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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-10 · Heft 2354 (10.9.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2354 (10.9.1925)
Date
1925-09-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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«64 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzettung 10. Septsmiber 1S2Z Seite 8 Der Mette Steiger-Prozeß. >«e Demi«. - Der Gerichtshof. — Ser Steiger-Vrozeb und die „Geheime ukrainische MM1Sror,a»isation.« (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Leurberg, 9. September. Die Vorbereitungen für die Verhandlung gegen den jiidischen Studenten Wladislaw Steiger, welcher vor fast genau einem Jahr, am 3. September 1924, uittcv der Beschuldigung, das Attentat auf den polnischen Staatspräsidenten Wojcicch o w s k i anläßlich dessen Besuches in Lemberg ausgeführt zu haben, in Haft gesetzt wurde, sind nunmehr fast gänzlich beendet. Wegen Inkompetenz des militärischen Standgerichtes, vor welchem die erste Verhandlung gegen Steiger stattsand, wurde der Prozeß dem Geschworncngericht überwiesen. Wie bereits gemeldet, ist die Anklageschrift bereits fertiggestellt und Steiger übergeben worden. Es ist nahezu sicher, daß der Prozeß am 12. Oktober d. I. in einer eigens zu diesem Zwecke eingeschalteten Gerichtssession stattfinden wird. Der Gerichtshof ist bereits bestimmt, es wird der gleiche sein wie bei dem vor kurzem stattgefundenen Prozeß Kornhaber und Konsorten, der, lote bekannt, in engem Zusammenhang mit dem Steiger-Prozeß stand. Vorsitzender wird Landesgerichtsrat Franke sein, als Beisitzer werden die Richter C h l a m t a c z, R i e m c n t o w s f i (als Stellvertreter) und G i e b u l t o w s k i fllngieren. Die Anklage wird der Staatsanwalt S i w u l a k vertreten. Die Geschwornen für den Monat Oktober sind bereits ausgelost. Der Prozeß dürste drei Wochen dauern. Steiger wird von beit Advokaten Dr. Grek und Dr. Landau verteidigt werden, dem Vernehmen nach soll auch Senator Dr. Ringel als dritter Verteidiger fungieren. Die Verteidiger beabsichtigen, wie Ihr Korrespondent erfährt, obwohl die lange Untersuchungshaft von ihren Klienten als sehr drückend empfunden wird und Steiger sowohl wie auch die gesamte jüdische Oeffentlichkeit den Abschluß des Verfahrens schnlichst herbeiwünschen, einen Bertagungsantrag Zu stellen. Dazu ist die Verteidigung durch die vor kurzein der Lembergcr Polizei gelungene Aushebung der „Geheimen ukrainischen MUitärorganisation", einer Terroristengruppe, welche in mehreren Orten Ostgaliziens mehrfach Raubüberfälle und Terrorakte verübt hat, veranlaßt worden. Die Existenz dieser „Geheimen ukrainischen Militärorganisation" war von ukrainischer Seite immer in Abrede gestellt worden, und bei dem jüngst stattgchabten Prozeß gegen Kornhaber und Genossen, bei dem der ukrainische Advokat Hankiewicz als Vertreter des ukrainischen Terroristen P a n c z y s z y n fungierte, der sich der Anklage als Privatbetciligtcr mit Schadenersatzansprüchen wegen der gegen ihn ausgesprochenen Verdächtigung, an dem Lcmberger Attentat beteiligt zn sein, ongcschlossen hatte, war die Existenz der „Geheimen ukrainischen Militärorganisation" gerade von Dr. Hankiewicz energisch in Abrede gestellt lvorden. Die anonymen Briefe, welche zur Zeit des Steiger-Prozesses und auch noch während des Kornhaber-Prozcsses an verschiedene