Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2356 (12.9.1925)
- Date
- 1925-09-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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m «MMWMWWMW' Nr. 2356 Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung 12. September 1325 r 3 Ae Mer vom feurigen Asgard und Walhall. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) B e r l i n, 11. September. Die Recherchen irr der Angelegenheit des Geheimbundes haben bisher ergeben, daß dem Orden in Berlin!und auswärts etwa, tausend Mitglieder anaehören. Die in Haft genommenen Deutschamerikaner gehören dem Ku-Klux-Klan an und wollten die in Deutschland gegründete Loge diesem Bund angliedern. Der Zweck des -Ordens wird dahin angegeben, alle deutschen Männer germanischer »Herkunft zu einer Einheit znsammenzu fassen. Der Bluteid, Kit der Novize auf die Hake n k r e n z fa h n c zu leisten hat, lautet, den Bestand des Ordens „ . . . weder an Baker, noch Mutter, noch -Frau, noch Freund zu verraten und den Kampf aufznnehmen gegen den Erbfeind, den Inden und seine Helfer, Frankreich, P o l c «, Gelb e, Schwarze und alle sonstigen farbiger: Völker. Dem Verräter sollen alle Knochen in seinc m Leibe zerbrächen werden und die Raben ihn auffressen." Die Gründung des Bundes ist an: 21. Februar 1925 in Berlin erfolgt. Er zerfällt in fünf Grade. Der höchste heißt Asgard, der allgermanische Name der Wohnung der Götter. Diesem Grad gehörten nur die drei Amerikaner, der Pfarrer Strohschein und sein Sohn sowie der Student G r e y ou. Sie nannten sich die höchsten regierenden ltnd kontrollierenden Mächte. Der vierte Grad heißt Wal ha ll und besteht aus 1-1 Personen. Ihr Borstand ist der deutschvölkischc Reichstagskaudidat Brands einer der Leiter der Berliner Siemens-Merke. Er nannte sich im Orden Wotan. Einige Mitglieder gehörten zugleich de»! Stahlhelm. dem tf l 0 1t t'Verkaatoleller in Wien, Baden, Klosicrnea' bann (den Ludendorsf leitet) und dem B t s m a r ck-duru. Kren»,,^n,teu»a«i>» kiadUnü 5i.?s»en, Bund an Modi«»», Wtldhoien, Wr..Neuitidt ' Bisher wurden 18 Personen verhaftet, von denen acht inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. G r c y ist der Verhaftung durch die Flucht entgangen. Die -beiden 2 t r o h s ch c i n stammen ans Hohenialza und find amerikanische Staatsbürger. Sie wollten jetzt eben iit Schlesien eine Filiale des Ordens gründe^. Selbstverständlich leugnet der amerikanische Ku-Klux- Klan jetzt nach der Aufdeckung des Planes jede Verbindung mit der deutschen Organisation ab. Die Tagung des Berwaltungsrates in Basel. Ans Bafel berichtet I. T. A.: Am 2. o. fand iu Basel unter Teilnahme von 15 Mitgliedern ans Tentschl a n d, E n g l a n ö, F r a u l v c t ä>. P a 1 ä ft i n a und orn Bereinigten Staaten eine Sitzung des Bevwaltuugsrates des I u d a i fl i f ch e n I n st i t n r S .der U n i b c v f il ät Jerusalem statt. Die Arbeitell verliefen in höchst befriedigender Weife in,.) bezeichne» einen bedeutsamen Fortschritt im Aufbau des Institutes. feit und Souveränität in keiner Weife unterstützt haben; doch bin ich fest.davon überzeugt, daß der gesunde Sinn der Nation >das Prinzip vom „Do ut des" veriverfen und, geleitet von ihren uralten Traditionen, den Juden durch die Verfassung der Republik diese Rechte sichern wird, auf welche sie nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und der Demokratie einen Anspruch haben. Ihr Anerbieten, Litauen in seinem Kantpfe um seine Unabhängigkeit zu unterstützen, hat mich besonders gefreut." Diesem Schreiben lag die Abschrift eines Kabeltelegramms