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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-24 · Heft 2367 (24.9.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2367 (24.9.1925)
Date
1925-09-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gelle % Wien, Donnerstag Wiener Moraenzetturig vichgegrisfen wurde, der den Austrag Hane, dem Sultan von M a r o k k o Friedensvor sch läge zu überbringen. Lar Haus der Mtterlmnder. Genf, 23. September. (Tel.-KomP.) Die Vierte Ko>n- 'Missioer des Volke rbllndes beschloß heute nachmittags, für den Ban eines neuen Versammlungsgeibäud e s in unmittelbarer Nähe des Generaklsekretariats des Völkerbundes einen Kredit von 8 Millionen, für die Ertverbung des Grundes 2 Millionen und für ein 0 elf re* tariatsgebäude 1,7 Millionen Schweizer Franken zu bewilligen. Das gegenwärtige Sekretaviatsgebäude, ^das frühere Hotel N a t i o n a l, soll bei günstiger Gelegenheit verkauft werden. Das Hotel National wurde seinerzeit um den Preis von 5 Millionen Franlken vom Völkerbund erworben. Die Presse im Dienste des Mbvüi'tungsgedankens. Genf, 23. September. (Schweiz. Tep.-Agentur.) Die Sechste Konumssiou hat eine Resolution angenommen, in der feftgestellt wird, daß die Presse das ficherfte Mittel sei, um die öffentliche Meinung im Sinne der moralischen Abrüstung zu orientieren. Ter Rat ^werde deshalb eingsladen, zu prüfen, ob es angebracht sei, ein Expertenkomitee einzu-berufen, das die Presse der verschiedenen Kontinente vertreten würde. Dieses Komitee hätte die Anfgäbe, im Interesse der Organisation des Friedens die Frage einer leichteren und weniger kostspieligen UÄtermittlung dev Presseuachrichten sowie alle Beruitssrageu in den- Kreis seiner Erwägungen zu ziehen. ,_ laWotti in Amerika. New-Zork, 23. September. (Havas.) Die französksche Abordnung für die Schulden Verhandlungen unter Führung C a i l l a u x' ist heute hier eingetvofsen. Für morgen ist eine Unterredung zwischen Finanz minister Caililaux und Schatzsekretär Mellon in Washington festgesetzt. Sie Wanderung. Die amerikanische Quote für 1924-25 nicht voll ausgerrützt. Nach Len bisher bekannt-gewordenen Daten 'des Einwanderungsdepartements der Vereinigten Staaten find die Einwanderungsquoten in dem mit Juni zu Ende gegangenen Rechnungsjahr vielfach nicht voll ausgenützt worden. So fehlten bei Oe.st.erreich 22» bei Deutschland zirka 700, bei der Tschechoslowakei 70, bei F r a n k r e i ch 200 auf die gestattete Zähl. Sogar Italien hat trotz der sehr großen Verminderung der Quote um 360 Personen wenigeren die Vereinigten Staaten entsendet, als ihm zugekommen war. Maßgeünd für diese Erscheinung dürften in erster Linie die großen Schlvierigkeiten bei der Erteilung der Bisa seitens der amerikanischen Konsulate sein. Warnung vor der Einwanderung nach Mexiko. Ing. Charles Mittig, ein Oesterreicher, der feit 19 Jahren in Mexiko Mt und dort Staatsbanken leitet, hat bei seinem kurzen Aufenthalt in Men den Vertretern der Presse AuNünste über die LebenÄwrhältnisse in Mexiko gegeben. Verdienstmöglichkeiten sind in Mexiko wohl gegeben, doch ist es für den Mitteleuropäer sehr schwer, sich zu a-Niimatisieren. Dom einzelnen ist es fast unmöglich, den Widrigkeiten des Landes und Klimas zu trotzen. Es ist daher ratsam, nur in größeren Kolonien auszuwandern. Das mexikanische Konsulat in Men plant eine große Aktion, durch die 25.000 österreichische Land at beiter nach Mexiko gebracht werden sollen. Ing. Mttög gab feinen schweren Bedenken gegen einer: solchen Plan AuÄrruck. Wer nicht wiMch zu harter Landarbeit in