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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-18 · Heft 2362 (18.9.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2362 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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^..Soite'4 Wien, Freitag Wiener Msrnenzeitung 16. September ML 9h, AM. Außerordentlicher zionistischer Parteitag. T-as Zionistische LandeSkomitee für Oesterreich hach in seiner Sitzung tont 8. d. den Beschluß gefaßt, für Samstag den 17. Oktober, aibends, einen außerordentlichen Parteitag einzubernsen. Ort und Tagesordnung tverden noch rechtzeitig bekanntgege-en -werden. Dieser außerordentliche Parteitag ibefwht im Sinne der BestimMmgen des Statuts der Zionistischen Weltorganisation, § 21, Absatz 1, aus den bereits zum letzten Parteitag gewählten Delegierten. Zionistisches Landeskomitee sür Oesterreich: Dir. Epler nt. p. Dr. Ehrlich an. P. Dr. GoldHaminer m. p. * Das .Zionistische Äandeskomitee teilt uns mir. Die zionistischen BeziMsoktionen, Ortsgruppen und Sondervereinigungen werden hiemit aufgefordert, Ibis spätesten'- 1. Oktober d. I. die noch aus stehenden Schekelverrechnumgen mit dom Bureau durchzuführen. Sämtliche nicht verkauften Schelolblocks sind ebenfalls an das Bureau zurückzustellen. Freie zioaistische Bereinigung. Wir werden um Verösisentkichung des folgenden Ausrufes ersucht: „Das Programm des Zionismus, die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte sür das jüdische Volk in Palästina wird nun verwiMcht. Der Völkerbund hat sich dieses Programm zu eigen gemacht und England das Mandat erteilt, Palästina so zu vermalten, daß -das jüdrschnationale Heim dort ersehe. An der Quelle der europäischen Kultur erblüht wieder ein Kulturzentrum, das der ganzen Menschheit dienen soll. Pflicht eines jeden Juden ist es, all dieser Arbeit nach seinen besten Kräften mitzuhelsen. Wir rufen alle jüdischen Mäimer und Frauen auf, sich uns anzuschließen Md der von uns neu gegründeten Freien zionistischen Bereinigung beizutreteu. Ihr Programm ist das Programm der Zionistischen Weltorganisation. Die Freie zionistische Bereinigung wird sich mit der österreichischen Landespolitik und sonach auch mit der Aufstellung von Kandidaten sür die politischen Vertretuugskörper llicht befassen. Die Freie zionistische Bereinigung ist nur der Sammelpunkt aller Juden, die an den Wichten und Ar- 'berten der Zionistischen Weltorganisation teilnehmen wollen. Beitrittserklärungen find an Dr. Isidor Schallt, 9. Bez., Währingerstraße 3, zu richten. Direktor Siegfried Altirrrann; LHerftnanzrat Dr. Hugo Benedikt; Dozent Dr. Felix Deutsch; Direktor Armin Duschinsikh; Dr. Fritz Eckstein, Rechtsanwalt; Umv.-Pros. Dr. Berrchard Geiger; Dr. Max Gold, Jndnstrieller; Hosvat Ing. Leopold Herzka; Dr. Joachim Kriegel, Arzt; Dr. Wichälm Lederer, Direktor; Dr. Maximilian Piekarski, Rechtsanwalt; Kurt Offenlberger, Beamter; DÄtor Felix Ornste in, Arzt; Architekt Max Ppllak; Bmno Rabinowitz, Kaufurann; Dr. Isidor Schallt, (Zahna^t; Medizrnälrat Dr. T. M. Sch ui rer, Wilhelm Schuß, Oberproikurist; Dr. Heinrich Sokal, Rechts- Rudolf Taussig; Dr. Jakob W einer, Beamter; Heinrich A o r k-Ste in er, Schriftsteller; Ing. Paul Zuckermann." Lr. Btttold Feiwel fünfzig Jahre alt. Bertold Feiwel hat dieser Tage feinen 50. Geburtstag gefeiert. Auf der Höhe seines Lebens stehend, blickt dieser Mann auf eine zionistische Tätigkeit zurück, wie sie aufopfernder und erfolgreicher nicht leicht von einem anderen Sohn der jüdischen Moderne geleistet wurde. Vom Tage des Auftretens Theodor Herzls widmete sich der hochbegabte Brünner