Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2368 (25.9.1925)
- Date
- 1925-09-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgenzeitung Verte 2 Gien, Freitag Vor Schlch der sechsten Völkerbund- Die nichtständigen Mitglieder des Rates. — Die Weltwirtschastskonferenz. Genf, ,24. Schtember. (Schweiz. Dep.-Klg.) Kn der Völkevbmrdvevsammlung, deren Plenum hmte tagte, teilte Präsident D a n - u r a n d mit, daß, tvenn irgend möglich, die Tag u n g der Bölkerbundversamnttung Samstag nachmittags abgeschlossen «werden solle. Sonntag oder Montag wich -er Bölkerbundrat noch eine Sitzung abhalten, um jene Mßncchmen zu treffendie sich zunächst aus den Beschlüssen der sechsten Bötkerbundversammluttg ergeben. In Erledigung der Tagesordnung gelangte 'die chinesische Resolution betreffend die Wahl der n i ch t st ä n d i g e n Mitglieder des Böltcrbundrates zur Behandlung. Die Resolution ruft dem Rate die von den Versammlungen der drei letzten Ja-Hre einmütig genehmigte Empfehlung betreffend Berücksichtignngi der geographischen, ethnischem religiösen unkulturellen Verhältnisse bei der Wahlder nichtständigen Mitglieder in Erinnerung. In Begründung der Resolution verlangte der chinesische Gesandte in London, C h a o H s i n - C h u, daß die Zahl der nichtständigen Ratsmitglieder erhöht und daß bereits bei der Eck>e dieser Woche vorzunehmenden Wahl der sechsnichtständigen Ratsmitglieder dem Wunsche der Mehrere hundert Millionen Menschen zählenden Bevölkerung Chinas nach Vertretung im Rat Rechnung getragen werde. Prinz ArfaedDauleh (Persien) brachte das Verlangen vor, daß die muselmanische Welt endlich im Völkerbundrat eine Vertretung erhalte. Die Resolution wurde hieraus angenommen. Bellini (Italien) referierte Liber den Vorschlag Loucheurs betreffend Einberufung einer Weltwirtschastskon seren z. Er legte eine Resolution vor, in der die Versammlung den Rat einlädt, innerhalb kürzester Frist zu prüfen, ob es opportun sei, ein vorbereitendes Komitee einzubevusen und es mit der Vorbereitung der Arbeiten einer internationalen Wirtschaftskonserenz zu betrauen. Die Resolution bestimmt ferner, daß die Einberufung dieser Konferenz unter den Auspizien des Völkerbundes den Gegenstand eines weiteren Beschlusses des Rates bilden würde. Loucheur stellte mit Genugtuung fest, daß über das zu verfolgende und zu erreichende- Ziel, volle Einigkeit herrsche. Er betonte neuerlich, daß jedes M itz Verständnis zwischen der englischen und der französischen Delegatton Wer die Einberufung der' Wirtschaftskonferenz und die Nominierung der Vovbereitungskommission beseitigt sei. Der Redner gab sodann einige Anregungen über die Zusammensetzung dieser Kommission, wobei er nachdrücklich daraus hinwies, daß ein wirtschaftlicher Wiederaufbau Europas ohne die aktive Mitarbeit Deutschlands nicht denkbar sei. Bericht und Antrag wurden sodann vom Präsidenten als angenommen erklärt. Nächste «Atzung morgen vormittags. \ --— Sie deutsche Mrderzeutrale. Neue Verhaftungen von Fememördern. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") Berlin, 24. September. Gestern wurde wieder eine Anzahl von Personen 'wegen der Fememorde in Mecklenburg und in der Mark Brandenburg verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich -der ehemalige' Fähnrich Meder, der zusammen mit dem Len-tnant Saud beim illegalen Regiment ,/Bernden" in der schwarzen Reichswehr diente. Er -war Adjutant des Oberleutnants Schulz, der als einer der Hanpturheber der Fememorde gilt. Lrohltz - Gesandter in Varist , Riga, 33. September. Wie die russischen Blätter, die -dem ehemaligen Diktator Trotzkh nahe stchen, melden, wird-der Einfluß Trotzkys von Tag zu Tag stärker. Es ist dem