Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2357 (13.9.1925)
- Date
- 1925-09-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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«r. mt Wiener Morserr-ertimg Dien, Sonntag -Herr Sokolow hat sich persönlich gegen den Vorschlag ausgesprochen -und gewünscht, daß, auch diesmal vom Kongreß ,das Vertrauen in Form eines Absolutvriums vor der Wahl der Exekutive ausgesprochen iverde. Da Weizmann nicht anwesend war und eine Sitzung der Exekutive nicht cinberufen wurde, konnte eine entscheidende Antwort nicht gegeben werden. Das Aktionskomitee hat sich mit überwiegender Mehrheit dafür ausgesprochen, daß das Mfolntorrnm abgeschafft werde. Aber eilten definitiven Beschluß konnte das Aktionskomitee nicht fassen, da es der Exekutive, die damals noch keine Möglichkeit hatte, zu dem Vorschlag Stellung $it nehmen, seine Ansicht nicht anfdrängen konnte. Nun kam -der Kongreß in Wien und vom P ermatt e nzau's schuß wurde abermals an die Exekutive das Ersuchen gestellt, vom Abs o l utor: u in a b z u sehe n und die Neuwahl als die Bertrauensprobe anseihen zu wollen. Weizmann sprach sich dagegen aus, ebenso wie es vor einigen Wochen — vielleicht mit etwas geringerer Schärfe und Entschiedenheit — Sokolow getan hatte. Dafür dürften für den Präsidenten der Organisation', wie mit hoher Wahrscheinlichkeit geschlossen werden darf, folgende gründe maßgebend gewesen sein: Schon (bei den vorhergehenden zwei Kongressen, die in Karlsbad stattfanden, hatte es sich ergeben, daß sowohl bei der Frage des Absvlutormms als aiuch später bei der Nenlva>'hl sich größere Teile des Kongresses der Abstimmung enthielten. Weizmann war nult der Ansicht, daß er diesmal eine klare Au:wort haben müsse, ob man mit seiner Politik, wie er sie bisher geführt 'hatte, in de u G rund z ü gen zufrieden fei oder nicht, so sehr es auch in gewissen Einzelfragen nicht Übereinstimmung geben uwchte; denn nach den Erfahrungen der früheren Kongresse könnte die Außenwelt den Eindruck Haben, daß nur ein Bruchteil der Organisation die Politik Weizmanns und seiner Kollegen billige. Deshalb wütlschte wohl Weizmann obenso wie vorher Sokolow, daß das Plenum des Kongresses zur bisherigen Tätigkeit der Exekutive positiv oder negativ Stellung nehme. Diesen Wunsch der Exekutive zu umgehen war unmöglich, und die Frage der Anerkennung oder Nichtanerkennung der in den letzten zwei Fahren geleisteten Arbeit der Exekutive kam vor den Kongreß. Schon tut Pevmanenzausschuß des Kongresses ergab sich 'das merkwürdige Schauspiel, daß Parteien innerhalb der Organisation, die int großer: und ganzen mit der Politik Wetzmauns einverstanden waren und den aufrichtigen Wunsch Hatten, daß diese Politik durch diesen Mann weitergeführt werde, sich nicht entscheiden konnten, zu sagen, ob sie für diese Politik ftimmm oder sich der Abstimmung enthalten würden, und zuletzt erklärten, sie würden sich trotz der Anerkennung dieser Politik der A bst i m m >u ri g ent h a l t e n. Nicht nur die ziffernmäßig sehr kleine Oppo si t i o n, die loyal ihr Mißtrauen zum Ausdruck brachte, sondern auch jene Grupen, die in der Generaldebatte wohl dies und jenes