Student der zionistischen Bewegung. Als Propagator für die zionistische Idee in Mähren und Böhmen hat er trotz seiner Jugend hervorragend gewirkt. Er gründete mit Max Hickl und Robert Stricker die „Jüdische Volksstimme" in Brünn, und seine Werbetätigkeit für die junge Bewegung als warmherziger, begeisternder Redner und ausgezeichneter Schriftsteller wurde schon in den nächsten Jahren sür einen größeren Wirkungskreis in Anspruch genommen. Herzl berief Feiwel nach Wien. Er übernahm die Redaktion des zionistischen Zentralorgans „Die Welt" und bereitete den ersten Zionistentag im alten Oesterreich vor, der in Hlmütz abgehalten wurde und für die Entwicklung der österreichischen Zionistischen Organisation grundlegend war. Es ist staunenswert, wie dieser Westjude, der wirklich mit Aufbietung aller'Kräfte politisch und organisatorisch arbeitete, doch die Zeit fand, das Ostjudentum und seine Sprache kennen zu lernen. Er war der erste, welcher eine wertvolle Uebersetzung der Gedichte Morris Rosenfelds schuf und bemüht war, die kulturellen Kräfte des jungen Judentums zu sammeln und zu fördern. Selbst dichterisch sehr begabt, vernachlässigte er seine schöpferische poetische Kraft, weil ihm die Arbeit an dem zionistischen Werke keine Zeit zur Sammlung ließ. Aber nur ein Mann von dem Feinsinn und her Urteilskraft Feiwels konnte Sammelwerke anregen und redigieren, wie es der „Jüdische Almanach" und die „Jungen Harfen" waren. Martin Bub er war sein engster Mitarbeiter auf kulturellem Gebiete und mit B u b e r und W e i z m a n n entwarf er den Plan der Gründung der hebräischen Universität. Selbstlos hat er die besten Jahre seiner Jugend der zionistischen Bewegung als Schriftsteller, Redner und Organisator gewidmet, gründete den „Jüdischen Verlag" in Berlin, übersiedelte mit der „Welt" von Wien nach Köln und gab für die Jugend die Zeitschrift „Jung Israel" heraus. Erst als gereifter Mann schuf er sich eine Existenz, die seinen Fähigkeiten und seiner Arbeitskraft angemessen war. Nach der -Balfour-Deklaration folgte Feiwel dem Rufe der zionistischen Führer, gab seine Stellung auf und übersiedelte nach London. Seither ist Bertold Feiwel eines der wichtigsten Mitglieder der Zionistischen Exekutive und einer der engsten Mitarbeiter des Präsidenten Weizmann. Die Gründung und der Aufschwung des Keren Hajessod sind mit dem Namen Feiwels sür immer verknüpft. Es ist wohl eine Genugtuung für ihn, daß er kurz vor der Feier seines 50. Lebensjahres dem 14. Zionistenkogreß in seiner Eigenschaft als Direktor 'des Keren Hajessod seien bereits aus 2 Millionen Pfund' Sterling gestiegen. Ein bescheidener Mann, der stetnur die Sache im Auge hat, der er sejn Lehen-Werk widmet, hat er selbst immer die Aufmerksamkeit der zionistischen Öffentlichkeit von seinem persönlichen Anteil an den zionistischen Erfolgen abgelcnkt. Um so dankbarer muß das jüdische Volk diesem Führer sein. Straßennamen in Lel-Mitv. Nach der soeben erschienenen Karte von Tel- A w i w, der ersten jüdischen Stadt, gW es auf dem Gebiete dieser Stadt 181 Ävaßen, Gassen und Platze. Die Namen sür diese Straßen werden auS derGeschichte des Landes und des Judentuimr geholt. Die hervorragenden Gestalten der Bibel, Autoren des Talmud, Dichter und Gelehrte aus dem Mittelalter, verdienstvolle Führer im Zionismus, gefeierte Dichter uck) Schriftsteller der neuhchräischen Literatur, Märtyrer de'r Wiederaufbaues von Erez Israel, aber mich die jüdischen Kolonien, die Berge, Täler, Flüsse Md das Meer werden für die Bezeichnung einer Äraße oder eine- Platzes herangezogen. So finden wir Straßennamen nach den Pro. pheten Jona, Daniel, Esra, Nahemia, ferner