Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2360 (16.9.1925)
- Date
- 1925-09-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener aHotgenntirtttta 16. T-Miber lAb SÄ» S Am 8rez Israel. SM»«g r« Shren Lord Mmm. Jerusalem, 12. September. (I. T. A.) Am 8. d. fand im Garten der Jerusalemer.Stadtverwaltung ein Empfang zu Ehren des neuen Oberkommissärs, Feldmarschalls Lord Plumer, statt. Die Stadtverordneten, die Führer der politischen Gruppen und die Vertreter der Kaufmannschaft und der verschiedenen Berufe im Lande tvurden bei. dieser Gelegenheit dem neuen Oberkommissär vorgestellt. Zur rechten Hand des Oberkommissärs saß der Präsident der palästinensisch-arabischen Exekutive Musa Kazim Pascha, zur linken Hand saß der Leiter des politischen Departements der Zionistischen Exekutive Kolonel F. H. K i s ch. Lord Plumer unterhielt sich angelegentlich mit allen erschienenen Gästen. Ganz unerwartet begab sich der neue Oberkonnnissär von Palästina, dem auch die Verwaltungskontrolle über Transjordanien obliegt, mittels Flugzeug nach Amman, der Hauptstadt von Transjordanien. Der Besuch wird mit der inneren Krise der trattsjordanischen Regierung in Zusammenhang gebracht, die in den gespannten Beziehungen zwischen dem Emir Abdullah und seinem Premier Rikabi Pascha ihren Ausdruck findet. Es verlautet ferner, daß Lord Plumer mit Abdullah und den Mitgliedern der transjordanischen Regierung über Vorkehrungen zwecks Einhaltung einer strikten Neutralität im Kriege zwischen den Franzosen und den Drusen in Syrien verhandelt hat. Die transjordanischen Behörden verhafteten den Scheich eines Beduinenstammes, der die Drusen unterstützte. Bis jetzt herrscht in Transjordanien vollkommene Ruhe. Sir Nonatd Stores — nach Zypern? Wie die palästinensische Telegraphenagentur erfährt, steht die Ernennung des Generals Sir Ronald Storrs, des jetzigen Gouverneurs des Jernsalem-Jaffa-Distrikts zum G eneralguuverneur von Zypern bevor. Hebräische Protokolle der Stadtratsfitzungen in Jerusalem. Auf Intervention des Waad Leumi bei der palästinensischen Regierung wurde jetzt beschlossen, die Protokolle der Sitzungen des Stadtrates Jerusalem, die bisher nur in arabischer Sprache geführt würden, in Zukunft auch in hebräischer Sprache zu führen. Damit ist einer alten Forderung der jüdischen Vertreter im Jerusalemer Stadtrat entsprochen worden. Ein Pasteur-Institut in Tel-Awiw. Durch die Bemühungen des Leiters des Pasteur-Institutes in Jerusalem, Dr? B e h a m, wurde in Tel-Awiw ein ähnliches Institut eröffnet. Die Aerzte in Del-Äiviw. Nach einem vor kurzem in Tel-Awiw gehaltenen Vortrag gab es am 1. Juli 1924 in Tel-Awiw.77 Aerzte, darunter 15 Aerztinnen. Am 1. Juli d. I. war die ZahU der Aerzte in Tel-Awiw bereits auf 110 angewachsen. Dem Verbände der jüdischen Aerzte in Tel-Awiw hat der Magistrat unentgeltlich einen Bauplatz zur Errichtung eines Hauses der Aerzte überlassen. In diesem Hause, mit dessen Bau in Kürze begonnen werden soll, sollen säntzliche Einrichtungen der Aerzteschaft von Tel-Awiw konzentriert werden. Das Haus soll eine Fachbibliothek, einen Vortragssaal, einen Lesesaal und eine Station für - erste Hilfe enthalten. Aus der letzten soll sich in Zukunft eine über die ganze Stadt erstreckende Rettungsgesellschaft entwickeln. Die Universitätsbibliothek. Die jüdische National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem wies am 1. Elul (21. August) einen Bücherbestand von 100.241 Bänden auf. Sie wurde im Laufe des Monats Ab (Juli-August) von 1805 Personen besucht. Der Zugang an Büchern im Laufe des genannten Monats betrug 1636 Werke mit 2729 Bänden. Die Bibliothek ließ soeben Heft 2, Jahrgang 2, der von hr.heransgegebenen Vierteljahrsschrift „Kirjath Sefer" ercheinen. .Die Bibliothek veröffentlichte ferner einen Katalof hrer Bücherbestände