Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2367 (24.9.1925)
- Date
- 1925-09-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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mr> Wiener Morsenzeitung jvWß vl Konfrontation mit Neinitz. Me WM MW,. M dm : 26. Äpkmbev in' SzatlMV der neuerliche Prozeß gegen Jakob R e i n i tz Istattfinden, der f&e'fanntöidj, der BeMung von sieben Mordtaten bezichtigt wird. Vor einigen Tagen meldete sich nun im Kaschau er Gefängnis der Arbeiter Demjanvvies beim Untersuchungsrichter und teilte ihm mit, er wisse viel von den Morden Reinitz', weil er selbst daran beteiligt war. Polizmät Pongrae nahm bei Hm eine Hausdurchsuchung vor und fand eine Taschenuhr, eine goldene Krawattennadel'und eine goldene Kette. In den Gegenstüuden erkannte der Bonder des einen Opsers Galormn Lebovics den Belsitz Bor dem zweiten Prozeß in Szatmar. Wes ermordeten Bruders. lAutzerdem Mt Demjanovies an, er habe mit Reinitz auch den Kaufmann Hermann Gzmu 1 ermordet. Das Geständnis Demjanovies' ist psychologisch um so interessanter, weil er wegen eines Mordes angeklagt ist und nun auch die Mordtaten, die er mit Reinitz begangen haben will, erngdstand, weil er, so sagte er selbst, nichts zu gewinnen habe. In der Nacht vvn DonmvStag auf Freitag entstieg dem Kaschauer Schnellzug in Kiralhlhaza um 1 Uhr nachts eine sonderbare Gesellschaft: hohe PoHeioffiziere, Wachleute in Kivil und dazwischen ein Mann in Sträflingskleidwn — Dewjanovics; er wird Iu)|(ty sJJäHIImI wWlTOK|| um mit seinem Kollegen" Reinitz konfrontiert zu werden. Schon einmal wurden sie in Kaschau einander gegenübergestellt, doch «war die Konfrontation ergebmslos verlausen. . Demjanovies ist glücklich, überglücklich. Nach eineinhalb Fahren Untersuchungshaft schLpst er wieder frische Lust, D gut, trinkt Bier und raucht Zigaretten. Außerdem — und dies ist wieder interessant für die Veranlagung DemMvvies' — hat er eine unbändige Freude darüber, daß er nunmehr berühmt wird. Er hat nur vier Klaffen BoWschule 'besucht, aber viel gelesen. „Was Wen alle die Menschen vollbracht und ich war ein winziges Wesm im Weltall. QiatAt 'Cl+* IX yiniiltiftlitl 4i 9 üvlltt 0*11 *0) vvwlljlit** Und wieder ein Rückfall: ,Mer hin P auch meine Familie, hin meine Ehre. Der verfluchte Reinitz hat mich mit seinen siechenden Augen verführt."-, Jas falsche Fiinfstanlenstiikk. Muley Hafids Staatsschatz. Aus Paris wich m$ geschrieben: Die Mbmchmg des 'bisher allgewaltigen Gouvernaurs vm MarMo, des Mavschalls Ly aute y> dürfte bei mMlaud-ein so großes Gefühl der schadenfrohen Genugtuung erwecken, atz bei dem vormaligen SrDan von Marokko, Muley Abd ul Halsid, dessen Absetzung und Berfollgung ein WA des Marschalls war. Muley Md ul Hasid lebt jetzt aus Kosten des französischen Staates in einer Keinen Ortschaft in der Räche der Hauptstadt unter sehr einfachen Verhältnissen, und wem jetzt auch deb zurückbevusem Marschall sein Pensöonapoilis an der Seim bezichch, so dürsten die beiden einstigen. Gegner ach gemeinsamen idyllischen Gpaziergängrn, ihre gegenseitigen GrrmMUingen von einstiger Herrlichkeit austaiuschen. Seine scheWsche Majestät a. D. wäre hiezu gern bereit, da er eben an seinen Memo i ren arbeitet, die der Kostprobe zufolge, die ein Pariser