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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-25 · Heft 2368 (25.9.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2368 (25.9.1925)
Date
1925-09-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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'**: K 1 Polen: 20 aroszyj Wien: Zurrt Abholen iu der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelie fTraflk) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma G o I d s.chmied, I., Wollzelle 11 P PostversändfQr Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscbecho-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Vin.6V. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 remr Preis 20 »1 England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.lOOLewe. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Diuckerei lg. Steinmann) Nachzahlungen bei Prete* erhOhnngen ▼orbehalien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Wim. Freitag. 25. September 1925 7. Fahrgmg Sie Sees« Mm. i —y. Wie 11, 25. September. Die sechste Session des Völkerbundes geht ihrem Ende entgegen. Sie hat nur noch formelle Erledigungen vorzunehmen, und wie dies üblich, die Schlußresolutionen der Ausschüsse zu sanktionieren. Die Arbeiten der Plenarversammlung lassen sich demnach bereits in ihrer Gänze übersehen. Es ist viel kleine Arbeit geleistet worden, es wurden interessante und bedeutsame Debatten über Abrüstung, Schiedsgericht und Minoritätenrecht abgesührt, aber es ist wenig erreicht worden, um der immer gefährlicher sich gebenden Verwilderung der Politik entgegenzuwirken. Das wenige an positiven Werten, das sich nach dieser Genfer Tagung zeigt, ist die Einigkeit zwischen England und Paris; aber diese Uebereinstimmung bezieht sich lediglich aus die Verhandlungen mit Deutschland über den Sicherheitspakt und hat zur ersten Folge gehabt, daß die nationalistischen Saboteure in Berlin ihre Wühlarbeit einstweilen einstellen mußten. An der Luzerner Konferenz wird Deutschland teilnehmen, und es ist sogar anznnehmen, daß in der deutschen Delegation auch die Vertreter der Siegfried-Parteien sich befinden werden. In der Abrüstungsfrage ist man wieder nicht weiter gekommen. Das Genfer Protokoll, die stolze Errungenschaft der Entente Mac Donald-Herriot, ist in blaue Fernen geschwunden. Ein lähmendes Gefühl der Müdigkeit liegt über all diesen Verhandlungen. Sie, dauern nun schon seit fast fünf Jahren, aber nicht das geringste Tatsächliche ist erreicht worden.. ^Der-.'Mofful-.. Streit ist vertagt, die. Minoritatssorgen desgleichen. Und da sich dieses Bild trostloser Dede nach jeder Session des Genfer Bundes ergibt, so flacht sich das Juteresie der Oeffentlichkeit leider immer mehr ab. Man vergleicht die Vorgänge mit emjMer.. In Genf wird verhandelt, debattiert und schließlich nichts sofort Verwertbares beschlossen. Es werden Formeln aufgestellt, Kompromisse und Konventionen unterzeichnet und . all dies, »während Frankreich und Spanien ihre Kanonen im Marokko-Gebiet donnern lassend Wenn dieser Krieg von den europäischen Staaten verloren wird, schasst dies nicht Situationen, die alle Beschlüsse des Völkerbundes über den Hausen Wersen? In Genf wird die Einheit der mitteleuropäischen Politik Frankreichs und Englands beraten; , aber zur gleichen Zeit erkundigt sich England, wann Frankreich mit' seiner Schuldentilgung zu beginnen gesonnen wäre. Zur Erörterung dieses Problems war Balhwin in Paris; als er hmkam, fuhr eben Caillaux nach Washington, um auch dort sein non possumus zu sagen. Vielleicht kommt es zu einer Vereinbarung; sie kann nur dahin gehen, daß das französische Volk lange Jahre ^hindurch an Amerika Tribut zu leisten hat. Das bedeutet, daß die Vorherrschaft des Dollar wieder weiter befestigt wird und daß sich schließlich alle Vorteile der Entwicklung auf die Seite der Großmacht neigen, die, dem Völkerbund , nicht angehört. Das ist lebendigste Gegenpropaganda, die doch nur darum wirksam wird, weil der Völkerbund so wenig Macht und Kraft hat. Er hat keine Freunde, keinen Rückhalt bei den Massen, die ihn kaum verstehen und die immer nur das Manko sehen zwischen Streben und Leistung. Die einzige positive Leistung des Friedenskongresses wird immer weiter eingeschränkt und sie muß . diese Verringerung dulden, die letzten Endes auch eine empfindliche Abschwächung der Autorität zur Folge hat. Die großen Mächte, die dem Völkerbund die Versteifung-des Gefüges geben sollen, haben keine klare Linie für ihre Politik; ihre Vertreter sind immer nur Vertreter von Machtkonzernen, die nicht immer nur von politischen Gesichtspunkten ausgehen: Und so ist auch der Völkerbund und seine Session, nur ein Prosektionsbild der Schwäche und Verwirrung Europas. 