Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2362 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981448--24100-3011611- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
SeiteS Wen,-Freitag Wiener Morgenzeituna 18. Septenrber 19SS Nr. 2862 lPlutokraten arbeitende Gesellschaft und die widerlichen Szenen auf der Straße nannte das gemütliche Blqtt eine Privatangelegenheit jüdischer und christlicher Pfaffen, um welche -sich das arbeitend^' Wien nicht zu kümmern hat. Die Wiener Gesellschaft unh die Wienet Stadtverwaltung überlassen es den Hakenkreuzlern, d^n Saften die Honneurs zu erweisen. * Jetzt ist man wieder urgemütlich und lädt wieder ein. Und schon melden sich die Herren Hakenkreuzler zu. 'Wort. Ihr Organ, die „Deutsche Arbeiterpresse", das' dank der „Gemütlichkeit" der Wiener Behörden in jeder Nummer zur Ermordung der Juden und Fremden' einladen darf, schreibt: „Nun "kommt die Hebräergilde mit einem neuen Plan: Wien der ideale Sitz des Völkerbundes. Wir möchten den Völkerbundjuden und ihren. Freunden. nur raten, sich diese Idee rechtzeitig aus dem Kopfe zu schlagen. Sechstausend Mann Polizei können nicht jahrelang ununterbrochen Bereitschaftsdienst machen:" Ueber diese freundliche Warnung geht aber die Wiener Gemütlichkeit stillschweigend hinweg, wie sie über die fatale Erinnerung an den Zionistenkongreß hinweggegangen ist, und ruft die fremden-Gäste unbeirrt freundlich zn sich. -Wenn sie nur einmal hier sein werden, wird der liebe Gott schon für sie sorgen. Ja, ja, das gemütliche Wien rüstet sich zum Empfang der geldbringenden Gäste und wird sehr erstaunt tun, wenn die Genfer nicht sofort geehrt und entzückt die herzliche Einladung annehmen. Soll man das unausrottbare Gemütlichkeit nennen oder unausrottbare Stupidität? Das ist die Frage. AvvMhk Anträge abgelehnt. Die Arbeiten der Völkerbundkommissionen. Genf, 17. September. Die Völkerbundkommission für die politischen Fragen hat die vom Grafen A p p o n h i vertretenen Anträge zur Regelung der Minoritätenbeschwerden ab gelehnt. Ungarn hatte verlangt, daß der Völkerbund auch Vertreter der Minderheiten über ihre Beschwerden einvernehme und daß über die rechtlichen Fragen obligatorisch in jedem Falle ein Gutachten des permanenten Gerichtshofes einzuholen sei. Diese an sich berechtigten Anträge m u ß t e n a b g e.l e h n t werden, da es eben Ungarn war, das sie stellte. Die Völkerbundkommission erkannte die Spiegelfechterei, der sich Graf Apponyi unterziehen mußte, und beschloß, das in der Debatte zutage gekommene. Material dem Rat des Völkerbundes zu überweisen. Für Apponhi setzte sich nur der Vertreter des litauischen Hakenkreuzstaates ein. Im Resormationssaale wird nun für einige Tage vollkommene Ruhe herrschen, dagegen ist nun im Palais de Nation reges Leben. Es finden dort vom Morgen bis zum Abend Sitzungen statt. Großes Interesse beansprucht die dritte Kommission (A b r ü st u n g), in der die allgemeine Aussprache über das Sicherheits- und Abrüstungsproblem sowie über die dazü eingebrachten Resolutionsentwürfe der Holländer, Spanier und Ungarn fortgesetzt wurde. Ferner sind Sitzungen der dritten, vierten und fünften Kymmisiion vorgesehen. Obwohl die Redner der Großmächte schon anläßlich der letzten Kommiffionssitzungen ihren Standpunkt präzisiert hatten, ist das Interesse, das den Verhandlungen der Abrüstungskommission entgegengebracht wird, unverändert groß. In der fünften Kommission (Soziale und allgemeine Fragen) wurde beschlossen, den Resolutionsentwurf der schweizerischen Delegation über den Kinderschutz in einer späteren Sitzung zu