Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2363 (19.9.1925)
- Date
- 1925-09-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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» Nr. 2863 ' Wien, GaMag Wegen fett Rosch-Haschanah-Feiertage; erscheint die nach st e Nummer der „Wiener >Movgenzeitnng" erst Montag den 21. d., mittags, zur gewöhnlichen Stunde. Freie zionistische Bereinigung. (Sltic C^tfläritug ^atici)>räfibiumS. Das Präsidium des Zionfftstchen Landestornitees sm Oesterreich teilt mit: In einiger: Tagesblättern erschien gestern ein Arvs-! ms, in welchem zun: Beitritt zu einer „Freien zionistischen Vereinigung" aufgefordert wird. U:n jeder Irreführung vorzubeugen, stellen wir fest, daß dieser Aufruf, der ohne Wissen der Landesorganisatiou veröffentlicht wurde, vor: Personen gefertigt ist, die zunr größten Teil entweder feit Jahren der zionistischen Arbeit völlig ferne gestanden sind oder sich au ihr überhaupt niemals beteiligt haben, während die Inspiratoren der ganzen Mion von außen her die Einheit der Organisation zu stören Versucher:, da ihre dahin gerichteten Bemühungen, dies von innen her zu bewirken, gescheitert sind. Gerade die letzten von der Parteileitung einberufenen Konferenzen der Vertrauensleute al'ler zionistischen Gruppe n haben die vollständige Geschlossenheit der österreichischen Zionisten in ihrem Wille:: zur Erhaltung einer einheitlichen starken Organisation knndgetan. An diesen: einmütigen Bekenntnis rverden alle Versuche zur Störung der Einheit der Organisation scheitern. Die österreichischen Zionisten werden gewarnt, mit den Inspiratoren des Aufrufes, welche die Parteidiszipliu gröblich verletzt haben, in Verbindung z:: treten. Dr. Ehrlich m. P. Dir. E p l e r. m. \\ Dr. G o l d h a m m e r, m. P. Die „Wic::er wiorgenzeituug" hat 7 gestern den Ausruf, gegen welchen das Prästdiurn der österreichischen Ziomstenorganisatio:: hier Stellung nimmt, gebracht. Es wäre noch zu bemerken, daß zufolge eines Versehens ein Satz im Ausrufe weggesallen ist. Er lautet: Es bleibt ,das unantastbare Recht eines jeden einzelnen, seine Bürgerpflicht nach seiner persönlichen politischen Denkungsart zu erfüllen." — In der Sache selbst ist fostznstelleu, daß endlich Klärung geschaffen ist. Eine Gruppe von Parteiangchörigen, die schon seit längerer Zeit eine Tätigkeit entfaltet hat, die, wie aus der oben stehenden Erklärung der Parteileitung hervorgeht, durch Sabotage der Arbeit und gegen den Bestand der Partei gerichtete Tendenz charakterisiert ist, hat sich offen von der Organisation losgesagt. Die zionistische Oessentlichkeit weiß nun, wie sie mit diesen Herren daran ist. Die Kommentare, mit denen die außenstehende Presse diesen Vorgang begleitet, indem sie von einer Spaltung der Zionistischen Organisation, Fronde von prominenten Führern usw. spricht, sind offenbar inspiriert und falsch. * Die Zionistische Organisation ist streng demokratisch organisiert, und stünde — wie da und dort be- * hmchtet wird — ein beträchtlicher Teil derselben hinter den Inspiratoren des Abrufes, dann hätten diese wohl vermocht, innerhalb der Organisation ihren Willen durchzusetzer:, und hätten es nicht nötig gehabt, zu sezessionieren. Der Schritt, den sie unternommen haben, ist der beste Beweis dafür, daß sie nicht das Vertrauen der' Organisation erlangen können. Durch ihre Erklärung haben sich die Unterzeichner nicht nur außerhalb des Rahmens der österreichischen Organisation, sondern auch außerhalb des Rahmens der Zionistischen Weltorganisation gestellt. Die Weltorganisation besteht ausschließlich aus Landesorganisationen und vom Kongreß anerkannten Sondergruppen (Misrachi, Poale, Zion, Hitachduth); und jeder, der der Weltorganisation augehören will, muß in einem