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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-16 · Heft 2360 (16.9.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2360 (16.9.1925)
Date
1925-09-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Beide-2 Wien, Mtttvoch .—.-.-.- -. —---—--7—-;- bares Dementi aller Apponyischen Rhetorik'-und So-.! phisterei dar. Es tut nichts zur Sache, daß.die Reprä- - sentanten des magyarischen Judentums in ihrer feigen' Servilität nach sieben Jahren Hejjas-Herrschast.. - die^ Opfer der Pogrome und der Brachialdetachements feige' verleugnen und sich mit diesen Verhältnissen abfinden wollen. Die anderen, die kleinen jüdischen Erwerbsleute, die nicht sprechen dürfen, sitid ein lebendiger Be--, weis für den Terror, -den Graf Apponyi mit angestreng-' tem Bemühen außerhalb Ungarns verdammt. Eine Hetzerei des Wiener Protestanten- - blattes. Die Wiener Hakcnkreuzler haben anläßlich ihrer., ordinären Hetze gegen den Zionistenkongreßvon gewissen katholischen Gruppen und Zeitungen' kräftigen Beistand ersahren. Ter Kampf gegen die Juden einigt eben sonst unverträgliche Elemente. Nun . scheint der „Ruhm", den sich diese streitbaren Katholiken Funderscher Färbung bei dieser Gelegenheit erworben haben, die-prötest an tische Geistlichkeit nicht ruhen zu lasten. Sie will auch dabei sein und leistet nachträglich den Hakenkreuzlern moralische Unterstützung. Im offiziellen Organ der Wiener protestantischen Kirchengemeinde, „Reformiertes Kirchenblatt", findet, sich ein' Artikel, in welchem nach einer scheinheiligen, objektiv» tuenden Beurteilung der zionistischen Bewegung geschrieben steht: „Die Proteste gegen den Zionistenkongreß haben , andere Ursachen. Gerade in Wiem hat das Judentum die geistige Führung an sich- : gerissen: Presse, Kunst, Literatur, Geldmacht und' höher hinauf, so daß diese Versammlung geradezu als eine Art Siegesfeier anzusehen i st, für die gerade die Hauptstadt Oesterreichs der geeignete Boden erschien." Nach diesem Ausflüge in das Gebiet der politischen Verhetzung schließt der Artikel, wie es einem geistlichen Blatte geziemtmit einer frommen Betrachtung: , „Der Zionismus wird den Fluch, der auf Israel ruht, nicht wegnehmen. Aber es gibt einen - Weg, Israel zu einer Heimat, zu erneutem Volkstum zu führen, Israel statt zu einem Verderben für alle Völker, zu einem Segen für alle zu ' machen. DaS Wort Gottes zeigt diesen Weg. ES ist der Weg. der für Heiden und Juden derselbe ist, wie 1 der Apostel Paulus im Römerbrief zeigt: Dieser Weg heißt Christus." : * Die Wiener Protestantengemeinde hatbisjetzt wenig;. von sich reden gemacht und nie in das politische-Getriebe-' eingegriffen. Wenn sie schon die Absicht hat, die Aufmertsamkeit auf sich' zu lenken, hätte sie einen würdigeren An. >ß finden können. Ford Mt die „Weifen von Zion" in Sspernnto erscheinen. Aus New-Aork wird uns gemeldet, daß seitens der von Ford erhaltenen Antisemitenzentrale die Uebersetzung.der „Weisen von Zion" in Esperanto veranlaßt wurde. Ter Zweck heiligt die Mittel und die Herren Antisemiten nehmen keinen Anstoß daran, daß der .Erfinder des Esperanto der Jude Zamenhos ist, Esperanto also, um im Jargon der. „Weisen von Zion" zu sprechen, ein jüdisches Teufelswerk darstellt, das gewiß nur in die Welt gesetzt wurde, um die Christenheit zu unterjochen. Brntrzky bleibt i« Ha't. Budapest, 15. September. (Tel.