Persönlichkeiten Lembergs und auch an die Redaktion des Lcmberger Tagblattes „Chwila" gesendet worden waren, trugen als Absender stets die „Geheime ukrainische Militärorganisatiou". Tw Anklage rnt Kornhaber-Prozcß hatte behauptet, daß diese anonymen Briefe von dem in diesem Prozeß angeklagtcn ukrainischen Akademiker Mikitin über Initiative des Angeklagten K o r n h a b e r geschrieben worden seien. Da nun jüngst eine Reihe von Angehörigen dieser bisher als legendär gegoltenen „Geheimen ukrainischen Militärorganisation" verhaftet wurden, und die Existenz dieser Terrorgruppe unzweifelhaft festgestellt ist, liegt der Schluß nahe, daß diese Terrororganisation mit dem Attentat auf den Staatspräsidenten in enger B e r b i n d lt n g steht, andererseits, daß der schon durch einen Terrorakt in Warschau belastete und durch verschiedene Indizien auch in der Lcmberger Attentatssachc stark verdächtigte Terrorist Panczyszyn Mitglied dieser eben ausgehobenen Organisation ist. Die Verteidigung Steigers will nun eine Vertagung des Steiger-Prozesses beantragen, bis durch dick Untersnchimg, welche jetzt bezüglich der „Geheimett ukrainischen Militärorganisation" geführt wird, die beiden Fragen, die über die Bcteiligitng der Organisation am Attentat mth über die Zugehörigkeit Panczyszyns zn der Organisation, klargefteilt sind. Ob dem Bertagungsantrag stattgegeven werden wird, hängt natürlich von den Gerichtsbehörden ab. Eine Konferenz ver Minoritäten in Senf. Von Deutschland einbevnfen. - Di: Inden nicht eingelnden. <E>'gendlen.st der „Wiener Morgenzei'i-uug".) Genf, 9. Sepieinber. Vom 16. bis 16. Oktober wird in Gens circe Konferenz der n a t i a n a l e n M inde rfeiten stattfinden, die über Initiative D; ntschla n > s znsarnmentreten wir^d. Zn di.-ser Konferenz wurdet» sämtliche nationale Minderheiten in Europa e mg ela den; an die I u b c n ist jedoch keine Einladung ergangen, tvas die Einberuser damit motivieren, daß die Interessen der jüdischen Minderheiten durch die Z i o n i st i s ch e -O r g auisation genügend geschützt seien. Der wahre Grund ist jedoch, daß die deutschen Faktoren, welche diese Minderheitenkonferenz nach Gens eiuberusen, um damit gegen den V ö l k e r b u tt d Stimmung zn machen, extrem a ntiscmitischcr Couleur sind und überdies auf der Konferenz die Majorität der Deutschen erhalten tvollen, denen für ihre Minderheiten ln den einzelnen Ländern e l f Sitze zugebillrgt stmrden, während die übrigen nationaleil Minderheiten Europas nur je einen B c r t re t e r entsenden sollen. Ser AntisemitrMu« der SowietbehSrden. Jiddisch als Allheilmittel. Aus M o s k a u berichtet I. T. A.: Bekanntlich »vurde t»t Verbindung mit dem Plärr der jüdischen Kolonisation in Rußland im vergangenen Frühjahr eine K o m i ss i o u i,l die von jüdischell Massen bewohnten Distrikte entsandt, die die Aufgabe hatte, die wirtschaftliche u n d k u l t u r e l l e L a g e der I u d e n in den Städten zrr studiererr nnd der Regierung Bericht zn erstatten. Ans dern im Juni erstatteten Bericht der Konrmissiott geht unter anderem auch hervor, daß in vielen Distrikten, insbesondere aber in Podolien, die Juden sehr viel unter dem Antisemitis m u s der Sowjetbehörden zu leiden haben. An vielen Orten wird die jüdische Bevölkerung dirrch die Sowjetbeamten. drangsaliert und durch einen ltugerechtfertigtell S t e u e r d r u ck sowie durch schikanöse S t r a f m a ß n a h m e u wirtschaftlich