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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-21 · Heft 2364 (21.9.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2364 (21.9.1925)
Date
1925-09-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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. M. m ■—m i «— i nrnrnm.'^tmi . .1___ gesprochen, so daß es jetzt <m Estland acht jüdische Gemeinden mit 6000 Seeten gioi. _, Dorpat, Perncm, WM, Narwa, Berro, Fellin und Wesenlberg. Gleich nach der Revolution begann die Aus banarbeit des esMndifchen Judentums. W wurde nach Reval eim «Konferenz aller jüdischen Ge^ meinden embemchn^ d!e einen jüdischen Nationalrat wählte. Der Nationalrat lbekcvmi den Auftrag, die «KorMtniernnig demokratifcher jüdischer Gemeinden ins WeNk zu setzen, ein Unternchmen, das mit herv«rrotzender Unterstützung des Rabbiners Dr. Eisenstadt und des «berichmten vussisch-jjüdischen Rechtsvertreters «ach den; Hmnelsr Pogrom S. Palmanowitsch restlos durchgefüh-vt wurde. Die Konstitu-iernng der jüdisch>en Gemeinden hat erst ein jüdisches Leben in Estland ermöglicht. Die Gemein* den sind gut sundievt und die Simereingänge vollziehen stch Naglos nnd voNtünditz, «wie wohl in seinen jüdischen GvmeirÄen der Wm. Reval hat 360 Ar MV .jüdische Familien. Das Budget feiner Gemeinde beträgt iftoft 2000 Pfund im «Fahr. Im letzten Jahve wurde sin jüdisches Gymnasium mit einem Kchenanffvand von 80.000 bis 90.000 Dollar errichtet. Das «Gymnasium ist bereits im Lehrbetrieb und wird von 30 0 Schülern besucht. Die Unterrichtssprache ist russisch, wiewohl von seiten der Staatsbehörden kein Zwang in >der Festsetzung der Unterrichtssprache ausgeüibt «wich. Die ruiffische Unterrichtssprache des jüdischen Gymnasiums hat heft'ge Diskussionen innerhalb der Juidenfchaft hervorgerusen, -a« noch nicht beigelegt sind. Das Hebräische wird in genügendem Ausmaß gelehrt, ebenso die übrigen jüdischen Lehrgegenstände. D'e Errichtung des Schulgebäudes hat die jüdische Gemeinde in Reval finanziell stark belastet, doch wird alles getan, um das Gymnasium ans «ne gesunde finanzielle Basis zu stellen. Da eröffnen sich durch die im letzten Jahre von Estland — als e'itzigen Staat der Welt — den nationalen Minoritäten erteilten kulturellen Autonomie, ^wodurch das jüdische Schulwesen staatlich subventioniert werden wird, günstige PerspÄt'ven. Die «Autonomie wird auch sonst für den Aufbau des jüdischen Lebens in Estland von großer Bedeutung werden. Das Verhältnis der nichtjüdischen Bevölkerung zu den Juden kann als gut bezeichnet werden, Einschränkungen oder Begrenzungen für Juden gibt er nicht. Aus der Dorpater Universität bilden die Juden ein Drittel der Studentenschaft. Im Parlament sind die Juden wegen der geringen Anzahl nicht vertreten, hingegen in den Stadträten. Im Wirtschaftsleben kommen die Inden stark zur Geltung. So werden die beiden für Estland ungemein wicht'gen Tuch- und Baumwollwareufabriken von einem Juden geleitet (Direktor Zitron). Trotzdem das estländische Judentum in den letzten Jahren feine ganze Kraft deim Aufbau seines Lebens widmen mußte, hat es durchaus nicht seine Verpflichtung gegenüber Palästina vernachlässigt. In den Nachkriegsjahren ist für die zionistischen Fonds sehr viel geleistet worden. In den Jahren 1919 bis 1921 wurden 1000 Pfund abgesandt, 1923 allein 1000 Pfund, 1926 bereits für den Keren Hajessod 1600 Pfund — darunter 300 Pfund des bekannten jüdischen Philanthropen Direktor Zitron, der außerdem 160 ArbeiterbankcMen kaufte —, außerdem ansehnliche Summenfür den Natio- -nalfonds und die anderen zionistischen Zwecke. Es existiert eine gut organisierte Zionistische Organisation in Lettland, die jährlich