-Komp.) Die königliche Tafel faßte heute den Beschluß, dem Rekursedes, wegen der Veröffentlichung seiner Aussagen über die Beteiligung Horthys an der Ermordung zweier sozialdemokratischer Redakteure-zu drei Jahren Ge- - sangnis verurteilten früheren Innenminister Ben iczkh gegen seine Wiederverhaftung-nicht-stattzugeben und ihn auch weiterhin in Haft zu belassen. Der Rekurs gegen das Urteil selbst wird erst .in ' einem späteren Zeitpunkte verhandelt werden. Sie Warschaue' ResoMouev vor dem Völkerbund. Genf, 15. September. Der Präsident der Völkerbundversammlung Danduran empfing gestern nachmittags eine Delegation des Verbandes der Völkerbund- 1 ligen unter Führung von D i ck i n s o n (England), Doktor Marburg (Vereinigte Staaten) und Graf Bernst o r f f (Deutschland). Die Delegation . überreichte dem Völkerbundpräsidenten die auf dem letzten Kongreß der Ligen in Warschau angenommenen Resolutionen. Präsident Danduran sprach sich sehr anerkennend über die Tätigkeit des Verbandes aus. Unter den auf dem letzten Kongreß der' VolkerbUndligen m Warschau beschlossenen Resolutionen befindet sich, r wie seinerzeit von uns berichtet wurde, auch der Beschluß' gegen den Numerus clausus und der Auftrag an das Sekretariat, dem nächsten Kongreß einen Bericht über die Propaganda und den Stand der antrsernitischen Bewegung.in den verschiedenen Ländern vorzulcgen. ' . . ' Wirker Eorlienzeitünü . AchitscherlnsWise ua-Warschau und Berlin. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeilung") Berlin, 15. September. Der russische Volkskommissar. Aeußeres Dsch'.tscherin, der (wie wir bereits gestern, aus Warschau berichten konnten. — Die Red.) am 20. d. in Warschau emtreisen und dort mit dem 'polnischen - Atlßenmimster Skrzyn ski konfevieren wird, trifft am 22. d. zu einer Konferenz mit dom deutschen 'Apßenmickster Dr. S t r e s e m a n n in B e r li n ein. Bei 'beiden Unterredungen soll, wie in gut.informierten Kreisen versichert wird, die Frage des SicherheitsPaktes bohan-delt - werden. Tschitfcherin wird von Berlin §u Klurzweckcn in ein österreichisches Sanatorium in der Nahe von Wien reisen. Sie Kouferem derAaßrnmIaister. Die Einladung an Deutschland. Berlin, 15. September. (WeM) Heute mittags übergab der französische Botschafter Margerie dem Reichs« außenmnister Dr. Stresemann <bcr8 augekündigte Memoranbum der französischen Regierung. Der Wortlaut des' Memorandums wird Donnerstag früh veröffentlicht. ' Es wich in ihm, wie die Matter erfahren, lediglich festgestellt, daß es nach Auffassung der alliierten Regierungen wünschenswert, erscheint, numrrrhr eine -Ministerkonferenz stattfinden zu lassen. Ter.Ort hiefür wich nicht genannt. Hinsichtlich des Zeitpunktes erachten die alliierten Regierungen Ende September oder Anfang Oktober für geeignet und erwarten die deutsche Antwort hierauf. Die, Antwort wich erst erfolgen, nachdem das Kab U . nett sich nüt der .materiellen Frage befaßt hat. Eine Kabinettsitzung ist für Montag einbeckufen. - - Im Anschluß an den Besuch des französischen Botschaisters suchte mittags der englische Geschäftsträger Botschaftsrat Addison den Reichsaußenminister Dr. Stresemann ans und überreichte ihm namenS der englischen Regierung die Einladung zur Konferenz über den Sicherheitspakt. Ser ftlm-Mche ilaterrichtsmiaister 1a Berlin. Der erste Besuch eines aktiven französischen Ministers in der ReichShauptslM. - Berlin, 15. September. (Tel.-Komp.) Der ftMzösische^ Unterrichtsminister de Monzie ist zu kurzem Aufenthalt hier eingetroffen und honte abends "wieder nach' Paris abgeveist. ' Er erklärte den. im Bahnhof erschienenen Journalisten,- er ha-be mit seiner Berliner Reise den persönlichen' Zweck verfolgt, mis füWnden Männern der deutschen- Wisseiffchaft ünMKllNM Züsam'men zu sein. Dieser Zweck: sei vollkommen erreicht worden. De Monzie hatte mitdem preußischen Kulttisminister Becker eine einstünd'ge Unterredung über die Schwierigkeiten -der internationalen Zusammenarbeit der Gelehrten. An diese Unterredung schloß sich ein Frühstück, -an. dem unter anderen der preußische Müisterprästdrn't, foer französische Botschafter sowie