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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-19 · Heft 2363 (19.9.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2363 (19.9.1925)
Date
1925-09-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ß Kr. S38S_ Mn, GanAag_ Bitte englische krsahwahl. Sieg der Labom Party. London, 18. September. (Reuter.) Bei der Ergänkungswahl in Stockport wurde der ' Kandidat der A rbeiterpartci, Temvend, gegen den 'konservativen und den liberalen Kandidaten zum Abgeordneten g eiw ähl t. (Bei den letzten allgemeinen Wahlen war dieser lange Zeit im Besitze der Arbeiterpartei befindliche Wahlkreis von den Konservativen erobert worden. Die Arbeiterpartei hat bei der jetzt stattgefundenen ErgänzungÄvahl mit einem Vorsprung von 2327 Stimmen gesiegt.) Lar iavmüsche Parlament durch Brand zerstört. Tokio, 18. September. (Reuter.) Im Parlanrentsgebäude ist ein B r a n d ausgebrochen, der infolge starken Windes in kurzer Zeit den Bau v ö l l i g z e r st o r t e. Das Feuer ist nach beu letzten Erhebungen nicht im Parlamentsgobande selbst, sondern im Justizpalast zirm Ausbruch gekommen, wo es von Rechts Hörern gelegt worden sein soll, die mit den neuen, strengere,: Prüfungsbedingungen unzufrieden waren. Infolge' des herrschenden Windes griff das Feuer aus das Parlamentsgebäude über und verbreitete sich mit großer Schnelligkeit aus die benachbarten Häuserkomplexe. Ein-beträchtlicher Teil des Stadtviertels wurde eingeäschert. Es ist dies das zweitemal, daß das japanische Parlanient vom Feuer heimgesucht wird. Der erste Brand ereignete sich im Jahre 1893. Der Schaden wird ans 1,5 Millionen Dollar geschätzt. Die Wische Einwanderung »ach Amerika. Washington, 17. September. (I. T. A.) Laut der Statistik des EinwanderunAbureaus des Ardeitsdepartements hat'sich die'Zahl der jüdischen Einwanderer im letzten Einwanderurrgsjahr (Juki 1924 bis Juni 1925) auf ein Fünftel des vorhergehenden Jahres reduziert. Im Einwanderungsjahr 1923/24 sind 49.989 Juden nach Amerika gekommen, in: Einwandevungsjahr 1924/25 bloß 10.292 jüdische Einwanderer. Ein Studium der Ziffern des Einlvanderungsamtes erweist, daß sehr viele Juden aus den westeuropäischen Ländern eingewandert sind, in denen die Jminigrationsqiwte hoch ist. Aus Polen sind im letzten Jahre bloß 679, aus Rußland 818 Juden eingewandert. 1137 Juden sind in diesem Jahre von der Einwcmterungskommiffion zurückgew Lasen worden. Müderung der zwaugslonntagsrnhe m SaioM. Genf, 18. September (I. T. A.) Die Vertretung der griechischen Regierung beim Völkerbund gab den: Führer 'des Komitees der jüdischen Delegation, Leo Motzkin, die Versicherung, die Regierung werde den Juden Salonikis gestatten, ihre Geschäfte an den Sonntagen bis 4 Uhr nachmittags offen zu halten. Wiener Morgeuzeituttg 19. September 1966 zoolleti wir-ehest unsere nmgeschafönai herr&dwi Si&iunc/Sowie entmcRende nocUllkollektion zeigen.. $01 wie 6äüg odtßei unS kaufen können Hüntelaus ^u em Vei(?urs’mit aParter Pelzverbrämung ...... 8 Mantel aus engl, rein Schafwollstoffen S aus matlasieiten Modestoffen -129.