eine Konferenz abhält. Das aus fünf Mitgliedern beistehende Zentralkomitee hat feinen Sitz in Reval. Außerdem gibt es in jeder jüdischen «Gemeinde einen zionistischen Verein, in D o r pa t «ne ChaIuzo rganisat io n. Die Neuwahlen in Australien. London, 21. September. In Australien rechnet man Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" mit einem Sieg der Arbeiterpartei bei den Neuwahlen. DaS bisherige Parlament 'bestand aus. 31 Nationalisten, 29 Arbeiterparteilern, 14 Agrariern und einem UnaWngigen, so daß ein Gewinn von neun Sitzen den Arbeitern die absolute Mehrheit bringen würde. Ueberfiihrung der Sebeiur Makmonider' nach Kordovar Die „Wiener Morgenz-eitung" berichtete «bereits über «die Aktion des Prälsidenten der Madrider JuKengemeinbe, 'des Bankiers Dr. Bauer, wegen Restaurierung des Grabes des sipanisch-jüdischen Philosophen Moses den Maimnn. Der Zivilgouivernour von Cordoba, der Geburtsstadt Mainto« nides', an den sich Dr. Bauer gleichfalls gewandt hat, antwortete mit folgenden; Schreiben: „Mein ausgezeichneter Freund! Ich erhielt in meiner Eigenschaft als Zivilgonverneur dieser edlen Stadt Ihren Brief, in welchem Sie mir von der Grabstätte des berühmten Sohnes von Cordoba, Rabbi Mosche >ben Maimun, Mitteilung machen. . ,; _ .; Jen Na inen aller Intellektuellen dieser Provinz danke ich Ihnen für Ihr. geschätztes Schreiben und für Ihre Initiative, mit welcher Sie Ihre Liebe für Spanien bekunden und einen Beweis Ihrer Kultur liefern. Ihr Brief drückt den Wunsch ans, daß die Grabstätte eines so großen Philosophen und hervorragenden Gestalt in der Geschichte der s'panWen Philosophie, eines Mannes, der mit Seneca,'Aderroes Wiener Mornenzeltunft §1, Seplember IW €fefle 8 und Osio zusammen den ZlMus .fpanlscher Zivilisation bildet, die ihre Wiege in dieser Stadt hatl-e, der Vergessenheit entrissen werde. Wir sind entlschlossen, diesen.vier Heroen der Philosophie an einer zentral gelegenen, weichin sichtbaren Stelle ein Denkmal zu errichten. Obgleich di elfer Gedanke wicht unmittelbar ansgÄführt werden kann, so bin ich doch überzeugt, daß diese Idee sehr bald in den Herzen aller unter uns Wuyzel fassen wirb. Jnzwischen habe ich Ihre Anregung.bezüBch der Grabstätte des Maimonides «der königlichen Madötnie der Wissenschaften, Literatur und schönen Künste in Cordova im Wege ihres Präsidenten, Senor Enriques Barrios, >bekannt!gelgsben, und diese Körperschaft wird an den Stadt rat und an alle Kultur- und Griziehunigstzentren sowie an die gesamte Presse die Einladung zur Unterstützung der von Ihnen in Angriff >gonom>menon Mtion ergchen lassen. Aber wir streb«; noch viel mehr an. Wir, die in dieser Stadt Cordova, der wir alle unsere Gedanken widmen, geboren wurden, schlagen vor, und bringen den Wunsch zum Ausdruck, jetzt, nachdem wir dank Ihrer lobenswerten Initiative die Ruhestätte Maimonides' entdeckt halben, die sterblichen Reste Maimonides' in unsere Stadt zu bringen. Anstatt der einfachM Restauration der Grabstätte wollen wir die Gebeine Maimonides' in einem Grab zur ewigen Ruhe bestatten, welches hier in der malten Synagoge, die durch ein köniKicher Dekret dom 34. Jänner 1886 als nationales, der Konservierung würdiges Denkmal «Märt wurde, errichtet werden soll, wennMch zugegeben werden soll, daß die alten Tempel von Toled o, deren Restaurierung jetzt Gegenstand des Studiums bildet, eine noch größer« historische Bedeutung haben. , DaS würde meiner Ansicht nach den Wünschen uüd Empfindungen der Intelligenz von Cordova am besten entsprechen. An der Verwirklichung dieses Planes müssen wir alle nvitarbeiten. Ihr ergebener Luis Maria Cabello Lapiedra, Zivilgouverneur von Cordova." Hiezu bemerkt der spaniolisch« PMW Jose