der genannten Verbände organisiert sein. Die neugegründete „Freie zionistische Vereinigung" entbehrt der Anerkennung, seitens der Weltorganisation. Wir heben das ausdrücklich hewor, wedl dies im Aufruf der ' „Freien Vereinigung" absolut nicht klar zum Ausdruck gebracht ist und die Oessentlichkeit vor jeder . Irreführung in dieser Richtung bewahrt werden muß. * Zionistisches LaMskonntee. Das Zionistische Äandesloitttiicc für Oesterreich teilt mit: Die Fovtsetzllttg der inforinraititocit Besprechung findet - M a n tag den 31. d. um 8 Uhr abends im JnMuienr- und ArchlteVteniveremsfa>crl, 1. Bez., Eschenlbachgasse 9 (Mchisoäl ■ 1 Stock) statt. Die emgeladenen Gäste worden ersucht, pünktlich und z:wers:chtlich zu erscheinen. * Vom Lkeren Kajemeth. Die Leerung aller Keren Kajent-ech-Büchseit findet in der Zeit vom 21. bis^ 29. Sep-- tencher statt.'Unsere'Vertrauensleute sind mit LogitimMonen des Keren Kajemech versehen und stelleil über den Vorgefundenen Betrag fortXau'fßwbe numerierte Qui-ttungen ans. Betvä>ge über 5 S. werde::. in der MontagsmAMer dvr „Wiener Morgenzeitung" uarneUtlich ansgewichen. Beträge über 10 S. werden überdies schriftlich bestätigt. Alle Büchseninhaber, deren Büchs-en Nor drei Monate nicht geleert wurden, werde:: ersucht, dies schriftlich oder telephonisch (77-4-86, 17-4-86) der österreichische:: Zentrale des Keren Kaijerneth l'Jsraol bekanntgöben zu wollen/ * Verein jüdisches Realghmnasinn:, Wien, 2. Beiz., Castellezgasse 33.. Etwaige Tonlpolspenden anlWich der hohen Feiertage wollen den: Verein direkt übermittelt werden. (Postspärtassenloutv Nr. 193.967.) Wiener Morgerrzertung % * Kochet Backet Bratet nur mit deni altbekannte,: KUNEROL Kunerol ist 100% reines Fett aus Kokosnüssen und wird unter streng ritueller Aufsicht Sr. Ehrwerden des Herrn OberrabbinersS. B. Ehrenfeld, Mattersburg, hergestellt Es sollte in keinem Haushalte fehlenl KUNEROLWERKE A.-G., WIEN Sie Ausgaben des Ker n KMuelh. Von Adolf Böhm. Die Aufgabe der Zionistische:: Organisation ist es, das. Interesse der Gemeinschaft, d. i. des jüdischen Voltes, 'beim Ansban Palästinas zu wahren. Lange bevor Doch eine konkrete Vorstellung über die Art und Weife, wie diese Ausgabe im einzelnen erfüllt werden soll, vorhanden war, ist vor nahezu einem Bierteljahrhundert als erstes Instrument der» zionistischen Eintvistknng aus die Gestaltung des jüdischen Palästinas, der Keren Kajemeth l'iFsrael (Jüdischer National'fonds), geschaffen worden. Dies ist kein Zufall. Der Zionismus war vom Anfang an der Ruf nach Land in: politischen wie im konkreten Sinne. Ja, noch vor dem politischen chatte man den konkreten Sinn erfaßt: die Vorläufer des politischen Zionismus, die Ehotvewe-Zionisten kauften schon 15 Jahre vor dem ersten Kongreß Boden in Palästina, um darauf Inden anzulsiedeln. Mt diesem Drang nach Genoth Haarez, Erlösung des Bodens, verband sich bald die Idee, daß nur die Gemeinschaft ihn erwerben dürfe, um all die «Schäden des privaten Bodenbesitzes in Palästum zu vermeiden, tvas ein ebenso urjüdischer wie modern sozialpolitischer Gedanke - tvar. Schon in der Bibel heißt es, daß das Land Gottes ist, „ihr seid nur meine Hintersassen", .und allgemein bekannt ist die Einrichtung des iJv'beHahres, in dem aller Grundbesitz wieder an den ursprünglichen Eigner zurücksällen sollte. .... -_____...._ - ■ ■ - Was rmm auch immer spricht und schreidt, zigaretten-pspisr „OLLESOIAU1* bleibt <Äls die Zionistische Organisation im Jahre 1966 in Palästina ,zu konsolidieren anfing und die ersten Grundsteine für die heutige Aufbauarbeit legte, da war der Keren Kajemeth l'Jsrael ihr einziges Instrument dazu, der desihalb die Kolonisation zur Gänze — nicht nur den Wodenkaus — finanzieren mußte. Wenn wir heute auf Kiefer