des damaligen Vizepräsidenten der litauischen Nationalversammlurig, I. Staugaitis, an Nahmn Sokolow bei, der sich damals in Amerika befand. Das Telegramm enthielt die Versicherung, daß die litauische Nation, die sich ihrer Freiheit erfreut, den Gedanken von sich weise, dem jüdischen Volke, mit dem sic Jahrhunderte hindurch in Eintracht gelebt hat, eine Kränkung zuznfügen. _ Re Ergebnisse der Kongresses für Kindersürsorge. Erfolge der jüdischen Delegationen. Wie 'bereits kurz berichtet wurde, waren auf dem vom Internationalen Verband für Kmderfürsvrge einbeberufenen und vom 24. bis 28. August in Genf stattgehabteu Kongreß für K i n d e r h i I f c auch die I ü d i s ch « We l t h il f s k ou s e re u z und andere jüdische Organisationen verschiedener Länder vertreten. Die jüdischen Delegierten nahmen an allen Kongreßarbeiten regen Anteil und wurden auch in verschiedene Kommissionen geüvä'hlt,!wo. sie besonders in der Frage der Fürsorge sür ausländische Kinder in ihren Wohnländern und bei der Festsetzung der Resolutionen betreffend die Erziehung der Kinder vom Gesichtspunkte des Pazifismus sowie des A ut i s e m i t i s m nt s mit ihren Anträgen durchdrangen. Bezüglich der 'Fürsorge für auEndische Kinder nahm der Kongreß eine vom Delegierten Zwi Aberson fornvulierte Forderung an, daß die Regierungen den in ihren Ländern wohnhaften ausländischen kranken, notleidenden oder verwässerten Kindern diesölben Fürsorgerechte Anerkennen mögen, welche den einheimischen Kindern zugcbilligt werden. Alle bezüglich -der Kindersürsorge abzuschließenden Staatsverträge und Vereinbarungen nrüssen aus dem Grundsatz dieser Gleichberechtigung aufgebaut sein. Der Kongreß erwartet die baldige internationale Lösung der Frage einer modernen Kindersürsorge, verbunden mit der Schaffung eines' inte rnationaleu Fonds für Kindersürsorge, macht es jedoch auch bis dahin den privaten Füvsorgegesellschaften zur Pflicht, den Regierungen dm Weg zur .Herbeiführung einer selbstlosen, ans dem Grundsatz der vollständigen Meichberechtigung basierenden Kindersürsorge zu weisen. Zur Frage der Erzichnng vom Gosichtspiuckte des Völkersriederrs hielt Frau Rosa Aberson ein Refergt über ^Antisemitismus unter der Jugend und seine Gefahr sür den Frieden". Sie -führte u. a. ans: ,Man debattiert viel über die Verantwortung für den Weltkrieg. Uns handelt es sich hier nicht tum die Verantwortlichkeit, an welcher die Diplomaten interessiert 'sind, als vielmehr um die Feststellung der m o r a l ischen Verantwortlichkeit. In dieser Beziehung sind wir' alle schüldtragend, sofern wir nicht jeder in seinent Wirkungskveise gegen das Aufwühlen des konfessionellen, nationalen und Rassenhasses gewirkt haben. Wir siltd auch für den kommenden Krieg verautivortlich, wenn wir gegen die unheilvolle Propaganda dieses Hasses, die jetzt getrieben twird, gleichgültig bleiben. Es gibt Völker, die Minoritäten angehören, welche weder einen Staat noch eine Armee hinter sich haben, die sie beschützen könnten: die Armenier und die Inden. Ich meinerseits bin stolz, einer dieser Minoritäten ohne Armee anzugeihören, aber die Kinder dieser wehrlosen Minoritäten sind ans unseren Schutz in besonderem Maße angewiesen. I n e i n z e l n c n L ä n d c r n v o n O stn n d Mitte l e u r op a i st das jüdische K i n d i n d c r S ch lt l -e d e n s ch l i m m st e n m o r a l i s ch e n Leiden a u s g e s e tz t. Eine Gcschichts- oder Geographiestnnde artet in eine Stunde über Antisemitismus ans nnd wird zu einer Stunde der Erniedrigung £:'?