstungsftagen' ausgeavbettete Entschließung über das Problem des Schiedsvertragsverfahrens, der Sicherheit und der 'Abrüstung genehmigt. Mit der Annahme dieser Entschließung wird der Volkerbundrat zur Einleitung von vorbereitenden Studien zwecks späterer Einberufung einer Konferenz für die Herabsetzung und Einschränkung der Rüstungen beauftragt.' Außerdem empfiehlt die Wölkerbundversammlung mit dieser Entschließung den Abschluß von regionalen Schiedsverträgen und Verträgen zur gegenseitigen Sicherheit. - - : $ Sie Ssseasive in Marokko ansgegebe«. Paris, 25. September. (Tel.-Komp.) Die Berichte aus Marokko, die keine beisondere Gesechtstätigkeit melden, lassen erkennen, daß das bisher von den Franzosen angewandte System der' M a s s e n a n g r t f f e in Zukunft aufgegeben werden dürfte, da es offenbar, abgesehen vorn Geländegewinn, keinen besonderen Erfolg brachte, da die Kabhlen der Offensive jedesmal geschickt auswichen. Die französische Heeresleitung beabsichtigt anscheinend, küufttg eine Zermürbungstaktik anzuwenden, die in der ratschen Folge von Teilaktionen an verschiedenen' Stellen der Front bestehen soll. Aus den verschiedenen Meldungen über das Vorrücken der Spanier in der Buchtvon Alhucemas ergibt sich folgendes Bild. Der erste Angriff erfolgte nach mehrstündiger Vorbereitung durch das Feuer der Küstenbatterien.und Schiffsgeischütze unter Teilnahme von etwa 30 französischen und spanischen Flugzeugen. Darauf rückten die Spanier in drei Kolonnen, deren mittlere von eingeborenen Streitkräften, gebildet .wurde, vor, ohne zunächst auf Widerstand 'zu stoßen. Bald aber wurden sie von allen Seiten von heftigen Gewehr- und Maschinengewehrfeuer von den Verteidigern der Höhen von. Morvo Biejo und Malmusst überschüttet. Am Zentrum entwickelte sich, zwei Mmeter iiiiiSSS Trdfpunkt der Fremdenwelt Berlins 5-Uhr/r«e «. Souper jprix ftx * Exqalrite Küche Kapelle Morleea Tournlure " _ KomponUl Peter Kreader »« Klavier Vom Ausgangspunkt des Abgriffes entfernt, ein heftiger Naht am Pf, bei dem die Kabhlen mit dem Bajonett zurückgewiesen werden mußten. Nach zweistündigem, erbittertem Ringen tvurde schließlich der Morvo Virjo genommen und nach weiteren drei Stunden, 'in denen drei Bajonettangriffe geführt werden mußten, sielen auch die .Höhe von Bauen und Malmuffi. Vor allem um den letzteren Bergrücken, dem ein gewisser strategischer Wert zukommt, tobte der Kampf wild hin und her. Der spanische offizielle Bericht gibt die Verluste der Kabhlen mit über 900 Toten an, vevschwoigt aber die der Angreifer vollständig. Nach einer Meldung der englischen Telegraphenageutur sind die beiden modernen ispan lischc n Sch lacht,s ch i f f c „Alfons der Dreizehnte" und „Janue" Während der Beschießung der Höhen von Mhucemas v o n Bombentreffern außer Gefecht geisetzt worden und haben spanische Hafen für umsangreicke Reparattirarbetten auffuchen müssen. Au» dem Mofful-Liftrikt. Berlin, 25. September. (Tel.-Komp.) Nach einem Konstantinopler Telegramm der ,MHrschen Zeitung" konzentriert die Irak-Regierung an der Mossulgrenzc Truppenmassen. N e st o r i a n e r Plündern die türkischen Dörfer. Andererseits sind in Konstantinopel Nachrichten verbreitet, daß gegen das englische Regime bei Mossul und südlich von Bagdad Aufstände ausgebrochen feien. Ler Srnsenkrieg. Paris, 25. September. (Te-l.-Komp.) Nachrichten aus Damaskus melden von einer großen französischen Offensive gegen die Drusen, an welcher 20.000 Mann mit 42 Tanks. 30 PanzerautomMen und 140 Flugzeugen teilnehmen. _ ■ - Mitscheri«» Reise. Moskau, 24. September. Tlschi Ische rin wird morgen «seinen'zwelmonattgen Urlcuch antreten, den er nach seinem. jetzigen Anfall von Rheumatismus und Diabetes drmgerw nötig hat. Wo er seinen Urlaub verbringen wird, steht noch nicht seist und wird erst nach seiner Ankunft in Wien enffchieden ' werden. Es ist ' jedoch wahrscheinlich, daß er einen italienischen Kurort aussuchen wird. Bocher wird TWWherm feine Reise in Marschau unterbrechen/ wo er -mit dem polnischen Außenminister mehrere Unterredungen haben wird. Dieser Zusammenkunft mißt man in hiesigen 'politischen Kreisen große Bedeutung bei, da die polnisch-russischen Beziehungen in der letzten Zeit bedeutend wärmer geworden sind. Man rechnet damit, daß die Besprechungen der beiden Minister auch die politische Annäherung, die durch das kürzlich abgeschlossene Grenzabkommen eingeleitet wurde, kräftigen werden. Wie die „United Preß" aus informierten Kreisen erfährt, wird Rußland auch nicht abgeneigt fein, das Projekt einer vsteuropäiifcheu . En 1wasfnuug zu diskutieren. Bon Warschau wird sich Tfchitscherin nach Berti» begeben, wo er mit Streisemann züisammEreffen wird. kaillanx in Amerika. Die französischen Schulden. " Paris, 26. September. (Del.-iKomp.) Me aus New« Dort gemeldet iwird, hielt heute vormittags der amerikanische Ministervat mikx dem Borfitz von Coolidge eine Sitzung ab, an die sich unmittelbar eine Vollsitzung der Schuldenkonferenz anschlloß. Dem,Mew-Vork Wall Street Journal" zufolge hänge die sofortige Auffegung einer französische n A nleihe in der Höhe von sechs Milliarden Franken, die in drei Teilen zur Ausga-Le käme, nur von dem Mschluß eines französisch-amerikanischen Schulde nabkommens ab. . _ Ser «ngaM-österreichische Handeirverttag. Budapest, 2!5. September. (Ungav. Tel.-Korr.-Bur.) Im heutigen Minffterrate berichtete der stellvertretende Minister des Aeußertr über den Verlauf der G e n f e r Verhandlungen und die ungarisch-österreichischen Handelsvertragsv erhandlung e n. Ueber beide Verhandlungen habe die Regierung im allgemeinen günstige Berichte erhalten. . Die mit Oesterreich geführten Vechandkungen seien auf kurzeZeit unterbrochen worden, da die österreichischen Sachverständigen die Dringlichkeit der deutisch-Ästerreichischen VechaMuMn betonten. Die ungarischen Delegierten werden zur Fortsetzung der Verhandlungen in acht Tagen nach Wien zurückkehren. Ts feien' nur einige Posten zu. bereinigen, ,fo daß die VevhaMungen bereits als abge-ßchkoGem betrachtet weche-r Nnntztzn 4514

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