behandeln und Sugimura (Japan) mit der Berichterstattung zu bettauen. Hierauf wurde die Aussprache über die armenische Flüchtlingsfrage fortgesetzt. In der vierten Kommission (Budget und Finanzen) wurde der Vorschlag eingpbracht, es sei an die internationale Telegraphenkonferenz in Paris das Ersuchen zu richten, daß die Telegramme des Völkerbundes die gleiche Vorzugsbehandlung wie die Pressetelegramme genießen sollen. Dieser Vorschlag wurde ebenso wie: auch ein weiterer Antrag, wonach die Pressetelegramme eine weitere Verbilligung erfahren sollten, an die zweite Kommission zur Antragstellung überwiesen. Es entspann sich hierauf eine große Aussprache über das Budget der H h g i e n e o r g a n i s a t i o n, das mit seiner Höhe von 988.166-Goldfranken Anlaß zur Kritik gab. Es wurde demgegenüber auf die ausgezeichneten Dienste dieser Institution verwiesen und beschlossen, dem Budget zuzustimmen, -und zwar mit dem Vorbehalt, daß im folgenden Jahre ein gewisses Verhältnis zwischen dem Budget der Hygieneorganisation und demjenigen der anderen Institute des Völkerbundes ge-, schaffen werden sott. . Die türkischen Christendeportationen. Genf, 17. Setember. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der Generalsekretär des Völkerbundes hat vom britischen Oberkomm issär in Bagdad ein Telegramm erhalten, das den Inhalt zweier Depeschen bekannt gibt, die dem Kommissär von einigen chaldäischen Priestern -im Gebiet von Goya n, >das «unter Zänkischer Herrschaft steht, zugegangen sind. In dem einen Telegramm wird bestätigt, Ae lMt-Kmserenz i« Philadelphia Dietzrweilernng der gewüb . "SMMMt 'W. SMmbn. (I. T. A.) Dizchmtjüdische- Presse Amevikäs begrüßt mit Genugtuung .die Beschlüsse der Konferenz des Joint Distribution- Comanittees in Philadellphia und gibt der Erwartung Ausdruck, - daß die Judenheit Amerikas dem Ruse Joint folgen und durch weitere Geldopser die neue .Hilft- und Aufbauarbeit unter der um ihre Existenz kämpfenden Judenheit Osteuropas ermöglichen wird. Unzufrieden ist nur die kommunistenfreundlich c Tageszeitung ,/Freiheit", die es tadelt, daß in der Resolution unterlassen wurde, Rußland und die russische Kolonisation ausdrücklich zu nennen.' Die Zeitung sagt, die Tatsache, daß «das Wort Ionisation in Rußland vermieden wurde, deutet darauf «hin, daß zwischen den Zionisten und dem Joint Distribution Committee ein Deilabkommen Abgeschlossen worden ist. Die Resolutionen bedeuten also einen zionistischen Sieg. Ueber den. Verlauf der Konferenz ist noch zu berichten: Einen großen Teil der Debatten nahm die Frage der'Kolonisation in Rußland ein. Die Stimmung «lvurde zuweilen sehr erregt. Der Präsident des amerikanischjüdischen Kongresses Doktor Stephen S. Mse sprach sich dahin aus, daß angesichts der ungewissen Lage in Rußland und der unfreundlichen' Stellungnahme der Bauernschaft gegenüber der jüdischen Siedlungsbewegung der Plan der Kvintkolonisation der jüdischen Bevölkerung in Rußland zn einer Gefahr tverden könnte. Auch Mr. Jacob de Haas ermahnt« die Konferenz, die Angelegenheit der Kolonisation in Rußend erst sorgfältig zu prüfen, bevor der erste. Schritt gewagt wird. Im Falle, eines Wechsels des Regimes in Rußland seien P og r o me ' durchaus, im Bereiche der Möglichkeit, und es sei befürchten, daß dann die jüdische Position in der Landwirtfchäst' wird ausgegeben werden müssen. Agency wird durchgefilhrt. Mr. Louis Mar s hall erklärte, daß die vorgebrachten Bedenken übertrieben feien, das Werk in Rußland müsse getan werden. Es sei keinesivegs zu befürchten, daß die neue Kampagne die amerikanische Judenheit