>- das indische Kind. Andererseits dienen die Jnge-ndspielc oft zur Hebung in der Verfolgung des jüdischen Kindes. So wird die Schul« für das jüdische Kind anstatt ein Hans des kinderlichen Frohsinnes zu sein, ein Ort des demütigenden Unbehagens. Der Antisemitismus ist aber auch eine Gefahr sür den Frieden, denn ohne vorangehende moralische Abrüstung ist ein Frieden unmöglich. Der Antisemitismus demoralisiert die Jugend, indem er ihr den H a ß g e g e n die Juden predigt. In der Familie sowohl wie in der Schule, auf der Straße und in der Presse. Die Propaganda für den -Frieden wird durch die unheilvolle antisemitische Propaganda zunichte gemacht. So stellt der AutifomitismuS ein Mvcvwiegeudes Hindernis für den Frieden dar." Die Rednerin schloß mit dem 2lppell an den Kongreß, durch A »nähme des von ihr vorgeschlagenen Amendements zur vorgelegten Resolution -vor aller Welt den Antisemitismus als verwerfliches Frie-denshindcvnis zu stempeln. Dieses vom Kongreß a n geno -nt m e n e Amendement lautet: „In Anbetracht dessen, daß die in einigen Ländern von Ost- und Mitteleuropa die von der Schul- und Universitätsjugend inszenierten antisemitischen Exzesse den Charakter einer chronischen sozialen Krankheit annehmen, welch-- den Haß gegen die Juden in der Familie wie auch in der Schule nnd aus der Straße erregt, sich in antisemitischen Schulbüchern, in judenfeindlichen Jugendfpielen kundgibt, wodurch die Kinder im allgemeinen demoralisiert und für das jüdische Kind eine unerträgliche Atmosphäre geschaffen wird; int Anbetracht ferner, daß der Antisemitismus durch sein Eindringen in alle sozialen Schichten diese demoralisiert und gleichzeitig alle Friedens'bestrebuugen und jede Erziehung vom Gesichtspunkte des Friedens durchkreuzt, somit e i n H i n d e rn i s f n r d i e m o r a l i s ch e A b r ü -st u n g Par excellenee bildet, spricht der Kongreß sotwohl int Interesse des Schutzes des jüdischen Kindes wie auch im Interesse des Friedens den Wunsch aus, -daß in allen Ländern eine energische Propaganda gegen den unheilvollen Einfluß der Propaganda der a n t i s e m i t i s ch e n I nt e r n a t i o u a l e unternommen werde." Der Kongreß beauftragt die Enreanleitnng, an den Schweizer Bundcsrat die Bitte zu richten, dem Völkerbund die vom Kongreß gefaßten Belchlüsse zu unterbreiten. Irr sechste Meffeiag. Gestern hat der Geschäftsgang seinen Höhepunkt erreicht. In allen Atessegebäuden herrschte -lebha-fter Verkehr. ES kann» zahlreiche Abschlüsse zustande. Das starke Interesse hält in allen Branchen -unvermindert -an. Sehr bedeutend ist auch der Erfolg des türkischen Pavillons. Letzte Kurse. New-Bork, II. September. (Tel.-Komp.i BerUu 2U.80, London Kabel 4.81"/,London Scheck 4.80^. Amsterdam 40.19, Paris 4.69. Brüssel 4.40, Roni 4.09. Madrid 14.51. Zürich 19.31. Stockholmk 26.82. Oslo 21.34. Kopenhagen 24.56. Wien 14. Budapest 14, Prag 2.98'/,. Belgrad 1.78',., Athen 1.46, Buenos Aires 40°/,a Rio de Janeiro 18.60 Bukarest 49% R-Iv-Bork, 11. September. <Tel.-Komv.) Weizen rot Winter 161°/,, Wetzen hart Winter 164°/, Mais lll3/* Hafer 47V,. Roggen 99», Ehikagv. 11. Septemder. (Tel.-Komo.) Weizen vei Zuli 150, September 149V, Dezember 153,:/s; Mais ver Zuli 96^/,; September 86% Dezember 89V,; Hafer ver Juli 39'/,, September 42'/,. Dezember 46'/,: Roggen ver Juli 89'/, September 98'/,. Dezember 9S3/*- Grundsätzlich wurde über den Charakter des- I nstilnts 'beschlossen, daß cs eine Anstalt von hohen Gradeiu zur Förderung der Forschung sein soll, ander eine A u s l e -s e v o u Gei e h r t e n und S t n d e n t c u sich gemeinsamer wissenschaftlicher Forschung ividniet. Der Einführung der Jünger in die Methoden der F o rs ch u ng, ihrer Ausbildung' z-u Gelehrten soll die Hauptavbeit des Instituts dienen, hinter - der die an einem größeren Kreis gerichtete-n Vorlesungen zu-! rücktretcn müssen. Den Dozenten soll Gelegenheit zur Verbreitung nnd Veröffentlichung wertvoller.