Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2362 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. SS62 _ Wen, Freitag_ üändwivtschast ist iberc Juden verschlossen; so MM den Müden > äö. ,Msiedlungsrayon" der städtische Handel Grig. Aber such hier bcgMet der jüdische Händler auf Schritt und Tritt Hindernissen, wie Pvozentnovm i>n StaMkredit uffv. Das ResiUltat ist aibe-r, daß nicht alleüt Lüe Ju'den, sondern auch die gesamte lettische Wirtschaft leiden. _ Set „Stahlhelm" gegen Aumndseu. völkische Frec!' Seiten. Berlin 17. September. (Tel.-Ko-mp.) Dem für .heute gibendö angesagten Bortrag Anmndsens über seine Nordpolexpedition im Flugzeug ging ein politisches" Vorspiel havemS. Gne Gruppe Stahlhelmleu te erschien kurz vor Veginu daö Bortvager Lei Amundsen und ersuchte ihn, seine während de'S Krieges gegen Deutschland erhoibenen Borwürfe und Beleidigungen;urückzunehmen, widrigenfalls man seinen Vortrag verhindern werde. Amundsen «Märte, daß er dies so ohne weiteres natürlich nicht tun Könne, da er seine Verdächtigungen gegen Deutschland auf Grund von Aussagen n o r w e g ischer Seeleute gentacht habe, die ihm erklärt Wien, deutsche Unterseeboote hätten aus Rettungsifährzeuge geschossen. Lbur-z vor dem Bortrag erschien dann ein Haupttnann der Schutzpolizei im Vortragssaal und teilte mit, daß der Vortrag unter polizeilichem Schutz stehe und daß jeder StöviptOversuch von der Polizei verhindert -werden würde. Amundsen hielt darauf seinen Vortrag, der ohne iede Unterbrechung verlief. Saklatvala darf nicht nach Amerika. "Washington, 16. September. (Reuter.) Staatssekretär Kellog hat dem amerikanischen Konsul in London die Weisung erteilt, das dem kommunistischen Unterhausmitglied Saklatvala für die Einreise in die Bereinigten Staaten zur Teilnahme an der Tagung der interparlamentarischen Union in Washington erteilte P a ß v i s u m für ungültig zu erklären, da die Regierung keine Ausbilder zulassen könne, die Anarchie predigen wollen. flu At enialrvlail gegen die Wiener russische GesaMschast. Drei Verhaftungen der Wiener Polizei. — Hausdurchsuchungen bei russischen Emigranten. Am 16. September mittags wurde die Poltzeidlrektian vom Bundeskanzleramt verständigt, daß die GesaMschast des Bundes der sozialistischen Sowjetrepubliken in Wien vor: einem geplanten Anschlag gegen den Gesandten Bersin, bezichungsweise die G e sa n d t s ch a s t. Kenntnis erhalten habe. Aus Grund der von der Sowjetgesandtschaft mitgsteilten Daten wurden von der Polizei zwei ehemals russische Staatsangchörige, die vor einigen Dagen mit falschen Reisepapieren aas Bulgarien hier eitvgetrosfeu und -unter falschem Namen in einem Hotel abgüstiegen sind, gusgchorscht n-nd zum Amte gestellt. Nach den: bisherigen Ergebnis ihrer Perlustrievung und Eiuvemchnre scheinen sie tatsächlich im Austrage einer ausländischen Gruppe nach Wien entsendet worden zu sein, um hier den Anschlag gegen den russischen Gesandten zu verüben. Weiter -wurde anch der ehemalige russische Oberstleutnant Theodor Bo rodin wegen Verdachtes der Mitschuld angehalteit. Die weiteren Erhebungen der PolizeidireLtion ergaben, daß die beiden angeblich zur Verübung des Attentats nach W-ietr entsendeten Russen am 2. d. mit einem Donaudampfer hier cingetroffen sind und -s-eitih-er in verschiedenen kleinen Hotels, zuletzt int Hotel Steinböck, 18. Bez., Schopenhau-erstraße 32, genächtigt haben. Sie waren mit -Answeispapieren versehen, die auf den Nomen Andre Dolvitz und Boullyg u i n e lauteten. Diese Nomen sind, wie die Angchalteuen auch bereits eingestaudeu haben, falsch. Mutmaßlich sind sie identisch mit' dem ehemaligen russischen Leutnant Jeftekilt Schelf chenko und -dem chemäligen SoNoten der Wrangel- Armee Peter Pichno. Sie