schlechten klimatischen Verhältnissen fähig ist und über das nötige Kapital verfügt, um eine gewisse Zeit durchzuhalten, möge das Experiment lieber bleiben lassen. Der Beöba-nd deutscher Reichsangehöriger in Mexiko gibt zu gleicher Zeit dieselben Bedenken kund und teilt mit, daß die mexikanischen Behörden künftighin eine scharfe Kontrolle auf die Tauglichkeit und Kapitalskrastigkeit der Siedler vor Bewilligung der Einreise durchführ-n werden. Ae Bluttat in FSnfham. Me berichtet, hat Dienstag mittags die 30jährige Emilie Deutsch, die bei dem 44jährigen Hilfsarbeiter Rudolf Babak in Untermiete wohnte, den Mann im Verlaufe eines Streites durch Hiebe mit einer Hacke lebensgefährlich verletzt. Die Täterin wurde gestern nach Abschluß der Erhebungen dem Landesgericht ei »geliefert. Babak wurde WwuMos in das GlisabeMpttal transportiert. ' Gestern um 11 Uhr nachts war im E1ifabet>hf P i t a l über den Zustand Babaks . nichts zu erfahren. Es ist geradezu grotesk, daß das ElisäbetWtal auch dem Polizei-kommissariat Schmelz, in dessen Rayon sich der Fall ereignete, jede Auskunft über den Schwerverletzten verweige r t e. Mdor Körner gestorben. Am Dienstag den 22. d'. verschied in Nenjjtschc-ln Herr Isidor Körner, Präsident der israelitischen Kultnsgeimindc, Präsident des MÄvaltungsrcütes der Ersten Kömor Holzilndusirie--A.-G. Prag chw. ustv. Der Verblichene hat durch rastlose, unermüdliche Arbeit und Energie das von ihm vor Jahrzehnten ins Leben gerufene Unternehmen zu feiner heutigen Größe geführt. Durch sture stets bewährte Ehrenhaftigkeit und vornehme Gesinnung hat er sich das Vertrauen und die Wertschätzung der weitsten Kreise erwovben. Biele, denen er in ihrer Not beigestanden, verlieren in ihm einen laisinnigen Wohltäter und die sozialen Institutionen einen stets opferfreudigen Förderer. Groß und schwer ist der Verlust dieses Mannes für die Judenschaft Mährens, namentlich für uns Zionisten. Er war ein aufrechter, begeisterter Jude und stand feit Beginnder zionistischen Bewegung in ihren Reihen. Stets arbeits« und opferfreudig für jede jüdische und zionistische Angelegenheit, hat er bis zur letzten Stunde als Mitglied des Zionistischen Zentralkomitees für die tschechoslowakische Republik an allen Arbeiten regsten Anteil genommen. Körners Meiden hinterläßt für das mährische Judentum eine unansfüllbare Lücke. Phonogrammpropaganda des Keren Kajemeth. Anläßlich des Kongresses ist es dem Keren Kajjemeth gelungen, eine Reihe ifühvender Zionisten dazu zu gewinnen, Propaga-ndaredein für den Keren Kajemeth 'l'Isroel in den Phonographen zu sprechen. Das fo geschaffene Phonogramm-Repertoire des Keren Kaajemech l'Israel enthält vorläufig folgende Redner: Nahum Sokolow (hetbräffch), 'Wladimir Iabotinsky (hebräisch, russisch, ttälienisch), Oberralbblner Professor Dr. C h a j e s (hebräisch und deutsch), Dr. Artur Ruppin (deutsch), Morris Rothemberg (englisch), Ralbbi Meir Berlin (hebräisch und jiddisch), A. Harzfeld shebräisch), Bert Locker (jiddisch), S. Riubaschow (jiddisch), Anitta Mül'ler-Cvhen (deutisch). Die Platten werden binnen kurzem zur Verfügung stehen. Eine Propagandatournee Ussischkins. Me wir erfahren, tritt Herr M. M. Usfifchkin äm 12. Oktober neuerlich eine PropaMndatomnve zu gunsten des Keren Kajemeth an. Voraussichtlich wird er folgende Lander Europas ^besuchen: EnAand, Holland, Belgien, Frankreich, Schweiz, Italien, Ungarn, Jugoslawien, Rumänien. ' ' . . Mische Helden der Wicht. Auszeichnungen für Polizisten in Tel-Awiw. In der jüdischen Stadt Tel-Awiw fand dieser Tage eine hübsche, interessante