Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2360 (16.9.1925)
- Date
- 1925-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wien: Zum Abholen in da [pedltion, 1L, Taborstr. 1K lei in einer VerschlelMtefle tk) monatl. b Schilling ItrassenverM in Wie» rch die Kolporteure der ma G o I d sch mied, 1., Wollzelle 11 M Pcstversand für Wien tmd Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Morn K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 14Zloty. Deutschland: y^on. Gm. 4, Frankreich (Belgien: Mon. Frcs. 18 /h|«chMhltmgen bei Prelserböbaoftea rorbebelie» «k. 2360 Wiru, Mittwoch. IK. Seplember MS Iftreis 20lh Engla nd: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.IOOLewe. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0*38,43-3-19 Ab 6 UhrP21-102, 25-2-82 IX.. Unfversitätsstrasse 6-8 (D uckerel g. Steinmann) Oesteneichisches Postsparkassen-Konto Nr. 1£0.693 7. Snhtgang fine Wirtschastskonferenz des LSiierbunder. Loucheurs Antrag in der Genf, 15. September. Loucheur Hat Heute in der ^Vollversammlung d,es Völker Hundes im. Kamen Frankreichs nachstehende Resolution ein» lyebwcht: ,Me Bölkevbutrdvevsammluug, fest entschlossen, alle Mittel zu prüfen, die geeignet sind, die Herrschaft des Friedens in der Welt zu sichern, u-rü» überzeugt, daß der tv-i r t s cha s t l i ch e F r i e d e ganz wesentlich dazu Beiträgen wird, die Sicherheit der Böller zu begründen, fordert den Rat auf, auf breiter Grundlage ein vorbereitendes Komitee eingusetzen, das, gestützt auf die technischen Organisationen des Völkerbundes rtnd des Internationalen Arbeitsamtes, die Aufgabe hätte, die Tagung einer internationalen Wirtschaftskonferenz vmzubereiten. Die Einberufung dieser Konferenz i m Namen des Völkerbundes müßte Gegenstand einer späteren Entscheidung des Rates bildet:. Der Zweck dieser Konferenz wäre, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu prüfen, die sich dem allgemeinen Wohlstand entgegenstellen, sowie die besten Mittel ausfindig zu machen, die geeignet wären, , diese Schwierigkeiten zu überwindet: und Konflikte zu . vermeiden." In Begründung dieser Resolution erklärte Äöucheur, der Krieg fei aus wirtschaftlichen' Konflikten entstanden und die komplizierten Verhält-, niffe 'der Nachkriegszeit, die Starrheit der Grenzen und der Zollsysteme, die schwierigen Verkehrsu n d Tb ans i t f r a g an sowie die Erschütterung des Geldwesens hielten die g a n ze W e l t und nicht nur Europa da u e r n d i n einem krisenhaften Zustande. Gewiß seien schon verschiedene Heilmittel versucht worden, aber sie genügen nicht und man sehe, daß den allgemeinen Bemühungen, dem Uebefftand abzuhelfen und Beruhigung zu bringen, auf der anderen'Seite ein zügelloser wirtschaftlicher Nationalismus eMegenwirkt. Man schließe die Grenzen und schaffe sod!e Quelle für eine schwere Gefährdung der Zukunft. Loucheur Beruft sich bei seinem Antrag besonders ans die Saniertmgsaktion in O e st e r r e i ch und in UtMrtt. „Ich bin ein praktisch denkender, auf dem Boden der Wirklichkeit stehender Mensch", sagt Loucheur, „aber ich muß Mit aller Offenheit gestehen, daß ich über die Erfolge, Mllerbundversammlmig. die in den beiden Ländern erzielt wurden, geradezu v erblüfft bin. Angesichts der Erfahrungen, die bei den beiden von: Völkerbund unternommenen Sanierungsaktionen gemacht wurden, hat.sich die ungesäumte Inangriffnahme eines allgemeinen Wiederaufbaues der Weltwirtschaft als eine Notwendigkeit von höchster Dringlichkeit erwiesen. Zweifellos wird es an Widerständen nicht.fehlen, aber ich glaube, daß die Einberufung einer internationalen Wirtfchaftskonferenz nicht ausbleibenkann." Das Budget des Völkerbundes. Genf, 15. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die Budget- und Finanzkommission trat heute nachmittags in die Beratung des Völkerbundbudg-ets für 1926 ein, das insgesamt 2 2,445.842 Franken Vorsicht gegen 22,658.136 Franken im Vorjahre. Lekerreich vor dem Bölkerbundrat. Der Bericht der Wirtschaftsexperten soll möglichst rasch geprüft werden. ' Genf, 15. September. Der Völker bundrat hat in seiner heutigen Nachmittagssitzu:^ den schon .bekannten Bericht. des ö st e r r e: ch i s ch e n. Komitees zur Kenntnis genommen und die nachstehende Resolution zum-Beschluß.erhoben: - . Der Völkerbund rat . bittet das--, ökonomi sch e Ko Mit e e,. möglichst ..rasch den perten"Ri st und LayionwErÄt^eichnet M GeckrgÄung die DMuch^en' der Herreü S c i a l o j a und Bene sch und drückt den Wünsch.aus, daß eine Lösung, die alley in 'Frage.kommenden Interessen - Rechnung' trägt, c h c ft c u s gefu n d e n w erde. .Hierauf wurde den: Bölkerbundrat der Tätigkeit s b e r i ch t der F in a n z k o m m i f s.i o n niw der' . Wirt schaft s k o m inkss:o n des BWevbund>es vorgelegt. Aus. letzterem sind mslbesondere. erwähirenswert die Studien 'für den Abschluß eines i n ter natiöna l e n A b ko m m e ti s betreffend die A b s ch äs f u ng . de r Ein- und Ausfuhrverbote und der Ein- und Ausfuhvbeschränktrngen. Schließlich nahm der Rat kn Bericht des schwedischen Vertreters Unden über die Arbeiten der ständigen Mandatskommission entgegen. Dieser enthält eine Reihe vot: Resolutionen betreffend Rechenschaftsberichte n!s'w. Die MM verletzt den Massulgreuzvertrag. Eine englische Note an den Bölkerbundrat. Genf, 15. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die briilfche Delegation hat den: Bölkerbundrat eine Note zuikommen lassen, worin sie die Aufmerksamkeit des Rates auf dm Umstand lenkt, daß nach Angabe der Regierung des Irak die türkische Regierung zurzeit einen. Abtransport christlicher Bevö'lkernngsel e ure n i e vornimmt, die ursprünglich auf denn Gebiete, wohnten, das von: Irak beansprucht wird. Die türkischen Behörden Hätten die Bevölkerung nach fnördlichen Gegenden evakuiert.,Einem Teil.se: es gelungen, auf da's Gebiet-von Irak'zu gelangen.' Türkische Christenmassttkers'k London, 14. September. (Tel.--KoinP.) Die-Ms Bag-' bad gemeldet wird, sind an der Grenze des Irak ettva 6000C h r i st e u in das türkische Gebiet verschleppt worden. 260 Christen, denen es gelang, nach >den: Irak zu entkommen, berichten von Christ et: Massakers in verschiedenet: Ortschaften. Re Wahabite« in Medina. Londot:, 15. September. (Tel.-KotttP.).MeIÄut:get: ans' K a i r o bestätigen, daß sich die W a ha b i t e n der Stadt M e d i n a b e in ä ch t i g t haben. Eine Bes ch i e ß u n g ist der ^Besetzung der Stadtnicht voransgegangen. Auch AuAschre'itnngen gegen die Bevölkerung oder gegen die heilige!: Stätten werden nicht gemeldet. D'.e amerikanischen Juden für die emoMchen. Der Joint will 15 Millionen Dollar sammeln. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Philadelphia, 15. September. Vorgestern hat hier die von dem Bankier Felix W.arbürg und dem Prästdenden des amerikanisch -jüdischen Kotnitees, Louis' Marshüll, eirti&crufene Versammlung der Führer der jüdischen Organisationen Amerikas stattgefunden, welche über die Wiederansnahme des europäischen Werkes des Ioint-Comittees zu beschließen hatte. Der V-ersannnlung lag >der Antrag vor, die Aktion für die notleidenden jüdischen Volksteile in Ost- und Zentraleuropa in der Weise zu lbeginnen, daß sofort die Sammlung eines Fonds von 15 M i l l >i o n e n Dollar eingeleitet tverden soll, der ' binnen drei Jahren aufzubri-ngen wäre. Der Präsident" des amerikanisch-jüdischen .Kon-, gresses, Rabbi Dr. Stephen Wise, bekämpfte in einer längeren Rede den Plan, einen-Teil des anfzubringeuden Fonds den: tsogenaunten KrimProsekt znznweiiden, .das ist der von der Svwietregiernng beabsichtigten Massenansiedlu:tg von Juden m[ konfisziertem Boden in: Cherson und ans der Kri-nchalbiiisel. Er wies auf die gvößsupolitische::' Gefahven'-hin, die diesem Projekt bei einem Sieg der Gegenrevokltion in Rußland drohen, und'; eMävte,' Laß das 'amerllamische Judentum eine Verantwortung dieser Art nicht ans sich nehmet: kötute. Die Versammlung nahm mit- Mehrheit den Antrag des Komitees an. Die Angelegenheit: wird auch die-für' den 23. Oktober angesetzte Tagung des ant-erikan ifchj ü d i s ch e n K o n g r e s s e's beschäftigen. Apponyi in Gens. - y. W t e n, 16. September. Die Sache der Minoritäten ist vor der Genfer Völlevbundverfammlung zweimal behandelt worden. Zuerst durch den türkischen Delegierten, der die Beschweren der Kurden im Mossulgebiet damit abzutun glaubte, .daß sie sich über nichts zu beklagen hätten, da ihrer Mtion doch sogar Generale in der türkischen Armee ängehörten. Ihre sonstigen Rechte, deren Verweigerung noch vor einem halben Jahr den Anlaß zu einen: blutigen Aufstand gegeben hatte, verschlvieg der Vertreter der Staatsnatiot:. Der zweite, der aus die Minderheiten zu sprechen kan:, war Graf Appony-i, Ungarns bester Mann. Er beklagte es als den tiefsten Grund aller Beschwerden, daß der Völkerbund die ihm! vorgelegten Petitionen der Minoritäten nicht durch direkte Anhörung von Vertretern der Beschwevdeführer erledige. Es müsse auch in jeden: Falle obligatorisch ein Gutachten des internationalen Haager Gerichtshofes eingeholt werden. Graf Apponyi besprach dann die Abrüstungsideen. Die Rechtsenttvicklung in Ungarn habe sich parallel zu der Englands vollzogen und sei nur durch den Friedensvertrag unterbrochen worden. Wenn man Abrüstung wolle, so müsse man zuerst die in dem Diktat von Trianon enthaltenen Reizungen beheben. Gras Apponyi hat sich, wie man bald versteht, so ziemlich das gleiche Konzept gebildet wie der türkische Minister. . Beide reden um die Sache herum. Tewfik i Rüschdi Bei suchte sich aus der Materie der Mossulfrage den schwachen Punkt heraus und befaßte sich mit ^den Kuchen.. Graf Apponyi vertritt eiu.^LLUd,--desfet:.. innere Berhültniffe derMehrheit des Völlevbundüüditoriunts bekatmter fick), als es den magyarischen Machthabern lieb ist. Und.darum wählt, sich Apponyi die.Minoritäten (nämlich: die magyarischen im neuen Ausland) und die Abrüstung (nämlich kr nichtmagyarischen Staaten) als Thema eines sicherlich sehr ‘ schönen und sehr interessanten Vortrages. Alles, was Appynyi sagt, ist richüg und treffend. Mer es besitzt keine innere Wahrheit. Ist nicht Graf Apponyi jener Unterrichtsminister gewesen, der die Schulgesetzgebung gegen die Nattonalitäten ersonnen und "mit aller Strenge durchgesi'chrt hat? In diesem legislativen Werk liegen die Anfänge zu den Zuständen von heute. Dieser Graf Appotlyi beschwert sich Wer die beleidigende Art, .in welcher der Völkerbund Petitionen von Mnoritäten behaitdelt. In dein Heimatsstaat dieses selben Grafen gibt es'eine Minorität, deren Petitionen noch viel arger behandelt werden. Es gibt eine Minorität, die für die Tatsache ihrer Existenz bestraft wird, in der buchstäblichsten Art, mit Galgen, Tortur und Kerker, mit. Entzug der bürgerlichen Rechte, eine Minorität, deren Angehörige vor dem Gesetz mtd vor dem Gericht vogelsrei sind und deren Ermordung das Miche Elnpfinden.der Führer des geistigen und polittschen Lebens nicht weiter aus der Ruhe stört. Die Söhne; dieser Minorität sind durch ein von der gesetzgebenden Köperschaft erlassenes Gesetz, gegen das sich die Regierung nicht nur nicht wehrte, sondern das sie selbst veranlaßte, von der höheren Ausbildung an den Universitäten und techrnschen Anstalten^ bis aus die Ziffer von fünf Prozent ausgeschlossen. Graf Mponyi hat . niemals zt: erkennet: gegeben, daß er dies als Schande ’ 'empfindet. Nun ist die Frage von englisch-jüdischer Seite vor den Haager Gerichtshof gebracht Wochen. Aber die ungarische Regierung, in deren Namen Graf Apponyi die höhere Gerechtigkeit anrust, hat bisher zu . dieser Angelegenheit nicht Stellung g'enonlmen. Wie wäre es, wenn Gras Apponyiseine berechtigte Focherung, daß der. permanente Gerichtshof ein verpflichtendes Gutachten evbringe, nicht' dem Völkerbund, sondern den: Kabinett Bethlen vortragenwürde? Er wich und kann dies wohl, nicht tun. Und solange in Ungarn Verhältnisse bestehen, die auch einen Grafen Apponyi zur Spiegelsechterei, zur Verletzung der verecundia, der innerlichen Wahrhaftigkeit zwingen, so lattge ist jede Anrusung des Rechtsgefühles eine Farce. Jedes Wort, das Graf Apponyi sagt, trifft auf das Verhaltet: seiner' Regierung, seiner Gesellschaft und seiner Nation gegen die jüdische-Minorität zu. Ihr Leben, aus dem der Numerus clausus und die diversen Gerichtsurteile gegen Bombenwerser. und Mörder-nm. ein kleiner Ausschnitt ist, stellt sich als ein tlnbestreit-