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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-13 · Heft 2357 (13.9.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2357 (13.9.1925)
Date
1925-09-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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SK. SM Wen, Gvmktatz . SvßeWeV MoeBMzett««s ~ LS. Ogtenitet 1SS6 _Se»e 8 tat« von Außenstehenden gewünscht tvurden. Im Perma- ««W^schuß haben die Vertreter oller Parteien für die Lösung gestimmt, die ich dem Plenum des Kongresses vormschlagen übernahm. Wäre M erwarten gewesen, daß im Plenum sich auch nur eine Stimme gegen -den Vorschlag per Pevmanenzausschusses ausfprechen würde, so hätte ich eg nicht übernommen, dem Kongreß diesen Borchlag zu Mrterbreiten. Die neue Formel, tvelche der Kongreß akzeptiert hat» bar keine Abdankung des Kongresses; denn im wesentlichen »war es seine -Funktion, die Leiter der Politik zu wählen- und die Liniert der Politik festzuftelleu. Der Schwerpunkt des Kongresses war immer die Politik der Leitung. Es ist nichts geschehen, wovon man annehmen kann, daß es die Autorität des Kongresses entscheidend geschwächt hatte. Es war eine unangenehme Erscheinung. Aber man kann annehmen, daß die Frage vom Aktionskomitee, 'das aus denselben Parteien, zusammengesetzt ist wie der Kongreß, in ruhigen Tagen sachlich und ruhig behandelt werden wird. Darin liegt keine Gefährdung der Organisation. Zusammenfassend ist zu sagen: Es ist Tatsache, daß die überwiegende Mehrzahl des Kongresses sich unbedingt Kr die Fortführung der Geschäfte durch Prof. Weizmanu ausgesprochen hat; es ist Tatsache, daß, als die Möglichkeit zu bestehen schien, daß Weizmann sein Mandat niederlegen würde, diejenigen, die sich bei der Abstimmung über das Absolutorimn der Stimme enthalten hatten, bereitwillig die Erklärung abgaben, daß sie wünschten, Weizmann solle die Geschäfte weitersühren; es ist Tatsache, daß die Nlichtwahl der Exekutive durch den Kongreß nicht dadurch hervovgerufen wurde, daß die geeigneten Männer nicht gefunden werden konnten, sondern daß der Vorschlag des Pevmanenzausschusses von allen Parteien des Kongresses bis aus den Vertreter der Poale Zion gebilligt wurde. Keine andere Partei hat in diesem Vorschlag eine schwere Gefährdung des Kongresses gesehen, sonst hätten sie Kr die Verlängerung des Ingresses stimmen müssen. Der Kongreß hat sich damit einverstanden erklärt, diese neue Form zu wühlen, die er also nicht Kr gefährlich Kr die Organisation gehalten hat. Wir halben also keinen Anlaß zu Gauben, daß dieser Beschluß dazu beigetragen hat, «das Ansehen des Zionismus in den Augen der Richtzionisten und Nichtjuden zu schwächen. Die Konflikte, die es gab, mußte es geben. Der objektive Beobachter muß sagen, daß die Gegensätze zwischen rechts, links und Mitte auf dem Kongreß lange nicht so scharf waren wie in irgend einem anderen Parlament, obwohl sehr ernste Entscheidungen heribeigeführt werden mußten, -obwohl es sich z. B. bet der Arbeiter- Was man auch immer spricht und schreibt» Jigaretten-papler „OLLESCHAU“ bleibt man ihm nicht mit Kopfhängen, sondern mit dankbarer Fröhlichkeit dienen solle. Keine ganz leichte Ausgabe unter solchen Dafemsverhältnissen! Aber sie helfen einander nach besten Kräften und der Nachfolger des Baal Schem Hilst und 'begnadet durch sein Gebet. Sogar durch seine Berührung und durch die Verteilung von ihm berührter Speisen an die Gläubigen. Am wirksamsten aber am Freitag abends, wenn der Sabbat eingesegnet wird und er festtäglich speist. Hunderte drängen sich, erwartungsvoll schweigend, in