rügten, aber die Politik Weizmanns, ja sogar Herberl Säur u e l s absolut imib ohne Eittschränkung anerkannt «hatten, erklärten aus «Gründen, die nicht direkt mit dieser Politik und ihrer Führung in Verbindung stehen, sie könnten 'nicht an der Abstimmung teilnehmen. Bei der Abstimmung im Plenum stellte sich heraus, daß die Opposition gegen, das Absolutorium stimmte, was zu erlvarten und selbstverständlich war, daß aber auch die oben erwähnten Gruppen und auch k l e i n e T e i le d e r s o g e n a n n t e n R e g i e r u n g s m e h r h e i t, 'des Zentrums, an der Abstimmung nicht teilnähmen. Es ergab sich daraus ein Stimmenverhältnis, das im gewöhnlichen parlamenta- Bei den Juden der Berge. Bort Dr. Adolf Friede mann, »Haag. Die Fürstin Metternich, in deren berühlntcm Salon so viele geistvolle Aussprüche geprägt wurden, hat einmal gesagt, Asictr beginne am Ostbahnhof in Wien. Seitdetn sind viele Jahre vergangen, und der Ausspruch stimmt nicht mehr ganz. Europa hat sich weit nach Osten ausgedehnt. Aber östlich voir Budapest ntacht sich doch vielerlei geltend, was unseren Begriffen von euvopätschem Leben widerspricht. Man betnerkt die Veränderung nicht nur an dem traurigen Eisienbahttmaterial der hier nach Osten abfahrenden Züge, sondern auch am Charakter der Landschaft. Wen» die hoch über der: Wasserstrndeln der blanett Donau ragende Burg von Ofen am Horizont verschwindet, fährt ntan fünf lange Stundet: durch die Puszta. Flache Niederungen, kurzgrasige Steppe, auf der verstreut ärmliche Bauernhäuser tnit offenen Seitenbatrtett und wenig saubere Dörfer liegen. Und dazwischen wimmelt es von Getier aller Art, das int Sonnenbrand unter den wenigen Akaztenbäumen um die nmlerischen Zichbrnnnen Schatten sucht. Herden von schneeweißen Rindern mit gewaltigen, wagrecht stehenden Hörnern, Herden von Pferden, die beirn Herannahen des Zuges erregt 'davon galoppieren, Herdetl von Schweinen, deren lange, graubraune Borstet: denen ihrer wilden Brüder in beu Bergwäldern ähneln. Und dazwischen uneruveßliche Scharen von schneeweißen Gänsen, Ettten und Hühnern,' die hier ein Hauptnahrltngsmrttel bilden. Ueberall schnattern, watscheln und fliegen diese freundlichen Tiere, so daß die Ebene oft wie mit weißen Punkten übersät erscheint. In meiner Jugend habe ich oft gelesen, daß die Puszta eine Stätte der Romantik sei. Aber die sie besungen haben, föuncn nientals dort gewesen sein. Es kann nichts langweiligeres gedacht werdet:, als dieses abwechslungslose Bild der vott glühenden Sonnenstrahlen verbrannten Steppe, das nur von Zeit zu Zeit durch reifende Maisfelder unterbrochen wird. Die Ronrantik vom Leben der Puszta existiert ebenso nur. im Geiste der Dichter, wie die Romantik 1.8. Sepie tuber Mß Di# *er wm 4 * pwirnun' w:Z II % \y>ß r--^l üi >•: tli I: 11 Dxtz'eMW, V Preiswürdigkeit Qualität und Jndividuqlität' Beherrschen das Fel' ~4l fiJ M Viis ist Klugheit? Allen Damen möcht icl/j sagen. Es bedeutet KrupnikkldclLUij tragen. engl. Genre rein Wolle ,-b S Mäntel ÄlÜNtel l* ^e'oms*°* C’ retzverbrMmt, ÄlNNtel J"al;'sitrtc Mode-Neuheiten, 38.