Feier statt. Bürgermeister Disengofs nahm in Anwesenheit der Vertreter der Regierung und des gesamten Stadtrates die Verteilung von Prämien und Auszeichnungen an eine Anzahl Polizisten, die bei dem Einsturz'eines im Bau begriffenen Hauses in Tet-Awiw und bald darauf bei einem großenBrand in Jaffa mit nnöstergültiger Aufopferung chre Pflicht getan hatten, vor. Die Feier wurde mit dem Vortrag der Wräischen Hymne durch die Musikkapelle der Polizei eingeleitet. Bürgermeister Disengofs wies in seiner Rede auf den wahren Heldenmut der jüdischen Polizisten hin, die den öffentlichen und privaten Besitz, aber auch die Ehre der ersten und einigen jüdischen Stadt schützen. Es wurden verschiedene Preise verteilt, darunter Diplome des Keren Kajemeth über Baumchlanznngen im Herzt-W al d auf den Namen der Ausgezeichneten. Ausgezeichnet wurden die Offiziere Alpern und Gefen, ferner die Polizisten I. Kraßner, Rabiinowitz, Lev in, Schaichche Ekijahn, Spektor, Schermeister, Li^ chowitzki, Krotkow, Rota und I. Trachtenberg. Btt Mord lm Karmelkterkloster. Eine Lemderger Sensationsaffäre. Ans Lemberg wird gemeldet: Die Blätter bringen nähere Einzelheiten über die furchtbare Mordtat im Lemb-ergor Kanneliterrkloster. Pater Adam, der Mörder, stellte sich Montag früh «selbst der Polizei. Er gab bei der Einvernahme an, schon seit längerer Zeit die Absicht gehabt zu haben, irgend einen Menschen zu töten, um sich für die Spötteleien zu rächen, denen er seitens seiner Umgebung ausgesetzt war. Die Mordtat habe er aus die Weise verübt/ daß er sich in die Zelle des als Gast im Kloster weilenden Pater Jdez schlich rmd dort versteckte. Als dann Pater Jdez am Abend in der Zelle erschien, um sich zur Ruhe zu begeben, habe er mit einer Ax t^ m e h re r e Hiebe gegen seinen Kaps gojührt. Nach idem ersten Hik'be habe Pater. Jdez durch Bochalten der Hände versucht, dile weiteren Schloss^ äbzuwchren. Hierbei habe er seinem Opfer einige Finger abgehauen. Als Pater Jdez zusammengebrochen war, habe er mit der Axt noch so lange auf chn eingeschliagen, bis er kein Lebenszeichen mehr von sich gäb. Nach der Lat habe er sich in die Zelle des Priors geschlichen, den er gleichfalls töten wollte. Der Prior sei aber erwacht und habe gerufen: ,Mer ist da?" worauf er sich aus der Zelle des Priors entifernt und sich in seine Zellr zurückgezogen habe, wo er sich schlafen lGe. Um 5 Uhr früh habe er sich dann selhst auf die Poilizei begeben, um von seiner Tat Anzeige zu erstatten. 24. Seplember 1926 Nr. 2307 Im woitercir Verhör gab der Mövder an, er habe sich noch als Student mit Lues infiziert und sei seither nicht geheilt tvorden. Er habe an heftigen Kopfschrnerzengelitten und oft kam es vor, daß er während seiner Tätigkeilt als Vikar in Przemysl die Predigt abbrechen mußte, da er nicht weitersprechen konnte. Ans dieseni Gnmde sei er oft verspottet worden, was ihn in eine nugcheuve Newositrft peilehte. Me Freude. Von Anion Tschechow. Es war zwölf Uhr nachts. Mttja Kuldarow kam erregt, mit zerzaustem Haar to die Wohnung seiner Eltern gestürzt und ging schnell durch alle Zimmer. Die Eltern ivaren gerade in Begriff, sich zur Ruhe zu begeben. Die Schwester lag im Bett und las die letzte Seite ihres Romans. Die Brüder, Gymnasiasten, schliefen bereits. „Wo konnnst du her?" staunten die Eltern. „Was ist los?" „Ach, fragt nicht'. Das habe ich nicht erwarten können! Nein, das habe ich keineswegs erwartet! Das... das ist sogar ganz unglaublich!" Mitja sing an zu lachen und ließ sich aus einen Lehnsessel nieder, weil er vor lauter Glück nicht mehr iurstande