von ihrer Pflicht gegenüber .dem Palästmaaufbau aolenken wird. Er sei mit Dr. Weizmann in Genf zusammengettofsen und dieser «habe den Plau des Joint gebilligt. Sicherlich wird der Joint-Trive die zionistische Arbeit in lden Bereinigten Staaten nicht beeinträchtigein Lollis Marfhall schloß: Mr werden auch den Juden in Palästina in ihrer Aufbau tätiglkeit beistehen. In meinem sowie in meiner Freunde 3tan:en kann ich versichern, daß der Plan der Erwe iternng der Ic w is h Agency durch Anteilnahnre unparteiischer jüdischer Führer Amerikadurchgcsührt Werder: wird. Die Diskussion wurde immer erregter, so daß eine Spaltung der Konferenz in Anhänger Vt russischen .und in Anhänger der «palästinensischen Kolonisation zu. befürchten war. Nunmehr ergriff der Vizepräsident des ameri kalt isch-jüdischen Kongresses, Mr. Joseph Barondeß, das Mort und schlug die Einsetzung einer Kommission vor, die die Entschlüsse auszuarbeiten «haben soll. Sein Vorschlag wurde angenommen und-ein Komitee aus den Herren Felix M. Marbu rg, Louis. Mars h a ll, Rabbiner Dr. Stephen D. Mise, James M. Rofenb e r g, David A. Br o w n, Jacob F i s h nt a u, Maurice S a m u e I, Karl S h e r m a u, Nathan S t r a u s, Heribert Lehman, Jacob de Haas Ulld Joseph Barond e ß eingesetzt., Das Komitee trat sofort zusammen und unterbreitete nach wenige:: Stunden der Konferenz die Resolutioiren, die angenommen würden. Spät nachts wurde die Konferenz geschlossen, die zionist i s ch«n D e l e g i e r t e n stimmten den ^If•— hhmims -Hatikwah" an. '! Kinadaß die Türken die Christen in Goyau grundlos ihrem Heim und ihren Dörfern weggeschleppt haben. Me Männer, Frauen und Kinder wurden vor dän Bajonetten der türkischen S o l da t e n hergetrieiben. Auch' wurden ' sie aller ihrer Ha be be raubt. Die Christen von Gohan appellieren an. den Völkerbund. Im zweiten Telegramm wird lreuerdings um die Vermittlung des Völkerbundes nachgesucht. . . ' Wie von türkischer Sekte nritgeteilt wird, de men-. tijertt die türk:sche Regierung kategorisch die Be-! hauptunge-n, die sich auf die Verschleppung von 'Christen nach der Türkei -beziehen. Es hätten nirgends in der - TüE Christendeportationen stattgefunden. - - ' ' Das Institut für geistige Zusammenarbeit. Genf, 17. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der neue Direktor des Internationalen Instituts für geistige Zu- - sammenarbeit in Paris, Luchaire, erstattete einen eingehenden Bericht über das .Wirken des .Instituts und stellte hiebei fest, daß der vorjährige Direktor Bergson infolge Krankheit zu rückgetreten fei. Die Kom- - Mission 'beschloß, dem Gelehrten eine Dankadresse zn' übermitteln. __ Fragen der jüdische« Minderheiten in Sens. Genf, 17. September. (I. T. A.) Am 16. d. hielten der Minister des Aeußern Polens Skrzynski.und der Bertteter des Londoner Joint Foreign Committee und der Pariser Jca Lucien Wolf, eine Besprechung ab^ Mr. Lucien Wölf machte Skrzynski darauf aufmerksam, daß unter der Judenheit Polens, sowie auch außerhalb Polens Unzufriedenheit darüber besteht, daß die Bedingungen des Abkommens zwischen der polnischen Regierung und der. jüdischen parlamentarischen Vertretung ' in Polen nicht erfüllt werden. Skrzynski. versicherte, die polnische Regierung -halbe, den besten Willen, /das Abkommen zu verwirklichen, es sei aber ein Aufschub nötigweit der Inhalt des Abkommens erst noch Gesetzesform erlangen müsse. Es sei aber keinerlei Grund zu einem Pessimismus vorhanden. Die gegen den antijüdischen Numerus clausus in Ungarn bei dem Internationalen Gerichtshof im Haag eingereichte Klage bildete am 16. d. Gegenstand