Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2355 (11.9.1925)
- Date
- 1925-09-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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m. 2Ö0D Wien, Wiener Modenzeitung 11. September 102o Leite 8 P® m»M^«2«-MESSlN0HÖÖCL ■ A«jkJU»M-P ATE NT-SCHLAFMÖBEL Ml m£ABuft&attt«KIMDERWAGEN > ***A,*£*t-BETlWÄSCHE L| ■»■.JfcM-MATRATZEN zu Fabrlkspraiszn Solide Ausführung f SIQM. EISLER NACHF. JR I WIEN, II. BEZIRK, PRATER STRASSE 49 I Gegründet 1870 _'_Telephon 46-1-40 mir bewußt, daß die Bedingungen des LeptemberaNords von 1924 in Kraft bleiben, falls die diesem Wunsche des Völkerbundrates entsprechenden Verfügungen nicht Gesetzeskraft erlangen sollten. Sodann wurden die Vorschläge vom Völlerbundrat einstimmig angenommen und die Erklärung des österreichischen Bundeskanzlers zur Kenntnis genommen. 'Mit einer Taukrede Tr. Ramels, in der er auch von Dr. Zi'lnmcrman Abschied -nahm, schloß die Ratssitzung. Ile kinwanderungsbelchränkun». Protest des polnischen Zionistischen Zentralkomitees. (Eigeudicust der „Wiener Morgenzeitimg"-) Warschau, 10. Lcpleiuber. Das Zionistische Zeuiralkouütee von Polen IM «sich an die Londoner Zionistische Zentrale mit einer Beschwerde gegen die Erschwerung der Palästinaeinwanlderung für jüdische Mittelständlcr gewendet. Das Zentralkomitee verlangt, dag die Londoner Zentrale bei den maßgebenden Stellen energische Schritte unternimm-:, damit die Einwanderung von Kleinlapitlisten und Hnnl.lern nach Palästina erleichtert werde. Konteren; der volvlschen Rabbiner. (Eigendienst der „Wiener Morgerrzcitnng".) Warschau, 10. September. Im Monat Oktober soll kn Warschau eine Konferenz der Rabbiner Polens stattfinden, in 'der auch die Stellungnahme des orthod-ixen, nichtzionistifchell Judentums zu Palästina besprochen werden soll. Verweigerte kinreise der dalöftinensischen „Mattabi" nach Polen. (Eigendicnst der „Wiener Morgen,zeitnng".) Warschau, 10. September. Dein Sportklub M a k k a b i von Tel -A w i lv, der in Polen eine Turnec 'hätte absolvieren sollen, wurde von der polnischen Regierung die Ein r eise na ch Polen n i cht gesta tie t. Die jüdischen Scjlndeputierten haben heute int Außenminister i um interveniert, um das Verbot rückgängig zn machen. Lberrabbiuer Sr. küajes über de« 14. ziouistenkongreß. Ein zionistisches Massenmeeting. Das Juteresse der jüdischen Bevölkerung Wiens tsür ßen soeben zn Ende gegangenen 14. Zioniftenkongreß, der in den Ma-nern dieser Stadt getagt hat, und die Popularität des Referenten, Ob-errabbiners Dr. Chajes, hatte» dem gestern in den Olyntpiasälen vom Zionistischen Landeskomitee veranstalteten M-eeting eine riesige .Zuhörermeuge gebracht. Der große Saal und seine weiten (Galerien -waren, überfüllt. Die Polizei mußte den Zustrom des Publikums infolge Ueberfüllung des Saales sperren. Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgten die Zuhörer die Darlegungen Dr. Chajes'. Der Redner, dessen Ausführungeil wir noch ausführlich wicdergeben werden, legte dar, daß den vielen Legendert, die sich in der kurzen Zeit bereits über bcu 14. Kongreß zu biCt>cu beginnen, die e-djektive, llüchterne Beurteilung entgegengestellt werden muß; sic ergibt, daß trotz der oft stürmischen Debatten es leine tiefgehenden MeinungSverschiedellheiten auf denk Kongreß und in der Bewegung gibt, da alle Gruppen uub Parteien nur ein .