völlig ruiniert. Appelle der Juden all höhere Distriktsbehörden werden unterschlagen. Alls Anweisllng der Zentralregierung erlies; mm der Rat der Komnlissäre der Provinz Podolien ein Dekret, das allen untergeordneten Stellen zur Danachachtung übermittelt worden ist. In dein Dekret wird erklärt: 1. Die jüdische Bevölkerung der Provinz muß in den Sowjets von Stadt, Dorf und Distrikt mehr als bisher, Ulld zwar im volleil Verhältnis zu ihrer Zahl, vertreten sein. Die Bertrctcr sollen den jüdischen arbeitenden Massen nahestehen. 2. In jedem Sowjet muß sich ein Beamter befinden, der die j i d d i s ch e S p rache beherrscht, damit der Sowjet mit der jüdischen Bevölkertmg in deren Muttersprache verkehren kalln. 3. Alle amtlichen Dekrete sollen außer in den offiziellen Sprachen auch in j i d d i s ch veröffentlicht werden. 1. In dem Personal der Stcuerämter muß ein radikaler Wechsel eintreten, es sollen Steuereinnehmer angcstellt, werden, die mit der Lage der jüdischell Bevölkerung vertraut und mit derselben in der Muttersprache (jiddisch) verkehre,! fönnen. 5. Im Falle unberechtigter Drangsalierung der jüdischen Bevölkerung werden die Beamten zur B e r a n t w o r t u n g gezogen werden. (Uebcr die wirtschaftlichen. Schikanen ist ill dem Dekret, das besonderen Wert auf den Gebrauch deS Iiddischell legt, fein Wort enthalten; damit ist sein einziger Zweck, nämlich „guten Eindruck" zn machen, klar. Die Red.) Militär dringt in eine jüdische Versammlung zu Mew ein. Moskau, 8. September. (I. T. A.) Aus Anlaß des erstell Jahrestages der Gründling der K o m m i s s i v n f ü r jüdische L a n d a n sied l u n g in Rußland (Conizet) wurde in Kiew eine B e r s a m lll l u n g abgehalten, die sehr stark besucht »vor. Während der Diskllssiollen drang eine Abteilung S o l d a t c n in den Bcrsanlmlttngssaal ein und v e r hast e t e mehrere Personen, die im Verdacht standen, daß sie die z i o n i st i s ch e Bewegung unterstützen. Es entstand eine P a n i k. Auf die strikte Forderung des Präsidenten der Versammlung wurden die Perhafteterl wieder ans f v e i e n F u ß gesetzt. Der Führer des Militärtrupps gab als Grund für die Verhaftungen all, er sei insorluiert lvorden, daß es sich um eine illegale Kundgebung der Zionisten handle. Das Warenhaus Beige' I., Hohcmfaufengasse 10, TeKNn «90 liefert Tai 170 hl Sinn ohne Preisaufschläge auf lullimillliliy undohneAnzahlung: Herrenu. Damenbekleidung, fertig und nach Mass, Pelze, Schuhe, Wäsche, Modewaren etc. 6 Monate Kredit! Keine Agenten! 300 Keine Inkassanten! ■MHmanaMHanGRaranii Sie Moffulfrase. Die Türkei verlangt Volksabstimmung. Genf, 9. September. (Schweiz. Tep.-Ag.) Tie unter der Leitung des türkischen Ministers Tewfik Rn sch di B e i stehende türkische Delegation hat dem Gcneralsekretariat des Völkerbundes ein M e m o r a n d u m überreicht, wonin auf die Ansführnn-gen des britischen Kolonralministers Amery vom 4. d. erwidert wird. Das Memorandum besteht darauf, daß das Gebiet von Mosiul zur Türkei gehöre und schlägt dem Völkerbund vor, ill dieser Gegend eine V o l k s a b st i m m u n g zn veranstalten. Da die Bevölkerung dieses Gebietes von Mossul zum großen Tml aus Analphabeten besteht, schlägt das Menlvrondum vor, daß man jedem Stimmberechtigten zwei Stimmzettel übergebe: auf dein einer, soll die türkische, auf denr anderen die britische Rationalflagge abgebildet sein. Die Abstimmenden hätten dann entweder die