2er Kongreß der islamitischen Studenten in Aeirnt. Beirut, 28. September. (I. T. A.) Der vor-kurzem in Beirut stattgefundene Kongreß der islamitischen Studenten hat. die.folgenden Beschlüsse angenommen. . 1. Die arabische Bevölkerung inSyrieu, Pal äst i rr a und Ir a k. soll durch. Zirkulare ausge,fordert werden, die aus ländischen Elementarschulen zu boykottieren. 2.'Die Regierungen von Syrien und Irak werden ersucht, in allen Orten 'El e m e n t a rschnle.n zu.errichten 'und.den Schnlnuterricht gI i" & il if i *$■{$' p , Jüdische Fragen in ÄMiinien. Mn Interview mit dem rumänischen Außenminister. Genf, 24. September. (I. T. A.) Der Mmänische Außenminister Duea, der gegenwärtig als Führer der - rumänischen Delegation beim Völkerbund in Genf weilt, äußerte sich in einem Fnterwiev mit dem. Vertreterder Jüdischen Telegraphenagentur über. einige aktuelle Fragen -des jüdischen Lebens in-Rumänien. Der -Minister führte n, a. aus: Die Frage der nach! R u m ä n ien geflüchtetem russischen Staatsangehörigen, die ja zum überwiegenden Teil Juden sind, ist Gegenstand /wohlwollender Erwägung seitens' der Regierung Rumäniens. Die Regierung sucht nach Wegen und Mitteln, um - die Flüchtlingssrage in loyaler und milder Weise zu losen. Die rumänische Regieru'Ng denkt nicht daran, gegen die jüdischen Flüchtlinge schroff vorzngchen und sie - ans-. znweisen. - Auch die i n n e r e n F ragender r u m ä n i { ch e n Jude uh eit, setzte der Minister fort, sucht die ru-mänische Regierung in friedlicher und gesetzlicher Weise nach und nach zu regeln. Die jüdische ÄdvWerung Rumäniens genießt zum Teil schon jetzt gewisse Rechte einer nationalen Minderheit^ : so - zum Beispiel bestehen: j ü d i s che . S ch u l e n m -i t hebräischer Unterrichtssprache. , Der Int ise-mi\ismus ..und 'feine unschönen Ex'sesse.'^-Dschloß Außenminister Duca — tP.etbeC vong e w isse n Un iv e r stickgtskr e lsem. kuMierß Die Regi e.ru n.g tri.tt dieseu Er's.cheinungeu e n e r g i s ch g e gen ü b e'.r.' '„Wir .-sind..' bchrebt,' alle jüdischen Fragen - auf friedlichem Wege und in evolutionärer Weise zur Lösung zu bringen. Ser Kries in Wen. Sueiida von den Franzosen entsetzt. Damaskus, 24. September.' ' (Havas.) Die Kolonne Ganielin, die» von einem englischen Major begleitet, von M e s s.i freh anfgebwchen!:var, ist in Sm e -i d a .ein gezogen. Die Syrier appellieren an den Bölkertznud. . Gens, 24. SeptemD. .(Schweiz. Dep.-Agentnr.) Emir Chekik.Arslau, Delegierter der syrischen Unabhängigkeit spart eien..in der Schweiz richtete an den Präsidenten der Bolkerbnndv ersammlun^ nachstehendes Telegramm: Der Sultan Pascha ei Atrasch, der Führer der' d r u s i s ch e u B e w e g u n g,. ersucht '.mich, den BAArbnnd ans die Willkür und die vöMrechtswidrigen.Maßnahmen per M a n data r m a ch -t aufmerksam zu machen. Da. S Y r ien k e ine is ran z ö fisch e Kolonie istsondern ein unter'Mandat stehendes Land, ist es Pflicht des' Volk er b n n de s, den zwischen der Man>datarmacht und der BsvMerung ansgebrochenen Kons l i k { zu prüfen und die notwendig erscheinenden Maßnahmen zu treffen. In diesem Sinne wenden wir uns an den Völkerbund mit dem Ersuchen, den Feindseligkeiten Ei n halt. zu gebieten und eine neut rale Kommissi on..mit der Untersuchung an Ort und Stelle zu betranen. Wir glaniben nicht, daß der Völkerbund in. einer Mandatsangelegen'heit auf..seine Schiedsrichterrolle - Ver- . zicht zu Leisten gedeiA. ebensowenig' wie wir.' glauben -können, .daß der Völkerbund die Verantwort-ung für das anif beiden Seiten, vergossene Blut übernehmen will, da es ja die erste Pflicht der erlauchten Versammlung ist, Blutvergießen zu verhindern. Me deuisch-volnischen Handelrvertragi' verhlmdluugen bertast. Bttlm, 24. September. (Tel.