-siel vor Augen sehen: das für die gesäurte Juden-Heit bcdentsame Werk der Schafsttng der jüdischen Heimstätte in Erez -Israel. Die Meinungsverschiedenheiten ibezichetl sich nur ans die M e t h >o d e n, welche für die Erreichung dieses .Zieles anzuwenden sind. Daß biu Meinungsverschiedenheiten dem parlamentarisch nicht geschulten Auge besonders stark vortäuien, ist auch darauf zurückzusühren, daß das zionistische Parlantent, weil es das Parlament eines werdenden Staates ist, genötigt ist, sozusagen unter der P r e s s i o U der Oe s se ntli chke l t zn tagen, tun lviedernm gewissermaßen die Pression auf die Oesseutlichkeit zu haben, die Resonanz durch lveitestgehende Publizität feiner Ziele. In dieser Beziehung ähneln die Kongresse dell Bölkeribundversammluttgeu, die, wie die setzt tagende Vollversammlung in Genf zeigt, ebenfalls der breitesten Oeffentlichkeit nicht entraten können. Auf die Vorgänge ans dem Kongreß übergehend, legte Dr. Chajes dar, idaß bei der Absiimmnng iiber das Absolutorimlt eitle ganze Reihe voll Gruppen, welche die Politik Weizmanns in der Exekutive .billigten, sich der Abstimmung enHieltelt, lvas parlamentarisch eilt Fehler lvar, da die speziellen, sozialen, religiösen oder anderen Forderrulgell der einzelnen Grllppelt durch die rein politisch gefaßte AbsolntoriUmsformel nicht berührt »nivbcu. Woizmann war ans Rücksicht auf seine Verhandlungen ■mit der nichtzionistschen und uichtjüdischen Oeffentlichkeit, die er lveiterznführen hat, berechtigt, aus diesen Stimmenenchaltnngen die Konsi'.nenz zu ziehell, die er ge zöge u hat. Da-lln votierte der Kongreß mit überlvältigender Majorität Weizumln und Sokolow das Vertraue u. Daß der Kongreß, voll dem bisher geiübten Brauch abweichend, Die Mer vom feurigen Kreuz. Der Sehelmbund der völkische» Mörirr. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) B e r l i n, 10. September. Die Berliner Polizeibehörde hat eine neue Ge heimorganisation des nationalen Radikalismus anfgedeckt. Es klingt sonderbar, daß sich diese Gesellschaft, derer! Zweck die Bekämpfung des Indentmns war, in ihrem Aufbau an das sonst als alljüdisch ‘ocvliiftcrtc 'Muster der Freimaurer hielt und den heroischen Romantizismus der Dreiteilung in Dienende, Lernende und Wissende für ihre Ziele in den Dienst stellte. Vielleicht liegt hier ein Erfolg der von dem Hammer Fritsch unter dem Decknaincn Robert Es kan betriebenen Begründung deutscher Logen vor, die das Freimanrsrtnm auf nationale Basis stellen soll. Es lvar auch zn Ostern dieses Jahres ein Aufruf der Hermannssöhne verbreitet lvorden, der in einer dlödsinnig-geschlvollenen Diktion zur Befreiung von dkm „jüdisch-französischen" Orden und nebenbei natürlich zu Spenden für den Autor dieser Broschüre anssorderte. Derlei Borgällge sind nur ans einem politisch und moralisch vollständig nllterwühlten Boden denkbar. Die Vorbereitung lvar dnrch die unterschiedlichen Mörder-vereine besorgt wordell, die teils nach der Ermordung Rathcnaus allfgetöst wurden, teils nach der lächerlichen Geschichte des H i t l e r - P ri t s 6) c s einander in die Haare gerieten und gegen, mit und durcheinander sich bespitzelten. Tie nunmehr erwischte Gesellschaft staild unter dentsch-arnerikairischer Führung. Man legt ihr eine 'Menge unaufgeklärter Verbrechen zur Last. Aber die Protketoren dieser Elemente stehen sehr hoch und es »wird sich im gegebenen Augenblick eine Amuestiö oder ein ähnlicher 'Akt rettend einstellen. Ist doch auch der Redatteur Rothardt, der den Präsidenten E b e r t in dell Tod gejagt hatte, a ui n e st i e r r worden. Nach den bisher' vovliegendleu Meldungen sind Geheimbündler dieser Loge vom feurigen Kren>z in Berlin, in Hamburg, Jona, Dortnumd und Kassel sestgenommen worden. Alls den Berösselltlichnugen, die Gnmbel und Lania Vornahmen, ist ilran über diese ullterirdische Geseltschast, die ihr Uttweselt nnier den Augen der regieren dell Stcllell gallz offen betrieben hat, genügend orierltiert. Neu ist nur, daß die Ausnahnre der Dienenden in den Orden nach einem Rituale erfolgte, *das ganz aus der antrselmiischen Phantasie