auf dem Gebiete der Pädagogik. Russische Proselyten. Etwa 200 russische Proselyten, die nach ihrer Ueben lieferung von Juden abstammen und in der Zeit des Zaren Nikolaus des Ersten zwangsgetauft worden sind, wandten sich an die Palästinaämter und an die Zionistische Palästinaexekutive mit dem Ersuchen, ihnen die Erlaubnis zur Einwanderung nach, Palästina zu erteilen. Diese Proselyten sind in der Hauptsache Ackerbauer und im Besitz von Mitteln für ihre Ansiedlung in Palästina. Die Einwanderung im Monat August. Wie bereits berichtet, sind im Laufe des Monats A u g u ft 3693 Personen in Palästina cingcwandert. , Die palästinensische „Official Gazette" vom 16. August veröffentlicht nachstehende Tabelle über die Einwanderung nach Palästina im Lauft, des Monates Juni: Kategorien | S jO ES <35 §»• , & Ü B Kapitalisten, die znm dauernden Aufenhalt ins Land kommen 546 508 559 1608 D Frauen, Kinder und andere Leute, die von Palästinensern abhängig sind 184 354 170 653 E Personen mit fester Anstellung 749 236 1 986 E2 Frauen, Kinder und andere in Begleitung der unter E fallenden Einwanderer 5 202 269 476 ü Leute religiöser Beruft mit eigenen Mitteln 11, 19 ,— 30 Insgesamt 1445U 1314 999 3758 71 Juden, 52 Christen und 5 Moslems, die als Touristen ins Land kamen und dauernde Aufenthaltsbewilligung erhielten, sind in den vorstehenden Zahlen einbegriffen. 127 Einwanderer, die den Einwanderungsvorschriften mchv entsprachen, würden abgewiesen. Die Auswanderungsziffer im Monat. Juni erreichte dir Zahl von 311 Personen, darunter 89 jüdische Einwohner Palästinas, die auswanderten, und 94 jüdische Einwanderer, die rückwanderten. Dazu kommen 85 christliche Auswanderer, 7 christliche Rückwanderer, sowie 33 moslemische Auswanderer und 3 moslemische Rückwanderer. Im Mai 1925 sind nach dem von der palästinensischen Regierung herausgegebenen „Commercial Bulletin" 6276 Fremde mtb 1708 zurückkehrende Einwohner in Palästina angekommen. Palästinareise Franklin Bouillons. Jerusalem, 14. September. (I. T. A.) Wie die palä* stinensische Telegraphenagentur erfährt, wird in diesen Tagen Franklin Bouillon, der bekannte französische Politiker und Sachverständige in Fragen des mittleren Ostens, in Palästina erwartet. Sein Besuch steht auch mit der Gründung eine'' Freimaurerloge in Jaffa in Zusammenhang. Rach Dem IioMenkongretz. 10.000 Besucher, 100 Milliarden Verdienst für Wien. Jetzt, 1-4 Tage nach Beendigung des Kongresses, ist es erst möglich, ein richtiges Bild über die Anzahl seiner Besucher zu geben. Die Liquidationsarbeiten sind nahezu beendet und die Akten über den 14. Zionistenkongreß in Wien werden geschlossert. Nach den statistischen Ausweisen des Kon-greßbureauZ Huben zur Zeit des Kongresses 9736 jüdische Fremde in Wien geweilt. Man dürfte nicht fehl gehen, wenn'man diese Ziffer auf 10.000 abrundet, denn viele waren gekommen, ohne sich als offizielle Kongreßteilnehmer anzumelden. Nimmt man an, daß jede dieser Personen durchschmtMch 10 MNmren Kronen in Wien verausgabt ihai, eine Ziffer, die für 14 Tage Lebenshaltung, Gisenbahnfahrftn urrd Einkäufe mannigfacher Art eher zu niedrig als zu ho>ch angesehen werden kann, so ergibt sich ein Gesamtumsatz von 97 Milliarden. Auch hier dürfte man nicht zu weit gehen, tvenn man diese Ziffer auf 100 Milliarden Äunfoet, da es viele Kongreßteilnehmer gegeben hat, die in Men große geschäftliche Einkäufe madjteii und 50 und mehr Millionen verausgabten. 