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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-15 · Heft 2359 (15.9.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2359 (15.9.1925)
Date
1925-09-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien, Dienstag Wiener MorgenzeituM 15. September 1925 Leite 4 Sie Koloniallriege. Trillftnnd -er französischen Marokkö- Offensive. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 14. September. lieber die Lage in Marotkck liegt heute nur folgendes C-ommunique vor: Nach dom Erfolg unserer Operationen im Norden des Uerghoiflusses am 11. und 12. d. sind die französischen Abteilungen nun damit beschäftigt, die militärische Deckung des neu eroberten Gebietes zu organisieren. Nachrichten aus Fes besagen, daß di« große französische Offensive erst später stattfinden iverde und di« jetzige nur dem Ein richten -befestigter Lager für die Sicherheit des Nordteiles der französischen Zone diene. In «Fes wurden große Schiebungen -bei Heereslieferungen aufyedeckt. Schwierige Lage der Spanier. (Eigendienst der ,Wiener MorgenHeituug".) Paris, 14. September. Der Druck der Kabylen auf Leruan dauert unvermindert an. Alle Versuche der Spanier, die Lage zu ihren Gunsten zu verbessern, sind fehlgeschlagen. Bei Alhucemas stießen zwei spanische Schiffe; u s a m >m e n und erlitten da.bei s ch w e r e H a v a r i e n. Beduinenüberfall auf eine französische Kolonne. London, 14. September. (Tel.--Komp.) Stach einer Meldung aus Beirut wurde eine französtsche Militärautomobilkolonne von hundert beduinischen Kamelrertern 90 Meilen östlich von Damaskus überfallen. Der Kommandant der französischen Kolonne wurde getötet, ein fvanzöfischer Offizier und ein englischer Fliegerleutnant, die sich in der Kolonne befanden, wurden verwundet. Es gelang, die Beduinen zurückzuschlagen. Einige von ihnen wurden getötet und verwundet, drei gefangen genommen. Es handelt sich um Verbündete der Drusen. Je Monzie in Berlin. Berlin, 14. September. Der französische Unterrichts- Minister de M o n z i e, der ursprünglich bereits gestern in Berlin erwartet worden ist, wird erst heute abends hier emtreffen. Offiziell ist lediglich eine Fühlungnahme des Ministers mit dem derzeitigen preußischen Unterrichtsminister Dr. Becker und den deutschen Wissenschaftlern und Schulmännern vorgesehen. M ist erreicht!" 300 Wiener jüdische Gewerbetreibende in ihrer Existenz bedroht. Auf Betreiben des „unpolitischen" Verbandes der Lebensmittelhändler Wiens hat jüngst der Magistrat als politische Landesbehörde einen Erlaß über Sonntagsruhe und Ladenschluß derjenigen Lebensmittelhändler herausgegeben, welche in einem gemeinsamen Lokal zugleich ein Gast- und Schankgewerbe betreiben. Dieser Erlaß bezieht sich also — deutlich gesprochen — im wesentlichen auf die 300 jüdischen Auskochereien, welche seit Jahrzehnten einfache, billige Speisen, insbesondere warme und kalte Selchwaren, verkaufen. Um Eßwaren „über die Gasie" verschleißen zu dürfen, mutzten diese Auskocher auch den Lebensmittelhandel behördlich anmelden. Das wird ihnen jetzt zum Verderben. Die Greißler, die auch Würstel und Selchflcisch verkaufen, ihre Läden um 7 Uhr abends schließen müssen, behaupten feit Jahren in zahllosen Anzeigen, daß die jüdischen Auskocher ihr Gastgewerbe mißbrauchen, um nach Eintritt der Sonntagsruhe, beziehungsweise des Ladenschlusses der Handelsbetriebe, auch Eßwaren „über die Gasse" zu verkaufen. Man muß ein Greißler oder sonst ein verbohrter Zünftler sein, um dieses Vergehen zu erfassen. Aber, wie gesagt, der Kampf tobt seit Jahren. Wer die behördlichen Vorschriften übertrat, wurde strenge bestraft. Denunzianten haben bisher emsige