nach Gmek Jesreel, Juda Hakir, Salomon Jbn Gabirol, Moses feen Maiimm, Rabbi Akiiba, Don Jsaae Abavbansl, Salomon Mckcho, Rabbi Jizchak Glchanan, Herzl, Nordau, Wolffsohn, Dilienblum, Moses Heß, Rothschild, Kalischer, Montefiore, Charles Netter, Scheinen, TMMpeldor, Nachmvn Syvkin, Rabbi Samuel Mohilewer, Adolphe Cromieux Raschi, Schiedal (Samuel David Luzzatto), Achad Haam, Bialik, dem Romandichler Bremer, Schäfer, Mendele Mocher »Sforim, David Fvischmam, Schalem Aleichem, I. L. Perez, LewinSki, BerdiezejvSki, Gorochow, Abraham Mapn u. a. Es gibt auch eine Kongreßstraße, eine Heribert-Samuel-, Spinoza-, FevdinandLassalle-, Balsonr-, Gvusenberg-Straße, eine „Straße der Arbeit", „des Lichtes", „der Zionsliebe", der,Heimkehr nach Zion", der „Alijah" und dergleichen mehr. So .nmtet einem eine Wanderung durch die Straßen von Tel-Awiw, wie eine Wanderung durch die Jahrtausende der Geschichte des jüdischen Volkes an. Ae Wasserkatastrophe in 8h!na. London, 17. September. (Tel,-Komp.) Aus Peking berichten amtliche Telegramme von riesigen Ueberschwemmungen im Gebiete des Aang-Tse-Kiang. Bei Dunchen-Hsien ist ein Stauwerk geborsteu. Infolgedessen hat der Riesenstrom seinen Lauf verändert. Ein Gebiet von 18 Meilen Breite und 70 Meilen Länge ist überschwemmt. 900 Dörfer sind unter Wasser gesetzt. Der Verkehr wird, durch Boote aufrechterhalten.; Der Mörder als Lichter. Budapest, 17. September. (Tel.EomP.) Ladislaus Okolicsanyi, der Hanptangeklagte im Loire r- Mo rdp r ozeß, hat die Staatsanwaltschast ersucht, mit seinem Verteidiger sprechen zu dürfen, da er im Gefängnis mehrere Dramen und einen Band Gedichte geschrieben halbe, die er nun herausgeben möchte. Der Verteidiger Okollicsanyts hat heute die literarischen Arbeiten des Mörders übernommen. an Walt; Dr. Fritz Georg Steiner, Direktor; Hofrat Hajessod Nachricht bringen konnte, die Eingänge des Keren vie Zionistische Bezirkssektion leopoldsiadt veranstaltet während der hohen Feieriege ein nah vorzüglichem in den Sälen des Central-Kellers, II., Taborstraße 8 Karten von 2 Schilling aufwärts im CentraI>Kelier, II., Taborstraße 8, Joset Singet, II.. Taborstr. 25, Brüder; Scniffmann, II., Taborstr. 48, n. im Sektionshelm, II., Zirkusgasse 33 Oine oltneue Haggadah. Der Anfang der hsdrÄschen Bu^hdruckerkunst bildet einen der interessanteisten Abschnitte der jMsche-n Kulturgeschichte. Mit einer sür das Mittelalter geradezu erstaunlichen Geschwindigkeit verbreitet sich Moistsr Gutenbergs Handwork über ganz Europa und es ist begreiflich, daß sich das buchliebende Volk der Juden mit Begeisterung zu chm bekennt. Uno so sehen wir wenige Jahve mch dm Erscheinen der Gut-euibcrg-Biibel (1455—1456) allenibhÄben in -der Diaspora, vor allem in den romanischen LÄrdern, hdbrässche Buchdrnckerwevtstätten entstehen. Die erste hebräische Bibel erscheint Wohl erst 1488 in Soncino, aber schon vorher lassen die neuentstandenen heibräischen Offtzinen in Italien nnd auf der iberischen Halbiniseil eine ganze Reche von hebräischen WeÄen erscheinen. „Der Führer der Unschlüssigen" (More Nebuchim) des großen Rabbi Molsche ben Mamion ging -bereits 1476 in Rom durch *>k Bresse. Die Erzeugnisse der hebräischen Bnchdructereien in Italien legen Zeugnis davon a!b, daß die Juden regen Anteil an den Kullturbestrelbungen ihrer Zeit nahmen und daß die Renaissance einen ganz gewaltigen Eindruck-ans sie ausübte. Aber auch die deutschen Juden wollten nicht znrückstehen und so entstanden auch -in, deutschen Landen bald daraus Wevkstätten, in denen mit großer Sorgfalt hebräische Drukktverle erzeugt wurden. Der Enttvicklung der jüdischen Buchdruckerkunst bringt