dem von Wachskerzen mattevleuchteten Saal um die lange, weißgedeckte Tafel, an der er mit seinen Söhnen und nächsten Getreuen sitzt. Frauen dürfen diese Stätte der Heiligung nicht betreten. Wir schauen einen blassen Mann, in langem, schwarzem Kleid, den Mergeschmückten Gebetmantol über den Kopf gezogen, der am Ende der Tafel mit halbgeschlosseuen Augen die langen Gebete flüstert. Von der umstehenden Menge werden sie Mit eigenartigem, oft jubelndem Singsang begleitet. Sein müdes, verzücktes Antlitz zeigt den Ausdruck des Entvücktseins in weite Ferne. Und wenn es dann Sabbat geworden ist und das Festmahl beginnt, kehrt der Geist auf die Erde zurück. Mer auch das Essen ist Verzückung. Langsam führt er die Speisen zum Munde und die Umste'henden folgen schweigend der Zeremonie des Dankes Kr das Geschenk Gottes. Alle diese langbärtigen Männer tragen auf dem Haupt Barette aus Fuchspelz, wie auch bei uns die Bürger des Mittelalters. Nach jedem Gang entsteht erregtes Flüstern; denn der hinter den: Wundertäter stehende Holser verteilt die Reste seiner kaum beviihrten Speisen an die Gläubigen. Weither gereiste, angesehene Männer drängen sich, um einen Bissen zu erhaschen und seine Hand zu küssen. Und dann wieder Gebete, Gesänge, alles in einer Fröhlichkeit, als wäre die messianische Zeit schon angebrochen. So geht es Stunde nach Stunde, bevor das lange Mahl endet. Die Lichter brennen herab, man glaubt sich in ferne Zeiten versetzt, unter die Menschen, die Rembrcmdt uralte und Heine besang, in die Ghettos des Mittelalters mit all ihrer Enge und nrhstischerr Verzückung. Und als wir hu Morgengrauen hinaustreten in die stiller: Straßen wissen wir, daß heute kein Laden sich in dieser Stadt öffnen wird, daß die Schmiedehämmer rrchen, niemand fährt und niemand arbeitet. Denn Sziget ist die Hauptstadt des Landes der großen Berge und weiten Wälder, schwerer Arbeit und nagenden Hungers, die Hochburg mystischen Glaubens und Vertrauens in die geheimnisvollen Mächte, welche über die Geschicke der Menscher: >>"d Völker walten. scha'st mn ihr Lebenswerk handelte, um das, was sie Kr das Entscheidende im Ausbau Palästinas ansieht, obwohl andererseits die Rechte weiß, -daß in Palästina m religiösen Dingen nicht alles so ist, wie sie es Wünscht, und das Kr sie ebenfalls eine Lebensfrage ist. Gerade der Umstand, daß die Gegensätze auf dem Kongreß weit weniger scharf waren als anderswo, beweist uns, wie stark das Gefühl der E i n ig ke i t in der bewußten Judenschaft ist,' die im Zionismus vertreten ist, und wie berechtigt die Hoffnung, daß alle Schwierigkeiten von uns werden überwunden werden können. Es ist kein Grund vorhanden, irgendwie im Bewußtsein der Schwäche an die Arbeit zu gehen^ Ms Wir ans Werk gingen, «wußten wir, daß die Schwierigkeiten um so größer werden, je mehr man schafft. Wir haben inzwischen aus einem Traum eine Realität geschaffen und wir wußten und wissen, daß wir die Kraft haben, alle Sch wierrgkeitan zu überwinden. _ Plumerr ßmvfang in Palästina. In Jerusalem und in Tel-Awkw. Ueber die Ankunft des Oberkommissärs Marschall Plumer auf seinem Dienstvosteu am 25. »August berichtet die „Jüdische Preßzentrale" in Zürich: In Jerusalem wurde so etwas wie eine Ehrenpforte errichtet. Die Ausschmückung besorgten kommunale Organe, natürlich Araber, und die guten Leutchen machten es, wie sie's von ihren Großvätern gesehen haben: mit roten, halbmondgeschmückten Fahnen, Reisig, Bänder in arabischen Nationalfarben und am Nachmittag, vor der Ankunft Sr. Exzellenz, kam irische Gendarmerie und nahm — über höhere Order — den schönen Schmuck ab. So blieb