Blatt ihnen entnehmen durste — vielleicht einen mächtigen.Beitrag zu der heutzutage, ach, so armseligen humoristischen Literatur bietm wich. Muley Hchid war der erstgeborene Sohn, des Sultans Muley Hassan, der aber bei seinem Tode nicht .diesen, sondern dessen jüngsten HaWruder Md ul AM zum Nachfolger bestimmte. In trotziger Wahrung seiner legitimen Rechte, gelang es Mu!key Hasid, eine Revolte Men seinen Bruder achuzetteln — Mter widerisuhr M. W- Mo Schicksal durch den dvittm Bruder, den noch jetzt regisrendeu Schattens,ultan Mulch Inssus. A>hd ul AM mutzte flüchten und Muley Hasid konnte frohlockend die Hauptstadt seiner Vorväter, beziehen. Sem erster Gedanke war natüMch — wie er selbst in seinen Memoiven berichtet —, seine durch die voivangchenben HaWmd Staatsaktionen stark zerrütteten stnanziellm Verhältmsse durch Hilst des Sultansschatze's in HrduMg zubringen.; hatte aber das untrügliche BorgeiM" — so MM Muwh Hafsd Mß man wich 'eines Tages der BrWdschatzrng. dch Staatsschatzes hezichiigen" werde. In Vorausstchi dessen habe ich daher den' Generalgouverneur , im. Besitze der. vievunMmAg SWW unseres Tre,s>or-8 sind,, dann drei Richter und zwei Notare zusammengevuftn. Als alle versammelt waren, gingen wir erst tam die ÄlAMien den Sta a t s käs s e zu 'eröffnen un!h zu besichtigen. Nach Oeflfnung der Türen.erWrtete uns aber ein schrecklicher Anblick; der Tresor enthielt alles in allem ein-WnKrankenpück Ees Mv falsch und sünM Centimes.. Das ' /war der ganze Nachlaß meines Bvnders. M W HÄWmer, aus die wir unsere HvffnWg setzM bestandest Mßep dtchen Geldstücken nur in einer nach Tausenden Wählenden Masse von Bizhckeu. /sowie.. einem, ganzen Magazin M M ' Um 4 llihr kamen sie in Szatmar an. Aus dein Gange der Staatsanwaltschaft wartet- Demjanovies mi^ zwei Detektivs. Er ist ganz ruhig und scherzt sogar. Bon. Il Uhr vormittags bis 2 Uhr Nachmittags wird er Verhört. Er erzählt: ,Mrch meinen Schwager Bvdnar Mrde ich mit Reinitz im Jahre 1921 bekannt. In einem Ga!sthause hat mir Reinitz gesagt,' es sei viel Geld zu verdienen, wenn ich einen Inden emovde, der viel Geld hat. Bodnar hat einen, der Nanre ist mir entfallen, aus dem Berge Banks erschlagen. Im Jahre IM kam dann Reinitz zu mir und sagte, mit Bodnar sei nichts anzufangen, da er trunksüchtig und ein Schwätzer sti. Zwei Wochen daraus haben wir Salomon Lebovics „erledigt", einjge Wochen später Gzmuk. Reinitz hat die Köpfe der beiden Opfer mit einem Hammer zerschlagen, ich habe nur Hilfe geleistet, die Gnadeustiche gegeben, die Leichen ausgeraubt und sie beerdigt. Reinitz wird vorgeführt. Ein blasses, nervöses Männchen mit lebhaften Gesten und fließender Rede: ,M lügt, der Demjanovies, und ihr, ihr alle glaubt ihm, dem Raubmörder! Gei der ersten Konsrontation in Kaschau hat er mich nicht erkannt und jetzt will er auf einmal .wissen, daß ich« es bin, der mit ihm gemordet hat." ,-Fch habe gedacht," sagt Demjanovies, „wenn ich eine Mordtat einbekennen werde, .wird man mich -wegen der anderen nicht zur Verantwortung ziehen. Ich wagte es nicht, d e n H e r r n R e i n i tz (er sagt immer Herr Reinitz) zu erkennen, da ich sürchtete, daß er in diesem Falle von allen drei Mordtaten sprechen werde. Sie sagten mir, es gebe, keinen Gott, mr dumme Leute haben