einer Untersuchung der Minderheitskommifsion des Völkerbundes. Es lag ein Bericht dreier Sachverständiger vor. Es wurde beschlossen, die Angelegenheit dem Vö lke rhu nd rate zu-Äergeben, der in «der nächsten Woche darüber zu verhandeln haben wird- - - ■/ '« Die Minderheitskommission des Völkerbundes beschäftigte sich am 16. d. auch mit-einer Klage'gegen die litauische Regierung, die bekanntlich alle Ge-- fchäftsfchvlder mit nichtlitaü-ischer -Sprache entfernen ließ. Der frühere litauische Ministerpräsident Galvanaüs-kas teilte dem Völkerbundrat mit,/daß die Regierung da s Gesetz annullieren, wird. . Herr Lucien Wolf hatte am 16.' b:eine Besprechung mit den: griechischen Vertreter beim Völkerbund, Fe nt i s, über das Zwangsfonntagsruhegesetz ' in Griechenland und Saloniki. Der griechische Vertreter gab das Versprechen ab, -daß die griechische Regierung das Gesetz modifizieren wird, derärt, daß die Juden Erleichterungen erlangen. - Die Ieutschnationalen boäen. Hcrgt droht mit dem Altstritt aus der Regierung. . ‘ Berlin, 17. September. (Tel.-Komp.) Die politische'Lage hat plötzlich eiye außerordentliche Verschärfung erführen. Der Wahlkreisver'bantz Ostsachsen der Deuifchnaliona-len -Volks' Partei hat nach einem Referat des Führers -der Deutschnäiiö'- nailen Dr. Hergt ein« Ensschliehung angenonWen, in der mit dem Austritt aus der Reichsregier-ung gedrcht wird, wenn die.Paktverhandlungen fortgesetzt wer-den. Es sei die Ausgabe der Partei, wird in der Resolution eMrt, durch ihre dazu berufenen Vertreter Bevtragsannahme und Eintritt in den Völkerbund zu verhindern:. Dieft Entschließung hat in -den politischen Kreisen der Reichchauptstadt große Sensation hervorgerus-en. Sie. erhält ihre besondere Bedeutung dadurch, daß sie gerade durch den früheren Part ei Vorstand Hergt herbeigesi'chrt wurde, der sich ebenso wie seine Partei der Politik des Kabinetts Luther angeschlossen hat. In der für den 36. September zusa-mmenbevusenen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses wird die deutschnational-e Fraktion sich freilich definitiv erklären müssen, wie sie es mit der weiteren Bchandlung der Sicher? heitspaktfrage zu halten gedenkt. Die (Stetuttoe des kmigrolionsdireitoriums. Berlin, 17. September. (I. T. A.) Dieser Tage «hat eine «Sitzung der von!der letzten Emigra-tionskonsereuz -neugewählten Exekutive des Gmigrationsdir-ekto-riums (Bereinigtes Komitee für jüdische Auswanderung) stattgefunden, in der die KonMnerU'Ng^ der Vevwalltmg vorgenommen worden ist. Zum Präsidenten «des Emigra'tionsdirelktoriu-ms wurde Dr. Mron Kraini-n, zu Vizepräsidenten wurden Abgeordneter Dr. Oskar Cohn und W. Latzky-Bert hol di gewählt. Der wirtschaftliche Antisemitismus in Lettland. Riga, 17. September. (I. T. A.) Aus Anlaß 'der kommenden Sejmwahlen macht sich in-Lettland eine antisemitische Propaganda bemerkbar. Um sich die Shmpathien der Wähler. zu. sichern, wetteifern die einzetnen Parteisühr-er in der Kundgebung antisemitischer. Gesinnung. Im. .Zusammenha-ng mit dieser Hetze weist der bekannte jüdische Oekono-mist Dr. Sif in der großen Rigaer Tageszeitung „-Sewodnia" -darauf hin, 'daß in Le-t-tland tatsächlich für die Jude!: ein lv-irtschaftliches Ghetto besteht. Unter den 40.006 Staatsbeamten sind «kaum zwei bis drei Juden, der Zutvitt zur Fhr seid für da» Dchiikkal des Keren Kajemeth fliAfhitttlD den ihm verantwortlich, verschaffet ihm im jüdischen gebührenden Platz: Spendet selbst vorbildlich und erinnert alle zur Dhora Ausgernsenen an ihre Wicht gegenüber dem Keren + ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ i