Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2361 (17.9.1925)
- Date
- 1925-09-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mener Morsenzeitung igelte S Skr. SM Wrm^ DMuev'stag Ae AschriMo« für den Keren Kaiemelh in Siez Israel. Jerusalem 16. S'ePtAnber. In Evez Israel wird die Tischriattion für den Keren Kajometh durch eine.Delegation der hervorragendsten Rabbiner des Landes, die unter der Führung der Oberrabbiner Kuk, Jakob Me ir und Aron so hn durchgeDhrt. Diese Rabbin-evdelMtion, der sich auch Rabbiner aus E l r s a b e t h g r a d, Bo jkowisik und anderen Orten anschlossen, bereist die landwirtschaftlichen Siedlungen des Keren Kajemeth tait E m c k und Gal il, uni sich dort von dem Stand der Arbeit zu überzeugen. Uchevall, wo die Rabbinevdeliegierten erschienen, ganz besonders in Ksar-Oideon, Ehittin, Awv-dath- Jstasl, Nachlath-Jaakbb, Ksar-Jeladiw, Nahalal usw. wurden die Abgesandten mit großer Begeisterung cmrp- Hfangen. Sämtliche Siedler gedachten mit großer Dankbarkeit des K e r e n K a j e in e t h, der ihnen die Ansiedlung in Evez Israel ermöglichte, und verpflichteten sich, den Keren Kajemeth durch Persönliche Opfer zu fördern und für ihn Propaganda zu machen. * Die Tischriaktion des Keren Kajemeth. Alle diejenigen, ' die denn Keren Kajemeth helfen wollen, in Tempeln und Bethäuisern Wiens heimisch zu werden, werden zu der heute Donnerstag den 17. d. um 8 Uhr abends im Bureau, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, stattfindenden Mitarbeiterbesprechttug ein- E geladen. Da das Gelingen der Tischriaktion, die schöne Erfolge zu bringen verspricht, von der Mitarbeit.aller Zionisten abhängt, ist zahlreiches und pünMiches Erscheinen notwendig. Ser „Wische" Bolschewismus in Rußland. Bier Prozent der kommunistischen Parteimitglieder sind Juden. Aus Moskau berichtet I. T. A.: Der kommunistischeu -Partei iu der gesamten Sowjetunion gehören nach den offiziellen Statistiken im ganzen 28.900 Juden an. Aehnlich sieht es mit der „Berjudung" der führenden Stellen in den bolschewikischeu Regierungsbehörden aus: Bon den 192 Mitgliedern des Zentrmlkomit c e s mtb der Zentral - Kvntrollkominission der russischen kvnimuilistischcn Partei sind 156 Russen, 10 Ukrainer, 2 Weißrussen und 24 Juden. Bon den 58 Mitgliedern des P r ä s i d i u in s des Zentralexekutivkonritees der Sowjetunion sind 47 Russen, 6 Ukrainer und 5 Juden. Dem Rat der Bolkskommissäre gehören an: 18 Russen, 1 Ukrainer und 3 Juden. Ser Svrung mit der Bombe. Versuchtes Attentat auf den Präsidenten von Mexiko. New-Aork, 16. September. Auf den Präsidenten von Mexiko,iCalles, wurde ein sonderbares Attentat verübt. Als der Präsident das Stadion auffuchte, sprang iin Mqatlt vou der Galerie vor die Füße des Präsidenten. Beim Aufsprnng auf den Boden erfolgte eine E x p l o s i v n, wobei der M a n n i n S t ü ck egerissen »wurde. Der Präs ide nt blie b unverletzt. Es wird allgemein angenonrmen, daß der Attentäter eine Bombe bei sich trug, die beim Aufschlagen auf dem Boden explodierte. Reform der Mietengesetzes. Wie berichtet, bereitet die Regierung eine N o v e l l e $unt Mietengesetz vor, die wohl keine wesentlichen Bestimmungen der Kündigungsbeschränkungen beinhalten, aber ein stufenweise Aufwertung der Mietzinse bringen soll. Es wird daran gedacht, nur mehr den Hauptmietzins gesetzlich festzulegen, aus dem nach entsprechender Aufwertung der Hauseigentümer auch die Jnstandhaltungs- und Betriebskosten zu bestreiten hätte. Der Ministerrat hat bisher über die geplante Novelle noch keinen Beschluß gefaßt, so daß ziffernmäßige Ansätze über die Höhe der Aufwertung der Mieten nicht vorliegen. Da der Obmann des parlainentarichen Mietenausschusses Dr. Kienböck heute nach Amerika reist und von dort erst Ende Oktober zurück erwartet wird, ist kaum anzunehmen, daß die Mielengesetznovelle in der nächsten Zeit in ein aktuelles Verhandlungsstadium treten wird, müßten es sich doch die Mehrheitsparteien sehr wohl überlegen, die Vorlage jetzt in den Ausschuß zu leiten, wo der Sozialdemokrat Sever als Obmann-Stellvertreter den Vorsitz führen würde. Die ziemlich unmotivierte Enthüllung der Absicht der Negierung, eine Mietengesetznovelle emznbringen, ist wohl auf die stille Minierarbeit des Wiener Flügels der Christlichsozialen gegen Doktor Ramek zurückzuführen, um damit bei den Sozialdemokraten, die von einem'Abbau des Mietengesetzes nichts wissen wollen, eine verschärfte Gegnerschaft gegen das gegenwärtige Kabinett zu provozieren. Geringe Besserung auf dem Arbeitsmartte. Der Stand der Unterstützten ist in der ersten Hälfte des Monats September um 493 auf 65.830 (davon 25.595 weiblich) zurückgegangen; dagegen ist der Stand der im Bezüge der außerordentlichen Beihilfe Elegante Damen tragen Das Warenhaus Beige' I., Hohenstaufengasse 10, Teöfö°;«Nr‘ Tailvnhlnniv ohne Preisaufschläge iölUdlllllliy undohneAnzahlung: liefert auf Herrenu. Damenbekleidung, fertig und nach Mass, Pelze, Schuhe, Wäsche, Modewaien etc. 6 Monate Kredit! Keine Agenten 1 soo Keine Inkassanten 1 Stehenden um 737 auf 4200 (davon 954 weiblich) gestiegen. Bei den Angestellten ist bei unverändert ungünstiger Lage der Stand der Unterstützten um 51 auf 11.168 g e st i e g e n. Bei den Bauarbeitern ist der Stand um 40 auf 1726 zurückgegangen. In der Textil-, Hut- und Bekleidungsindustrie ist die Zahl der Unterstützten um 713 auf 10.164 zurückgegangen; bei den Schneidern hat die Saison eingesetzt und insbesondere in' der Konfektion sich stark bemerkbar gemacht. Auch in der Textilindustrie zeigt sich eine Besserung der B e s ch ä s t ignng. Kondensierte elektrische Energie. Der Akkumulator in der Westentasche. — Aufsehenerregende Erfindung eines jüdischen Physikers. Großes Aufsehen erregt, wie I. T. A. berichtet, in russischen Gelehrtenuttb Jndustriekreisen die Erfindung des jüdischen Professors A. P. I o f f e in Leningrad, dem es gelungen ist, eines der schwierigsten Probleme der Elektrizitätswisscnschaft zu lösen: die Kondensierung elektrischer Energie. Joffe hat einen A k k u m ulator konstruiert, den man in der W e st e ntasche tragen kann und der elektrische Energie für ein großes Automobil, reichend für 10 Tage, enthält. In Gelehrtenkreisen ist man der Ansicht, daß diese Erfindung die Elektrizitätsindustrie revolutionieren wird. Tschechischer Hochschulantisemitirmur. Aus Prag wird uns geschrieben: Ueber Antisemitismus an der tschechischen medizinischen Fakultät in Prag klagt die tschechisch-jüdische Zeitschrift „Rozvoj". Sie erwähnt den Fall des Dr. Karl Schulhof, der an der Klinik für innere Krankheiten mit hervorragendem Erfolge gearbeitet hatte, jedoch nicht als Dozent zugelassen worden war, wobei seine jüdische Konfession das Motiv bildete. Dr. Schulhof ist nunmehr zum. Instruktor an der Universität in Chikago ernannt worden. Das Blatt fügt hinzu, daß es sich hier nicht um einen Einzelfall, sondern umeinSystem handle. Die Juden seien auf tschechischem Boden von der wissenschaftlichen Mitarbeit ausgeschaltet. Es gebe keinen jüdischen Professor an der tschechischen medizinischen Fakultät. Der Tod als VMM. „Ein monumentales Filmwerk." In reichsdeutschcn Blättern wird ein Film angekündigt, ein „monumentales Filmwerk", das mit Worten angepriesen wird, .denen etwas hinzuzufügen, sie abschwächen hseße: Nach fünfmaligem Verbot von der Film- Prüfstelle Berlin jetzt freigegeben, bringen wir das monumentale Fllmwerk, welches Wohl als einziges Anspruch darauf erheben darf, Ereignisse aus den Jahren 1914-1918 im Original zu zeigen. Aus 10.000 Meter Negativen aller kriegführenden Länder enthüllt uns der Film Geheimnisse, welche bis jetzt zur öffentlichen Vorführung nicht zugelassen wurden. Orignalfrontäufnahmen: Die Welt in Waffen! Der Tod im Stahlhelm! Ehemalige Soldaten! Vielleicht sehen Sie sich selbst in den tobenden Schlachten der verschiedenen Kriegsschauplätze! Frauen! Kriegswitwen! Vielleicht sehen Sie Ihren Mann im Trommelfeuer bei Brüssel, Lüttich, Ramm, Verdun usw.!! . . . Und endlich. . . Mütter! Vielleicht sehen Sie noch nach Jahren Ihren gefallenen Sohn, wie er kämpfte — und starb!! Mitten auf den großen Schlachtfeldern sehen Sie die Führer des Weltkrieges selbst: Kaiser Wilhelm den Zweiten, Kaiser Karl den Vierten von Oesterreich, König Ferdinand von Bulgarien, Mohammed den Fünften, der türkische Sultaü, Generalfcldmarschall v. Hindenburg, Poincare, Lloyd George u. v. a. In diesem Rahmen ist unser Großsilin, der einzige seiner Art, ausgemacht. Infanterist Scholz oder „Namenlose Helden", 6 Akte. Eines der dramatischesten und tragischesten Soldatenünd Familienschicksale aller Betroffenen aus den Jahren 1914-1918. Abertausende von Frauen und Müttern, die ihren Mann, ihren Sohn verloren haben, den sie heute noch beweinen, werden nach Besichtigung unseres Filmes g e t r ö st e t n a ch H a u s e gehen, mit der Genugtuung, daß ihr und der ihrigen Schicksal noch lange nicht das schlimmste war. Alle muffen den Film sehen, die dabei waren, und auch diejenigen, die nicht dabei waren. .Erfindungen und Neuheiten." Die Ausswllung des Ersinderverbaudes. Eine Neuheit iist, daß diese Ausstellung erst nach der Messe bMinnen muß, also eine echt österreichische Erfindung, daß sie erst nach dem Abströmen der auMMschen Meffebesucher gezeigt wird. Der nicht allzu große Äral in der Postgasse ist in kleine Kojen geteilt, in denen das „Allerneueste" vorgeführt wird. Meist sind es die Herren Erfinder selbst, die willig Auskunft geben und ihre Produkte den Besuchern demonstrieren. Es gibt da natürlich keine Sensationell zu seihen, keine welterschütternden Entdeckungen und keine „epochalen" Umwälzungen. Aber das PMiikmn ist der großen Weltprobleme ohnehin müde und auf die schönen Reden über Abbau des Hasses, Volker- Versöhnung und Weltfrieden nicht mehr neugierig. Vielmehr belasten die MühfeM-eiten des täglichen Lebens, die. lichten Bedrückungen des Alltags unsere nervöse Generation und dafür gibt es in dieser Ausstellung mancherlei Abhilfe. Und für Familie und Hans, für die Küche und Wirtschaft ihalben unsere Erfinder eitrige nützliche Verbesserungen ausgestellt. Ein freundlicher Herr mit grauc-m Gelehrtenkopf