Angst vor Hm, ich aber habe gelernt zu beten, i ch will büßenund w e r d e b ü ß e n, wenn man mich auch zum Tode verurtei'len wird." Reimtz lakonisch: „Gin. jeder kennt Reinitz. Ich Woche nicht wegen ein Paar lunrprger Lei." Neues, schwer belastendes Material wurde bei dieser Verhandlung gesammelt, immer dichter werden die Müschen, in die sich Reinitz verstrickt. Seine Familie ist vemichtet. Sie will äuMandern, sie, die einst angesehene Familie, die in Szatmar in dem Stadtteil, der Gehenna Wlle) genannt wird, ei» großes,-schömS Haus besitzt. Das waren <Ho die mLvchenhaften Schätze, wovon Muileh Hatftd während der klangen 'Jahre seines Dhronprätendententmnis -trimmte. Es wäre «interessant zu wissen. ob sein Bruder, dtt jetzige Sultan, wenn, er auch einmal ans MeMprwnschrMn ginge, diese auch mit einem Kapitol beginnen würde? llafittlichMrblWrobe. M awerilanWs SchiMirgerMche«. Ehieago Hai dieser Lage einen Spatz erlebt, über den ma» sich im allgememen amüsierte, in gewissen Kreisen aber ärgerte. Die Sache ist aber eigeMlich höchst einfach und alltäglich, nur der Schluß seltsam. Frau Thvmas- Lawrenee, die geschiedene Gattin George Pullmanns, des Sohnes des Gründers der bekannten Pullman Car Company, erfuhr von einer liehen Freundin, die natürlich nur der GerechtiMit dienen Wollte, daß ihr zweiter Mann sie hintergehe; die Freundin riet, ihr, zu einer bestimmten Stunde ins GhicagoHotel zu gehen, dort werde sie einen Beweis sür den behaupteten Ehebruch finden. - Frau Latwrenee ließ sich dies mtürlich nicht zweimal sagen. Als sie zur angegebenen Zeit ins Hotel kam» traf sie ihren Gatten in Gesellschaft einer schönen Frau, mit der er gerade bei einem üppigen Souper saß. Frau Lawrence sagte nichts, sondern eilte zum Telephon und erbat Pollzeiliche Assistenz für eine gerichtsordnungsmäßige Feststellung des Ehebruches. Polizisten erschienen und zwangen Herrn Lawrenee und seine Begleiterin, das Souper sofort zu -beenden und zum Polizeirichter zu kommen. Im Amt hatte man ein Einsehen und erklärte sich bereit, oas Paar gegen eine Kaution von tausend Dollar aus freien Fuß M fetzen. Herr Lawrenee erlegte den Betrag und wandte sich mit seiner Dame zum Gehen, doch da trat ihm ein Polizist in den Weg und && deutete ihm. er möge sich noch em wenig gedulden, denn es müßte noch eine Formalität erfiillt werden; bevor sie dys Amt verließen, müßten sie etwas Blut opfern, damit map e§ untersuchen könnte. In Chicago besteht nämlich ein Gemeindegesetz, nach dem von allen Personen, die unter irgend einer Anschuldigung vor dem „Sittengerichichof" erscheinen, eine Blutprobe genommen werden muß. Herr Lawrenee und seine „Mitangeklagte" widersetzten sich zunächst her Prozedur, aber -da der Richter sie aufmerksam machte, daß sie aus Grund des Gesetzes sonst dryjtzig Tage in Quarantäne, hleiben Mißten, gaben sie nach, und ließen sich ein paar Tropfen Blut die grandiose Wirkung dl? U» Ml - . * Wj r Jeder Gesunde und jeder Kranke wird es Ihnen b es tätigen, dass die denkbar beste Wirkung durch DIANA Franzbranntwein mit Mentltol erzielt wird Üeher all erhältlich Dtanß-Franzbrtmtitueln - Produktion - @es. WIEN. II. MAQ. VIII. Engerthstrasse 169 Lieben, Drahbbeljova 1073 AMI M Julias'. Bon Opatosch«. In der Karwoche kamen die Bergbanern