namhafte Vertreter der deutschen Wissenschaft, unter ihnen Professor Harnak und, Professor Einstein, teilttahmen. ' Maldys politischer Ausstieg. Paris, 15. September. (Havas.) Der Deputierte M a l v y ist zum Vorsitzenden der Finanzkomm ission der Kammer gewählt worden. (Der frühere Innen-' minister Malvh, der wegen „Einverständnis mit dem^ Feind" zur Zeit der französischen Kriegspsychose zu fünf-" jähriger Verbannung verurteilt worden war, kehrte erst nach dem Sturze Poincares nach Frankreich zurück; die -letzten Wahlen brachten -ihn in die Kämmer.' Däß' Malvy mtt dem Vorsitz im wichtigsten. Kammerausschuß betraut wurde, dem gerade jetzt, wo- Frankreichs Hauptproblem die Lösung der Finanzfrage ist, erhöhte Bedeutung beizumessen ist, beweist den starken politischen Einfluß, den dieser fähige Politiker bereits heute hat. Malvh ist wohl als der kommende Mann in Frankreich anzusehen. — Anm. der Red.) Caillaux' Amerikareise. Paris, 15. September. (Tel.-Komp.) Nach dem heutigen Ministerrate, in welchem sänitliche Minister, über ihre Ressorts berichtet hatten, teilte .Finanzminister Caillaux Pressevertretern mit, daß er morgen Paris verlassen und sich noch abends nach Amerika einschiffen werde. Ministerpräsident P a i n l e v e erklärte den Journalisten, . daß der Mimsterrat den Plan Caillaux' zur Regelung der französischen Schulden an Amerika gebilligt habe. Ferner teilte Patnleve mit, daß das französische Parlament voraussichtlich auf den 27. Oktober werde einberufen werden. Sesterreichs Rechtsvertriige mit der Schweiz. . . Bern, 15. September.. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der Bundesrat unterbreitete der Bundesversammlung eine Botschaft über die Anwendbarkeit früherer, den'Rechtsverkehr betreffenden Verträge zwischen der Schweiz und Qest e r r e.i ch. Er beantragte darin, den am. 25. Ma-i 1923 Unterzeichneten Vertrag zwischen der. schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Oesterreich zu genehmigen. Nach diesem Vertrag werden die zwischen der Schweiz und der ehemaligen Oesterreichisc^ungavi'fchen Monarchie abgeschlossenen Staatsverträge zur Regelung 16. September 1925 Rr. 3660 der Niederlassungsverhälln-i-sse, über die gegenseitige Auslieferung von Verbrechern sowie über die Beglaubigung der von öffentlichen Behörden der Schweiz oder Oesterreich ausgestellten oder beglaubigten Urkunden von den vertragschließenden Teilen angewendet werden. Der Bundesrat suchte gleichzeitig um die'Ennächtigmig au, mit der österreichischen Regierung zwei Roten über einige weitere Abkomrnen auszutauschen. Borbereitung einer Novelle znm Metensese«. Im Parlanrent fand gestern eine Besprechung des Obmannes des Mietengesetzausschusses'.Dr. Kienböck in Anwesenheit mehrerer christlichsozialer Abgeordneter mit den Vertretern einiger HauSbesitzerovzanisationen statt. Die Vertreter der Organisationen stellten au Abg. Doktor Kienböck die Frage, m welchem Stadium sich die Arbeiten, die sich auf die R e f o r m d e s M i e t c n g e s e tz e s beziehen, befinden. Abg. Dr. Kienböck antwortete, er sei darüber unterrichtet, -daß die Regierung sich eifrig mit de r Vorbere i tung e.ine r N o vellc zu m Miet e n g e s.e tz befasse, »velche in n i ch t f e r n c r Z e i t dem Nationalrat vorgelegt werden soll. Ein Junktim zwischen Arrfov-erungs- und Mielengesetz. In einer letzten Sonntag in-WienerMeustadt stattgefundenen Deleglertclwerfammlung der Ortsgruppen des Alpenländischen Hauö- und Grundbesitzewcrbandes stellte Delegierter Langeder mit Bedauenr fest, daß selbst in 'gut bürgerlichen Kreisen sich eine Abneigung gegen das Zahler: höherer Mieten bemerkbar mache. Würde das Mietengesetz abgebaut, dann könnten, nach sehr vorsichtigen Schätzung^- auf die Häuser billige Hypothekarkredite im