Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-09-13 · Heft 2357 (13.9.1925) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2357 (13.9.1925)
Date
1925-09-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981443--24053-3011559
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gerte S Men, Sonntag Dm Warenhaus Balg«1 L, HoheniiattfeiigMit 10, T*ttS5*,lf’ liefert Taifoahlflliff ohne Preisaufschläge auf lulliirllllllüfy und ohne Anzahlung: Herrenu. Damenbekleidung, fertig und nach Mass, Pelze, Schuhe, Wäsche, Modewaren etc. 6 Monate Kredit! Keine Agenten!?«> Keine Inkassanten! Melduuges mb Hoffvungeu. -y. Wien, 13. September. Aus Palästina kommen in den letzten Tagen allerlei interessante und merkwürdige Meldungen, die von einer besonderen Rührigkeit der antizionistischen arabischen Kreise zu berichten wissen. Einmal verbreitet der Draht die Nachricht von einem arabischen Protest gegen den Gebrauch von zwei hebräischen Buchstaben auf Briefmarken, dann wird erwähnt, daß die Araber die Absetzung jüdischer Beamter und .das Verbot der jüdischen Flagge verlangen. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß diese Nachrichten den Tatsachen entsprechen, und es ist sicherlich ein ernstes Gebot für die zionistische Organisation und ihre Führer, auf alle Vorgänge in Palästina sorgsam zu achten. Trotzdem aber muß davor gewarnt werden, diesen Einzelmeldungen übertriebene Bedeutung beizulegen. Es ist nur selbstverständlich, daß alle Kreise des Ändes den neuen Mann mit ihren Stimmungen und Postulaten bekannt machen, und es ist nur selbstverständlich, daß der Oberkommissär die Verhältnisse in dem seiner Verwaltung anvertrauten Gebiet genau kennen zu lernen wünscht, ehe er seine ersten Entscheidungen trifft, wobei noch zu bedenken ist, daß der General kaum Einschneidendes ohne Zustimmung der Londoner Regierung verfügen kann. Die Zeitumstände lvären auch für neue Dinge nicht günstig. In dem benachbarten französisch-syrischen Mandatsgebiet herrscht Aufstand, der selbstverständlich auch die lebhafteste Anteilnahme der palästinensischen Araber (soweit sie politisch interessiert sind) erweckt. Transjordanien ist unruhig und Plumer ist im Flugzeug dahin abgereist. Auf der arabischen Halbinsel dauern die Kämpfe der unterschiedlichen Schecks und Stämme um Mekka und Medina ungeschwächt an. Fremde Agenten aus europäischen Ländern, aus der Türkei, aus Sowjetvußland, aus Aegypten und Nordafrika üben ihr brandstfftendes Handwerk im Umherziehen, und es ist klar, daß sich alle diese Intrigen gegen die Machtposition der Kolonialmächte, insbesondere aber gegen England richten. Solche Tendenzen können nicht dazu ermutigen, den bestehenden Zustand durch Neuerungen und unvermittelte Experimente zu erschüttern und darum werden die von den Antizionisten präsentierten Wechsel einstweilen wohl kaum nach Wunsch eingelöst werden können. Auch die wirtschaftlichen Erwägungen sprechen für diese Annahme. Die englische Auslarchspolitik scheint sich in neuerer Zeit ganz auf die Linie der ökonomischen Betrachtung einzustellen. Minister Amen) hat in der Mossuldebatte vor dem Völkerbundrat sehr energisch die These vertreten, daß der Friede nicht durch strategische Mittel, sondern durch wirtschaftliche Arbeit zu erhalten sei, und es ist naheliegend, seine Worte auch auf Palästina anzuwenden, an das er unter den gegebenen Umständen ebenso sich erinnern mußte, wie an die Petroleuminteressen in Mossul. Die wirtschaftliche Bedeutung Palästinas ist heute eine weitaus größere als noch vor fünf Jahren. Das früher in seiner grenzenlosen Armut dahinträumende Land, an dessen Namen sich nur sentimental-gläubige Vorstellungen knüpften, ist dem Weltverkehr angeschlossen worden und rückt in der Reihe der Konfumgebiete immer weiter nach vorne. Das haben, wie jedermann Iveiß, nicht die Araber zuwege gebracht, sondern nur die zionistische Arbeit, die zwischen Erez Israel und dem Okzident immer dichter