Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2362 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Polen: 2Q gioszy| Wien: Ivan Abholen Inder Expedition, IL, Taboistr. 1-3, pder in einei Verseht eisstelle [Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Q o I d sch mied, 1„ Wollzeile 11 M Postversand für Wien fand Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Siowakel: Mon. K 22, Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frca. 18 NaehseMnsgcB M Prei *- erhobangen eoebehelie« IVrels England: Mon. 4 Schilling. Italien:; Monatl. 18 lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.100Lewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. S Redaktion, Administration: Wien, II. Taborshvl Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102. 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D.uckerei lg. Steinmann) Oesterieichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 Sir. 2862_ Wim. Freitag. IS. September 1825 7. 8aHrgma Die Verlautbarung im Amtsblatt. . Ferusalem, 15. September. Die „Officio! Gazette" voll Aerusalem vom 15. Juli d. I. enthalt de» Gesetzentwurf, der die die Einwanderung betreffenden früheren Verordnungen auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre zufammenfaßt und ergänzt. Der Gesetzentwurf bedeutet eine Erschwerung der Einwanderungsbedingungen insofern, als die Kontrolle der Landesbehörden dadurch wesentlich vermehrt wird. Durch die Einsetzung eines obersten Einwauderungsbeamten nebst anderen Einwanderungsbeamten und ihre Ausstattung mit weitgehenden' Machtbefugnissen ergeben sich zahlreiche erschwerende Förmlichkeiten. In Zukunft find die britischen Konsuln allein nicht mehr zur Erteilung der Einwanderungserlaubnis befugt, sondern diese muß durch das Sekretariat des „Chief Immigration Officer" in Jerusalem bestätigt werden, wodurch Zeit verloren geht. Nur für Touristen, das heißt Reisende, die nicht länger als drei-Monate im Lande bleiben wollen,, fällt diese Erschwerung fort. Die besonderen Erleichterungen für die palästinensische Zionistische Exekutive, die bisher für die Einwanderung ans Grund der Arbeitslisten bestanden, sind beibehalten worden. Ohne Rücksicht aber darauf, ob ein. Fremder das Visum eines britischen Konsuls besitzt, hat er kein absolutes Recht zum Betreten des Landes ohne die WMAW des Mef^m'MMM^Dfficer "ober seine? Beamten. Jeder Einwanderer, der länger als drei Monate in Palästina zu bleiben beabsichtigt, muß eine Gebühr bezahlen, die für Personen über 16 Jahren 1 ägyptisches Pftrnd, für solche unter 16 Jahren 20 Piaster beträgt. Wenn der Einwanderer bei der Landung als krank befunden, sich einer ärztlichen Behandlung im Krankenhaus unterziehen, geimpft oder unter ärztliche Beobachtung gestellt werden muß, ntuß er selbst die ortsüblichen, beziehungsweise durch die durch Quarantänevorschriften geregelten Gebühren entrichten. Der Chief Immigration Officer kann solchen Personen die Einwanderungsgenehmigung erteilen: die im Besitz von 600 äghpt. Pfund sind und ein Handwerk, Handelsgeschäft oder Landwirtschaft betreiben wollen; die im Besitz von mindestens 250 ägypt. Pfund und in Handel oder Handwerk bewandert sind; die ein sicheres Einkommen von mindestens 60 äghpt. Psund jährlich außer ihrem sonstigen Verdienst Nachweisen; ferner Kindern unter 16 Jahren und Studenten, deren Lebensunterhalt gesichert ist, bis sie sich selbst erhalten können; Geistlichen, deren Lebensunterhalt gesichert ist und sonstigen Personen, die eine sichere Aussicht auf Beschäftigung in Palästina haben. Anträge, auf Einreisegenehmigung sind auf vorgeschriebenen Formularen d u r ch d i e b r t>t i s che u. K o nsuln an den; Chief Immigration Officer zu richten. Ernennungen im Einwanderungsamt der Palästinaregierung. Jerusalem, 17.. September. (I. T. A.) Oberkommissär Feldmarschall Lord Plumer ernannte.den bisherigen Kontrolleur der Einwanderungsscheine im Sekretariat des Einwanderungsamtes Albert M. H yamson zum Chef des Jmmigrationsamtes und William Gibb, Walter Gilbert Smithers, George Zecharia