gäben an, vo-n einem aus ehemaligen russischen Offizieren, die sich als Flüchlinge in Bulgarien aushalt-eu, bestehenden Konlitce den Auftrag zur Verübung des Anschlages und die Weisung echalteu zn hoben, nähere Justruktiouen und Geld -bei dem gewesenen russischen Oberstleutnant B o r o d i n entgogenznnchnren.' Zilr Auifflärnng des Sachverhaltes wurde auch die Korrespondenz mit den b u l g a r i s ch e tt B e h örde u eingeleit-et, dere-n Ergebnis abgewartet werden nmß, um beurteKeu zu können, inwieweit die Angaben der Angchaltenen, insbesondere bezüglich ihrer Auftraggeber beit Tatsachen entsprechen. Um weiters festzustellen, ob außer Bvrodiu auch noch andere ruffische Ginigranteit in Wien an der Angelegenheit beteiligt s-eien, wurden die -diesfalls in Betracht kommenden Personen perlnstrievt und auch eine größere Anzahl von HousdurchMMgen vorgenoinmen. Diese Perlustrierungen und Hausdurchsuchungen haben bisher ein positives Ergebnis nicht gezeitigt. Sie HaMchillinge. Wie verlautet, wird nunmehr mit der Ausgabe der H a l b s ch i l l i n g e in der n ä ch ft e n oder spätestens übernächsten Woche begonnen werden. Es werden bereits um diese Zeit zirka 6 Millionen Stück geprägt sein und dieser Stock soll auf einmal in den Verkehr gelangen. Die Finanzverwaltung beabsichtigt, auch die Ausgabe der Ei,n-Schilling-Münzen, die in der letzten Zeit seltener im Verkehr erscheinen, sortzusetzen. __Wiener Morgenzeitung_ Sie Bedingungen |Bt die Aushebung der AantroOe. Die Resolution des" Völkerbundrates über Oesterreich besteht bekanntlich ans zwei Teilen, der eigentlichen Resolution, in der die Erfüllung des Septemberakkords festgestellt und das Ende des Generalkommissariats zugesagt' wird, und aus einem Anhang, in welchem als Bedingung für die Aufhebung der Kontrolle die Zustimmung Oesterreichs zum weiteren Verbleiben des Beraters der Nationalbank in den nächsten drei Jahren und zur Möglichkeit der Wiedereinführung der Kontrolle in den nächsten zehn Jahren gefordert wird. Mit den C h r i stlichsozialen scheint Dr. R a m e k schon ins Reine gekommen zu sein, mit den Sozialdemokraten hat der Kanzler gestern mittags Fühlung genommen. Sie lehnen beide Bedingungen ab, werden aber sicherlich Beschlüsse des Parlaments, die dem Verlangen des Völkerbundes Rechnung tragen, nicht verhindern können. Die Großdeutschen hatten unmittelbar nach Bekanntwerdev der Bölkerbundrefolution sich sehr erregt gebärdet, doch scheinen sie sich schon wieder einigermaßen beruhigt zu haben. Dr. Seipel las gestern mittags dem Führer der Großdeutschen Dr. D i n g h o s e r ein längeres Privatissimum über die Beschlüsse des Völkerbundrates. Abends versammelte sich der Parteivorstand und der Abgeordnetenklub der Großdeutschen zu gemeinsamtzr Beratung. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Die endgültige Entscheidung über die Haltung der Partei wird in einer für Ende September in Aussicht genommenen Sitzung der Reichsparteileitung fallen. Gestern wurde nur davon gesprochen, daß die Funktions- I Verlängerung des Beraters der Nationalbank eigentlich! eine Sache sei, die in erster Linie die N a t i o n a l b a n k selbst angehe. Man müsse daher erst die Stellungnahme der Nationalbankleitung abwarten. Was die Möglichkeit der Wiedereiitführltng der Kontrolle in den nächsten zehn Jahren betreffe, sei cs notwendig, hierüber authentische Interpretationen einzuholen. In der heutigen Sitzung des Hauptausschusses werden die Vertreter der Partei in diesem Sinne sprechen. W Vmeau des NoMevkongreffer. Die LiquidicrungsanbeiLen. Das jüdische Parlament, der Zionifteukougreß, -tritt nur einmal in zwei Jahren, -und da. meist an einem anderen Orte, zusammen. Das hat begrefflicherweise -zur Folge, daß