werdende Verbindungen zieht. Jedes Abweichen von der im Mandat vorgeschriebenen Richtung würde Unrrchewellen erzeugen, die weit über den nächsten Bereich des Landes reichen. Die neuerliche Erklärung Amerys, daß England seine den Zionisten gegenüber aufgenommenen Mandatsverpflichtungen niemals zurückziehen werde, gewinnt deshalb im Zusammenhang mit den aus dem Jerusalemer Zentrum verbreiteten Gerüchten und Berichten besonderes Gewicht. Es wird noch vermehrt durch die Betonung, daß auch Frankreich an der Entwicklung ein starkes Interesse nehme. Palästina ist in die journalistische Mode gekornmen. Das ist erfreulich, urü> wir können nur mit Vergnügen zur Kenntnis nehmen, daß dieses Interesse als ttne der vielen guten Folgen mrserer Arbeit besteht. Wiener Morgerrzeitnng 13. September IE Br. ALT Alles tvas in Palästina geschieht (vielfach auch nicht ge schieht), wird der Welt zur Kenntnis gebracht und rührt an empfindliche Nerven. Deshalb ist bet allem, was berichtet tvird, die höchste Vorsicht in der Beurteilung geboten und jede Nervosität ist von Nachteil. Nicht nur wir sehen auf das allen Juden geheiligte Land und auf feine Entwicklung, sondern auch eine von Mißgunst, Haß und Neid viS zum Fieber geschüttelte Welt. Es würde gar vielen eine große Freude bereiten, wenn die Meldungen über tatsächliche oder angebliche Schritte der aus europäischen Zentren gegängelten arabischen Komitees bei uns Beunruhigung erzeugen würden. Es ,ist dasselbe Spiel wie bei der Universitätseröffnung ' und vor dem Wiener Zionistenkongreß. Da wurde telegraphiert, erfunden, gelogen und entstellt, nur um im .GUMMIMKNTEL- S p 1 e 1 b ä 11 c, Gummischuhe undjfGttmrai» waren aller Art zu Fabrikspreisen! SPIRMANN & HOROWITZ Wien, II. 8er., Taborstrasse Nr. 11 b - Telephon Nr. 47-0-86 Judentum Panik zu erzeugen. Das ist damals miß' lungen und muß auch jetzt ohne Ersolg bleiben. Wir stehen im politischen Wirbel einer aufgeregten Zeit und müssen wissen, daß es in der -Hauptsache nur auf nns ankomntt, auf die Festigkeit unserer Nerven, ans das unerschütterliche Bewußtsein . unseres Rechtes, auf unsere Entschlußkraft und aus unsere Arbeit. merken bie Absichten und werden nicht verstimmt. Der 14* Noniftenkouareß. Herr Obcrwbbmer Dr. Chases führte in rombm Vorträge bei.dem Donnerstag abgehaltenen Masiertmacting in den OlvinpiaMen. über aeffen Verlauf wir ^bereits kbcrichwt haben, föt* genoes aus: «S find erst wenige Tage feit dem Schluß des Kongresses verflossen und schon beginnt sich der Legendenkranz. um ihn zu «bilden. Cs ist ja bekannt, daß die Menschheit, und ganz besonders das Mische Bott, unter L^endenbrldungen feit Jahrtausenden zu leiden hat; und am gefährlichsten sind jene Legenden, denen man es nicht mehr Ansicht, daß sie Legenden sind .und dve schon als Geschichte erscheinen. Da di« Zeit seit dem Abschluß des Kongresses so kurz ist, ist eS uns -noch mägflrch, zu verhindern, daß die Legenden, die sich um ihn gebildet haben, Geschichte «werden und m absehbarer Zeit weit größeren Schaden stiften als sie stiften können, wenn ihnen so rasch als möglich der Charakter der Geschichte genommen wird. Wonn ich mich der undankbaren Aufgabe unte^ivhe, Legenden zu zerstören, so Meine ich, das ich das tun muß, weil ich $tt den wenigen engeren Teilnehmern am Kongresse gehöre, die wohl mit tiefer innerer Anteilnahme, aber mit voller Objektivität die Geschehnisse am Kongresse 'beobachten konnten; ich habe so wenig als möglich au den Kämpfen der Parteien am Kongreß teilgenommen -und glaube daher das Recht zu haben, in voller Ruhe und Nüchternheit die Verhältnisse zu schildern, wie sie sich tatsächlich a bgespielt 'haben. Es sei mir jedoch gestattet, zunächst einige Worte über die Wertung des Kongresses durch die Oeffentlichkeit >$u sagen. Manche, die zum erstell Male einem Kongreß beigeiwohnt.haben, 'haben den Eindruck gewonnen, die Verhandlungen seien ungewöhnlich stürmisch und chaotisch gewesen; eine