M s a r s a, Vizesergeanten Leslie Kelwah P o p e, Captain Edward' Walter Northfield und Leutnant Robert Smith zu Beamten des Jmmigrationsamtes. Sie Forderungen der Wdischr« Ratlonalrates. . (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".).. J ^Jerusalem, lö. Mptember. Präsidium des aad Leumi unterbreitete- -ein. OberkoMmissar Lord Plumereine Denkschrift, die 'nach.,.silrem allgemeinen Rückblick; auf die Entwicklung' der Äuge in den letzten Monaten, jene F o r d e r u n g.e.n enthält; durch deren Nichterfüllung die Juden des Landes sich besonders benachteiligt fühlen. Die dringlichsten Forderungen sind: Unverzügliche Herausgabe des G c m e i n d e g e s e tz e s, Erhöhung des Regierungsbeitrages für. das jüdische Erziehungswesen, ferner Zuweisung von staatlichem Boden an jüdische K o l o n i st e n und - schließlich größere Er-' leichterungen für die E i n w a n d e r u n g. Lord P l u m e r sagte der bei ihn: erschienenen Abordnung zu, die ihm vorgelegten Forderungen' mit vollster Austnerksamkeit zu behandeln. Für die nächsten Tage wird bereits eine Verordnung Lord Plumers erwartet, durch welche den anerkannten Gemeinschaften däs Recht eingeräumt wird, von ihren Mitgliedern für religiöse Erziehungszwecke besondere Abgaben einzuheben. Ser Marottolrieg. Paris, 17. September. (Tel.-Komp.) Im Anschluß an die letzten französischen Operationen im Abschnitt von Tafrant, die zur Einnahme des Bibane-Massivs führten, wurde das ganze Gebiet des Uerghaflusses von den Rifkabhlen gesäubert. In der Bucht von A l h u c e m a s werden die spanischen Truppen immer noch durch schlechtes Wetter stark behindert. Ein französisches Schiff ist gesunken. Die Bemannung konnte durch ein Torpedoboot gerettet werden. _ Sarrail wird kaltgestellt? Paris, 17. September. (Tel.-Komp.) General Garn e l i n ist heute vormittags in Damaskus eingetrosfen. Mische Vertreter in der gesetzgebende» Versammlung r« Tanger. Dunis, 17. September. (I. T. A.) Als Resultat des kürzlich Zwischen den Negierungen Frankreichs, Spalliens und Englands abgeschlossenen Mommen's über Tanger ist den Inden von Tunis zum ersten Wie Gelegenheit gegelben worden, sich an den gesetzgeberischen Angelegenheiten des Landes zu beteMgen. Ms Vertreter der jüdischen Gemeinde von Tunis in der gesetztzchenden Boxsammliung lvurde Serwr ^Cmiell gewäW Achttscherinr Reise verschoben. Warschau, 17. September. Der für den 20. d. angekündigte Warschauer. Besuch T s ch i tscherins und. damit zunächst auch seine Europareise sind, v erschölle n worden. Die Warschauer russische Gesandtschaft teilte der Polnischen Regierung mit, daß Tschitscherin tränkheitshalber zurzeit nicht reisen könne. Man nimmt hier an, daß es sich nur um einen Aufschub von acht bis vierzehn Tagen handeln wird. Lösung des deutsch-russischen Vertrages von Rapallo- Paris, 17. September. Ein hiesiges Finanzblatt veröffentlicht eine Moskauer Drahtmeldung über die in - Warschau geplante Zusammenkunft zwischen dem Polin--- schen Außenminister SkrzYnski' - und T s. ch itscherin. Das. Blatt glaubt zu wissen,, daß Tschitscherin den Gedanken.erwäge, den ganzen R a p a l l o - V e rtrag mit Deutschland zu lösen und ein Ab- ,k o m m e n m i t Frankreich und Pol LN herüeizuführen. Skrzynski, der heute am Quai d'Orsay vorgesprochen hat, sott auch die Warschauer Zusammenkunft zur Sprache gebracht haben. (Diese Meldung ist ebenso wie alle anderen Kombinationen, die sich an die geplante Reise Tschitscherms knüpfen,; mit größter Reserve anfzunehmcn. Die Red.) ' Wegen der jüdischen Feiertage wird die „Wien c t M o r g e n z e i t u n g" am Sonntag den 20. d. n i ch 1 e r s ch e i n e n. Die nächste Nummer wird dann am Montag den 21. d. um 12 Uhr mittags ausgegeven. str. W i e«, 18. Sevtember. 