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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-10 · Heft 2354 (10.9.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2354 (10.9.1925)
Date
1925-09-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gerte S Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitung 10. September 1W> ZionistiMhes Landeskomitee fttr Oesterreich Donnarstag MattOnmOOtinfl OlymplasSle 10. September, 8 Uhr abends ■ III Imwlll 1^9 1 Bezirk» Rotgasse 8.7»."«: °P."Ä über den XIV. Zionistenkongress der Bank von England, Mr. Norman, über die Bankpolitik, ja, über Details, wie zum Beispiel Kostdeviscu und Ermäßigung des Zinsfußes, sehr genau berichten mußten. Daß Dr. Reisch und nicht ein Vertrauensmann Englands österreichischer Notenbankpräsident werden durfte, war ein Akt-politischer Courtoisie für das erste Sanierungskabinett, dem man so gewisse parlamentarische Schwierigkeiten aus dem Weg räumen wollte. An der Form der Kontrolle .scheint den Engländern nicht allzu viel gelegen zu sein; sie halten nicht am Generalkommissariat fest, aber sie verlangen die viel wirksamere Beaufsichtigung der staatlichen Gebahrung durch die Nationalbank. Hier ist ihnen die österreichische Regierung bereits auf halbem Wege entgegengekommen. Der gesanrte staatliche Kassendienst wird geinäß einer Regierungsverordnung von nun ab von der Nationalbank besorgt. Auf Grund der ihnen nach dem Normalbudget zustehenden Monatsvoranschläge können die staatlichen Aemter Gelder bei der Nationalbank abheben, aber nicht einen Groschen nrehr, als ihnen budgetmäßig gebührt. Auch die Staatseinnahmen fließen über die Postsparkasse bei der Nationalbank ein, und hier kann also täglich und stündlich die gesamte staatliche Gebahrung überprüft und kontrolliert werden. Der Berater oder ein anderes Vertrauensorgan der Gläubiger könnte also bei der Notenbank — und dies scheint der Wunsch der Engländer zu sein — die Einhaltung der Ziffern des Normalbudgets überwachen. Die Vertagung der Kontrollfrage auf das Jahresende ist kein Unglück. Auch wenn die Kontrolle sofort und gänzlich aufgehoben worden wäre, hätte der verarmte österreichische Staat seinen Angestellten kaum mehr zahlen können als jetzt, er hätte sich nicht in kostspielige Investitionen und Meliorationen einlassen können, da die Steuerkraft der Bevölkerung weitere Belastungen nicht verträgt, und irgend welche Anleihen, da der Staat nichts mehr zu verpfänden hat, kaum zu erlangen wären. In den letzten Monaten ist die Kontrolle durch das Generalkommisiariat ohnehin kaum fühlbar gewesen, seit August ist sie noch weiter eingeschränkt worden, und Dr. Zimmerman hat sich mehr als freundschaftlicher Berater und Warner, denn als ein auf die buchstäbliche Einhaltung aller Beschränkungen erpichter Kontrolleur erwiesen. Vielleicht hätte ein stärkerer Mann als Dr. Ramek, dem nicht so viele Prügel in der eigenen Partei vor die Füße geworfen werden, den Mut zur Unpopularität gehabt, und die von den Engländern vorgeschlagene Kontrolle durch die Nationalbank akzeptiert. Es wird ihm und Dr. Ahrer aber schließlich nichts anderes übrig bleiben, als, unter Beanspruchung des Ruhmestitels, Kämpfer für die staatsfinanzielle Unabhängigkeit Oesterreichs gewesen zu sein, von den Parteien des Nationalrates neue Vollmachten für die Dezembertagung des Völkerbundes einruholen. Bis dahin wird die unsichtbare Kontrolle wirksam sein. _ Dreiste Forderungen der Araber. (Ei.gendien.st der „Wiener Morgenzeikmg") Jerusalem, 8. September. Oberkommiffär Lord Plumer hat gleich nach Uebernahme seines Amtes und Entgegennahme der Berichte der einzelnen Ressortchefs mit dem Studium der von den einzelnen politischen und religösen Gruppen unterbreiteten Denkschriften, welche deren Wünsche und Beschwerden enthalten, begonnen. Entsprechend der von den arabischen Nationalisten für die nächste Zeit beschlossenen Taktik richtete die arabisch-palä st inen fische Exekutive in ihrem Memorandum an Lord Plumer die konkrete Forderung, die Juden von den h ö h e r e n A m t s st e l l e n, soferne sie noch solche bekleiden, insbesondere jedoch aus dem Einwanderung samt, zu entfernen. Die arabische nationale Presse ist bezüglich der Erfüllung ihrer Wünsche sehr optimistisch; das