Grundlage weiterbaüen, so müssen wir dieser Tatsache eipgederÄ Ueiben. Nach km Kriege ertvuchsen dem Keren Kajemech l'Jsrael gewaltige ökonomische Aufgaben. Die eigentümliche Lage, in der wir uns 'befinden, gestattet es der Zionistischen Organisation nicht, politische und ökonomische Aufgaben von einander zu trennen. Infolgedessen war es dem Keren Kajemeth-l'Jsrael nicht möglich, -auf Grund eines. im vorhinein festgesetzten Programmes seine Ziele mit Bedachtsamkeit zu verfolgen, er wurde von lden politischen Notwendigkeiten gedrängt und mußte zugreifen, wo sich ein Erfordernis ergab. Seine erste große Tat nach dem Kriege war es, im Jahre 1921 ins Tal Jesreel (Emek) einzudringen und die großen Flächen von Nuvis und Nahalal zu kaufen. Es sind von de Lieme, damals Vorsitzenden des Direktoriums, Bedenken gegen den Kauf aus ökonomischen Gründen (die Preise seien zu teuer und werden sich senken) erhoben und es ist ferner von chm stark betont worden, 'daß der Keren Kajemeth l'Jsrael sich vor allem, große Mächen billigen Geländes in der Nähe von ^Städten sichern sollte. Aber der Keren Kajemech l'Jsrael mußte zuerst die Grundlage für eine geschlossene mtionale Siedlung größeren Uwfanges legen, sein Besitz an ländlichen Boden war bis dahin nur 1666 Hektar. Immerhin, ivas damals de Lieme verlangte, war ebenfalls eine der wichtigsten Aufgaben des Keren Kajemeth l'Jsra>el, und 'hätte er sie durchgeführt, so wäre es heute, bei der Massenwanderung in die Städte, viel leichter, diese zu produktivieren. Aber das Hemmnis, beide Aufgaben gleichzeitig zu erfiillen, war, außer der etwas einseitigen Haltung des Direktoriums, der Mangel an genügend großen Geldmitteln. Wo immer wir Kritik an den Arbeiten des Keren Kajemech l'jUrael üben können, überall stoßen wir darauf, _19. September 1986 _grfit | daß die Hauptschuld an allen Unterlassungen m dieses? Geldmangel lag. Inzwischen hat der Keren Kajemech. iFJsrael den Besitz im Emek bedeutend.erweitert und immer neue Siedler gruppen auf den erworbenen Mächen angesetzt. Knappt vor dem Kongreß erwarb er die Konzession auf die Ländereien des Hulesees, 45.666 Dunam,' unter sehr großen Kosten und Eingang bedeutender Verbindlichkeiten. Durch diese Fläche wird sein Besitz von 26.660 Dunam vor dem Krieg aus fast eine Viertelmillion Dunam gestiegen sein. Der Keren Kajemeth l'Jsrael hat damit seine erste Hauptaufgabe, Boden für die ländliche Kolonisation bereitzustellen, in ausreichendstem Maße erWt, so war, daß es isür die Zionistische Organisation schwer fern wird, die Mittel für die Beisiedlung . der Flächen, die nach Durchsühmng von Ameliorationen für Neuanstedlungen bereit sein werden, aufzubriiegen um so mehr als es auf. diesem Kongreß in klarer Einsicht in die Notwendigkeiten der größte Teil des Ägwrbudgets für die endliche Konsolidierung der schon bestehenden Siedlungen bestimmt wurde. Nach dem Bericht «des Keren Kajemeth l'Jsrael wären (noch ohne Djidro und ohne Hule) von seinen Flächen geeignet (frei) zur Besiedlung chne kostspislige Ameliorationen 45.833 Dunam, mit kostspieligen Ameliorationen 14.600 Dunam, zusammen 66.433 Dunam. Mit dieser Vermehrung des Bodenbesitzes des Keren Kajemech l'Jsrael ging natürlich eine.große Steigerung seiner Verpflichtungen parallel. Würde der Keren Kajemech l'Jsrael wie ein Kau>ftnann handeln, so hätte seine Leitung nie den Mut finden können, große Flächen auf jahrelange Abzahlung zu eriverben. Aber die politische Notwendigkeit, Bodenbesitz und Ansiedlungstätigkeit zu vermehren, andererseits die Tatsache der steigenden Bodenpreise und ferner die Zwangslagen, die sehr oft einträten — Unmöglichkeit, den Kauf eines wichtigen Bodenstückes austzuschieben, da es sonst in andere Hände übergegangen wäre — haben dazu