— pelzverbr.Hmt nb b OTSsSM4<«f Schwere Or omaiie, ganz Crepe _ MKMKl de Chine; efil:t,-r.ab 5 1 # »♦ ÄlNNtel Modelle Edelfell, verbrämt ab S MoJeraye und ictentriVol. mit fi _ inieinee langen Aermeln S!1.— . ab S ^lelÄee herrliche Wollscho te.i 15.- 89.- Benülien Sie aecli den Vormittag zum Einkauf! ah S Lutz ckende Crepe de Chine niSlvS«. Nouveautcs ... . . ab S f. i'ir&J hJVi * v, m |\L M K rischen Lc.l'en unbedingt als Vertrauensvotum anzusehett ist, da Stimmenthaltungen' in den Parlamenk'n wicht zählen; den 17 Stimnten gegen das Absolutorinm stand die große Mehrheit von 180 Stimmen, die für 'das Absoluwrtuiu abgegeben wurden, gegenüber. Es ergab sich aber auch, daß drei Parteien, darunter zwei, die mit der. Politik der Exekutive einverstanden, und eine, die nicht ganz imtzuftioden war, sich der Äbstintniung enthielten und daß diese zttsämmen mit der Opposition und jenen Teilet: des Zentrums, die sich ebenfalls der Abstintmung enthaltet: hatten, die Mehrheit des Kongresses bildeten. Diese Sitnation verlangte absolut nach Klärung' und es -roar durchaus begründet, wenn Weizntantt erklärte, er könne unter dieset: Bedingungen tu die neue Exekutive nicht eintreten und sie nicht bilden. Ich müßte Weizmann recht geben, nicht weil ich der Ansicht war, daß ein großer Teil des Kongresses sich gegen ihn ausgesprochen haÄ sondern weil .ich es in gewissen: Sinne für n n n: o r a l i f t hielt, daß Parteien, die .Weizmanns Politik und Perfol das Vertrauet!' ausgesprochen hattet:, sich der Äibstmmmnj enthielten, -wo es sich doch um nichts anderes als iui politische Fragen handelte. Gegensätze polnischer Natts zeigten sich aber auf den: Kongreß nur zwischen der große! Masse derjenigen, die mit Mciziuanns Politik -einversta-ndei waren, -nnd der kleinen Gruppe der Opposition. Bei dej anderen Parteien zeigten sich wohl religiöse und so.ziaÄ aber tticht politische Gegensätze. Ter Misvachi hatte gewij das Recht, zu erklären, daß er nrit dem Stande der reli gi-ösen Dinge in Palästina nicht einverstanden sei, unj ebenso ist cs verständlich, kvenn die sozialistischen Gruppe; Bedenken über die sozia-len Entwicklungen im LanLs äußerte::. Aber die Formulierung des Absolutorinms wai der sie durchwandernden Zigeuner. Sie sind rein sentimentaler Volksstamm, der dett Stern Aldebaratt attbetet und sich in melancholischen Liedern nach seiner indischen oder ägyptischen Heimat sehnt, 'sondert: eit: Hansen stehlettder Landstreicher, von oft abschreckender Häßlichkut. voll Arbeitsscheu und Neigung znm Gebrauch des Messers. Die außerordentlich strcitsüchi'gen Weiber sind ebenso häßlich und verwahrlost. Nur die in Lumpen gehüllten Künder, die den stanoigen Boden küssen, bevor sie den Win de rer anbetreln, sind nranchmal von .aalerischer Schönheit Nebrigens fehlt mir auch der Sinn für das angeblich Packende der Zigeunermnsik. Eilt- oder zweimal hört man sie gern. Aber wenn man A-bend für Abend dazu gezwungen si't, die gleichen Operettenmelodien lnit anznhoreu, lvirken auch Geige und Zimbal fade und geisttötend. Das Ungarn Kossuths und des alten Andrasfti existiert nicht mehr. Der heutige Magyarenstaat ist auf die schmale Donauniedernng beschränkt, ohne tiatürliche Grenzen, und schon bei Episkopia Bihor, lvo Siebettbürgen beginnt, liegt die rnntänifche