Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2363 (19.9.1925)
- Date
- 1925-09-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sche 3 Men, Samstag Wiener Morgenzeituna 19/ Setpiember 1925 Ur. SM Vas Warenhaus I., Mohenstaufenga*se 1Ü, Te®SbNr’ ToiiTQliInniv ohne WsaufscbH^ 16 lUttill(liiy und oime Anzahlung': Hcfert auf Herrenu. Damenbekleidung, fertig und nach Mass, Pelze, Schuhe, Wasche, Modewaren etc. 6 Monate Kredit! Keine Agenten! Keine Inkassanten! f!«lt Nt) Soll —y. Wien, 19. September. All das Mische Voll ergeht in diesen Tagen der Ausruf des Nationalfonds, ihm bei der Erlösung des Boddens Palästinas zu Helsen. Immer stärker wird-die' Einwanderung in das uns heilige Land. Was wir noch vor kaum zehn Jahren nur leise zu hoffen wagten, daß sich der Strom der jüdischen Wanderung nach dem jüdischen Lande wende, ist in unseren Tagen zu einem Ereignis geworden, das alle Energien der Mischen Gemeinschaft in noch stärkerem Maße anspannen rnuß: Wir alle fühlen, daß in der Verbindung zwischen Land und Volk eine entscheidende Aenderung eingetreten ist, und wir müssen uns klar machen, daß von nun an noch weit mehr als bisher die weitere. Entwicklung Palästinas, die Entrostung ider jüdischen Zukunft und Freiheit in ltnsere Hand gelegt ist/ Das Problem in seiner Gänze ist einpolitrsches, da die Voraussetzungen unserer Arbeit nicht von unsallein gegeben werden. Wip haben^mit her Mandatar^ macht und mit dem Volkerbund zu rechnen und wir wissen, daß es sehr tiefliegende und sehr.; gewichtige Widerstände gibt, die sich Ms^in den!Weg. stellen. Wir müssen das Werk, das: wir begonnen-; hghech nach allen Seiten sichern. Wir, Wen -SiaatDaufßaLen -por-Lns, ohne über die organisierten Mittel,'.ja ohne' Wr die Organisation des-Staates' zu /verfügen. Wir . sind ein Volk unterwegs,'" .u^zdle-pyMtz,...V^je,'WH,ttichL Mt freundlichen EmpfirKÜM^ Hetzteitet, oft froher Hoffnungen voll das^MAxfiche -MoÄn nn- Mßjder Bewegung vor uMMWA ten -Hindernissen a^^ytte-'KHe begwW./Wer hie Entschlossenheit der zionistischen Arbeit und ihrer Arbeiter läßt sich nicht abschrecken. Wir lenken unsere Blicke auf das uns von unserer Geschichte und von den Völkern verheißene Land. Je weiter und je tiefer die Mische Arbeit eindringt, je größer der Besitz an Boden und Werten wird, die wir schaffen, um so größer, aber auch unr so aussichtsreicher wird die, Ausgabe, die vor uns steht,^ . .' - Das an Zahl so kleine Mische Volk hat ungeheuerliche Pflichten zu erfüllen. Es muß sich Tag für Tag gegen Angriffe auf sein Leben, aus seine wirtschaftliche Position, auf seine bürgerliche Geltung zur Wehr setzen. Es muß ganz allein seine Armenpflege durchführen, seine Kinder, Witwen und Waisen betreuen, hat im Krieg schwere Opfer an Blut und Gut bringen müssen, sieht einen großen Teil seiner Teile in Armut und Elend dahinsiechen oder auf fernen dunklen Straßen ins Ungewisse ziehen. Das Mische Volk lebt Zeit seiner Geschichte in einem unaufhörlichen Ausnahmszustand, den es mit nimmermüden Nerven bestehen muß. Es will sich nun seine eigene Zukunft im eigenen Land schaffen und hat mit der Arbeit begonnen. Es baut in der Fremde und baut daheim.