bloß das weiß gestrichene Holzgerüst mit dem Laubschmuck und rasch wurde ein Leinwandstreisen befestigt mit der englischen, hebräischen und arabischen Aufschrift: Wellcome! Baruch Habah! Salam! Auf den Empfangssestplätzen (in Jaffa) gab's Militär, viel Militär und um so weniger Zivilpublikum. Exzellenz trat vom Motorboot des Kriegsschiffes ans Land: Geschützsalut, „God save the King! . . Kommandorufe, Hornsignale, Hurra! . . . Nachdem Lord und Lady Plumer die programmäßigen Ansprachen über sich ergehen ließen — während diesen Ansprachen blickte Lord Plumer wiederholt zu den ausgerückten arabischen Reitern hinüber — verlor Exzellenz eine kurze, kernige Antwort: „Schöner Empfang! Danke, auch im Namen meiner Frau! Hoffnung aus Gedeihen und Aufblühen Palästinas unter dem englischen Banner!" Hurra! God save the King. Und gleich darauf wandte sich Lord Plumer an seinen Adjutanten mit den Worten: „I Want to see the horses!" (Jchmöchte diePferde sehen!) Die zunächst stehenden hohen Regierungssunktionäre, die eben vorgestellt werden sollten, wichen, etwas betroffen, unwillkürlich zurück. Der Feldmarschall hatte die edlen Vollblüter des arabischen Banderiurns gemeint, die er eingehend besichtigte. Dann wurden die Herren kurz vorgestellt. Aber Palästina hat ein „geflügeltes Wort" bekommen: „I Want to see the horses!" Da war die Begrüßung Lord Plumers in Tel- A w i w, dessen Station der Separatzug langsam fahrend passierte, weit schöner! Es waren wohl keine Pferde da, aber blühende Mädchen, stramme Knaben, wehende Wimpeln und Fahnen, Blunren, Jubelruse und die — Hatikwah . . . In Jerusalem wehten wieder — wie am Geburtstage des Königs — vom Hause der Zionistischen Exekutive und vom Caspischen Kaufladen die englische und die jüdische Fahne. Diesmal schritt jedoch die Polizei nicht ein. Sie lvar von „Oben" abgewinkt worden. Als „Dämpfer" erschien jedoch im „Palestine Bulletin" eine Erklärung, daß die blau-weiße Fahne eben keine Fahne, sondern bloß e i n E m b l e m der „jüdischen geistigen Zusammengehörigkeit" sei, die der englischen Mandatsmacht huldigt... Der „I. P. Z." zufolge ist Kolonel Brook, der Schwiegersohn und Adjutant des Marschalls, ein Jude. Eine autoritative Bestätigung liegt nicht vor. England vermittelt zwischen Huffei« und de« WahaM». London, 12. September. ,/Daily Expreß" meldet aus Kairo, daß demnächst eine große Konferenz abge-halten werden wird, an der Vertreter des Königs Hussein, der Wahabiten und Englands teiluchmen. Da die Streitigkeiten Kutschen den Wahabiten und den Anhängern des Körrigs Hussein emen zersetzenden Einfluß ans die mohammedanische Welt und die arabischen politischen Fragen gehabt haben, habe nunmehr die englische Regierung die Initiative zu dieser Konferenz und zur Äsung der Schwierigkeiten ergriffen. Deutschland eingeladen. Genf, 12. ^September. (Schweiz. Dep.-Ag.) . Der französische Außenminister B r i a n d ist heute vormittags nach Paris abgereist. Er Unterzeichnete vor seiner Abreise i m Na m e u F ra n kr e i chs s ow ie de r alliierte n Regieruugen die Note an den deutschen Reichsaußenminister Dr. Stresemann, um Deutschland zu e ine r Konfe renz über ei n e n Sicherheits- Pakt, ernzuladen, und schickte die Note ab. Die Konferenz soll in den ersten Tagen des Oktober stattfinden. Der, Ort der Zusammenkunft ist noch nicht genau bestimmt. Die Note gcht an den französischen Botschafter in Berlin, der sie Montage oder Dienstag überreichen wird. Kochet Backet Bratet nur mit dem altbekannten KU N E RO L Kunerol ist 100% reines Fett aus Kokosnüssen und wird unter streng ritueller Aufsicht Sr. Ehrwerden des Herrn OberrabbinersS. 