M. Estrugv: Nach der VertrMmg der Juden im Jahve 1408 wurden sämtliche Synagogen in Spanien in Kirchen umgrwandelt. Durch ein königliches Dekret aus dem Jahve 1868 wurden diese ehemaligen Synagogen ihres katholisch-kirchlichM 'Charakters .entkleidet und als historische MtionaldeMMer IdeMariert. Ihre Völlige Restaurierung soll durchgeführt werden, ,-wenn die Söhne au5 'den EMn ihr altes Gemeinwesen wieder ausrichwn werden". Gstrugo erzählt, wie gerührt er bei dem Anblick alter spaniolischer RaWner in Marokko war, die vor der „Synagoge del Transit^', der vom Schatzmeister Don Pedros des Grausamen, Don Samuel L e v i, erbauten Synagoge, die nach der Vertreibung in die Kirche ,Mnta Maria la Bianca" umgewandellt /waUdM war, inbrünstige Gebete verrichteten. Eine Straße in der Men,/Juderia", dem Ghetto von Cordova, sühnt auch heute noch den Namen „Calle de Don Samuel Mi". * Künstliche Perlen ans Hevingsfchnppen, Me aus Reykjavik gemeldet wird, sind auf Island in diesem Sommer, und zwar von ei« paar Deutschen, Experimente mit einer neuen Mechode zm Herstellung Westlicher Perlen gemacht «worden. Man hatte Srglustord zum Operationsplatz gewählt, weil die Stadt eine der größten Heringsjsangstationen der Welt ist, und das Rchproldu'kt, das bei der neuen Mechode verwandt wird, die perAnnttepschimmerniden Schuppen des Herings find. Die Erfinder habm alle Schuppen aufgekauft, die «bekanntlich von «den Heringen, bevor diese sing:'atzen werden, abgeschM werden. Die Mechche selber wird gimgchalten, die Pevlenproben, die heHustellen bereits geglilcit ist, scheu echten Perlen so MherordenÄich ähnlich, daß sie sich kaum von ihnen unterscheiden lassen. * Ein elfjähriger Ehirmg. In der südsranMschen Ortschaft Florac Oozere) wurde der elfjährige Henri AguUon zum Lebensretter seiner SchwOer. Die Kinder tummelten sich im Freien herum. DaS Mädchen kletterte <r.uif eine alte Mauer Md wurde von eimr Viper in den Daumen geibrssen. Auf feine HAferuse eilte ihr Bruder herbei. Er nahm rasch entschlossen ein Schuhnestel und unterband damit den Finger. Dann machte er mit seinem Messer einige Einschnitts «drückte die Wurde gut auS und brachte das Kind nach Hache. Der herbeigernftne Arzt konstatierte, daß das rasch entschlossene Handeln dvs Knaben dem Mädchen das Leben gerettet habe. Oesterreich gegen Ungarn 1:1 (0:1). tzbrenvostes Abschueiden der österreichlscheu Mannschaft - Tore: Priboj nnd «grntor «ngaru». Der 66. Laüderkkampf zwischen Oesterreich und Ungam ist vorüber. Sein Verlaus war erfreulich. Das Ergebnis versöhnt und beftvedigt alle. Die Spannung, die seit der Verletzung Orths zwischen den beiden Fußballändern bestand, hat sich friedlich geW. Kein Miißton trübte das große Spiel. Das gewaltige ungarische FußballPublikum hat den schönsten Beweis seiner sportlichen Reise abgelegt. Das Endergebnis des Kampfes zweier Mannschasten, die beiderseits nicht das Beste davstellten, wurde nach interessantem, al-wechslungsreichen; und fairem Spiel erzielt. Der Mangel an Klasse in einzelnen Positionen wurde durch Begeisterung wettgemacht. Die temperamentvolle Anteilnahme des ungarischen Puiblikums erhöhte die Kampflust der magyarischen Elf, ohne aber für den Sieg genügen zu Wunen. * Das Spiel ging auf dem ausverkauften F. T. E.-Platz vor ungefähr 40.000 Zuschauern vor sich. Ein prachtvoller Gpätisommernach'mittag mit 'bereits ungÄvcchnter Hitze gab dem Kampfe seinen Glanz. Als die österreichische Mannschaft das Spielfeld betrat, wurde ihr lebhafter, demonstrativer Beifall zuteil, der auch speziell dem unermüdlichen und um die Austragung dicises Kampfes besonders verdienten österreichischen Buüdeskapitän Hugo Meisl galt. Dem verletzten Orth hatten die Oesterreicher schm vormittags einen Besuch abgcstattet, wobei ihm Meiisl das vom Oosterreichischen Verband gewidmete Ehrenzeichen Überreichte. Auch die Mitglieder der Amateure zeichneten Orth durch eine Ehreuwidmunlg aus. Die Mannschaften. Oesterreich: Edi Kannhäuser ESPortkl'üb) 1 RalNer Musil lWonna) Dimmeving) Kurz - Resch Ritsch ^Simmering) Wacker) (Rapid) Viertel Horvath Haftl Wieser Wessely (Simmering) (Simn:eving) (Wacker) (Amateure) (Rapid) Jenny Holzbauer Priboy Molnar Lettner (M.T.K.) (Steinanwnger) (U.T.E.) (M.T.K.) (U.T.E.) Pesovnik Buza Kleber (Universität) , (Ü. T. E.) (M. T. K.) Takacs HunglerL (F.T.C.) (F. T. C.) , Z'sak ' (Mr) Ungarn. Das Spiel. Nach der ^Begrüßung schritten Molnar. Niet sch Und der Schiedsrichter H e r i t e 8 zum Losen und Nietsch wählte Vas Feld mit der Sonne im Rücken. Ungarns Team in den ' charakteristischen Äen Jackett efcöpet tttti pchtzWütett''Angriff den Kampf. Molnar ist eS, der dm ersten Torschuß gegen Oesterreich anbrmgt, aiber gleich daraus fft Ungarn abermals vor dem Wiener Goal und Musil hat rettend smzugreifen. Ms österreichische Man-nschaft hat sich kaum recht gefaßt und selbst ihre Verteidigungsarbeit wird ein bischen kopflos rmd nervös verrichtet. Ir; der vierten Minute haben die Wiener nach einem Vorstoß PribojS die erste Ecke abzuwchren, die von Holzbar er knapp über das Tor geschossen wird. Die. Ungarn beherrschen — darüber können sich auch die anwesenden österreichischen Schlachtenbummler keiner Täuschung hingeben — vollkommen das Feld und erst in der siebenten Mnute kommt die erste halbwegs neMeMverte Mion der Wiener Stürmer zustande. Viertel und Horbach waren es, die den ersten Äorstvß gewagt hatten, aber Weber bot ihnen Einhalt und neue ungarische Angriffe sind die Folge. LaugscAN nur, ganz langsam entwickelt sich das Selbstbsw-rhtsein der Oesterreicher, entwickelt sich so etwas wie ein Znsammewspiel in der Stürmerkette der Gäste. Erst Mch Verlauf einer Viertelstunde können die Oesterreicher den ersten sichtbaren Erfolg in Form eines Korners verzeichnen. Einen Augenblick sicht es vor dem ungarischen Tor gefährlich cru8, Hwgler stopt den Ball direkt vor den Men Horvaths, der über diesen nnvechofstrn Glücksfall fo verblüfft ist, daß er das Leder verfehlt. Jetzt scheint schon etwas wehr Schwung in die Reihen der Oesterreicher zu kommen und insbesondere Wessely ist es, der durch blitzschnelle Flügelläufe den Angriff der Oeftsrreicher mit sich fortreißt. Wieser und Viertel geben Zsak die ersten schwierigen Aufgaben zu lösen, dann kann Hungler einen Freistoß der Wiener abfangen Md seinerseits einen uiMrischen Angriff einletten. Emen Vorleger Wiesers hatte Viertel übernommen, der den Ball an Haft! gab, beide standen unmittelbar vor dem ungarischen Tor, so daß der Treffer, den Hast! mit kurzem Schuß erzielte, leider nicht anerkannt werden konnte. Hemtes hatte schon vorher korrektevlveise „Mseits" gepfiffen. . Mt einer prachtvollen Ro'binsonade machte Zsak in der 24. Minute einen Freistoß der Oesterreicher unschädlich, aber daun kamen die Ungarn immer machtvoller auf, forcierten das Tempo, schlossen die österreichische- Deckung ein Md wunden Edi iimner nimngeuchmer. Glücklichertveise schien der Sporttlnb-Maun bestens disponiert. Mitunter waren seine Paraden riskant, aber sie Mcktei; ihm und das war die Hauptsache. In der 29. Mimte warf er sich der Kompagnie Holzbauer-Priboj entgegen und nahm letzterem den Ball vom Fuß ab. Dann verlegte ein Freistoß für Oesterreich das Spiel vor das ungarische Tor, wo Haftl scharf schoß, Zsak aber zur Stelle war. Zwar boxte er das Leder nur gairz ' kurz tüs Feld zurück, aber Kleiber rettete die Situation und

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