la'det freundlich zu seiner Koje. Er hat nächtelang studiert und siirniert, um un's seinen wirAich vernünftigen K l e i d e r h.a l t e r vorzuführen. Der Mann wäre sofort unsympathisch, wenn er irgend ein unfehlbares Sanierungsprojekt für Oesterreich Vorträgen würde. Aber die Hose aus dem "Kasten nehmen zu können, ohne alles aus- Mauder zu werfen, das hat einen Sinn. Ein bebrillter .Herr mit charakteristischem Forfcherkopf zeigt uns sein GeistesNnd: eine neuartige Farbe, die jeden Parkettboden mühelos zum Glänzen bringen soll. Tann dev Sonnenschirm in der Küche. Er nimmt den Tunst aus und schont die Decke, wenn die junge Gattin kocht (und der Gatte tobt). Da ist ein Arbeits- und Schlafanzug gegen Moskitos' in den Tropen. Hoffentlich taugt er auch gegen Wanzen. Ein Fahrkarte n- Halter erspart einem das Hermnkramen in allen Taschen, -wenn bei jeder Straßenbahnhaltestelle ein Kontrollor kommt. Ein Patent zur Oessnung der patentierten Siadtbähnfchiebetüren ist nicht vorhanden. Dafür wird aber ein Türschloß gezeigt, das kein Dieb von außen zu öffnen vermag. Hoffentlich kann man e's immer von innen. Ein .Kasten, der sich mit einem Griff in ein Bett verwandelt, wird das Geschenk so mancher Hausfreunde an ein glückliches Ehepaar werden. Natürlich läßt sich keine Revue mehr ohne dieses anheimelnde Requisit denken. Apart ist auch die originelle Hemden span ge, die allein statt >der vielen Spangen das Negligee der Dame trägt. Und Mi einmal das Negligee, bleibt immer noch die Spange. Ein verstellbarer Schuh kann für jeden Fuß reguliert werden. Ob er einem überall hilft, wo einem der Schuh drückt, fft fraglich. Ein verbesserter Ohrenfchützer ist jeden: zu empfehlen, der Besuche rnachen muß. Wird -man zur Anhörung des Radiokonzert's gepreßt, dann ist der Ohrenfchützer unentbehrlich. Eine Beilageplatte, geeignet für jeden Rasierapparat, erhöht die Lust des Selbstmsierens. Alles geht dadurch rasch weg, meint der Herr Erfinder. Hoffentlich nicht auch die' Haut. Eine Anzahl kleiner praktischer Neuheiten ergänzt die Ausstellung. Auch dem Vergnügen sind einige Sächelchen gewidmet. Ein Gesellschaftsspiel mit der launigen Bezeichnung „Börse" erweckt -M den meisten Besuchern wehmütige Erinnerungen. Mn svielt um Haselnüsse, Aktienpakete und ähnliche Nichtigkeiten. Wer weiß, ob dieses Spiel nicht vielen weit besser lbekommien wäre, als das auf dem Schottenring? Und billiger- .öS. * Verein Jüdisches Realgymnasium, 2. Bez., ^stellez^. gasse 95. Etwaige Dempelspenden anläßlich der hohen Feiertage wollen dem Verein dnM übermittelt werden. (Postsparkassenikonto Nr. 198.967.) Letzte Kurse. New-Bork, 16 September. (Tel.-Komp.» Berlin 23.80, London Kabel 4.84'/,. London Scheck 4.80V». Amsterdam 40.30, Paris 4.70°/., Brüssel 4.34. Rom 4.08. Madrid 14.37, Zürich 19.80, Stoccholm 26.83. Oslo 20.64. Kopenhagen 24.28. Wien 14. Budapest 14, Prag 2.96»/.. Belgrad 1.78, Athen 1.48V., Buenos Aires 40*/le, Rio de Janeiro 19.60. Bukarest 49. Rew°Nö»d, 16. September. lTel.-Komv.) Weizen rot Winter 163. Wetzen hart Winter 165. Mats 109*/8. Hafer 47*/s, Roggen 987». Ehikago, 16. Sevtember. (Tel.-Koinv.) Wetzen per September 151, Dezember 151, Mat 154; Mais per Sevtember 13T/8, Dezember 827,, Mai 867, « Hafer per September S8Va, Dezember 41*/,, Mai 447,: Roggen per Sevtember 87*/., Dezember 92*/„ M°t 97>/,. I., ROTEN TURMSTR. 22«TELEPHON 71-4-30 zwanglos