einstigen roten Generalissimus und jetzigen Leiter der staatlichen Konzessivnsverleihungsstelle gelunlzen, seine Gegner mundtot zu machen, und er nimmt heute wieder eine führende Stelle in der kommunistischen Partei ein. So ist es ihm gelungen, trotz des Widerspruches seiner Gegner die Eröffnung ei«ner Filiale in London, der staatlichen Konzessionsstelle in London, durchzufetzen. Trotzky hat aber nicht die Absicht, dauernd in Moskau zu bleiben, er trägt sich mit dem Gedanken, den Posten eines Gesandten der föderativen russischen Republiken im Ausland zu übernehmen. In Moskau zirkuliert das Gerücht, daß Trotzky an Stelle des Pariser Gesandten K r a s s i n, der angeblich demnächst von seinem Pariser Posten albberufen werden soll, zum Pariser Gesandten der Sowjetrepubliken ernannt werden soll. Die Gegner Trotzkys unterstützen die Wünsche Trotzkys, ins Ausland zu gehen, mit allen Mitteln, da sie dann auf diese Weise ihren gefährlichsten Gegner aus Rußland hinrusbringen können. Trotzky aiber, der der ewigen Reibereien müde ist, will 2eu Pariser Gefandtenposten übernehmen, um int Ausland ein wenig von den Moskauer Strapazen auszuspannen. Russische Rombeo för Shina. London, 24. September. Das Reutersche Bureau läßt sich aus C h a r b i n berichten, daß iu P o g r a n i t s ch aja ein diplomatischer Kurier der Sowjet regierungverhaft et worden sei, weil er eine große Menge von Bomben und Explosivstoffen nach China beförderte. ‘ ' KomMnistenverbaftMgrn in Ungarn. Die Vagi-Partri. Budapest', 24. Septemibar. (Uug. Tel.-Korr.-Bur.) Der geiveseue kommunistische Bolkskomtnissär Atatthias Rakoczi und weitere 45 Mitglieder der extrem.so> zialisti s ch e n Vagy-Partei wurden verhaftet. Unter den. gestern .stellig gemachten« Personell befinden sich auch die Mitglicher der „Geheimen C r o i k a", unter deren Fühmmg die ganze Organisation stand. Es -wurde auch ein gewisser Zoltan W e i n b e r g e r pechatftct, der nach dem Sturz der Kommune zu. 15 Jahren Kerker verurteilt, dann mit ungarischen Kriegsgefangenen äüHgetanscht und nach Ungarn abgeschoben »vovden ist. fWoinIberger war nun auf unbekannte Weise nach Ungarn wieder yurückgekehrt und hat als Enrüssärder Moskauer Sowjets an der Bildung der Vagi^Partei regen Anteil genommen. Vor kurzem ist auch der geistige.Führer der Partei, der Agent Juhacz, -verhaftet worden. GÄegentlich seiner' Verhaftung fiel der Polizei der Aktionsplan der Vagi-Portei in die Hände, aus -welchem hervvrgeht daß die Partei alles daran gesetzt hat, .um eine Revolution hervorzurufen Da die Polizei wußte, daß der Partei große SnmmenGeldes zur Verfügung stchen, beobachtete sie genau den Kassier der Partei Ignaz Gögöl was sie alsdann aujf die Spur Weinbevgers und Rakopzis brachte. - Aus den Verhören geht «lveiter -hervor, daß in Moskau eine Todesliste angefertigt wurde, auf der an der Spitze Reichsverweser Horthy, Ministerprästdent Graf Bechle-n, Minister Baß und die Leiter der Behörden stehen. Gegen diese Personen hätten innerhalb sechs Monaten serienweise Attentate verübt werden sollen. Als Endziel wurde die neuerliche Ausrufung der P r oll etarierdiktatnr in Ungarn besttmmt. Sämtliche verhafteten Personen sind geständig. Wie die Abendblätter melden, hat -Matthias R akoczi die Mission übernommen, in Ungarn die kommunistische Partei neu zu organisieren. Seine Entsendung nach Budapest soll in «einer zu Beginn dieses Monats in Wien abgehaltenen Konferenz, welche angeblich Bola Knn präsidierte, beschlossen worde sein. 1 Auf Grund der Angaben der verhafteten Kommunisten hat die Polizei bereits mit der Ausforschung der in der Provinz ansässigen Kommunisten begonnen. Heute wurde in Endröd ein Erdartbeiter namens