- Welches andere Volk kennt solche Wicht? Aber das Bewußtsein, daß nur dieser Weg, den wir seit dreißig Jahren gehen, zu einer Besserung, zu einer Abbüvdung der fast unerträglichen Lasten führen kann, ist heute Besitz der Mehrheit des Volkes. - Unsere Geschichte, voll des Leides, des Hasses - und der Tücke, verleugnet sich-nie. Aus ihr, aus der abnormalen Stellung unseres Volkes. kommen immer neue Hemmungen. Völker, Klassen, Parteien stehen gegen uns auf. Die Lüge findet Immer neue Vorwände, um uns als Unterdrücker, als Finsterlinge, als Gefahr für die Zivilisation auszüschreien. Inmitten dieses tobenden Wirbels müssen wir unsere Pflicht tun. Sie ist ein Teil unseres Selbst geworden. Judentum ist Zionismus, kann nur Zionismus sein, und all der Lärm um uns beweist uns nur, daß wir auf dem guten Pfad sind. Die "Unken' rufen, wenn es Morgen wird. Auch unsere Feinde haben erkannt,' .daß der Zionismus, wenn er die Erlösung des Landes vollzieht, die Erlösung des Volkes bedeutet. Um so stärker nmß diese Uoberzeugung in uns werden. Jeder Fuß Landes, den wir kaufen, jeder Acker, den der jüdische Kolonist unter den Pflug nimmt, jede Baracke, jedes Haus, das der jüdische -Werkmann im jüdischen Land baut — das alles sind ebenso viele Grundsteine für die Mische Freiheit. Daran denkt heute die Mische Gesamtheit und sie ist voll-des Willens,- in dem neuen Jahr, das heute eingcht, ihr Werk der Befreiung des Landes, der Besitznahme noch intensiver sortzuführen. MM über 8ms. D«e Bedingungen des Völkerbundes. > Km Hanptausschuß ..des Aationalrates erstatteten '.«Pom. BnvdeÄünM et und Finanzminister Dr. Ahrew Bericht über die BsrYcMungert in Genf. Die Parteien , wollen sich anscheinend noch Zeit lassen zur WMung der vom Völkerbnndröt W die Aushebung der .Kontrolle gestellten Bedingungen: Verlängerung her Funktion des Beraters der Nationalbank und Zikstimmung sur Wiedereinführung der Kontrolle, wenn der Anleihedienst gefährdet ist. Die Regierung drängt sie auch nicht und wird dw beiden Vorlagen, welche: der . Völkcrbnndrat verlangt, erst im Oktober im Nationalrat embringen. . Im Hauptansichuß ergriff, gestern zunächst Finanz, mlkister Dr. A h r e r das Wort. Er gab einen chronologischen- Ueberhlick über den her'Verhandlungen in Genf und führte die Bedenken an. die er gegen die erste Formulierung des Resolutionsenkwurses des Finanzkomitees erhoben hatte. Die^SitzuD hes Finanzkomitees mußte sogar einmal untersbzychen werden, denn der Kampf, den er — wie Dr.^-Ahrer gestern sagte — als reter eines Kulturvolkes zwischen dem natürlichen Gefühl der Sehnsucht nach Freiheit, gepaart'mit dem WM--er erfüllten Pflicht und der..kühlen IseberlegNng der realen Verhältnisse, mit sich selbst aussocht, sei nichtlleicht. gewesen. In diesem Moment setzte' darin dievLr m i t teln d e Tätigkeit des General! 0M m-i s s jx\xß ein, und es wurde die bwests bekannte Resosution formuliert, die den Einwendungen des Finanzrninisters nlöglichst Rechnung trug. Dr. Ahr er empfahl dje Heiden Gesetzentwürfe, die die Möglichkeit der Wiedereinführung der Kontrolle und das Weiterverbleibendes Beraters bei der Nationalbank enthalten, mit deckst Argument, daß Oesterreich heute nicht bloß die Erhaltung der kurzfristigen Ausland sdarl eh e.n braucht, sonder, kräftigst auf die Erlangung. langfristiger Darlehen hinarbeitssn muß. Aus diesem Grunde habe er den Vertretern der Hauptkreditgebenden Staaten Konzessionen machen müssen, die in., kred.itpolitischer Richt MNL, von diesest.als p n.e p l ä ß l i ch bezeichnet wurden. Bpndehkauzler^Dr.