4 ♦ Sie ist doch unverwüstlich, die Wiener Gemütlichkeit. Jetzt lächelt sie wieder dem Völkerbünde zu. Eine Wiener -Zeitung hat die Frage aufgeworfen, ob nicht der Völkerbund einzuladen wäre, seinen Hitz von Genf nach Wien zu verlegen. Wien ist doch so schön, seine Bewohner sind so lieb und gastfreundlich. Hochentwickelte Kunst, gesellschaftliche Ältur, zentrale Lage, technisch hochstehender Nachrichtendienst. Alles ist da, was Herz und Kopf begehren. Die Anregung , ist auf fruchtbaren Boden gefallen — in Wien. Man schreibt und spricht jetzt viel über das schöne Projekt und jeder trägt sein Schärflein an Worten bei zum Ausbau des herrlichen Lustschlosses. Der Obmann der Gastwirte hat schon gesprochen, der Präsident . der . bildenden Künstler und der Schneider'desgleichen, der Zar aller Hoteliers und der Beherrscher der Fußbekleidungsarchitekten auch. Die Repräsentanz der Damen von der Kärntnerstraße hat bis jetzt geschwiegen, aber es ist nicht übertriebener Optimismus, wenn man vermutet, daß auch sie dem Projekte , und der damit verbundenen Erweiterung ihres Kundenkreises nicht abgeneigt ist. Alle maßgebenden Faktoren sind also bereit, den Delegierten, Beamten, Gästen und Kiebitzen des Völkerbundes den Eintritt in die'schöne Stadt zu. erlauben und ihnen in charmantester und amüsantester Form Geld abzunehmen. Und ' jetzt zeigt sich wieder der Unterschied zwischen der warmblütigen Gemütlichkeit in Wien und der hölzernen Steifigkeit da draußen. Wien winkt und plaudert' und sprudelt — Genk schweigt. . ' Wien hat vor einigen Monaten auch liebens» würdigt eingeladen, und zwar die Zionisten.' Auch sie wurden freundlich ersucht, ihren Kongreß' in der gast-: lichen Dönaustadt abzuhalten. Doch als die Einladung angenommen und die Vorbereitung : getroffen war, da ging ein Schimpfen und Fluchen und Drohen los, das wenig gemütlich klang. Die Plakatwände Wiens bedeckten sich mit Aufrufen gegen die fremden'Saujuden. Jeden Tag fanden Versammlungen statt, wo feierlich beschworen wurde, daß keiner der zugereisten Semiten die Stadt lebend verlassen dürfe. Das taten die Hakenkreuzler, und die liebe große Wiener Gesellschaft über- , ließ ihnen seelenruhig das Wort und mischte sich micht drein. Nur der ruhigen, stolzen Festigkeit der Zionisten und der unbeirrbaren Pflichttreue des Wiener Polizeipräsidenten ist es zuzuschreiben, daß es weder zum Skandal einer Absage im letzten Augenblicke noch zu ernsten' Ausschreitungenkam. Aber gelassen ließ diese Stadt und ihre Verwaltung es über sich ergehen, daß uniformierte und völkisch - heräusgeputzte Pöbelhaufen, voran die goldene akademische Jugend; an den Ringstraße'nhötels vorüberzogen und ihr widerliches Schand? geheül ' den Gästen in die Fenster schrien. „Juden rausl" sang: man im Chor und das Metzgerlied: „Stecht - sie ab, die' Judensaü, den verfluchten Rüthenaü!" Das gemütliche Wien stand als Gaffer in drei und vier Reihen da und schwieg.. Die Verwaltung der gemütlichsten aller Städte war nicht zu sehen und nicht zu hören. Ihr lieber Herr Bürgermeister hat eine Begrüßung des -Kongresses säuerlich-höflich abgelehnt, da er doch als Sozialdemokrat an einer „konfessionellen" Veranstaltung nicht teilnehmen könne. Sozialdemokraten von etwas größerem Kaliber,' wie etwa Mac Donald,' Blum, Bernstein, Cohn, 'sind anderer Meinung und werktätige Freunde der großen jüdischen Volkssache. Aber für die Wiener Städtgewaltigen und ihr Oberhaupt ist der zionistische.Weltkongreß eine unbedeutende und schädliche Zusammenrottung reaktionärer Elemente, der man die Ächtung versagen darf, die man jedem. Gesangsverein und Feuerwehrklub erweist, wenn er nach 'Wien kommt. Weil die bösen Wiener Zionisten bei. Wahlen nicht parieren wollen, streicht man den Zionismus ausder Geschichte. Aus dieser Stellung rückte die Stadtverwaltung auch dann nicht heraus,' als das primitivste Anstandsgefühl es erfordert hätte. Bei'den wildesten und verkommensten Menschenstämmen löst der ^Angriff auf Gäste ein gewisses Gefühl der Ritterlichkeit aus. In Wien wurden Gäste blutig beleidigt und der Repräsentant der Stadt, der Bürgermeister, fand nicht ein Wort der Anteilnahme oder der Entschuldigung. Dafür verhöhnte sein Parteiblatt, die „Arbeiterzeitung", den Kongreß als ' eine iur Dienste Md xnit ' dem GM ententistischei -1 ' maniiMmgmmnifjBi n ..■wurm i n . )UI«JHIII«MII».», ‘T A*BimBHBMIH «