war, sich auf den Beinen zu halten. „Das ist unglaublich! Ihr könnt euch das gar nicht vorstellen! Seht doch nur!" Die Schwester sprang aus dem Bett, hüllte sich in ihre Bettdecke und trat zu dem Bruder. Die - Gymnasiasten erwachten. „Was ist dir? Du siehst aus wie der Tod!" „Das macht die Freude, Mamachen! Jetzt kennt mich ja ganz Rußland! Ganz Rußland! Früher habt nur ihr gewußt, daß ein Kollegienregistrator Dmitrij Kuldarow auf der Welt existtert, und jetzt weiß es ganz Rußland! Mamachen! Oh, Gott!" Mitja sprang auf, rannte durch alle Zimmer und setzte sich wieder. „Ja, was ist denn geschehen? Sprich doch vernünftig!" „Ihr lebt wie die wilden Tiere, lest keine Zeitungen, schenkt der Oeffentlichkcit keine Beachtung, und dabei steht in den Zeitungen so viel Bemerkenswertes! Wenn sich etwas ereignet, wird es sofort bekannt, nichts bleibt verborgen! Wie glücklich ich bin! Oh, mein Gott! Marx schreibt doch nur Von berühmten Menschen in den Zeitungen, und nun hat man mit einemmal über mich geschrieben!" „Was.du sagst! Wo denn?" Der Vater erblaßte. Die Mutter blickte auf das Heiligenbild und bekrmzte sich. Die Gymnasiasten sprangen auf und liefen, so wie sie waren, in ihren kurzen Nachthemden, auf Yen Bruder zu. „Jawohl! Ich stehe in der Zeitungl Jetzt kennt.mich ganz-Mußland! Mamachen, heben Sie diese Zeitungsnumuter zum Andenken auf. Wir werden sie manchmal lesen. Seht her!" Mitja zog eine Zeitung ans der Lasche, reichte ste dLM Vater und zeigte mit dem Finger ans eine mit blauem Bleistift uimtandete Stellet „Lüsen Sie!" . Der Vater fetzte die Brille auf. „So lesen Sie doch." Die-Mutter blickte wiedevum,anfvdaK ^HMgenbild nnd bekreuzte fich. Der Vater räufpevte sich Nnd ilä8: „Am 29. September um Hl Uhr-nachts jjjf tyg Kollegienregifttator Dmitrij Küldaww .,."; \v:-4 ,-Scht ihr, fcht Hr?.^ Wetter!" ' ‘ „. . . der Kollegieirregiftrator Dimttvft Mdcwoiw^ Mtz der Bierftube im Haufe Koffichin anjf der 'Witten Bwnncha kommend, im tvU'Nkemn Zustande,» „Das war ich mit Sem»jon Pßtrowi-tfch »., Ms ist bis in die kleinsten Einzelheiten' befchrielbenl FähilÄt Sie fort! Weiter! Hört zu!" „ ... in trunkenem Zustande ^nsgeMten und unter das Pferd der hier haltenden Dvofchke deS Bäuievw Ovän Dwtow aus dem Dorfe Durykino im Jn'chnowschen Kreise geraten. Das evschrockMe^ Pferd fchritt über Ku-ldavow' hinweg, Meiste den Schlitten mit dem darin sitzenden KaHmcmn Miter Gilde Stepan LuKow Ibev ihn, jagte die Straße entllang und wurde von ein Paar Hausknechten aiufgchMen. Knldavow, der fich anfangs m bewuMossm Zuftcnch befand, wurde nach der Polizeiwache geibracht und ärztlich untersucht, Der Schlag, den er ach Iden Hm-teMoPs echatten hatte . tßa habe ich mich an die DeichfG mrgehaUen, Papachm. Weiter! Lesen Sie weiter!" „ .. * den er ach den Hinterkopf echatten hatte, wurde alls Verletzuulg leichten Grades - feftgeftellt, Der Verfall wurde zu Protokoll genomMn. Dem Betroffenen wurde ärztliche Hilfe guteil.. „Man empfahl mir >UmWl!äge vvir kaltM Wasser ach den Hint-evkops zu machen. Habt ihr es jetzt gellefen? Wie? Da seht ihr wohl! Jetzt geht das durch ganz Rußland! Gebt her!" Wtja ergriff die Zeitung, Legte sie KchamWn und steckte sie in die Lasche. „Jetzt Lautf-e ich zu Makarows, ich will ihchn zeigen ,,. Auch Jwan'Ms muß ich es zeigm, und NataLja Iwanowna, und Anisim Wassiljewitfch... Ich Lache fchnell hin! Lebt wohl!" Mitja setzte seine Mütze mit der Kokarde aus und lies triumphierend und voller Freude von dannen. - (UebertMen von Marie St'elszig.) ‘ 8866

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