türkische oder die britische Nationalflagge in die Urne zn werfen. Aegypten. Wieder eine Kabinettskrise. Kairo, 9. September. Infolge der Absetzung des Ministers A b d e l A s sis Fah in y hat der Vollzugsausschuß der liberalen V e r f a s s u n g s p a r t e i cinstimmig ein Vectra u e n s v o t u m für diesen angcnommell und erklärt, daß die gegen ihr, ergriffenen Maßnahmen verfassungswidrig seien. Es wllrde weiters beschlossen, die beiden noch im Kabinett verbliebenen liberalen M i n i st e r, Tewfik Bei Dos;, RUnister für Landwirtschaft, und Mvhamcd Bei Ali, Minister für fromme Stiftungen, a bzu berufen, da die liberale Partei nicht länger mit denr gegenwärtigen Kabinett Zusammenarbeiten könne. Beide Minister sind infolge dieses Beschlusses zurückg e t r e t e n. Wahrscheinliche Reuwahlen in der Achechoilowatei. Prag, 9. September. (Tschech.-slow. Preßbur.) Tie „Prager Presse" meldet: Unter dem Gesichtspunkte der W a h.r s ch e i n l i ch k e i t vorzeitiger N e n- Wahlen für das Abgeordnetenhaus illid der Möglichkeit einer gleichzeitigen Auflösung beider K a ul in e r n, die auch N e u w a h l e n i it den Senat zur Folge hätten, wurde heute im Salon des Senatspräsidenten D o n a t eine Beratung abgehalteu, in der der Standpunkt vertreten wurde, daß die Ansetzung der Neuwahlen in die Abgeordnetenkammer um einige Wochen früher keine Unregelmäßigkeit bedeuten würde. Es »vurde einstimmig der Beschluß gefaßt, diesen Standpunkt sowohl denl Präsidenten der Republik »vie auch an maßgebender Regierungsstelle vorzutragen. * Jom Kippur ein gesetzlicher Feiertag in Tunesien.^ ± ranMsche ProtoktMat-srogver-nng in Tunis hat, wie I. T. A. berichtet, auif Echuchen der Iivden holt Tn ne sie n s ein iDokve-t erlassen, saut welchen! der südiische Bersöhmmgstag (Ioin Krppur) als ein gesetzlicher Feiertag zu gelten habe. Sämtliche Banken und andeire Handels nsitünte, ckbeuso die Börse, werden an diesem Tage geschlossen sein. Handelsgeschäfte dürfen an die,sein -rage nicht abgeschlossen werden. — Ein ähnliches Gesetz ist bereits in S») r i e'n in Geltu ng. Letzte Kurse. New-Aork,9 September (Tel.-Komp.» Berlin 20.80, London Kabel 4.84V.. London Scheck 4.80'V,«. Amsterdam 40.19 Parts 4.7011 Brüssel 4.46. Rom 4.19'/... Madrid 14.20 Zürich 19.31, Stockholm 26.81. Oslo 22.27. Kopenhagen 25.08. Wien 14. Budapest 14, Prag 2.98»,.. Belgrad 178, Athen 147, Buenos Aires 40V,. Rio de Janeiro 13.60. Bukarest 49V< New-Bork, 9. September. (Tel.-Komp.) Weizen rot Winter 167'/,, Weizen hart Winter 168»/,. Mais 111»/«. Hafer 49, Roggen 101. Ehikogo 9. Sevtenrber. (Lel.-Komp.- Wetzen ver Juli 154»/„ September i5J35/s Dezember 1575/s; Mais ver Juli 97V«; September 87V, Dezember 91: Hafer per Ina 39»/3, September 4*2*/«, Dezember 48V« Roggen ver Zult 91 September 9os/«, Dernnber 100'/- ’_ Die zionistisch» Beslrkssektlon Leopoldsfadt veranstaltet während der hohen Feiertage ein f'JQ mit vo4öglichem ftH ia den Sälen des CentraMCellers, II., Taborstrafte ft __ r t a n von 2 Schillin? aufwärts ini CentraWKsUer, II., Taboistraflc 8, Josef Singer, l!l|lllllll|l|||!l!llllllllllll|illl!l!lllll!llllllllllllll!llll!llllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!lllllllllll|||l|||||||||||lllll|||UlllllllllllllllllllllllllllllllliiS^illlllllllllllill Brüder sefriffmenn, II.,Trim*!« a.imSeWonshelm,II.,Zirkusgasse33 ethaus-Anzeige i Mt.:

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