in die Stadt. UnauMMch rollten die klsinen, hohen Mgelchen talwäLts. durchschmttm die Naüen Tatrawände und schimmerten weiß im Sonnenlicht. Die Bevgbauern in ihren hohen Wieseln und langen, blauen Rockest schritten mit Weibern und Kindern fürbaß; ihre Knotenstöcke hallten aus dem Gsstem der Pfade. ,Heut' vor einem Jahr, Kinder," begann ein alter, bärtiger Bauer, ,Hütte der Oesterreicher die Prozession nicht erlaubt." ,HSorigvs Jahr Wen wir doch den ,-Judas" auch i« Fluß geworfen!" : .. . ,Mer insgchchm!" Die Berglpfade, Vre zur Stadt führten, . ringelten und wanden sich niederwärts, und aus dem Dal, in dem die Stadt lag, kam .ihnen die alte, Mitüvmige Kirche immer näher. Die Sonne stieg höher; die Berge warlfen das Licht zu^ rück. GebMmte, farbige Haarbänder, bunte Tücher schimmerten dm jungen, sonnigen Frühlingsmorgen. In der Kleinstadt gch es schon Gedränge und' Getrielbe. Ganze Dörfer, Bauern und Bäuermnen, standen auf dem Marktplatz und an den Straßenecken. Die KirchMgl-ocken schwangen leise; alt und jung schwieg, Knieten nieder und Mugen das Kreuz. JrgaMvo tönte trauriger Gesang von Frauenstimmen. Reue fielen em, und je stärker der Glocken- Kang wurde, der die Luft erschütterte und wie ferner'Donner M den Bergen roMe» desto wauriger stieg der Gesang Über die zerrauften BaueMöPse in Pie Höhe. . Mütter, Großväter hielten Kinder und Enkel ans den Armen und erwarteten ungeduldig den Beginn der Prozession. Ein mißgestalteter Greis, der wie eine mit Schmmirl überzogene Pagode ausisah, stand in einem Kreis von Bauern und erzählte von einem „Judas", der einmal mitten aus der Prozession gchpmmgM und, aus einem Besen reiterw, verschwvnden war: Me alte Migotzka, die Heze. die im Moor wohnte, hatte damals ihre Hand im Spiel, und im Zorn packte das Volk die Hexe, legte aus dem Marktplatz Feuer an und s.ch zu, wie die Verfluchte briet." Die Bauern rinMm beleckten sich die .Münder, bedauerten, daß sie Nicht >in jener alten, guten Zeit gelebt hatten, Md entdeckten mit einem Male, daß die Prozession bereits begonnen hatte. , Zwei Bauern erößfneten den Zug; sie trugen eine aus- Mstopfte Pupps vH einem roten, geringelten Bart aus Wrg, ein StreiMl aus dem Kops und einen Waskaftan um den 'Leilb. Eine Schildwache von jungen Burschen, die Mt Dreischflegeln bewaffnet waM, trennte Iwie eine Mauer die Puppe von der Menge, . Die MM rückte und schob langsam vorwärts; die Mgeduld erMchte und von Mn Seiten Men sich Stimmen hören: „Großvater, heb' mich Wer!" „Ich sche gar nichts." Mo ist der „Judas"?/' - „He, Leute, dreht den Gottseibeiuns Mvh dem Gchcht den Kindern zu!" „Aber er hat ja zwei Gesichter^" tönte eine WMe «üt Wlichenr Lachen. „Daß ihr euch nicht verschaut, Weiber!" „Die SM hat sich yMM Wh einen kleines Teufel mit Hörnern zur Welt gebracht!" Eine alte Bäuerin WreuMe sich unaMMK „Ich beschwöre dich, «Juhqs" mit des Herrn IM fünf Wunden, mit'den drei Nägeln, die seine Hände Md FM durchbohrt haben, nimm' nicht fort mit deinem Tod die Milch der. Kühe, die Ernte des Feldes, uiwm fort mit deinem Tod alle Plage, FW Wh, PerwünsGrU daß dev MG nicht mchr leihe. - - : _ . ., Die Luft .er-Mte'ungeheures Getöse. Das drang von> MN, Enden -S.tM, siel M schwitzten MM und llag in den Ohren wjie MSL -wauctJ.JW iMJunmrja B8/C