Organ der arabischen Exekutive „F e l e st i n" will sogar wissen, daß Obcrkommissär Lord Plumer entschlossen sei, den Stadtrat von Tel-Awiw seiner autonomen, munizipalen Rechte, hauptsächlich aber des Rechtes auf eigene Polizei, zu entkleiden und auch andere Institutionen der Stadt aufzuheben. Ler Krieg in Marotto. Paris, 9. September. Die gestern in der Bucht von A l h u c e m a s gelandeten spanischen Truppen haben in der Richtung auf Adjir einen vom Feinde Nicht besonders gestörten Vormarsch angetreten. Laut dem amtlichen Bericht haben die Spaniex feste Stellungen bezogen. Ihre Verluste betragen 50 Mann. Hingegen berichten die englischen Blätter auf Grund von Telegramnien aus Fes und Tanger, daß die Rifleute in wütenden Gegenangriffen den Spaniern außerordentlich k Ä w e r e Verluste beigcbracht haben. Ae „Kitter des feurigen Kreuzer". Sin deutscher Ku-Klux-Klan. Berlin, 9. September. Wolfs.) In Berlin «ist, wie das „8 Uhr Abendblatt" meldet, von der Polizei eine g eheime Organisation aufgedeckt Wochen, die sich in Anlehnung an die Formen und Gebräuche des Ku-Klux- Klan in den Vereinigten Staaten unter Führung von gebürtigen Bollblutamcrikmern und zwei Deutschamerikanern gebildet hat. Die Mitglieder der Organisation nennen sich „Ritter des feurigen Kreuzes". Als Zweck der Organisation wird eine überparteiliche Zusarumenschlicßuirg von Männern bezeichnet, die entschlossen sind, die Freiheit des Vaterlandes zu erkänrpsen und unter der Bekämpfung des Judentums Deutschland von den sogenannten Schädlingen zu befreien. Die Organisation stehe in Beziehungen zu «Mitgliedern des Frontbanners und des Wikingbundes. Die Mitglieder der Organisation müssen unbedingten Gehorsam schwören und den Eid leisten, daß sie einen marte r v o l l e n T o d auf sich nehmen, falls sie Verrat üben. Die Vereidigung soll nach Angaben von Angehörigen der Organisation aus eine schwarz-weiß-rote Fahne mit dem Hakenkreuz, rrach Mitteilungen anderer Beteiligter auch auf die amerikanische Fahne erfolgt sein. Heute vormittags sind eine Reihe von Hausdurchsuchungen und vorläufigen Festnahmen durchgesührt worden, wobei umfangreiches Material beschlagnahmt wurde. Soweit sich bisher übersehen laßt, erstreckt sich der Kreis dieser wegen Gcheimbündelei Verdächtigen auf etwa 1000 Personen. Wie zur Aufdeckung des Ordens des „Feurigen Kreuzes" noch bekannt wird, setzte sich diese Geheimorganisation in erster Linie aus Mitgliedern völkischer Organisationen, Dar Werk des Völkerbundes. THEBUTra nnm JIAUIKQL TOömar taw TOiur Die Berichte in der Plenarversammlung. Genf, 9. September. (Schtvoiz. Dep.-Ag.) Die heutige Voermittagssitzung der Völkerbundversammlung, die der Aussprache über das Werk des Völkerbundes im abgelaufenen Jahre galt, begegnete allgemein dem größten Interesse. Die Tribünen wiesen starke Besetzung auf. Die Tagesordnung lautete: Bericht an die 6. Dölkerbundversammlung über das Werk des Rates, über die Arbeiten des Sekretariats und über die Maßnahmen, die zur Durchführung der Beschlüsse der Völkerbundversammlung getroffen worden sind. . Nach einer Reihe von Nachrufen, unter denen die Gedenkrede, welche Lord Robert Cecil den verstorbenen Premierministern Branting und Viviani hielt, großen Eindruck machte, nähnr die Versammlung die Tagesordnung in Angriff. Der erste dänische Delegierte Zahle trat in warmen Worten für den Bericht des Rates ein, wobei er >da und dort Worte der Kritik fand. Er stellte fest, daß der Völkerbund aus dem Stadium der Träume in die Welt der realen harten Tatsachen hinausgetreten sei und daß die Massen der Völker ihm steigendes Interesse entgegenbringen. Zur allgemeinen Frage übergehend, betonte der Redner, daß es nicht so wichtig sei, nachträglich über die Schuld am Kriege zu diskutieren, als vielmehr alle Mittel zu erörtern, um neue K r i e g e z u v e r h i n d e r n. Er erinnerte in diostm Zusammenhang an eine Resolution der interparlamentarischen Union sowie an die zwischen den skandinavischen Staaten und der Schwciz abgeschlossene Konvention über die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit. Zum Schluffe gab Zahle unter lebhaftem Beifall seine»! unerschütterlichen Vertrauen in das Friedenswerk des Völkerbundes Ausdruck. Das Institut für neistige