-Komp.) Die deutschp o l n i s ch e n Handelsvertragsverhandlungen sind abermals vertagt worden. Bei der aus Wunsch der Polnischen Delegation im Auswärtigen, Amt abgehaltenen Vorbesprechung zeigte es sich, daß die Polnische Regierung tatsächlich im Begriffe ist, in bezug ans die E infnhx eins ch n e i d e u d e A e n P e r n n g e u i durchzuführen, und zwar nicht nyr in^dep Frage der Einfuhrverbote, sondern auch in der Frage der Einfuhrzölle. Deshalb wurde von deutscher Seiteder Wunsch ausgesprochen, die Der-' handlmigen so lmige zu vertagen, bis sich die Aenderungen, tze .dje PKlnffche Regiemng beaWM jilbe-rscheg ilajsev, An der Mossnlgrenze. Rußlands Ginfluß. — Meldungen über eng« lische und tÄrtische Truppenkonzentratronen. . (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 24. September. In hiestgien Poetischen Kreisen gibt man der Ueberzengnng Ausdruck, 'daß - die Türkei in ihrer feindseligen Haltung gegenüber England und dem B ö l t e r b n n d von Moskau Ibestärkt werde; das russische Answärtige Amt habe den Türken den Rat gegeben', die britische Regierung zu feindseligen militärischen Maßnahme n h e r a u s z u f o rde r n, da dies nach ihrer Annahme den S.t u r z der gegenwärtigen k on s e r v a t i v e n R e tz i e r u n g und ihre Ersetzung durch eine sozialistische zur Folge haben würde. „Daily Telegraph" will erfahren 'haben, 'daß sich vier türkische Di^visionen an der'Grenze Ä e s I r a k versammelnd Die türkische Gegenmeldung. .Angora, 24. September. (Havas.) Nach hier eingelangten Berichten befinden sich von e n gli scheu Offiziere n befchligte E i n g e b o r e n e n a b t e i l n n g e auf dem Marsche gegen S ule im ani je. ' Ein Völkerbundvertreter soll die Grenzverhättnrsse studieren. - Genf, 24: September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der V ö l» "kerbundrat hielt Heute nachmittags unter dem Vorsitz Loucheurs eine öffentliche Sitzung ab, in der er sich ausschließlich mit den an den Grenzen des Gebietes von - M'o fs'u V eingetretenen Z w i schensällen befaßte. Namens der Dreierkommission des Rates referierte S.j o e b e r g (Schweden); er stellte den Antrag;, der Rat möge beschließen, daß ein Vertreter des Völkerbundes an Ort und:S.tcl;te;entsendet werde, mit dem Aufträge, dem Völkerbundrat über die in der Gegend der in Brüssel sestgesetzten provisorischen Gr e nz e nbestehende L a g e z u o r i e n t ieren. Der b r i t i s ch e Kolonialminister A m e r y erklärte sich mit dem Anträge einverstanden. Der türkische Minister des Aeußern Tewsik Ruschdi Bei machte verschiedene Vorbehalte, so namentlich den, daß sich die Untersuchung nicht aus das nördlich von der Demarkationslinie gelegene Gebiet ausdehnen dürfe, da die Verhältnisse dort innerlürkische Angelegenheiten seien. Er sei bereit, seiner Regierung vorzuschlagen, vor dem Völkerbundrat eine Erklärung über die nördlich von der Grenzlinie herrschenden Verhältnisse abzugeben. Amery bestand darauf, daß die Untersuchung auf das Gebiet zu beiden Seiten der provisorisch e n Demarkationslinie auszudehnen sei. Loucheur ersuchte die türkische Regierung, der Ausdehnung der Untersuchung auf-das. Gebiet nördlich von der Grenzlinie zuzustimmen. Der Rat nahm hierauf den Bericht von Sjoeherg einstimmig an. Zwischenfälle per. Bagdad. ' Angora, 23. September. '(Havas.) Die Anatollfche Agentur erfährt, daß es" zwischen der Bev ö 11 e r n n g v o.n Z -i b r a k r a und ib r i t i s cb e n Truppen zu Z nsamme-nstößen gekommen sei. Der ScheichAbd ell Krim (?) kämpfe gegen die Engländer in der Umgebung von Bagdad. Die Engländer hätten angeWndigt, daß sie seine Unt-eviverfnng während der nächsten zehn Tage annchmen würden. _ Re Acherhettslonferenr. Deutschland nimmt die Einladung an. Berlin, 24. September. (Wolff.) Der Kabinetts» ra t trat heute vormittags unter Vorsitz des Reichspräsidenten v. H i n -d e n b u r g zusammen, uw über «die deutsch e. A u i w o r t ans die Einladung der alliierten Regierungen zu einer K o n If e r e n z b e t r e f f e n d d e n Sicherheitspakt Beschluß zu fassen. Der Kaibinettsrat beschloß, die E i n l a d n n g a n z n n e h m e u. Ms Delegierte Deutschlands werden Reichskanzler Doktor Lnther und Außentmnffter Dr. St re s emann an der Konferenz teilnehmen. Locarno Konferenzort's Locarno, 24. September. (Schweiz. Dep.-Agentur.) -In Erwartung, daß Locarno als Konsevenzort bestimmt werden wird, hat gestern der französische 'Gonevckkonsnl .in Genf mit dem Gemeindevorstehsr von Locarno über die Un-terbvingung französischen Delegation vschachelt^ i.

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