Betrage von einer Milliarde Goldkronen au>fge,wmmen werden. In seinen weiteren Ausführungen übte dieser Redner eine äußerst scharfe Kritik an der Haltung der Rogierung, die im Motivenbericht zur Mietengesetznovelle vom Juli d. I. bemerkte,' daß daö Mietengesetzpvoblem zur Lösung noch nicht reif sei. Landesvat Dr. Beirer gab der Ansicht Ausdruck, daß das Wohnungsanforderungsgesetz auf k e i n e» Fa l l v e r l ä n g e r t werden dürfe, da die Sozialdemokraten ihren Widerstand gegen den Abbau des Mie- ' tengesetz nur dann aufgeben werden, wenn sie in -den von ihnen beherrschten Gemeinden'Leine Wohnungen mehr vergeben können. Nationalrat K o l l m a n n Meinte, die Mietzinse können mrr dann erhöht werden, wenn gleichzeitig auch eine Erhöhung der Lohne und Gehälter durchgeführt lvird. (Zwischenrufe: Die erhöhten Mietstöüern können aber alle auch ohne Lohnerhöhungen zahlen!).. Wir.'werden setzt zuwarten müssen, bis - das AnsorderungSgesetz, das bis Ende dieses Jahres befristet ist, äbläuft. Wenn wir mit den Sozialdemokraten in etwaige Verhandlungen wegen Verlängerung des Anforderungsgefetzes eintreten, so wird dies nur auf Grund unserer Gegenforderung, nämlich den A bbau deS Mietengesetzes, gejch^en. Es sprachen dann noch Abg. Gruder Md Bundesrat Bierbaum er. Letzterer erklärte gleichsalls, daß das Anforderungsgesetz unter keiner Bedingung v e r l ä n g e r t werden dürfe. „ ft SrosstandShilft für aögebaute Bundesangestellte. In einer Jntt-rpellallonSbeantwortung teilte Finonzminsster Doktor Ah rer mit, daß den mit Abfertigung abgvbauten Bundesangostellwii, die mindestens zehn Dienftjahve aufzuweisen haben und besonders, bvdüvftig erscheinen, für die Dauer eines Jahres ein außerordentlicher Versorgungsgenuß von 460 Schilling und den Verheirateten eine außerordentliche Frauenzulage von 60 Schilling jährlich gewährt wird. llhaluzim aur Sefterreich zur Aliiah bereit. Don dsn mehr ÄS 300 Ehaluziin, die der HechÄrrz, österreichischer Landesverband, in landwirtschaiftilicher Arbeit ausbildete, ist ein« große Zahl in ihrer landwirtschaftlichen theoretischem und praktischen Ausbildung sowie m ihrer hebräischen und kuttuvellen Vorbereitung bevotts soweit fortgsschritten, daß sie in.den kommenden zwei Monaten muh Palästina WeOsdÄn . könnten. Die betreffenden Chcvluzim find durchwegs m Kwuzotih organisiert, Für die MW im Oktober sind acht Kwuzoch mit insgesamt 152 Chailuzim bestimmt und wunden auch bereits van der Leitung des Hechaluz, österreichischer Landesverband, zur Mjah bestätigt. Die für ihre Uebersiedlung nötigen Zertifikate sind ebenfalls bereits vochamden, so daß diese .Kwuzoth anfangs Oktober nach Palästina abwisen könnten. - Es bestchen jedoch einige SchwieriM.ten für ihre Abreise. Für Chaluzün, die sich in landwirtschafttichsr Arbeit auSbWen, ist es bei den minimalen Arbeitslöhnen unmöglich, sich : die Reisekosten zu ersparen. DaS Pallastinaa-mt und die Wiener Kultusgemeinde gelben zwar gewisse sinanzielle Beiträge für die Uebersiodlungskosten, doch diese reichen bvi weitem nicht aus, um die ganze Uelbevsiedlung zu< decken. Nun haben sich'die zioniUche BezinkSsektion 20 und die Kulturgruppe 20, die zionistische Bezirkss-oktion Zwischentbrücken und eine Reihe zianistischer Persönlichkeiten in dankenswerter Weise 'bereit erklärt, .die fchlenden Beträge siir die Ue>bevsicdliung einiger her genannten Kwuzolh a-uifznbrmgen. Wenn dieses Beispiel auch in anderen zionistischen BezirkSsektionen undin andere» zionistischen Kreien Nachahmung findet, so ist -z« hoffen, daß -dic Al-ijah von landwirtschaftlich auSgelbiildoten C-Haluzinr, deren Palästina >houte mchr als je drmMndst bedarf, ans Mangel an Geldern nicht aufge-halten werden wird,

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