- lv i ss e n s ch a s t l i ch e r U uter s n ch in n g -e n gewährt, c tue Lehrtätigkeit nicht auf-' gezwungen werden. Die Mitglieder des Vevwältnngsrates sollen nach den besten Kräften Umschau halten und sie' für das Institut 311 gewinnen suchen. Je eine Koinmission wurde beauftragt, beit Plan für eine s p r a ch w i s s e n s ch a f t l i ch e und eine >b i b e l w i i| s e n =, s ch af t>l ich e Sektion ausznarbeiten, die eine systematische Durchbildung dieser lebenswichtigen Disiziplinen gelvährleistei^ sollen. Auch die Erforschung des jüdischen Rechtes wird in Aussicht genommen. Bon den Studenten wird erwartet^ daß sie das Reifezeugnis und die erforderliche hebräische V 0 r b i -ld nn g besitzen. Gelegenheit zum! wissenjschaftliche-n Aufstieg ijst reichlich vorihanden, -cvnch einige j Stipendien sind eingerichtet. Für das kommende Studienjahr sind einige B c r it f U n-, «gen engan-gen, die Verhandlungen find jedock) noch nicht völlig abgeschlossen.' Die Professoren Klein nnd Epstein sinid^ dauernd gewonnen, Josef Klausner hat eine Berufung für> die ne-uhebräische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts cm-' .genommen. Lehranfträgl haben unter anderen die Herren H.j M. S eg all (Oxford), Assaf und Scho l c nt (Jerusale-m)^ angenommen. Präs. Davidson (Ne-W-Aork) wird rm ftf***^ menlden FriWahr .Vorlesungen hail-ten. Seipel Mer Wnismus. Dr. Seipel, der jetzt in Bologna am Kongvest der katholischen UiniverisitätSlchrer ieilnimmt — der frühere Bundeskanzler ist, wie bekannt, Pvofessor sür Morältheolagie an der Wiener Universität —, gewährte einem Vertreter des Mlailärtder Blattes „Ambvosiano" ein Jn^ tevoie.lv, in welchem er u. a. auch auf den Zionismus zu sprechen kam. Dabei sprach er als Vertreter der österreichischen Christlichsozialen, indem er erklärte, die zionistische Bewegung swevde Volt den österreichischelt ChvilM-chsozialen ohne Feindseligkeiten, aber natürlich auch ohne E n t h n s i a s m u s verfolgt. Die österreichischen Ehristlichsozialen betrachten es nicht als ihre Aufgabe, eine Lösung für die heiligen Stätten zu finden. In dieser Beziehung gebührt donr Heiligon Stuht jede Entscheidung. Aulählich des zivnistischell Kongresses 'habe das Verhalten der christlichsozialeir Partei es ermöglicht, daß er vor sich gehen konnte, ohne daß die österveichrsche Bevölkerung daran teilgenomnten hätte (?) itwb ohne daß die Juden behelligt worden wäreli. (Da einstlveilen nur eine ziemlich 'unklare Wiedergabe seiner Aeutzernngen vorliegt, wird man den Text abwarten müssen. — Red.) Re „deutschfühlenden Süden". Walter Ecksteins Name mißbraucht. Wir haben am 6. d. einen Maneranschlag eines Ber^, p^ndes nationaldeutscher Juden abgedruckt, in welchem der Zusamutenbrnch des ZioniStuns und des Palästinawerkes zunt so und so vielten Male mitgeteilt wurde. Die Affiche war von den Herren Fred Hörnik-Harden (Wien, 1. Bez./ Börfogasse 14) und cand. rer. pol. Walter Ecksteirt (9. B'ez., Porzellangasse 45) gezeichnet. Herr Ecksteitt sendet uns nun eine Berichtigung ans Grund des ß 23 des Preßgeisetzes? 'deren Aufnahme wir ihm >vevweigern könnten, weil wir ja' seinen Namen dent Plakat entttominen haben. Der cand. r^j «pol. könnte so viel Logik gdlernt haben. Tro^dem drucken seinen Ä^ief ab, weil er ein zur Beurteilung disfer deutsch