8. Ehrenfeld, Mattersburg, heigestellt. Es sollte in keinem Haushalte fehlen! KUNEROLWERKE A.-G., WIEN Sine nette Abrüstungslonserenr. Eine Entschließung des Bölkevbundes. Grus, 12. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) In der Bormittagssitzung der Völkerbundversammluug verlas Motta einen namens der schweizerischen Delegation erngereichten Resolutionsentwurf, worin darauf hingewiesen Wird, daß bereits 17 Staaten der fakultativen Klausel über die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit für eine weitere Periode zugeftimmt haben und daß alle anderen Staaten eingeladen werden sollen, diesem Beispiel zu folgen. Nachdem noch Hyman's (Belgien) erklärt hatte, daß Belgien dem Unterzeichneten Protokoll treu bleiben werde, da es der Ausdruck des Gewissens der Menschheit sei, unterbreitete Quinones de Leon (Spanien) folgende Entschließung: Die der Sache des Friedens ergebene Völkerbund- Versammlung ist überzeugt, daß das dringendste Gebot der Stunde die Wiederkehr des Vertrauens u uter den Völkern ist. Sie stellt erneut fest, daß der Angriffskrieg ein internationales Verbrechen ist und nimmt Kenntnis von den Erklärungen, die vor dem Rat und der Versammlung bezüglich des Protokolls Kr die friedliche Regelung, der internationalen Differenzen abgegeben wurden, sowie von der Tatsache, daß das sogenannte Protokoll bis heute die nötige Anzahl von Ratifikationen auf sich nicht vereinigt, um sofort zur Au-> Wendung gebracht werden zu können. Sie nimmt die Anstrengungen einiger Ziatvonen im Sinne der Förderung dieser Fragen durch den Abschluß von gegenseitigen Sicherheitsverträgen, die im Geiste des Bvlkevbundpaktes abgefaßt werden und Mit den Prinzipien des Protokolls in Uebeveinstrmmung stehen, günstig auf. Sie stellt fest, daß solche Abkommen nicht unbedingt aus ein enges Gebiet beschränkt sein müssen, sondern die ganze Welt umfaffen sollen. Sie äußert den Wunsch, daß nach der Einbringung dieser Pakte beim Völkerbund der Rat sie einer Prüfung unter^eh^ um dann der 7. Völkerbundversammlung Bericht zu erstatten über die Fortschritte, die dieser Pcckt auf dem Wege zur allgemeinen Sicherheit bedeutet. Sie verpflichtet sich von treuem, cur der Hersteß« lung des Friedens zu arbeiten auf dem Wege der sicheren Methode der Schiedsgerichtsbarkeit, der Sicherheit und der Abrüstung, und sie lädt den Rat ein, eine Konferenz vorzubereiten zum Zwecke dev Herabsetzung der Rüstungen, sobald der Rat vom Standpunkt der allgemeinen Sicherheit aus zur Ansicht gelangt ist, daß befriedigende Bedingungen vorliegen, wie dies in der Entschließung 14 der dritten Völkerbund« Versammlung vorgesehen ist. In der Nachmittagssitzung schlug Dr. Nansen von daß der Bericht der permanenten Mandatskommission det politischen Kommission überwiesen werde. Dr. Nansen erklärte, bafe es für Europa von großer Bedeutung sei, eint friedliche Regelung des Minderheiten Schutzes zu erzielen. Dr. Benesch verteidigte noch einmal das Protokoll und erklärte, man werde trachten muffen, trotzdem zu«! Ziel zu gelangen. Der italienische Delegierte «Dekalo ja erklärte, der Völkerbund könne erst den Frieden schaffen, wenn ihm gelinge, den Geist der Brüderlichkeit unter den Völkern zu pflanzen. Nächste Sitzung Montag. 600 mohammedanische Wfter geschloffen. (Eigendienst der „Wiener Morgeuzeitung".) Konstantinopel, 12. September. Auf Befehl der Ro gierung von Angora sind 600 mohammedauir s ch e K l ö st e r in der Türkei geschloffen worden, davon tt Konstantinopel allein 300. 'ss/iwti MWWRRWW Jü*.

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