der Fritsch-Bölki'schen geschöpft ist: Eid auf die schwarz-weiß-rote Fahne mit dem Hakenkreuz, unibedingter K a d a v e r g e h o r s a m, Blutprobe, Bereitschaft znm Mord und so weiter. Es fehlt nichts, was nicht in der sonst so amüsanten Literatur über die Weisen von 'Zion den Inden angelogen wird. Der Schntzpairon dieser Sippschaft soll Henry Ford, der bekannte Friedensschwind'ter und Antomobilkönig ans Detroit sein. Dieser Ford ihat aus der alldeutschen Wissenschaft vout jüdischen Geheimknlt mit großem Geschick ein Buch gemacht, das unter dem 91amen „Der interuationale Jude" bekannt geworden ist. Wegen der Unsinnigkeiten in diesem Buch hat er es später vevlellgnet. Aber er hat seine Theorien iu die Tat umgesetzt und sein Geld ist überall zu verspüren, wo sich die Hokenkreulzterei ant ungniertesten zeigt. Ford steckt hinter allem, was gegen das Ju>dentll!in arbeitet. Er ist nur feige genug, mm er gestellt wird, sich hinter seinen deutschen lJngenemen zu verstecken. Er ist der Typus der anttsemitischen Minderlvertigkeii. Ob -es wahr ist, daß er diese feurigen Krellzritter souteuiert lhat, wird sich noch erweisen. Zn glauben ist es schon. Es ist immerhin ausfällig, da-ß an der Spitze dieser Logen zwei deutsch-amerikanische protestantische Pfarrer namens S 1 r o h schein — Vater und Sohn — standeck. Sic sind in Kopsenau in Oberschlestell verhaftet worden. Weiter sind sestgeikomlllLll worden der amerikanische Stubeut G v c y. der frühere Oberleutnant H il d e b r a nd, ein Dr. H ü b n e r, der frühere Kapitän K l a p p r o th, der auf der Flucht an der holländischen Grenze verhaftet wrirde. Jnsgesantt wurden 18 Personen von der Polizei in Haft g-enommen, von denen jedoch acht wieder freigolassen wurden. Die Sichtung des bcschlagnahrntelt Alaterials hat ergeben, daß enge Beziehllllgeil znüschell den Femeorganisationen und den 'Mitgliedern des Geheimbnndes bestehen, linier den fl« den Fe m c m o r de u beteiligten Personen, die als Mitglieder, Mithelfer oder "Mitwisser in Frage kommen, befinden sich mchrcre, die auch znm Bund des „Feurigen Kreuzes" gehören. Die Uittersnchnng leitet der Berliner Polizeipräsident D r. Friede n b u r g. Er erzählt über den Orden, daß die führenden Amerikaner, die ihn angeblich im Februar dieses Jahres gründeten, bald kaltgestellt wurden. Leiter des Ordens mit dem Titel „Wotan" war dann ein Angestellter der Siemenswerke namens Brandt. Dieser Wotan hat auch einmal politisch eine Rolle gespielt, da er seinerzeit ans einer Liste der Deirtschen Volkspartei als Reichstagskandidat geführt wurde; seither soll er zu der extrem hakcnkreuzlerischeu deutschsozialen Partei ubergetrcten sein. Trebitsch-Lincoln amnestiert. Der deutsche Gerichtshof zum Schutz der Republik hat in nichtöffentlicher Sitzung vom 23. Auguist beschlossen, das Verfahren gegen den „Tagesschriststeller" Trebitsch- Linco-ln, den Hauptmann a. D. Pap st und den Oberst a. D. Bauer einznstellen. Tie Haftbefehle werden a u f g c h o b c u, ebenso die Beschlagnahme der Vermögen aller drei Angefchnldigter. Daß Papst und Bauer, die militärischeil Organisatoren des Kapp-Pntschcs, unter die -sogenannte H iude nbürg- A m n e st i c fallen würden, lvar bereits bekan-nt. Jetzt ist auch Ignaz T r e b i t s ch - L i n c o l n, der „Pressechef" btt Kapp-Regiermlg, j.vieder frei. Tvebitsch, der Bertraueltsmann Bauers, der „rechten Hand Lndelldorsss", ilst gebox ner Nngar, ist in England z nm C h r i st e n t u m ii b e r g e t r e t c n, dort P r i c st e r d e r anglikanischen Kirche ge lvorden und hat es znm Parlaments m i t g l i e d gebracht. Während des Krieges hat er eine v i e l s eilige Spionagetätigleit ausgeübt, so das; er 1916 aus England nach A «t erita flüchte u