100 Milliarden sind immerhin eilt ansehnliches Sümmchen, das der österreichischen Volkswirtschaft in hochwertigen ausländischen Valuten zugute gekommen ist. Eine große Anzahl von Kongreßteilnehmern hat sich lwch Beendigung des Kongresses in österreichische Kurorte zu. kürzeren, manche auch zu längeren Aufenthalten begeben, so. daß man auch hier mit großen Ausgaben, die sich allerdings nur schwer schätzen lassen, rechnen kann. Und doch ist dieser, der österreichischen Bevölkerung zugute kommende materielle Erfolg des Kongresses nur ein Bruchteil dessen, was erzielt hätte werden können, wenn nicht von seiten der Hakenkreuz l e r gegen die Abhaltung des Kongresses in Wer: ein förmliches Kesseltreiben inszeniert worden wäre, das sich in Ueberfällen auf wehrlose Passanten und vollbesetzte Kaffeehausterrassen Luft machte. Am Tage nach dem Bekanntwerden dieser Ausschreitungen sind viele Kongreßbesucher aus Wien abgereift und mit einer Post kamen 96 Abbestellungen auf lbeveits vorgemerkte Logenplätze. Ein Großteil der h o l l ä n d i s ch e n Zionisten ist ans begreiflichen Gründen dem Kongresse überhaupt ferngeblieben. Es ist etilvas viel verlangt, wenn man für sein gutes Geld noch obendrein geprügelt oder zumindest angsfpuckt wird. Man findet überall dieselbe Mentalität, die ja auch in den österreichischen Svmmerfrischen zum Ausdruck kommt. Immer sind es nur einige -wenige bezahlte radaulustige Elemente, die ihrer Gesinnung allzu unverhohlen Ausdruck geben und die ganze Bevölkerung muß diese Bübereien mit Vevdionstentgang und AckbeitÄl-osigkeit büßen. Bon der wegen der Abhaltung des Zionistenkongresses nur so kochenden BaWwut war herzlich wenig zu spüren. Die Polizei hatte umfangreiche Sicherheitsvorkchrungen getroffen, die sich, in.den letzten Tagen als überflüssig erwiesen. Die Geschäftsleute können sich über den Geschäftsgang während der Kollgreßzeit wahrlich nicht beklagen. Man braucht nur bei den großen Hotels oder Kaffeehäusern am Ring Umfrage hätten und wird dort erfahren, daß sie Geschäfte machten, wie sie sie schon lange nicht in Mett sehen konnten. Post, Telegraph und Bahn lieferten dem Staatssäckel große. Einnahmen. Tie P a l ä st i n aausstellüng allein hatte 30.000 Besucher aufzuweiseu. Auch die Kaufleute, die im Konzerthaus ihre Waren ausgestellt hatten, konnten guten Geschäftsgang verzeichnen. Ihr Erfolg wäre bei weitem ein viel größerer gewesen, wenn das Konzerthaüs, das aus Sicherheitsgründen. nur mit Einlaßkarten zu betreten war, jedermann frei zugänglich gewesen wäre. So blieb der Interessentenkreis nur auf eine kleinere Anzahl von Menschen beschränkt. Man rechnete mit Bestimmtheit damit, daß die .Zahl der Kongreßbesucher das Dreifache von 10.000 erreichen werde. Diese Ziffer wäre bestimmt auch erreicht worden, wenn die unliebsamen Szenen, die von den Hakenkreuzlern provoziert wurden, nicht das Ihrige dazu beigetragen hätten, ' den Leuten gründlich die Lust zu vertreiben, in Wiener Hotels zu', wohnen, in Wiener Gasthäusern zu speisen, in Ru:gstraßenkaffechäutsern Eis zu nehmen und mit Wiener Geschästsleltten in persönliche Verbindung zu treten. Die 30.000 Kongreßbesucher hätten naturgemäß 300 Milliarden Kronen in Oesterreich gelassen. Wien hat aber neuerlich bewiesen, daß es trotz alledem ein K ult vlx zentru m ist, auch wenn es einigen wenigen „feurigen Rittern vom Hakenkreuz" nicht paßt. Die Lehren des 14. Zionistenkongresses sollten beherzigt werden. In jüngster Zeit ist von verschiedenen Seiten die Anregung gegeben worden, den ständigen Sitz des Völkerbundes nach Wien zu verlegen. Ebenso prompt . setzte von dieser verhetzten und verhetzenden Seite ein Sturm der Entrüstung ein. Alles, was irgendwie mit Bölierversöhnnng und Völkerverbrüderung in Zusammenhang steht, paßt diesen Herrschaften nicht in den Kram. Man darf ihren Lärm nicht allzu tragisch nehmen, aber es wäre im Interesse des' guten Rufes von'Wien und Oesterreich, . das auf die Hilfe des Auslandes so sehr angewiesen ist, nur zu wünschen, daß er bald verstumme.. * Eine Johann-Strauß-Gvdenktaftl in der Praterstraße. Der Wiener Stadtfenat hat gestom eimstinmug beWosscn, dem Wiener Schubertibnnd eine S u b v e n t i o n v'o n 2 