seine Organisation jedesmal den gegebenen Verhältnissen angepaßt sein mttß. Jeder Kongreß ^stellt seine Leitung vor -neue Ansgaben, die für die betreffende Session ad hoc zu lösen sind. Bei jedem Kongreß werden neue Organifationsmängel sestgestellt, die dann beim nächsten Kongreß auf Grund der gemachten Erfahrungen beseitigt werden müssen. Zu diesem Zwecke gibt, jede Kongreßleituug einen eigenen F e h l e r b e x -i ch t heraus, der rückhaltlos alle achgetauchten SckwierMilen und ihre Löstt-ngsntögl-ichkeiterr aufzeigt. Jeder Ressortleiter hat einen detaillierten Bericht über fein Betätigungsfelds zu erstatten. Alle diese Referate werden gesamm-M, in eineut Werk zufammengefaßt, der Exekutive übermittelt, die daraus ihre Schlüsse zieht und auf Grund dessen nen-e Anordnungen trifft. Während des Wiener Ziomsten>kongresfes leisteten un K-ongreßbureau 120 Beatnte -ttnd Beanüinnen oft durch 20 Stun-don täglich eine aufreibende Arbeit. 250 Ordner hatten sich zur Verfügung gestellt und oblagen mit Feu-ereifer — manchmal auch mit llebercifer —ihrer Pflicht. Die Orgarl-ifati-on des Btlreaus war derart beschaffen^ -daß die Arbeitskräfte in drei E t a p p e n ein fetzten. Einige M-vnatc vor Beginn des Kongresses waren nur fünf Beamte belschäftigt, di-e die ersten Vorbereitungen zu treffen hatten. Wenige Wochen vor Beginn des Kongresses stieg ihre Zahl auf 15 bis 20 und erst -am Tage des Kongr-eßbeginnes wurden die restlichett Kräfte aktiviert. Jtn selben Tempo wurde auch nach Beendigung des Kongresses der Kräfteabban vorgenommen. Gegemvävtig besorgen noch vier Personen die gänzliche Liquidation, die in wenigen Tagen vollendet fein dürste. Alle auf den Kongreß bezüglichen Akten und Brle^Wn werden gesammelt und au das B e r i i n e r A r ch i v geseitLt. Bon der - Arbeit kann mm sich einen beiläufigen Begriff machen, wenn man bedenkt,!daß weit -mehr als 10.000 Briefe aus allen Ländern der Welt eingeilaufen sirtd. Aufgabe der Registratur ist es, die Men fänberlich nach ihrenr Inhalt zu ordnett. Jmpofani ist die Sammlung von Zeitnngsa -u s f ch n i t t e n, welche alle Meldn-ngen und Artikel der Weltpresse -entMt, di-e auf den -Kongreß Bezug haben. Die Ausschnitte werden, chronologitgeordnet, in Mappen geklebt und wandern eibenfatts ins Berliner Archiv. Für das Personal wurden tä^iX neue Weifu-ngen atlsgegeben, Letzte Kurse. New-Uork, 17 September. (Tel.-Komp.> Berlin 23.80. London Kabel 4.8^/*, London Scheck 4.80u/16, Amsterdam 40.20 Paris 4.72V3( Brüssel 4.37V-. Rom E/r. Madrid 14.40. Zürich 19.31, Stockholm 26.82. Oslo 20.88. Kopenhagen 24.85. Wien 14. Budavest 14. Prag 2.96V*, Belgrad 1.78, Men 1.45. Buenos Aire? 407/,8. Rio de Janeiro 13.40 Bukarest 48V«. New-Dork, 17. September. kTel.-Komp.) Weizen rot Winter 1.63-/«, Weizen hart Winter 165-/,. Mais 108V,. Hafer 47% Roggen 97% Ehikagv. 17. September. sTel.--Komv.) Weizen per September 151'/, Hezemder 151-/«, Mai 154V*: Mats ver September VS, De-ember 82. Mai S61/*; Hafer ver September 38%, Dezember 41V". Mai 45V Roggen per September 87'/„ Dezember 92l/3, Mas 96V». IS. September 1925 Seite 3 LÖWEN- FRANZBRANNTWEIN MIT MENTHOL wird mit bestem Erfolge bei Rheumatismus, Gliedei schwäche, Gicht, Mattigkeit, Kreuzschmerzen, Migräne und in tausend anderen Fällen verwendet. Achten Sie au} die Schutzmarkei ln Originalflaschen übet all erhältlich. gesetzt, gesch. Schutzmarke 660 Erzeuger: Alexander Kalmar, Wien, II,, Nordbahnhof die in einer Art Frlihrapport zu-r Kenntnis gebracht wurden. iFeder Gruppenleiter mußte durch feine Unterschrift bekräftigen, daß er die Weisungen empfangen habe, wie auch jeder einzelne Angeitellte bei Begimi des Kongresses einen Revers ansstelle» mußte, daß er sich allen Anordnungen seiner Vorgesetzten unbedingt fugen werde. Uelber die Erfahrungen, die tnan.