mußte. Bon den Bereinigten Staaten wurde er lvegen Wechselfäls ch u lt g ausgeliefevt und in Cltgland zu Z u ch t h a n s verurteilt. Trotz dieser beivegten Borgaltgenheit auch in Diensten des „Fieindbn.ltdes" gelang es ihm 1919, Fühlung zu beut s ch e n M v n a r ch i st e n kreise n zn gewinnen und bei der Vorbereitung nnd Dur ch-- führung des Kapp-Putsch es -eine Rolle zn spielen. Mch den: Zusam-menbruch des -kurzen Kapp-Regimes Vevschlvand er und führte eint ebenso bew-egtes Abenteurerleben wie vor dieser Episode. Er tau-chte iu Wie n, Prag, Rom n-nd New-Iork auf, wurde wegen mannigfacher Delikte iu all diesen Städten verhaftet und wieder freigelassen, lvar ein mal schon totgefagt und präsentierte sich zuletzt int New-Gorker ,MoAd" als politischer Ratgeber Wu Pei Fus und Organisator der cngIandfeindlichcu Propaganda in C-Hiua. Jetzt imcht ihm die Amnestie den N Weg zu neuen Taten iu Deutschland frei. Weizmanlt unb Sokolow die Bildung der neuen Exekutive übertrug und die Exekutive nicht selbst «wählte, ist nicht daraus zurückzusühren, daß Weizmann und Sokolow keine Exekutive bilden konnten, da, wie dem Redner, bekamtt ist, keine einzige der Personen, an die -bezüglich Eintrittes in die Exekutive herangetreten wurde, absagte. Der Kongreß hat mit dieser Form, die ein N o v u m lvar, das sich ans der kurzen noch zur Verfügung stehenden Zeit uudzufolge der Abwesenheit Weizmallns ergab, einen in allen Parlamenten selbstverständlichen Brauch geübt. In allen Parla^lenten wird der Ministerpräsident mit der Bildung des Kabinetts betraut und bildet sich fein Kabine-tt selbst. Die beiden oben -erwähntell Umstände 'haben eine ungewöhnliche Situat'ion hrbeigefnhrt, die aber keinc'slvegs schwierig ist, da ^das A k t i o n s k o m i t e e, das ans denselben Parteien zusamntengesetzt ist wie der Kongreß, in ruhig sachlicher Beratung -die Bestätigullg der von Weizmann und Sokolow zusammengesetzten Exekutive vornehmen kann und ivird. Stürutischer Beifall dankte Dr. Chajes für seine Ausführllllgen, die mit lautlofex*, gespannter Aufmerksamkeit angehört wurden. Der Präsident des Landeskomitees, Dr. E h r l i ch, schloß die eindrucksvolle Versammlung mit Worten des Tankes an den Redner, der die so notwelldige Diskussion über den Kongreß, welche das Landeskomitee fortzusetzen gesenkt, in so objektiver > und weitblickender Weise einleitete. I Ser Arlervaragravh. Der österreichische Skivevba-nd, der aut 26. und 27. d. feinen Verbands tag in Linz abhält, beantragt ». a., die Meisterschaften wieder international ausznschreiben und die I n d e n s p e r r e w i e d e r a u f z n h e b e n. Der fünfte Messetag. Der Zustrom der Messeibssucher hat sich gestern »loch verstärkt. In allen Räumlichkeiten gab es lebhafte Belveguug und der Ge-schäftsverkehr hielt sich anhalteud auf beträchtlicher Höhe. Die Zahl der Abs ch liisf e nahm auch gestern wesentlich zu und die tägjliche ANkmist neuer Interessenten, aus dem Anslauid belebt ständig das Geschäft. Letzte Kurse. New-Bork, w. September. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London labet 4,84London Scheck 4.80'/,. Amsterdam 40.20, Paris -.69, Brüssel 4.46, Rom 4.14, Ätadrid 14.23, Zürich 19.83, Stockholm 26.80. Oslo 21,75, Kopenhagen 25.73, Wien 14. wdavest 14. Prag 2.96V<, Belgrad 1.78, Athen 1.47, SuenoS Aires 40°/,,. Rio de Janeiro 18.50. Bukarest 49-/, Nrw-Avrl»» 10. September. lTel.-Komp.) Weizen rot Winter 621/, Wetzen hart Winter 1647.. Mais 111V«. Hafer 487,. loggen 98 7, Ehikagv. 10. September. (Tel.-Komp.) Weizen per Juli 150»/„ September 1497,. Dezember 152»/,; Mais per Juli 96V*? Seprmber 85»/,. Dezember 89; Hafer ver Juli 387',. September Vit, Dezember 457/,; Roggen per Juli 86'/, Seuember 92V,. )e->ember 98.