geführt, daß die Leitung des Keren Kajemech l'Jsrael im Vertrauen auf sich stets steigernde Gebefreudigkeit des jüdischen Volles immer wieder derartige Verpflichtungen eingegangen ist. Dieses Vertrauen wurde bislher nie enttäuscht, sind doch im eben abgelaufenen Jahr die Eingänge doppelt so hoch als im verflossenen, sie betrugen 250.000 Pfund. Aber jetzt ist die Grenze erreicht/ wo kein weiterer Kauf ohne ganz 'bedeutend gesteigerte Einnahmen getätigt werden kann. In diesem selben Mmnem aiber ist es dev zionistischen Oeffentlichkeit klar geworden, daß der Keren Kajemech L'Jsrael bisher nur einer: Teil seimr Aufgaben erfüllen konnte, indes wichtige Tätigkeitsgobiete >Mch' ganz brach Liegen. Neben der Arrondiemng des läudlichen Bodenibesitzes zu einem zusammenhängende Ganzen im Emek, dem lZuMf großer, angrenzender Ländereien mit guter Bewässerung, die jetzt zu kaufen wären, und der unlbedingt nötigen Vergrößern:^ der von früher her aus zu kleinM Flächen angelegten Kolonien, gewmnt die Frage der städtischen Bodenpolitik immer mehr an Gewicht. Es ist kem Zweifel, daß Ut Keren Kajemeth l'Jsrael diesbezüglich viel versäumt hat. Daß Afulle, wo die zentral Stadt des Emek erstcht und Djidro (die Bucht Haiffa-Akko) m die Hände privater Gefellschaften gelabte, ist sehr zu beklagen, weM diese sich auch bereit fandm, sich der zionistischen Kontrolle zu unterwerfen und eben auf diesem Kongreß' chre organisatorische BeMndungi mit 'der Palestine Land Development Company beschlossen wurde. Desgleichen wäre es von außewrdentlichem Wert gewesen, wem: sich >der Keren Kajemech l'Jsrael rechtzeitig große Flächen in der Mhe von Del-Aw'iw gesichert hätte, zu einer Zeit, wo umn diese zu sehr billigem Preise hätte erwevben können. Dadurch ^wäre die Möglichkeit gegeben gewesen, vom Keren Kajemech ('Israel aus einen Druck aus die Bodenpreise in der Stadt auszuüben, was von eminenter Wichtigkeit, gewesen wäre. Daß der Keren Kajemech l'Jsrael solche Aufgaben durchführen soll, ist schon k der Londoner Konferenz 1920 beschlossen worden und der Wiener Kongreß hat es bestätigt. Wenn die „städtische" Bodenpolitik von >der bisherigen Fühmugi des Keren Kajemech l'Jsrael in die zweite Linie gerückt worden ist, so rächt sich das heute am Keren Kajemech l'Js^vael selbst. Denn die gg'nze Zionistische Organisation ist einig darüber, daß info^e des Massenzustvoms in die Städte die Probleme der »Schchunvch Owdim (Arbeiterfiedlungsvorstädte) und der Anlage von SiMungen intensiver Kultur zur Bersorgurrg der Städte akut geworden sind. Dies trat auch auf dem Wiener Kongreß zutage. Der Keren Kajeu«ch l'iFsrael wird früher oder später Flächen -für die Lösung 'dieser beiden Aufgaben in 'der Nähe von Tel-Awiw erwerben und 'dann für eine kleine Fläche ebensoviel ausgeben müssen, wie früher' für eine vier- bis fLufmail fb große, mit der er außerdem auch einen Druck auf die Bodenpreise hätte ausüben können. Eine dritte unauffchiebbare und kostspielige Aufgabe des Keren KajeMch l'Jsraell ist es, größere AmeliorationSarLeiten, namentlich die Regulierung des Kischon und Bewässerungsanlagen auf den Emekböden durchzuführen, um für eine ganze Reihe von Ansiedlungen günstigere Bedingungen, sowie neue AnsiedlnngsMöglichkeiten auf den schon grausten Böden zu schaffen, wovon schon gesprochen wurde. Es ist nicht äbKlUsehen, wie der Keren Kajemeth l'Jsrael all dies aus seinen Eingängen .bestreiten soll, wenn diese nicht weiter in geomet>rffcher Pvogresston wachsen sollten. Das Direktorium verlangt für dieses Jahr, das r-ben beginnt, dü' .Aufbringung von 560.060 Pfund, weicher Betrag nötig ist. um ihm die Arlbeit in diesem Jahr zu ermöglichen. Wenn man immer davon spricht, daß für den Keren Kajemeth l'Jsrael die Geldaufbringung auch durch