6 0 S ch i lling für eine Gedenktafel an dem Hanse Praterstraße Nr. 6 4 zu beüvilligen. In'diesem Hanse hat Johann Strauß im Jahre 1867/seinen Walzer „Air der schönen blauen Donau" . kmnponiert- Klassenkämse unter den ßhinesen in Amerika. .Der Draht meldet wieder einmal einen chinesischen Bruderkrieg, nur daß dieser nicht, im Reiche der Mitte ansgefochten wird mit kraus benamseten Feldherren aus jeder Seite, sondern in Amerika, wo eine nicht kontrollierlbare Zahl der Söhne Chinas mtt.er schwer zugänglichen Gebräuchen in eigenen Chinatowns der Großstädte und weit verbreitot im flachen Lande lebt. Es ist nicht der erste solche Kampf unter den schweigsamen und verschlossenen Chinesen. Amerikas, der diesmal wieder mit einer Anzahl von Totschlägen und schweren Verwundungen geendet hat. Der Hintergrund dieser Gemetzel, die eine ohnehin blutrünstige Phantasie der etwas exotischen Amerikaner seit langen Jahren immer wieder reizen, «ist in gcheimnisvolles Duickol gchültt. Man'mutmaßt, daß 4s sich um einen Klaissen(aanpif handelt, eine westliche Erscheinung, die in China selbst vollkommen unbekannt ist und die in amerikanischen Chmesenkreifen ihre gang eigeutü-Mche Form angenommen hat. Die Bourgeois ans der einen und die Handwerker und Arbeiter ans >der anderen Seite sollen in je einen Klan vereinigt sein, der Tong heißt. H i p S i n g nennen sich die Proletarier, On, Liong die Besitzenden, und zwischen den beiden Gruppen hat sich eine Scheidewand entwickelt, nicht unähnlich den Kastenschranken der Inder. Die Orr Liang wahren ihr Vorrecht ans den Besitz von kleinen Bankgeschäften, Wäschereien, Teestuben oder Raritätenladen eisersüchtig, können indessen nicht verhindern, >^aß sich dieser oder jener chinesische Taglöhner bei den hohen amerikanischen Löhnen durch seine Genügsamkeit in wenigen Jahren, durch unsaubere Geschäfte sogar noch rascher, ein Äoines Kapital ettvirbt und damit in, . Konkurrenz mir.'den glücklichen Besitzern tritt. Und v:n Zeit zu Zeit setzt es aus gegenseitiger Erbitterung eines jener elementaren Wutausbrüche, die zur Naturgeschichte des Chinesen gehören, und der in diesem Falle zu kollektiven Exzessen gegen den vechaßtM Klassengegner führt. Die amerikanischen Zeitungen sind für Tage mit ellengroßen Anfschristen versorgt, wenn ein neuer solcher Tonigkvieg ansbricht, die amerikanische Polizei veranstaltet - StreiMge nach den chinesischen Massenquartieren, richtet nichts aus, und wenn einige Wochen lang nach den unanffiiÄbaren Schützen gewisser tödlicher Geschosse oder dem blutigen Beil geforscht wurde, mit dem dieser oder jener kahle Schädel gespeckten worden war, heißt es, daß zwischen den Tongs wieder Friede geschlossen worden sei. Irgend ein reicher und hochstehender Landsmann hat vermittelt, die Detektivs werden aus. den Chinesenstädten zurückgezogen. Bor etwa einem Jahre gab es den letzten solchen Krieg, und die Friodensbedingungen, die damals vom Tong der On Liong gestellt wurden, werfen ein bezeichnendes Licht auf diese oigentümliche Klassenverfass'Mg der 'Meribanischen Chinesen. Bon den Hip Sings wurde geifordert, ihre' Mternchmungen in Pittsburg auMgelben und die Stadt zu verlassen, oder aber aus dem Hip Sing aus- und dem Ou Liong beMtveten. Die Hip Sings sollten-auch chve Laden, die sie vor fünfundzwanzig Jahren von den On Wmdgs in Chicago erworben hatten, räumen, keine neuen Geschäfte in Chffago, New-Aockk, Boston, Pittsburg, Philadelphia, Cleveland öder Washington eröffnen, sowie alle' k^re Mitglieder ansstoßen, die einmal On Liongs gewesen wären. Diesmal knüpft sich der Ausbruch des Tongkrieges an den Tod Lee-Kiu-dings, des Bürgermeisters der Chinesenstadt in Manhattan und Vorsitzenden des Vereines chinesischer Kaufleute, eines angeschenen Mannes, der 1 zu wiederholten Malen Frieden Mer seinen Landsleuten M-