- HÖntel mit reicher Pelzverbrämung, Edelfell, verbrämt ab S 165 llfkljif) aus gutem Seal-Elektrik, komrul&L plett gearbeitet . . . ab S fcvv» aus gutem Seal-Elektrik, kom- KOStUme eleganter engl. Genre ab S 59*"* VIAffin« aparte Nouveautes für den CA mmi Nachmittag und Gesellschaft S Vs»"" In den Salons täglich Vorführungen aparter Modell-Maatel, Kom pleta, Abend* und Geiellsohafta-Toiletten sowie Nachmittagsu. Trotteurkleldern la reicher Fülle. BenatzenSie auch denTormittag z.Emkaaf VII K All SERS TR Ullis Her Kultmwert der Wische« Stammes. In den paar letzten Jahren ist so viel Beleidigendes Und Gehässiges gegen uns Inden vorgebvacht worden, daß es vielleicht von Interesse ist, einmal Stimmen ehrender Anerkennung und herzlicher Freundschaft zu vernehmen. Prof.' Wilhelnr FH r st e r, 'der berühmte Astronom und Mathematiker, der Nestor der deutschen Himmelsforscher, nntevnimmt es in einer Schrift: „Die internationale Wirksamkeit des Judentums in der Vergangenheit und in der Zukunft",*) ivährend die Welt von nie dagewesenem Bölkerhaß durchtobt. ivird, Betrachtungen anzustellen über die Bedeutung der Wissenschaft für die Bölkevvcrföhnung: „Wenn, sich die Seele über die augenblickliche Weltlage erhebt, so können sich gerade jetzt Ausblicke eröffnen in der Entwicklung der Menschheit zu höheren Organisationsformen ihres Geisteslebens." Dem Judentun: schreibt Förster eine direkte internationale Mission zu. „In der Tat gibt es gerade hiefür bedeutsame Ausblicke nicht bloß auf Grund der geschichtlichen Tradition, sondern auch im Hinblick auf die sozial-ethischen Erlebnisse und Probleme der nahen Vergangenheit und Gegenwart." Förster greift in die fernste Vergangenheit zurück und weist auf die durch Philo und Josephus überlieferte Sage hin, wonach Abraham, von depr Zweistromland Mesopotamien hcrwandernd, auch die Sternwissenschaft von Babylon her zu den Phöniziern und Aegyptern.an den Hof der Pharaonen gebracht habe." Offenbar haben wir es hier mit einen: Nachklang aus den sehr frühen Zeiten zu tun, aus denen uns jetzt keilinschristliche Dokumewe vorliegen und immer deutlicher ahnen Wen, daß eine Art von wissenschaftlichem Gemeinschaftsleben in den leitenden Stellen jeder Länder und Völker... pestmchen hat." Sehr interessant ist die Parallele zwischen oer jüdischen und hellenischen Gottesauffassung. In Israel war sie der Ausdruck des höchsten Vertrauens der Seele zu ihren, Idealbild, dem ewigen Gott, wie es in den Psalmen und in König Salomons Gedankenwelt zu erhebendem Ausdruck gelangt, „währe:,d in nahezu derselben Epoche der Kulturentwicklung die götterseinbliche Prometheuslegende in der Griechenwelt emporkam und *"> Verlag Otto Hendel, Halle an der Saale. dann erst in den Dramen von Aeschylos einen versöhnenden Abschluß fand". Der Verfasser wirft einen kurzen Blick auf die Geschichte Israels in seinem Heimatlande und betont, daß die ans der Höhe der nationalen Existenz erfolgte Unterwerfung unter babylonische und persische Macht in noch höherem Maße als die Ansiedlung in Aegypten zum Ausgangspunkt geworden ist für die inte rnationale Kultur des jüdischen Wesens. Was das Judentum durch die Jahrhunderte hindurch bis zur Gegenlvart trotz aller Unfreiheiten und Abhängigkeiten inten Völkerkämpfen geistig zusammenhielt, das ,var jene messianische Tröstung und Erhebung, wie sie Jesajas aussprach und wie sie Jahrhunderte hindurch von einer Reihe wcisheitsvoller prophetischer Lehrkräfte gepflegt wurde. Treu bewahrte das Judentun, bis zur Gegenwart in weihevollster Ueberlieferung die Anbetung Gottes, seines Willens und seiner Gebote als das gemeinsame Gesetz eines fast in alle Länder der Erde zerstreuten Volkes." Eingehend und liebevoll schildert dann Förster die internationale Wirksamkeit des Judentums, „die in Babylon ihren Ursprung nahm und dann seinen Höhepunkt im Mittelalter Europas bei der Begründung der Universitäten in.Südfrankreich und in Mittelitalien erreichte". Diese internationale Wirksamkeit des in „umfassender Zerstreuung" lebenden Judentums bestand in „z w c i großen Zweigen, einerseits in der Verbreitung einer spezifisch jüdischen Literatur, andererseits in der Vertiefung und Verbreitung der allen Völkern gemeinsamen Wissenschaft". Von ten. Zweigen dieser Wissenschaft ist es sein Spezialfach, die Himmelskunde, bei der Förster mit Vorliebe verweilt. Schon Alexander der Große hat auf Rat seines Lehrers Aristoteles die Ueberfiedlung der astronomischen Beobachtungsarchive aus Babylon nach Alexandria augeordnet und gleichzeitig Sorge getragen, daß eine ansehnliche j ü d i s ch e Kolonie dorthin übergesiedelt wurde, was für eine intimere Verbindung jüdischer und griechischer Geisteskultur von höchster Bedeutung ward. Innerhalb der islamitischen Welt „ist es auch das Judentum gewesen, welches mit feinen pädagogischen Einrichtungen, unter anderen, auch durch Uebersetzuugen aus den, Griechischen und Hebräischen ins Arabische, die der Menschheit gemeinsame Pflege der aus dem Altertum übernommenen und zuletzt auch noch in Alexanria bis zur mohammedanischen Eroberung kultivierten Mathematik und Naturwissenschaft aufrecht erhalten und gefördert hat". In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ragt Lewi ben Gerson hervor, den wir nur als BibeleMLrer und tieffinnigen Religionsphilosophen kennen, den aber Förster als Astronomen und Konstrukteur würdigt. „Er -war auf dem Gebiete der -Mathematik und Astronomie von ähnlicher Eigenart und Tiefe wie Maimonides auf dem der Philosophie 'und Ethik." Nach einer kurzen SkiMerung der Bedeutung Spinozas schildert der Verfasser die direkte und indirekte Wirksamkeit der Juden in der neueren Zeit. Betreffend die Zukunft 'bemerkt Förster: „Während die gange Kulturwelt in Gefahr ist, von den Uebechöbungen und Uebertreibungen der Gemeirffchaftsgcstaltungen nationalen Charakters in tiefste Not und Unkultur gestürzt zu werden, wird von dom Volke, dem die Menschheit für die Entwicklung einer höheren GemeinschaftsEultur des Erdenlebons Unvergeßliches verdankt, jetzt noch ein überschwengliches Ziel von eigener nationaler Begeisterung verkündet." Förster weift auf den Zionismus hin und ist eine Weil» besorgt, daß dessen Bestrebungen der internationalen, allgemein menschlichen Wirksamkeit des Judentums Abbruch tun könnten. „Ihre (der Juden) bewährten intellektuellen Eigenschaften und die höheren Traditionen ihrer Vergangenheit werden.der Menschheit immer unentbehrlicher worden für die so loavm von der deutschen Volksseele ersehnte und verkündete, allein heilkräftige Genesung des Erdenlebens durch die gemeinsame Verlvaltung der Erde, nicht nur mit „freier" Konkurrenz, sondern in Weisheit, Großmut und Güte." Und da ri ».beruhigt sich Förster: E in e An s i edln ng der Iuden in Palästina wird in dieser Richtung sehr förderlich für diese Landstriche sein: „Die G gemeinsame föderative Verwaltung von Vorderasien, Syrien und Aegypten, von Arabien und Mesopotamien wird eine schwierige, aber hochwichtige Ausgabe bilden. Und hierfür'bietet das Judentum auch auf den Gebieten der wirtschaftlichen Eirtwicklung für die ganze Evdenwelt so hoffnungsvolle Ausblicke dar." & Professor E g m o n t M ünz e r, der hervorragende Mediziner der Prager deutschen Universität, ist Numismatiker aus Liebhaberei, und diese führte ihn zu vertieftest kulturgeschichtlichen Studien, zu denen auch das Interesse für die Geschichte der Medizin und für die sozial^ ethischen Fragen ihn hinlertote. Eine Nebenftucht dieser

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