Joses Dzabo verhaftet, der gleichfalls an der Wiener Konferenz teilgenoMnen hatte «undmit der kommunistischen Agitation unter den Bergarbeitern betraut worden war. technische Rothilfe" in London. London, 24. September. Wie das Reutersche Bureau jneldel, ist in London ein pol-itrsch-n entrales Zentralbnreau gegründet worden, das sich an die Bevölkerung des ganzen Landes mit der Aufforderung wendet, im Falle eines Generalstreiks freiwillig Dienste zur Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung und her lebenswichtigen Betriebe zu leisten.. In 22 von 26 Londoner Bezirken ist die Organisation bereits durchgöführt. Dem Ausschuß, an dessen Spitze der frühere Bizekönig von Indien, Lotd Ha rd in ge, steht» gehört eine Reihe von bekannten früheren Offizieren an, darunter Admiral Lord Jellieoe. Die Organisation steht, wie Reuter bemerkt, nicht mit den Fassten in Verbindung. __ Seigtter wandert ans. Dresden, 24. September. (Tel.-Komp.)' Der frühere sozialiftische Ministerpräsident Sachsens, Dr. Zeigner, beabsichtigt nach Brasilien anszulivandern. Er Will dort, wie die,/Zittauer Morgenzeitung" zu berichten WÄß, als Geigenvirtuose auftreten. (Wäre Zeigner nach bewährtem Muster Verwaltungsrat geworden, so hätte ihn das wohl in den Augen der sächsischen Gesellschaft nicht „deklamiert", die einem gestürzten Machthaber fetzt ihren bösen Spott nachspuckt. Die Red.) Letzte Kurse. New'Bork. 24. September. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.847», London Scheck 4.807,, Amsterdam 40.19, Paris 4.43, Brüssel 4.37, Nom 4.07. Madttd 14.40. Zürich 19.40, Stockholm 19.81. Oslo. 20.33. Kopenhagen 24.18, Wien 147*, Budapest 147*. Prag 2867,, Belgrad 1787-, Athen 1467,, Buenos Aires 407,, Rio de Janeiro 13.25. Bukarest 487*. Netv-AokK, 24. September. (Tel.-Komp.) Weizen rot Winter 1567g, Weizen hart Winter 1667«- Mats 977^ Hafer 447«, Roggen 8b. Chikago, 24. September. (Tel.-Komp.) Weizen pet September, 147, Dezember 1477». Mai 1467,; Mais per September 817*, Dezember 79, Mai 83; Hafer per September 35y„ Dezember 38T/j, Mai 487* r Roggen per September 747*. Dezember 78'/*, 26. Sepjencher 1928 Lr. Seipel für die VölkerbundresaliUiv». In eiivcy B-evsamwlunig' im Alten Rathaus YM' bet Führer der ChrWchsqzialen, Dr. Sei P eil, DienAag ot« Rede,, in der er sich für die Annahme der 1 atzten Genfer Resolution auDvach. Cr meinte, es könne, nicht wnndernchmen, daß die Anragung, die WkechunÄkontrolle J über Oesterreich anfzicheben, nicht sofort angenommen wurde, „Häben wir utcht", sagte er. „eine Opposition, die jedes-. mal, wenn die Regierung durchaus notiivendlge Forderungen stellt, die Gelegenheit benützt, um dies oder jenezu erzwingen?" Das sei Verneinung der Demosraiie u u d des P a r l a nr e n t a r i s m u s. „Di-e,se Politik machen die Sozialdmokraiten immer wieder. .Es ist daher ganz klar, wem wir den trotz aller Fortschvitte des staatsfinanziellen Wiederaufbaues verblei-benden Rest au Mißtrauen der- , bauten. Ist der Fortbestand der Völkerbundkont r oll -e wiriklich eine so große Demütigung für uns, wie die Sozialdenwikratelr behaupten — ich selbst leugne es durchaus —, daun müßten sie sich anders verhalten. Ganz ähnlich stvht cs mit dem Bcharreir deS Mn-angjkomitees bcS' Völker-, bundes auf der Vorlage eines endgültigen und vom Rechnungshof überprüften Rechnungsabschlusses für das Jahr 1928. > Die Forderung nach W i e d e r a u f n a h m e d e r K o w trolle iu den nächsten zchn Jahren ist in einer sehr guten Form gestellt. Dem Vertreter unserer Regierung wurde erklärt: „Ihr sagt immer, die österreichische Wirtschaft bekoumtt zu lvenig ausländische, vor allem keine laivgsrWgen Kredite; das Geld für die Wirtschaft