bedeutende Schweizer Zeitung hat bett sicher unrichtigen, noch sicherer aber geschmacklosen Ausdruck gebraucht, es wäre zuweilen wie in der berühmtell polnischst Schul' zugegangen. Objektive Beobachter dagegen und Menschen, die «häufig Gelegenheit.haben, parlamentarischen Auseinandersetzungen und Kämpfen beizuwohnen, haben eine andere Ansicht gewonnen und cs scheint maßgebend zu sein, swas ein reichsdoutscher Journalist, der offen seine Zugehörigkeit zur deutschnationalen Partei bekannte und auf dem Kongreß als Vertreter einer hervorragenden deutschnationalen Zeitung anwesend tvar, einem hohen FunAionär der österreichischen Regierung gegenüber sagte: cr würde dem deutschen Volke, eine derartige Mille von Talenten und eine solche Menge von ihrer Verantwortung bewachten Menschen wünschen. Wenn jedoch zuweilen m seinen stürmischen Sitzungen der Kongreß aus den an parlamentarische Verhältnisse nicht geioöhnten Zuschauer den oben evwä'hntett Eindruck machen konnte, so darf eines tbicht vergessen t.verden: weit mehr als irgend eine parlamentarische.Körperschaft stand iwqev Kongreß unter dem Druck der Oeffentlichkeit. Nicht um, weil ljvährend der sogenannten intcrcffariteit Sitzungen drei- bis viertausetrd Gaste anwesend waren, von denen die Delegierten nur ein Ndaasftr, ent Zehntel frilbcteu, nicht nur U-eil die Tei'lnalhme der Gäste eine iiberaus intensive war, sondern vornehmlich deswegen, weil die Delegierten mitten unter den Gästen saßen und dadurch der Enrdruck der eigentlichen Arbeiten am Kongreß nicht klar.hervortretcn konnte. Will man einen ruhigen Arbeitskongveß haben, so 'darf matt ihn nicht derartig unter die Pression der Oeffentlichkeit ftefleit. Aber wir bedauern das nicht. Denn es ist für uns keine Schande zu bef ernten, daß vvir diese Pression der Oesfentlichkeit haben und auf die Oeffentlichkeit diese Pression ausüben ntüssert. Wir sind noch nicht so weit, daß wir bei den Verhandlungen unserer obersten Behörde den Ausschluß der Oeffentlichkeit durchführen können. Darin sind wir in derselben Lage wie der Völkerbund, der für ferne .Hauptversammlungett ebenso die breite Oeffentlichkeit braucht. Term wir können noch nicht behaupten die gesamte jüdische und nichtjüdische Oeffentlichkeit verstehe bcrcits das Problem, das wir zu lösen uns bemühen, in seiner ganzen Weite und Tieft. Ebenso wie bei uns vor vierzehn Tagen gibt es jetzt in Genf 300 Vertreter der Presse ans allen Teilen der Erde und Tausende von Gästen. Das ist notig, weil sonst der Kontakt zwischen dem erst tiverdenden Völkerbund und der öffentlichen Meinung der gesamten Welt nicht herznstellen wäre. Aehn'lich wie der Völkerbund kann auch unsere Bewegung noch nicht lagen, daß die Oesftnllichv.'tt über ihre tatsächliche Ausdehnung und tuet «schliche Bedeutung genügend ausgellärt ist. und destovgen ist es nötig, daß wir uns rtoch für einige Zeit unter die PMiou der Oefftnilichkeit stellen und — die Oesfentlichkeit unter unsere Pression. Wer aber die tatsächliche Arbett der an den.Verhandlungen des Kongresses beobachtet hat, muß zugeben, daß das Niveau der Verhandlungen ent sehr hohes war und daß cs vielleicht tvcnige parlamentarische Körpevschaften gibt, die das gleiche Verhandlungsniveau haben wie unser Kongreß. Das zl.veitc Mißverständnis über bett Kongreß kommt darin zum Ausdruck, daß auch vott wohlwollender Seite Bedauern und Enttäuschung darüber geäußert wird, daß cs Gegensätze auf bem Kongreß gegeben habe. -.Wem sagt teils klagend, teils belehrend: „Wir hätten gemeint, die Juden wären einig, toentt es sich darum handelt, ein so großes Werk zu schassen". Darauf ist zu sagen: Die J'udcrr sind einig, -wenigstens die atls bent Kongreß vertretenen bewußten Jndett sind einig, daß es keine größere Aufgabe für das Judentum gibt als den ^sufbätl Palästinas und daß die ganze Kraft des Volkes dazu v-et-tvctddet werden muß, ben A-ttfbau zu beschleunigen. Von keiner Seite des Kongresses i.nar ein anderes Urteil ,511t hören. Wenn os Gegensätze gibt, so ist es in der Frage der M itte t, die augowendet tverdett müssen, um den Aufbau zu vollenden. Daß hier Gegensätze vorhandett sein müssen, ist wohl atiemand in Abrede ztt stellen berechtigt. Nicht nur wir, die ein Volk u nd e i n S taat im Werden sind, sondern Staaten und Völker, die seit Jahrhttndcrteu auf fester Basis stehen, .ntüssett ^gensätze ha'ben, toteim es sich um die letzten Ziele handelt. 