Zusammermrbett. Nachmittags ' hielt der Bollerbundrat unier dem Vorsitze Briand s eine öffentliche Sitzung ab. Briand referierte über die Ärbeiten des internationalen Komitees für intellektuelle Zusammenarbeit, Das Dipektionskomitee des Institutes wuhde dom Rat endgültig aus, dem Sßfö[ijb*tUea deS DtzrwMngSwdetz dzSMW, sowie unter anderem der deutschsozialen Partei, zusammen. Maßgebende Führer, besonders die drei geflohenen amerikanischen Mitbegründer, konnten noch nicht dingfest gemacht werden. Die Gründung der Organisation reicht in das Jahr 1923 zurück. Als damals eine Reihe völkischer Organisationen aufgelöst wurde, haben sich ihre Führer zur Begründung eines Geheimbundes zusaminengetan, der „die Befreiung Deutschlands vom äußeren Feinde und von Fremdstämmigen" anstrebte. Einem gewiffen Klapproth lag die Gründung der Ortsgruppen ob. Außer ihm waren in Berlin noch Oberleutnant z. D. Hildenbrand und Dr. Hübner tätig, die eine mehr untergeordnete Rolle spielten. Die Ritter des feurigen Kreuzes traten in Berlin mit drei Amerikanern in Verbindung, die in der amerikanischen Ku-.Klux-Klan-Bewegung eine Rolle spielten und auch sonst einen nicht unerheblichen Einfluß besitzen. Die genannte Organisation war an dem Küstriner Putsch nicht unbeteiligt. Der damalige Leiter des Küstriner Unternehmens, Major B u ch r u ck e r, gehörte dem feurigen Kreuz an. Es ist als sicher anzunehmen, daß die Mordtaten, die im Anschluß an den mißglückten Küstriner Putsch verübt wurden, von Mitgliedern des Ordens ausgesührt worden sind. Man nimmt an, daß die Ermordung des Leutnants Sand, der in Döberitz als Leiche aufgesunden wurde, von dieser völkischen Feme verübt wurde. Der oben genannte Kapitän Klapproth wurde gerade verhaftet, als er im Begriffe stand, im Auto über die holländische Grenze zu entfliehen. Bei Klapproth wurde wichtiges Material beschlagnahmt. aus Despre's (Belgien), Lorentz (Holland), Gilbert Murray «Großbritannien), D e R e y n o ld (Schivei-z) und Ruffini (Italien) zusarnnrengesetzt. Die Arbeiten der Kommissionen. Die vierte KöMmisst on («Budget undFinau^u) tagte heute unter dem Vorsitze ihres Präsidenten Costa (Portugal). Sie bestellst: drei Unterkommisst o n e >n, nämlich:-1. für rückständige Beiträge; 2. für den Bau eines Konferenzsaales und 3. für die Verteilung der Aufgajbivn. Zum Berichterstatter wurde iCavoszoni (Jtalieu) gewählt. Den Bericht der Kontrollkommission für das abgelaufene Jahr erstattete Osusky (Tschechoslowakei), der feststellte, daß es das erstemal sei, daß die Kommission mit den F i n a n z e n Ä e 's Völkerbundrates zufrieden sei. Dieses Jahr fei das Budget auch g<ringer als im vorigen Jahve. Das Wirtschaftskomitee des Völkerbundes hat den Entwurf zu einem internationalen Ueb er ei »kommen über die Abschaffung der Ein- und Ausfuhrverbote und .der Ein- und Ausfuhrbeschränkungen ausgearbeitet. Es wird die Abhaltung einer internationalen Konferenz zur Besprechung dieser Fragen beantragt/ Ar Vorbereitungen zur Konferenz mit Leatlchlaub. Genf, 9. September. Nachdem Painleve, Briand und Chambcrlain in A-ix-les-Bains eine Aussprache mit dem dort weilenden englischen Premierminister Bald Win geihabt habest, haben sie in Genls abermals mit Vandervelde über den Standpunkt der Alliierten hinsichtlich des Sicherheitspaktes konferiert, wobei nunmehr eine volle Uebereinstimmung erzielt wurde. Nunmehr steht der Weg zu den Verhandlungen mit Deutschland offen. Zwei getrennte Konferenzen% Gens, 9. September. (Tel.-Komp.) Wie man erfährt, hat jetzt Chamberlain, nachdem er mit dem Chef der britischen Dominions Fühlung genornmen hat, Briand und Vandervelde mitgeteilt. England könne an keiner Konferenz 1 e i l n e h m e n» auf der das Sicherheitspröblem für die deutsche O st g r e n z e erörtert wird. Zu Pressevertretern äußerte sich der englische Außenminister, die britische Zu ständig teilt auf den: europäischen Festlande erstrecke sich nicht weiter als bis z u m R h e i n. Infolgedessen dürfte sich die Nottvendigkeit ergeben, die Sicherheitspaktsrage auf zwei getrennten Konferenzen zu verhandel». Dem Vorschlag Englands, diese beiden Konferenzen gleichzeitig und am gleichen Ort äbzuhalten.steht Frankreich ablehnend gegenüber.

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