sei zu teuer. Wirklich iist es notwendig, daß die kurZsristtgen Kredite in, langfristige umge-. wandelt werden und neue langfristige Kredite in euer Land kominen. Wenn ihr das Wollt, gebt den Leuten, die euch auf lange Zeit hinaus Geld geben sollen,' e i n e noch größere Sicherheit, indem ihr für den äußechen Fall dem Wiederaufleben der Kontrolle zustimmt." Ich kann' nicht leugnen, daß dieser Gedanken-gang durchaus logisch ist. Daher hatte Bundeskanzler Ramek recht, wenn er im Hauptausischuß die Annahnre der sogenannten ungarischen Klausel empfochl nnd sine d i e s b e z ü g l i ch e R e g i e r u n g S- Vorlage a-Mndigte." Ae chkiftlichnatiouale Einheitsfront. Ehrenobmann K. H. Wolf. Zur Störung des ZionislenSongresses, die allerdings dov. heigelmgeu ist, hatten sich seinerMt eine Reihe mdaua-nti.semttffcher Gruppen zu einer sogenannten christttchnationalen Einhsitssront zusammenigsschlosseu, welcher außer den Nationalsozialen, der dentschnationalen BoMspartei und einigen christlichsoziailen Organisationen, wie dis FronWmpfervereinilgung, auch die konservative Bolkspartei (Gruppe Sch age r - Te uckel) ängchörte. Nun sind Bestrebungen im. Zuge, No daraus aHzivlen, die chrtstlichuationale Einheitsfrontaüszubauen. Zu diesem Zwecke soll die deutschnationale Gruppe K. H. Wolf'Stio'flNskY in der Gruppe -der Deutschnatio-' naÄ, die unter der Führung der chemaligen Abgeordneteu Dr.;Ursin und Franko Stein steht, aufgchen. Wolf soll Ehrzpniovmi^n und Straarslky EhrenbogirksobmaniH in Wien werden, aber der Leitung der deutschnattonaletz Partei nicht mehr an^ehören, die dann unter der Führung der chemaligen Mgoordneten Ursin und Franko Stein stchen wird. Eine Beveiin-bgung der konservativen Volks- Partei mip der Gruppe Ursin-Gtein ist nicht geplant. Wohl aiber soll, chie erwähnt, die christlichnationale Eiühelitöfront erweitert Wochen, damit bei d«n nächsten Wahlen im Jahre 1627 alle je-lle Gruppen zur Geltung -konmren, die bis-' her im NatlioMvat «nicht vertreten sind. Die „chr-sMchnationale Einheitsfront" soll wohl zu :bem 'Zweck gerundet Werden, um die Großdoutschen bei den nächsten Wahlen noch uck ihre paar R-eststimmenmandate zu bringen. Im großdeutschen! Lager scheint man sich aus die Katastrophe bereits vorzuberMn, und es liegt auch bereits die Anregung vor, die Mandate durch eine Einheit'sliiste mit den Christlichsozila^en zu-retten. Ar SNell bei der Wim». Die SWevMtg vermittelt. Der Präsident der Kammer jfür-ArVsiter und Angestellte, MgeMmtev Dosmes, erschien gestern beim Bundesikcmzbev Dr. RWnek, ga!b einen genauen Bericht über die «Situation in Donawitz und stellte an die Regierung da's Ersuchen, im iFntevesfe der Beilegung -des KvnWtes mit «beiden Teilten Verhandlungen einzuleiten. Der Bundeskanzler erölürte im Prinzip seine 'Geneigtheit, diesem Wunsche nckHuko«mmen. Gr «werde sölfort die ihm noch notwendig evschsimnden Informationen einhölen. Er Märte ferner; daß mit der Mhvung der Angelegenheit der BundeKmimster «für soziale Wevwa'ltung' Dr. Re,sich beauftragt und daß man den Landeshauptmanu von Steie v«mark zur Teilnahme, einladen werde.! Abgeordneter Domes hat spdann beim Buudesminifter für soziale Wer>watt>u«ng« Dr. Refch Vorgespvochen,, der ihm eMrte, daß er in «der Angelegenheit bereits Verhandlungen eingeleiteihabe. Der Streik M ldew steirMen MMnefitwerken beigelegt. Der Grazer „Avbeitevwille" meldete, daß dev Streik bei, der ste-i'rifchan Magnefiiindustrie' in Lei-tendorf ,ber Leohen beige legt ist. .Die Arbeit >wmde gestern früh wieder ausgenommen.'-Heute ftnden hei der Werksdirekbion in Le-itendorf stndividuelle Lohllvechand-« ' lungen statt, durch «tvelche ' «jedoch die hMpste^ndm «wechen. - '-