'Andere Gegensätze als sic überall bei anderen Völkern vorhanden sind, hat cs bei amS nicht gegeben. Jtt England, dettt Staat und Vott mit Jahrhunderte alter parlaiuetttarischer Schulung uttd Tradition, gibt es gerade jetzt weit größere Gegensätze als sie jemals kt der zionistischen -Botvegung und in irgend einem Kongreß, den letzten cingeschlossen, zum Ausdruck kamett. Die Juden, die nach Erez -Israel rommen und für seinen Aufbau arbeitett, sind orthodox oder sindes nicht, Kapitalisten oder nicht, Sozialdemokraten oder mcht, und dieselben Gegensätze, dieselben Diskufsionen, die itt einer parlametflnrischett Körperschaft zum Atlsdruck kornnten müssen, «.veiltt der Parlametttarisntns tticht tot oder durch irgend welche äußere Einflüsse uttte-rbundeu ist, müssen notwendigerweise auch auf den zionistischen Kongressen;nm Ausdruck kommen, und es ist ein Zeichen des lebendigen Willens des jüdifcheu Volkes, baß diese Diskussionett und Gegensätze zu.m Ausdruck tommetr mußten. Um nun zum eigentlichen Thema zu kommen, ztc zeigen, was Geschichte ist und was Legende über den letzten Kongreß: Es hat auf dem Kongreß eine Krisis gegeben, die in der Oessentlichkeit oft und stark «während des Kongresses und nach dem Kongreß behandelt wurde. ES soll versucht werden, darzusiellen, wie sie tatsächlich vor sich gegangen ist. Es war -bei allen zionistischen Kongressen, im Gegensatz zu der Uebung in den anderen pa-rlatirentarischen Körperschaften, üblich, daß die abtreteude Exekutive ein V e r t r a u e n 'S v 01 u m für ihre zwei - jährige Tätigkeit verlangt. Denn der Kongreß tritt nur einmal itt zwei Jahren zusammen und wählt die Exkutive, die eben nur einmal in 'Mi Jahren Gelegenheit hat, vor ihrem obersten tmb entscheidenden Forum Rechenschaft abznlegen; sie verlangt daun, daß ihr vom Kongreß das Vertrauen votjert, iieziehungstvei-se gesagt wird, daß er ihr das 'Absolutorium für die geleistete Arbeit erteilt. Das ist die Besondeche.it iu der Verfassung des Kongresses im Gegensatz zu allett anderen Parlamenten. So sehr wir geneigt sind, den Kortgreß als Parlament anzufprechen, so unterscheidet er sich jedoch von den anderen Parlamenten eben dadurch, daß er tun einmal in ztvei Jahren zusarnmentritt und -daß die von ihm gewählte Exekutive dis zum dlbschlttß dieser Periode int Amte blei.bt. Sie hat .n-ün das Bedürfnis, nach Abschlatß dieser Periode zu höretr, ob sie ihre Pflicht erfüllt hat. Beim letzten- Kongreß hat ntatt sich benmht, eine A e udernng eintreten zu lassen. Schon auf der Mionskotniteesitztlug, die einen ©toitot vor Kongretzbegintt in London zusammentrat, versuchte man die Exekutive -davott zu überzeugen, daß dieses Absolutorium nicht nötig sei. Denn vom Kongreß -tvird die Exekutive wiedergewählt oder nicht. -Wird sie gewählt, so liegt -darin schon das Absolutorium, mbem der Kongreß ihre geleistete Arbeit anerkennt und ihr tveiter das Vertrauen schenikt. Wird sie nicht gervähü, so wird zum Ausdruck gebracht, daß der Kongreß mit ihrer Arbeit nicht zufrieden ist. Um Reibnu« gett und Stövnngett zu vermeidsrr, tvurde im AktionSkrenttee der Vorschlag gemacht, die Exekutive möge auf das Absolutorium verzichten und sich darauf ibefchräul'eu, gewählt oder nicht gewählt yi werden. Bei dieser Atttonö-- kotnitceslhuttg konnte nicht ftstgestellt werden, wie sich die Exekttiive zu diesem Vorschlag tatsächlich stellen wird. Der bei der letzten Sitzung der Ww-nWmi-teetcMng attingettai

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.