Arbeit geleistet, die nur deshalb wirkungslos blieb, weil sich die jüdischen Auskocher im großen und ganzen an die Vorschriften hielten, bei Ladenschluß ihre Handelsbetriebe, die koscheren Selchwarenverschleiße stiMegten, ja durch Vorhänge, Abgrenzungsgelander, Gitter, Bretter, manche sogar durch Abmauerung vom Schankraum trennten. Man sollte meinen, daß solche Vorkehrungen genügen. Aber auch damit wollten sich die vereinigten Greißler nicht zufrieden geben. Dem sozialdemokratischen Magistrat war es nur ein Vergnügen, den Greißlern durch einen scharfen Erlaß sein Verständnis für zünftlerische Bestrebungen zu beweisen. SBorunv auch nicht; die bedrohten Gewerbsleute sind doch hauptsächlich Juden! Vorhang, Gitter, Abmauerung genügt nicht mehr, es genügt auch nicht, wenn die jüdischen AuSkocher ihren Handelsbetrieb mit Brettern verschlagen. Sie müssen sich entweder ein besonderes Lokal mieten, dakeine Verbindung mit der Schankstätte aufweisen darf, oder auch die Gaststätte wie einen Handelsbetrieb sperren. Wenn diese räumliche Scheidung nicht erfolgen kann, sind die Lokale an Sonntagen geschlossen zu halten und Ist an Wochentagen nach 7 Uhr abends der Verkauf der Eßwaren zu unterlassen. In dem Erlaß wird die Polizeidirektion angewiesen, im Falle der Uebertretung die sofortige Schließung der Ga st¬ und Schankgewerbelokalitäten zu verfügen. Die jüdischen Auskocher leben von den kleinen Handel-» angestellten, Arbeitern, Studenten usw., welche billig, meist im Abonnement, essen und begreiflicherweise auch am Sonnrag ihren Hunger stillen wollen. Man kennt die wirtschaftliche Not dieser jüdischen Gastwirte und weiß, wie eifrig sie bemüht sein müssen, jeden Gast zn erhalten, um existieren zu können. Der Gast, den sie wegen der Sonntagssperre verlieren, ist nie wieder zu gewinnen. Jeder weiß auch, der Handel EAKML« BM-MlSSiNaMftBIL 49JL.««fi.PATINf*SCMLAPMdllL * m Uu* m «*-KINDBR m äoin X *§*<«£ Kt *BlTlWftS<Mfi 191 KX Kt * MATRATZEN tu Mörtk.p. a.san Solid« AutfUhruno SIKM. 6ISLBR NACHP. JE WIfN« II. BB2IAX, PRAYERiYRASSfi 49 GtgHtadet 1870 Telephon 46-1-4^ mit Selchwaren und die Auskocherci sind so enge miteinander verbunden, daß die Leute ruiniert sind, wenn sie zum Beispiel nach dem Wunsche der Greißler den Lebensmittelliandel zurücklegen und nur auf das Gastgewerbe beschränkt bleiben müssen. Insbesondere der Mügistratsdirektor mutz begreifen, daß es in dieser Zeit der Wohnungsnot lächerlich wäre, von einem Selchwarenverschleißer zu verlangen, ein abgesondertes Lokal zu mieten. Ein solcher Erlaß fügt zum Schaden noch den Spott. Am Sonntag dürfen sie nicht offen halten, sonst wird ihnen der Betrieb geschlossen, am Wochentag sind sie jedem antisemitischen Greißler oder Wachmann schutzlos preisgegeben, und man muß wissen, was es heißt, gegenüber jüdischen Gewerbetreibenden die Möglichkeit einer Betriebssperre zu schaffen. Was sagen die sozialdemokratischen Funktionäre dazu, tvelche stets vor den Wahlen um die Stimmen der jüdischen Wirte warben? Was sagt die Polizei dazu, daß man sie zur Vernichtung von Existenzen aufruft durch einen Erlaß, dessen Geist und Wortlaut übelsten Vormärz atmet. Hoffentlich ist die Polizei bester als der Ruf, den sich der sozialdemokratische Magistrat durch diesen Erlaß gemacht hat. Für die Leopoldftädter Juden sei angemerkt, daß der bekannte Ehristlichsoziale Guido Habler, ein von der jüdischen Kundschaft gemästeter Delikatestenhändler in der Taborstraße, und selbstverständlich ein sozialdemokratischer Astimilant, namens Leo Sternberg, die Vernichtung der Existenz von 300 Juden auf dem Gewisten haben. Deshalb schrieben die beiden in ihrem Fachblatt einen Jubelartikel unter der Spitzmarke: „Es ist erreicht!" Neuiahrssratulationen In der „Wiener Morgenzeitung1' Gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden, Gästen, Kunden | in der der „Wiener Morgenzeitung" Sie sparen Geld, Zeit u.Mühe! Die Neu]ahrsgratulatioRen der .Wiener Morgenzeitung* haben sich seit Jahren beim jüdischen Publikum bestens eingetfihrt Um die grosse Fülle der erlaufenden Gratulationen unterbringen und günstigst placieren zu können, empfiehlt es sich, den anliegenden Bestellschein sofort auszuschneiden und umgehend an die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“ einzusenden. Der Prel« für das Elnheltsinserat (30 mm) beträgt! Für Wien und Oesterreich S 7. - Für Polen.Zloty 5.— Für alle übrigen Länder Dollar 1.— beziehungsweise dessen Gegenwert in der Landeswährung Muster .Hl’r avmhnelden I. Bestellschein An die Verwaltung der „ Wiener Morgenzeitung" Wien, //. Taborstrasse 1—3 Sich bestellt jür die Rösch - Haschtmah -Hummer der „Wiener SKorgcnzeitunj" .*Heujahrsgratuhtion(en) zum {Preise von und sende den {Betrag gleichzeitig mit diesen {Bestellschein ein. TEXT (deutlich ausfüllen) {Harne. Sldresse . ..., den .1925 J. M. Frost und Frau I II., Grosse Mohrengasse Nr. 47 gratulieren allen Verwandten, Freunden und Bekannten zum NeuenJahre! Nr. 2359 Ketto-kalemeHfaulerem Bet rlonMch« Snntttonüre n»D ManBalare. Tisch,I-Mtto«. Das Präsidium der Landeskommistion des Kere« Kajemeth für Oesterreich beruft für heute Dienstag um halb 8 Uhr abends im mittleren Saale des Ingenieur- und Architektenvereines, 1. Bez., Eschenbachgaste 9, eine Konferenz der zionistischen Funktionäre und Mandatare ein. Tagesordnung: 1. Arbeitsziele des Keren Kajemeth. Referenten: Herr Adolf Böhm, Herr Dr. E. M. Zweig. 2. Keren Kajemeth und der jüdische Tempel. Referent: Herr Dr. Lhaim Tartakower. Diese Konferenz ist im Hinblick aus die am 10. d. stattgehabtc erfolgreiche Versammlung der Rabbiner und Tempelvorstände Wiens von Wichtigkeit, sowohl für die Tischri-Aktion, als auch für die gesamten Arbeiten deS Keren Kajemeth im neuen Jahre 5686. Donnerstag den 17. d. um 8 Uhr abends findet im Bureau des Keren Kajemeth, 1. Bez., Kärntnerftratze 28, eine Mitarbeiterbesprechung statt. Da daS Gelingen der Tischri-Aktion, die schöne Erfolge zu bringen verspricht, von der Mitarbeit aller Zionisten abbängt, ist zahlreiches und pünktliches Erscheinen zu dieser Konferenz nüumgänglr^ notwendig. Ae gahnelt der 37 Mrtyrrr. Aus Kiew wird uns berichtet: Am 4. d. fährt e sich zum siebenten Male der Tag, <m bem 37 junge Menschen, Mitglieder des Mischen Selbstschutzes in der Ukraine von den Bandeir Petljuras ans grausamste Woise hingomordet wurden. Dieser Tag wird seitdem in Kiew als aUgcntetitcr jüdischer Trauer- und Festtag begangen. Fast die ganze Mische Bevölkeruug zieht an diesem Tag aus den Friedhof zum Grabe der unglücklichen jungen Opfer des mörderischen Judenhasses. Schon an dem dem Trauartag vorangehenden Sabbath wird beim Gottesdienst in allen Synagogen und Bethäuforn verkündet, .daß am 15. Eiul am Fv'nedhos eine HaÄavah zum Andenken an die an der Verteidigung jüdischen Lebens und jüdischer Ehre gefallenen Brüder abgchalten werde. Am Trauertage zieht ein langer Zug trauriger Juden durch die Straßen, die zum Friedhof führen; die meisten Geschäfte sind geschloffen. Das gemeinsame Grab der jimgen Märtyrer ist mit einem Eilsengitter ei-ngezäuirt. Ueber dein Grab erhöbt sich ein Grabmal. in welches die Namen der 87 jungen Juden, die als Beschützer der Judengasse im Kampfe gegen eine blutrünstige Uebermacht ihr Leben lasten mußten, eirvgvadievt. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesehtes E gekennzeichnet. Wien, 15. September. * Das Wetter. Auch gestern war eS heiter, wenn auch noch Wht. Die Voraussage meldet veränderliches Wetter und allmähliche Besterung. * Die Lebensmittelmärkte. In der Großmawtthalle sind gestern 20 Waggons verschiedener Hevkunst im Gewichte von 111 Tonnerr eingelauat. Bei ruhigem Verkehr sind vorläufig keine nennenswerten PreiSverände-rungen zu verzeichnen. Der NaschmarA wurde in bqug aus alle Gemüsesorten ausreichend dotiert. Auch hier hielten sich die Preis« auf Vovwöchigem Niveau. Kartoffel langten namentlich auS de>n inländischen Produiktionsgebenden in ausreichenden Mengen ein. Die Großharidelspreise bewegen sich zwischen 8 bis 10 Groschen pro Kilogramm je nach Qualität. Die Obstzufuhren sind anhaltend günstig. Im Vordergründe des Interesses standen Zwetschken und Achsel. Preise stationär. Mit Butter und mit Eiern waren die Märkte genügend versorgt. * Auch das Bäckerbrot wird billiger. Die Bäckermeister haben sich entschlossen, «den Laib Schwarzbrot ab heute clbenso wie die Brotfabriken um 7 0 Groschen zu verkaufen. * Jubilare der Ehe. In Vertretung des Bürgermeisters überreichte Samstag amtsfühvender Stadlvat Speiser dem Ehepaar Joses und Julie Spitzer aulätzlich ihrer diamantenen Hochzeit die Ehrengabe der Stabt Wien. Am gleichen Ärge wurde den Ehepaaren Emil und Anna Lasch nnd Siegmund und Rosa Weiß die Ehrengabe der Gemeinde zur goldenen Hochzeit überreicht. * Stiftungstrauungen des Tempelvereines Aeschel Awrohom. Anläßlich der Jahreswende der EruweihuugAfeier des Paznrauitentempels fanden auch Heuer zwei Stiftuugstrauungen armer Brautpaare unter Teilnahme des gesamten Vorstandes des Tempelvereines Aeschel Awrohom unter Führung des Obmannes, OÄar Sch r a m e k, statt. Rabbiner Dr. Funk, der den TrauuugSakt vollzog, hielt die Festrede. * Schwerer Unfall eines Arztes. Aus P i e st i n g, 12. d., wird uns berichtet: Vor einigen Tagen fand man um 10 Uhr nachts den Arzt Medi-inalvait Dr. Pogattschnig. Gemeindearzt von Gutenstein und Tuberkulosefürsorgearzt in Ortmann, auf der Straß« von Gutenstein nach Pernih bewußtlos neben seinem Motorrad mit einer Kopfwunde auf. Er erlangte wohl am nächsten Tag wieder das Bewußtsein, ist aber wegen der erlittenen Gehirnerschütterung wicht arbeitsfähig. * Totschlag ln Favoriten. Zwischen den >beiden Kutschern Richard H o s ch n y und Karl Belay kam eS am Sonntag in den frühesten Morgenstunden in der Knöllgasse in Favoriten zu einem heftigen Streite, in dessen Verlaus beide die Messer zogen und aufeinander losgingen. Hoschny versetzte seinem Gegner einen Stich in die rechte Brustseite, die den baldigen ToddeS Betroffenen zur Folge hatte. Hoschny wurde bald darauf verhaftet. Gr gab an aus Notwehr gehaudelt zu hüben. * Todessturz über die Stiege. Der TSjebrige Tischlermeister Joses H r r t'l stüuzte gestern gegen Mitternacht so uuglücklich über die Stiegen, daß er bald daraus an den Folgen eines SchädelgrundbritcheS starb * TSMcher Unfall bei der Arbeit. Am 10. d. vormittags arbeitete in der Lokomotivsabrilks-A.-G. in der Brünnerstraße der Schlossevgehilsc Alois Kozian an einer Schlellfpvesst' Plötzlich zersprang die Probierscheibe und ein Eiseustück zertrümmerte dem UnglüMichen daS Stirnbein. Kozian ist bald darauf gestorben. Da er ohne Schutzvorrichtung gearbeitet hctt. ist die Strafamtshandiluug eingeleilet und die gerichtliche Oeffmrng der Leiche beanttagt. * Ein vornehmes Restaurant mit ritueller Kost, das auch verwöhnten Alvfovderuugen enüüvricht. ist das populäre Nestauraut Hotel Guth in der Hollandstraße 14. Seit ungezählten Jahren ist dieses Lokal der Treffpunkt zahlreicher Ci uh e indischer ^70^8439513972

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