Grenze. Man hat de:: Eindruck, daß Groß, rtlmänien, das so plötzlich zu weiter Flächettausdehnnug gelaugte, sich allmählich zit konsolidiere» beginnt. Eilt ^netter, geräuntiger Grell-,bahnhof ist erbaut, und wenigstens aus der Hauptstrecke nach Bukarest verkehren, im Gegensan ,'gl früher, schölte neue Eisetlbahtnragen, die wohl ans der dentschett KriegsentschädiglUlg stantmen. Mau fährt Pünktlich und Grenz-beamte wie Bahnpersonal sind Volt großer Zuvorkommenheit. So fahren wir bis Szatmar ltitd dann noch einige Stunden bis an den Rand der Karpathen in einer Kleinbahn, von der ich nur saget: will, daß ihre Wagen offenbar tloch ans der Zeit sta-mmen, als König SiegltlNttd ill die Türketlkriege reiste. In denr malerisch gelegenen Städtchen Baia Mar.- am Fuße der Karpathenvorberge gibt es ein Gotdderglve'.k und eine Malerkvlonie. Sieben bürgen ist reich an Natllrschönheiten und Bodenschätzen. Mittelgebirge, umflossen vor: feinem, bla nett Duft, wechseln mit lvildelu, großartigem Hochland. Ueberall strömen Flüsse und Wildväche, überall gibt es Erze, Kohle, Erdgase und Heilquellen. Alle dich Reichtünter harren der Erschließung. Nur die Wälder loe, beit in bescheidenem Umfange ausgenützt. U::d was fül Wälder gibt es hier! Endlose Tannetlforste int Hochgebtrgl die nie des Menschen Axt berührt hat, und wunderbar, viechundertjährige Eichenwälder im Miilelgebirge und il der Ebene. Sie dehnen sich auch kilometerweit Hit: um dal stille Landstädtchen, aber sie sind hier zullt Verschwinde! bestimntt. Sic sollet: enteignet und an die runninische, Bauern ansgeteilt werden, die die Baumrissen fältelt uu! die geschenkten Gründe in Weideland verwandeln werden Das stimlnt den Naturfreund traurig, lvie benu die ganz Agrarreform der Sukzessionsstaatett viel Schönheit uul Romantik vernichten wird. Und auch der rationellen Bo wirtschastnng der Ackerflächen und der Versorgung do Städte ist die Aufteilung der großen Güter keinestvegl gnttstig. Einsichtige Rumänen verhehlen sich bfl3 auch u-.ch! und westeuropäische 9!ationalökouotnen, deren höchste Weis heit in der Lehre von der unbedingten Nützlichkeit der Auf teilnng aller großen Güter gipfelt, könnten hier Emahruu gen sanmteln, die sie nachdenklich stinmten würden. Aber ti!si tticht zlt verkennen, daß ohne die Landverteilung an dr, furchtbar armen rumänischen Bauern Transsylbanieni eine Bauernrevolntion nach den: Kriege wahrscheinlich uu vermeidlich gewesen wäre. Fm Mittelalter hat man di! rumänischen ^Bauern auf einen minimalen Landbesitz bo schränkt nnd vielfach ins Gebirge gedränK. Die gewaltige! Strecken „Königsland" erhielten sächsische Grenzbauern zuf Sichernng gegen die Türket: und magyarischen D-agnaten Dieses Unrecht rächt sich heute an den früheren Herrctl Mart nms; nur hoffen, daß allztt große Härten bei der Antz teilullg lind Planlosigkeiten vernneden werden. » In: Kriege hat die Heererg-vuppe Macke Ilsen ein, prachtvolle Straße von Baia-Mare über beit Gutipaß il die Marmaros gebaut, jenes Komitat, das die Hochkar, Pathen trm-saßt. In diesem Lande berühren sich die BoW grenzen von Magyaren und Rumänen, Ruthenen und Slot waken. Und zwischen Men lvohnen viele ZMtanjende vo»