-mit den technis ch e ,n E i n v i ch i u n g e n während des Kongresses machte, tat man erst jetzt ein vichttges Bild gewinnen. Das Konzerthans ivar, was feine Größe anlangt, für eine solche Beranstal-Ktng sehr zweckmäßig, doch war eine genaue Ortskenntnis des 12 Stiegen nmfassenden Gebäudes nur schwer zu erlangen, ivas zu unliebsamen Kontplikationen Anlaß gab. Sehr zu begrüßen war es, daß gegenüber dem Konzerthaus im Akademischen Gymnas i u m Räumlichke-iten ft'ir die Sitzungen der Landsmanuschaften zur Verfügung standen. Die Ensahrungen, die man mit Wien als KongreWadt, abgesehen von den widerwärtigen, durch die Pogromhetze -hervorgerufemn Szenen, machte, ivaren sehr günstig, doch scheint es, daß die Zweim-illionenstadt für die Abhaltung eines solchen Kongresses etwas zu groß war. Es wäre vielleicht angezeigter, kleinere Städte zu wählen, weil die, Teilnehmer leichter zu konzentrieren sind. In der Gwßstadt war cs fast unmöglich, den -einen oder den anderen Teilnehnier rasch anfzufinden. Die Erfahrungen, die man mit der phonographischen Prot-okollaufnah.me machte, toaren die Edenöbar besten. Das Protok-oll Mrfte >bald in Druck gehen. Der Völkerbund hat, wie wir bereits nMeilen konnten, die Anlage durch seinen SpeziaHellegierten prüfen lassen. Auf Grund de's erstatteten Berichtes wurde sodann die gesamte Anlage angekau-st. Auf diesem Kongreß wurde zum ersten Male die Protokollaufnahme auch in den KoMnr-sssionssitzungen gerMcht, so >daß man . auch von ihren Beratungen ein Kares Bild gewinnen -konnte. Im Bervi-elfältigungs^ am t arbeiteten sechs Mafchinen, davon drei mit motorischer Kraft. Eine* einzige Maschine war imstande, innerhalb vier Stunden 93.000 Abzüge herzustellen. Um nun ein zttsammenfassondes a!b,schließendes Urteil zu geben, kann man sagen, daß die Führung des Kongresses, was seine technische Seite anlang-t, eine ausgezeichnete war. Die ungeheure VemntwoMng und Arbeitslast lag in den Händen des Leiters des Kongreßbu-reaus Dr. Gelber und de's Generalsekretärs Herrn Ullmann. Sie haben sich ihrer AuftuM in mustergükiger Weise entledigt. In einem Gespräch, das unser Mitarbeiter mit Herrn Ullmalttn hatte, gab dieser seiner Ansicht darüber Ausdruck, daß es zweckmäßig wäre, ein ständiges Kongreßbureau mii einem gefchu-ltetr Beamtenstab einzurichten, das für jeden Kongreß die Vorbereitungen zu treffen hat. Es /hat sich nämlich gezeigt, daß Routine, Sachkettntnis und vor allem die persönliche Bekanntscha?ft mit Iden Delegierten, die auf den meisten Kongressen dieselben sind, unerläßlich ist. Man suchte bereits bisher dieser Erfahrung N-echm-ng zu tragen, in-dem man sich für die Leitung des Kongvchbureaus meist erprobte Leute verschrieb. Aber auch die untergeordneten Organe müßten mit den Kongreßgepslogenheiten vertraut sein. Obwohl die Arbeit siir joden einzelnen Angestellteir genau albgcgrenzt ist, so muß er doch innerhalb seiner Direktive ein selbständiger Arbeiter sein und nur erft- -klassige Kräfte tonten für ein solches Bureau in Frage. TüchtigEeit muß sich en-it Jdeallisnms paaren. Nur -darur -kann ersprießliche Arbeit geleistet werden. Ueber beides konnte -man bei den Leitern und Mitarbeitern des Wiener KougreMureaus nicht klagen. R. & Sine rabbinifche Lehranstalt in Langer. Tunis, 17. September. (I. T. A.) Schon in deU nächsten Wochen wird in Tanger ein Rabbinerseminar eröffnet werben, welche's nicht allein als Lehranstalt, sondern auch als das erste Zentrum rabbin-ifcher, philosophischer und literarischer jüdischer. Studien in Nordctfrika gedacht ist., Leiter des Jnsütuts Wird Rabibi Jacob Morse' Tole,dano. aus Tiberias (Paläftina) sein-,- der demnächst iit Tanger erwartet wivö