>R am.ek. faßte die Ergebnisse der Genfer VerhandlustgeN wiefolgt zusammen: .. ,Iom 1. Jauner M6 wird . die. KontraÜe des iSe»exalkömmiss8rs auf die« KontröM-der für Ae- Bolkerbundanleihe verwendeten -tzWMW^Md^.M '^^K'öNtrolle der restlichen EMse.JerfEeWünMeihebeschränkt. Nach der Md nach Vorlage des Srechnnngsabschlnsies für 1626 durch den Rechnungshof, findet die Kontrolle des Generälkommissär auch formell ihr Ende. Im Dezember 1925 soll mit dem Finanzkomitee darüber verhandelt werden, auf welche Art der General- SPIELBÄUE Oümmifnäritcl; GumrnKchtfhc und Gummlwarcn aller Art zu Fabrikspreisen! SPSRMANN ft HOROWITZ Wien, II. Bcz., Taborstrasse Nr. 11b— Telephon Nr. 47-0-86 kommissär in jenen Funktionen ersetzt wird, die ihm durch die Äenfer Protokolle vom . Jahre 1932 für die Völker bnndanleihe zugewiesen sind. Das Finanzkomitce des Völkerbundes empfiehlt jedoch, daß der Berater der Nationalbank nach endgültiger Aufhebung der Kontrolle noch weitere drei Jahre im Amte bleibe und daß die Kontrolle des Völkerbundes über. Oesterreich mit. Dreiviertelmajorität wieder eingeführt werden .könne, wenn die Eingänge der für den Dienst der Völkerbundanleihe verpfändeten Einnahmen unzulänglich würden oder wenit das Gleichgewicht des Budgets ernstlich gefährdet würde. In diesen beiden Fragen hat die Regierung keine Vereinbarung abgeschlossen. Wir haben erklärt, daß Nur sie den gesetzgebenden Körperschaften unterbreiten werden, wir mußten dabei aber zur Kenntnis nehmen, daß der derzeitige Rechtsz u st a n d wieder h e r g c st e l l t würde, wenn die gesetzgebenden Körperschaften ans diese Wünsche des Völker.- bnndes nicht entgehen wollten." Das Verlangen des Völkerbundes nach Wiedereinführung der Kontrolle, falls die für die Anleihe verpfändeten Einnahmen ans den Zöllen und dem Tabakmonopol unzulänglich werden sollten, bezeichnete der Kanzler als mlnderwichtig. Was das Weiterverbleiben des Beraters bei der Nätionalbank anlange, so sei es notwendig, daß das gegenwärtige Vertrauen in. die Stabilität des Schillings unterfchüttert bleibe. Der Völkerbund ist nun der Meinung, daß cs für die Belastung der ausländischen Kredite und für die Umwandlung der kurzfristigen in langfristige von großer Bedeutung sein wird^ wenn der Berater bei der Nationalbank verbleibt. Seine bisherige Tätigkeit hat sich r e ib u n g s l o s abgespielt und die Fortdauer dieser Beratung kann an sich nicht als eine drückende Fessel betrachtet werden. Die entsprechenden Vorlagen werden dem Nationalrate zeitgerecht unterbreitet werden. Bezüglich der wirtschaftlichen Frage beschränkte sich , der Kanzler auf die Mitteilung der schon bekannten Tatsache, daß das Expertengutachtcn über die wirtschaftliche Situation Oesterreichs dem ökonomischen Komitee des Völkerbundes zur Prüfung anvertraut worden ist. „Wir hätten", schloß Dr. Ramek, „sehr gewünscht, daß der Völkerbundrat mij. NW'icht auf die Dringlichkeit dieser Angelegenheit für uns, schön'diesmal p o s i ti v e F o I g e rtt U g e n ans dem Berichte der Experten ziehe. Da dies jedoch nicht zu erreichen war, mußten wir uns mit freundlichen, vielversprechenden Beschlüssen begnügen. Die Regierung wird alles tun, was in ihrer Kraft steht, um die namentlich in den handelspolitischen Verhältnissen begründeten wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden. An die Ausführungen der beiden Minister schloß sich eine längere Debatte. Die endgültige Stellungnahme per Parteien zu bett Bedingungen des Völkerbundratcs wird'erst im Oktober gelegentlich der ersten Lesung der von der Regierung angekündigten beiden Gesetze erfolgen. Ser Haldschiüing. Heut.' werden die neuen Srlbermückzeu zu eiuem halben Schilling i-n Umlauf gesetzt werden. Ihre Ausstattung schildert die amtliche Kundmachimg wie folgt: Das Havbschillingstück ist aus einer Legierung von 640 Tausendteilen Silber und 360 Tauseudteilen Kupferherg-stellt:' es hat einen Durchnugser