das nEvwachte Judentum immer mchr Interesse entgegen. So ist im Borjähre die nach der berühmten jüdischen Buchdruckerfamdliie in Italien hemnute „Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Mches" in Bchtzn entstanden, die den Reigen ihrer PMNationen mit dem Neudruck der Fabellsammlung „Sefer Meschalim", nr-shrünglich erschienen 1687 in Frankfurt, eröffnet hat. Neben der Sonoinv-Gesellschaft ist der rührige Bevliner Verlag Joses Altmann bastrebt, unter -AMvendung der photographischen DrucktcchniE die ftü!heste>n Drucke der heibräischeu Quellenwrrke in ursprünglichen Texten buchstckbentreu und in Oviginalgröße zu verösfeutliche». Die Horausigabe der PMikationen, die unter dein Sammelluamen „Monumenta Heibraiea" in Aussicht genomnten ist, wird, unter Mitwivkung von -nanchasten. GÄchrten, von Beuzivn Katz und Heinrich Loelve, ^besorgt. Nun liegt -der erste Band dieser Publ-ikationsreihe vor: Er umfaßt das naben der Bibel vckkstümilichifte jüdische Buch, die „Ha ggadah",*') in ihrer ältesten ittustrievten nnd gedruckten Ausgabe, die gewisser-niaßen als Urbild aller späteren Ausgaben anguspreckien ist und die auch als Borwnrs zu -der bekannten Mantuaner Haggadah (1556) gedient hat. Sie ist die vor 400 Jahren, IM», zu Prag bei Gerischom Koihen-herausgekoniimene und von dem fahrenden Buchdrucker Schwarz hergestellt-e Pessäch-Haggadah, die hier in rFalisinrile wiedergegeben tvird. Nur drei Exemplare dieser berühmten Haggadch, die zu den vollendeieisten Druckwerken gehört, sind -Lvhailiten geblivben. Bor allem ist dir Schrist geradezu prachtvoll; das Ornameutale der hebräischen Quadral-buchsta.ben kommt voll zur Geltung. Entzückend und gieichzeitig rührend nulten die Bilder Die Pesisach-Haggo-da-li des Gerschom K-ohen, gedruckt zu Prag 5M (1696). -Mit Einleitung-von Dr. Heinrich Loeioe. Verlag Josef Altmann. Berlin, M. 10, Lützower- Mer 12, ' ... "l;"' ‘ an, die znnr großen Teil der naiven jüdischen BEsphanlasie entjspMNM sind. Da sehen wir einen orientalisch gekleideten Juden, der mit dex Kreze in der einen und einem Flederwisch in der anderen Hand — wie es noch heule Mich ist — aus die traditionelle Suche nach den Rösten des ungesäuerten Brotes gcht. Dann taucht'ein König auf, der den Sögen über den Wein spricht, Adam mid Eva — beide halten einen Apfel in der Hand — Samson, indem er -das Stadttor wegt-rägt, und der' LieiMng des Volkes, König David mit der Harfe. Diese Holzschnitte mit den prächtigen Umrahmungen einzelner Seiten zeigen von einer hchen Kulturstufe, gleichzMg alber auch von dem geistigen Zusammenhang des Judentums mit dont alten Deutschland. Nicht nur in der Technik des HolzschnAes, sondern in der ganzen Art der Darstellung läßt der Buchschnmck den Einfluß der damaligen Kunst Europas erkennen. Im Geschmack «der deutschen FrühveMisfanee ist das wundervolle Buch gehalten. Aber auch der itMemsche Einschlag — so rankt sich ein lomibardiischer Kandellalber auf der einen Titelseite empor — tritt deutlich in die Erscheinung. In diesem Buche, in tvelchem sich jüdische Innigkeit mit dem Geschmack der Wl° ker vermählt, v-e>rwir-Mcht sich das alte jüdische Wort, wonach die Schönheit Jafets im ZMe Jakobs haust. Dem iadöllos ausgeführten Neudruck schickt Heinrich Äoewe eine in seiner klaren, anzichenden Art gehaltene Einleitung vorails, die schr aufschlußreiche Details -auch in bezug auf die Enistehimgsgöfchichte des Sederritual.es enchäilt. So manches wird sölbtst dem geübten Auge erst nach der Lektüre dieser Studie klar. Alles iu allem eiue lvWkommene schöne Gäbe zum jüdischen Neujahr! Ludwig Bato.

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