von 19 Millimeter und ein Rauhgewicht von 3 Gramm. Es enthält somit 1,92 Gramm Feinsilber. Die Vorderseite zeigt in stilisierter Atisführung. den Brustschi'ld aus dem österreichischen.Wappen unö die Umschrift „Republik Oesterreich". Die Rückfeite trägt innerhalb eru.es ans einer.seiner Ecken stehenden quadratischen Rahmens die Wertbezeichnung „Vi", die Umschrift „Halb-Schi'lling" und zwischen den Buchstaben des. Wortes „Schilling" in klMen Ziffern die Jchreszchl der Ansmünzung. Die innere Einsassnng besteht ans beiden Seiten aus einem schmalen Stäbchen. Der Rand der Münze ist gerippt. Die Münzen werden W allen Buntdes-'und den übrigen öffentlichen Kassen unbeschränkt zu ihrem Neuittvert in Zahlung genommen. Im Privatverkehr ist niemand verpflichtet, ^Sit- 'bevmnnzen zu einem 50 Schilling -übersteigenden Betrage in Zahlung zn nehmen., Der Anschlag auf die Wiener rassische GesmidMllft. Die von,-der.Polizeidjrektion - in Wien und. Umgebung gepflogenen Erhebungen über den.zur-Anzeige gebrachten Anschlag gegen den Wiener russischen Gesandten haben wesentliche neue Daten nicht ergeben. Jas gesamte Erhe'bungsmaterial wurde bereits der Staatsa n w a 1 t s ch a f t übermittelt, .der es obliegt, die -weiteren Verfügungen bezüglich der vorläufig noch in Polizeilichem Gewahrsam besindlichen.Rufsen zu Da die Angehalteuen erÄärt haben, daß ihnen der zum Attentat. von einem a u s l ä n d i s ch e n Z i rkel -*u sfis che r Emigranten erteilt worden sei, wurde die Korrespondenz mit den in Betracht kommenden Ausl a nd s b'ech ö r v e n eingel-eitet," um Angaben zu überprüfen und den 'Sachvevhalt in eistwändsteier Weise festzustellen. „Brettrldors" und „Bruckhausen" im Gemeinderat. Die gestrige erste Gemei«deratssitznng nach deil Ferien stapd ganz im Zoichen von „Bretteldors" und „B ruckh a lls e u", zweier wilder Siedlungen im I n u n- >d a t i o n s g e h i e t, die wegen ihrer sanitätswidrigen Verhältnisse und der dadurch Mbiu-gten Senchengefahr Hgebrochen tverden sollen. Die Christ'lickMialcu, die seit längerer Zeit sich dieiser beiden w-iilideir Siedlungen in ihrer Partei- und Pressopropaganda auuchmeu, ließen ihre Einwäude. gegen die Absichten der Gemeindemasorität durch Stadt rat Kunsch.ak Vorbringen, ber daraus hinwies, daß die sozialdemoikratische Ge- Utoi udeverwaltun-g, die sortwährend von drohender Typhns- -gesähr in diesen SiMnngen spreche, gerade dort K-ostki nd e r untevbringe. Nach einer Rede des Stadtrates Tandler, der «auf, die pr-ophylaltische Seite der gvplanten Maßnahme hinwies, sprach,, wiederholt von lärmenden Zwfschenrusen unterbrochen, Stadtrat Weber, welcher sich grundsätzlich gegen das durch die Kriegs- und NachikriegsvechÄlltuisse hewvr.gernseue wilde Bauen anssprach, das endlich aulfhören utüsse. Stadtrnt Weber gab zum Schlüsse seiner Rede der Hoffnung. Ausdr-uck, das; es gelingen werde, nrit den Siedlern zu einem beide Teile befriedigenden Kompromiß zu kommeu. ' > Damit war die Affäre „Bretteldors und Brnckhausen", die anläßlich. eines ,Antrages ans KveditgLwähMug von 660.000 Schilling an die Gesellschaft für Siedlungsbauten „G e s i b a". herausbeschw-oren worden war, erledigt und der Gemeinderat genehmigte im werteren SitzunMerlaus Jndemnitätsanträge aus die während der Ferien vom Stadtsenat durchgeführten Transaktionen; unter anderem wurde ein Z us ch u. ß k r e d i t für die Aektvisjzierun-g der S 't a d t b a h u 'in der Höhe von 388.000 Schilling sowie ein Betriebs- >k r e d i t für die Straße n b ahn in der Höhe von z-chp MMonen DWn.g bewilligt,